unlogisch

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Habt Ihr heute Morgen auch dieses ungewohnte Sirren gehört, als Ihr das Fenster aufgemacht habt? Wenn man ganz aufmerksam gelauscht hat, dann war es leise, aber deutlich hörbar. Zuerst dachte ich an Zugvögel, aber dann öffnete ich meinen Browser und es war klar: Das war das deutschlandweite Gewimmer all jener Typen, die jeden Tag immer und überall Fleisch essen können wollen und nun wie ein Kleinkind in der Süßwarenabteilung merken mussten, dass nicht immer alle nach ihrer Pfeife tanzen. Seitdem liegen sie also auf dem Boden herum und plärren allen die Ohren voll, weil sie kein Überraschungsei … -fleisch haben dürfen.

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Das fing schon letzte Woche mit der recht mutigen Entscheidung von Hubert Grundler an. Jetzt fragen sich viele „who the f… is Hubert Grundler?!“. Hubert Grundler engagiert sich beim Verein Umwelthaus Kassel und dieser Verein hat zusammen mit dem Gartenamt Kassel entschlossen, dass das diesjährige Fest zum Tag der Erde auf den Verkauf von Fleisch verzichten wird. Und auch wenn das jetzt revolutionär anmutet, so ist diese Entscheidung einfach nur konsequent:

Der Tag der Erde ist keine in Kassel geborene Idee, sondern wurde bereits 1969 in San Francisco ersonnen und ist ein international begangener Aktionstag mit dem Ziel, die Wertschätzung für die natürliche Umwelt zu stärken und das Konsumverhalten zu überdenken. Die Initiatoren des Kasseler Festes haben nun anhand einer Besucherbefragung aus dem letzten Jahr errechnet, dass das Anbieten von Fleischprodukten einen zusätzlichen Ausstoß von 10 Tonnen CO2-Äquivalent verursachen würde. Das entspricht dem Klimaschaden, den man mit 4,5 Erdumrundungen >> Weiterlesen

Was ist das da am Himmel??? Ist es ein Vogel? Ein Flugzeug? Nein, es ist unser Ernährungsminister! Aber was ist denn mit seinem Kopf los, er steckt ja bis zu den Schultern in irgendwas drin! So tu doch irgendjemand was! Ach, jetzt erkenne ich es – Entwarnung – das ist einfach nur der Hintern der Fleischindustrie. Welch schönes Naturschauspiel… Immer zu Jahresende fliegen die Lobbyisten gen Süden, um dort ihr Nest für die Zeit nach ihrer politischen Karriere zu bauen.

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Es ist schon schräg. Ausgerechnet in einer Zeit wirklich ernster Probleme parkt die CSU primär Lösungen in ihrem Parteiprogramm, zu denen es gar kein Problem gibt. Christian Schmidt ist Landwirtschafts- und Ernährungsminister, und da gibt es wirklich viel zu tun. Das millionenfache Leid der Kreaturen, Klimawandel, multiresistene Erreger, EU-Klagen gegen Deutschland wegen Gülle, undurchsichtige Subventionen, adipöse Kinder und und und. Aber bei all diesen Punkten setzt man gerne auf Freiwilligkeit, wie Schmidt immer wieder betont.

Diese Dinge scheinen nicht wichtig genug zu sein für echte Maßnahmen. Aber jetzt hat Schmidt ein paar Missstände zur Chefsache erklärt, die wirklich dramatische Folgen haben, wenn sich ihnen nicht der Mann mit dem flexibelsten Rückgrat der Nordhalbkugel annimmt: In Kitas soll nämlich wieder mehr Schweinefleisch >> Weiterlesen

Oh je, so viel Text? Keine Sorge, wer zu wenig Zeit hat, der kann nach dem siebten Absatz die Abkürzung nehmen und bekommt dennoch alles relevante mit. Die lange Version ist natürlich trotzdem ungleich fluffiger :)

Vorsicht!!! Alnatura hat Bio-Eier für 2,99 Eur im Angebot!

Bio Eier

Würdet Ihr nach so einer Nachricht Bio-Eier von Alnatura kaufen wollen? Und die Veganer enthalten sich bitte der Antwort. ;) Ich zumindest nicht, würde ich Eier essen. Klingt ja so, als wären die Alnatura-Bio-Eier stark mit Dioxin belastet. Die Angst ist aber unbegründet, ich habe die Meldung frei erfunden – gegen den Konsum der Eier sprechen genügend andere Punkte, aber was das Dioxin angeht sind diese etwas unpraktischen Eigelb-Transportboxen wohl über meine fingierten Zweifel erhaben.

Was wäre also passiert, wenn ich die Meldung oben einfach rausgegeben hätte? Vermutlich hätten recht bald ein paar Leser nachgefragt, woher ich denn wisse, dass die Bio-Eier bei Alnatura voller Dioxin sind. Und hätte ich dann im weiteren Verlauf gemerkt, dass es gar keinen konkreten Anhaltspunkt für meinen Verdacht gibt und Alnatura selbst in den Facebook-Kommentaren einen recht glaubhaften Beleg für meinen Irrtum hinterlassen hätte, dann hätte ich wohl früher oder später eingeräumt, einen Fehler gemacht zu haben. Das ist als Autor immer ein bisschen peinlich, lässt sich aber nicht vermeiden, Menschen machen nun mal Fehler.

Vollkommen absurd wäre es hingegen gewesen, wenn ich krampfhaft bei meiner Version geblieben wäre, allen Kritikern meiner Version vorgeworfen hätte, Trolle oder Anhänger von Alnatura zu sein, deren Kommentare gelöscht / sie geblockt hätte um dann alle meine Leser für dumm und undankbar zu erklären, weil ich das hier ja alles ohne Bezahlung mache. Und außerdem ja auch noch Kinder hätte. Und dann im Stundentakt damit gedroht hätte, meine Recherche in Zukunft einzustellen, wenn die Leute es denn wagten, mich zu kritisieren. Nur um dann genau so weiter zu machen wie bisher.

Schlimme Vorstellung, oder? Nun, genau dieses moderne Web 2.0-Märchen spielt sich gerade bei den Netzfrauen ab. Es ging dort nur nicht um Dioxin in Eiern sondern um >> Weiterlesen

Oh Mann, echt jetzt, schon wieder? Ich wollte da eigentlich gar nichts zu schreiben, denn wir hatten diesen ganzen Unsinn ja letztes Jahr schon, als die halbe Fleisch-Republik spontan ihr Mitleid für eine ihr bis dato mit Namen unbekannte Pflanzenart bekundete und mit diesem zuhauf Vegetarier-Foren fluteten. Leider hat der Praktikant in charge bei Focus Online die Nacht durchgesoffen und daher in Ermangelung einer echten Story einfach genau den gleichen Bockmist von der Huffington Post abgeschrieben, ihn sinnloserweise mit “Für alle Veganer:” adressiert und allen Ernstes Online-Speicherplatz mit dem Untertitel “Bäume und Gemüse leben in Todesangst” verschwendet. Und den teilen jetzt die Genießer von Kantinen-Schnitzel für Eur 2,99 und schicken mir vor Häme triefende PNs zu. Familiäre Pflanzengruft

Ach je… Ich meine, auch noch ausgerechnet der Focus! Hat mal jemand in letzter Zeit beobachtet, was eine peinliche Clickbait-Strategie die Focus-Facebook-Präsenz aktuell verfolgt? Da erscheinen nur für sich selbst null informierende Links, dessen Aufmachung stark an heftig.co erinnern, da der User nur bei entsprechendem Klick die vermeintlich bahnbrechende Neuigkeit erfährt. „Ihr werdet nicht glauben, wie diese Frau vorher aussah! Sie hat 400 (!) Kilo abgenommen“, „Dieser Schüler […] macht […] eine spektakuläre Entdeckung“, “Die Maut-Lüge: Politiker packt aus – darum könnten alle Deutschen draufzahlen” und ähnlicher Quatsch. Und von da bezieht ihr eure Argumentation?

Abgeschrieben hat der Focus sein Veganer-Bashing von der >> Weiterlesen

Was genau hat Spiegel TV da eigentlich versucht?

Eine investigative Komödie? Einen beschwipsten Ratgeber? Die Wurst zum Sonntag? Das wusste am Ende wohl nicht mal mehr die Redaktion selbst so ganz genau. Vor der Ausstrahlung hatte man noch mit vor Stolz geschwellter Brust mit den rhetorischen Säbeln gerasselt und ohne jeden Irony-Smiley oder irgendein anderes erkennbares Zeichen von Ironie verkündet, man sichere die Spiegel TV-Facebook-Seite vor der Ausstrahlung von „die essgestörte Republik“ schon mal gegen den veganen Shitstorm ab. Welcher unterzuckerte Praktikant auch immer den Social Media Bereich unter Kontrolle hatte, war das selbst für eine RTL-Sendung nach allen denkbaren Maßstäben platt. Über Rudolf Augsteins Grab war laut Zeugenaussagen ein deutliches Vibrieren zu spüren.

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Der Shitstorm blieb jedenfalls aus, der Beitrag erntete zwar viel bestimmte, aber sachliche Kritik. Und die kam nicht nur von Veganern, was nicht weiter verwunderlich war, machte sich der Titel eben auch ganz pauschal über Menschen mit Essstörung lustig. Einer der moralischen Tiefpunkte aller Berichte, über die ich bislang etwas geschrieben habe. Vielleicht kann der Autor ja mal eine Klinik für Menschen mit psychischen Erkrankungen (nicht anderes sind die meisten Essstörungen) aufsuchen und sich dann überlegen, ob man ausgerechnet solche Leute verarschen sollte, die es sowieso schon echt schwer haben. Am Ende lag man ungefähr bei gerade mal 800 Likes und 400 Kommentaren, Operation „Wir züchten uns einen Shitstorm, damit sich auch jemand unsere Sendung anschaut“ war erst mal in die Hose gegangen. Es hieß dann schnell, dass es sich hier um eine Polemik handele: “Wir wollten einen unterhaltsamen Film machen.” Also alles nur Spaß, bitte nicht zu ernst nehmen.

Zunächst machte es den Anschein, als wenn Alexander Neubacher uns mit seinem (tatsächlich mit ironischen Abschnitten durchzogenen) Werk eigentlich zeigen wollte, dass es mittlerweile ganze Bibliotheken voll von Gesundheitsratschlägen und Menü-Tipps zu ewiger Jugend und Glückseligkeit gibt, die nicht alle ausnahmslos das Prädikat „empfehlenswert“ verdient hätten. Eigentlich ein hehres Anliegen, nur leider im Ergebnis genauso hirnlos wie >> Weiterlesen

Kann nicht mal jemand ‘ne Petition starten, damit diese “I fucking love science”-Tante ihre Seite umbenennen muss in “I fucking love Science as long as it supports my world view. Which is not science anymore.”?

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Nachdem sich hier in Deutschland in der ersten Hälfte/2014 unheimlich viele Leute darüber freuten, dass bei der Getreideernte Tiere sterben, und in diesem Sinne unterirdisch recherchierten Artikeln zu hoher Bekanntheit verholfen hatten, geht das ganze jetzt in UK los. „Esst Fleisch aus Weidehaltung! Für die Tiere!“ lautet das Mantra der Menschen, vollkommen unabhängig davon, wie viel Fleisch aus Weidehaltung denn nun auf ihrem Teller landet. In unzähligen Diskussionen gaben die hiesigen lautstarken Verfechter der Alternative zum Millionenfachen Mäusemord dann aber doch kleinlaut zu, dass sie nicht ausschließlich Rindfleisch aus Weidehaltung essen.

Wie auch – einem Rinderbraten in der Kantine sieht man nun mal nicht ab, ob die Ex-Kuh Gras oder nur Silage zu fressen bekam. Ferner gibt es in selbiger Kantine noch viel mehr Gerichte aus Schweine-, Hühner-, Puten- oder Fischfleisch, deren Ursprungs-Kreaturen mit Weidehaltung nicht viel am Hut haben. Zumindest nicht, um satt zu werden, weswegen man für die Fütterung dieser Tiere eben Felder mit Getreide und Soja bestellt und mit modernen Erntemaschinen aberntet. Gemessen daran und der Tatsache, dass laut mehreren weisen Druiden auch Fleischesser ab und zu Brot und andere Getreideprodukte verzehren sollen, fällt die Bilanz in puncto Tierleid für eine Mischkost wohl trotz Weidehaltung schlecht aus.

Es scheint den Verfechtern auch nicht aufzufallen, dass tote Wildtiere keine notwendige Bedingung für Getreide sind. Tote Schweine für ein Schnitzel aber schon. Und während Menschen >> Weiterlesen

Bernd ist mal wieder aus der Nervenheilanstalt ausgebrochen und darf jetzt 3 Nächte in meinem Keller übernachten – als Gegenleistung wird eine Figur seines sicherlich mega-erfolgreichen Vampir-Tanzchoreografie-Kochshow-Thrillers nach mir benannt. Anstatt sich seinem Drehbuch zu widmen kommentiert er aber ständig nur mein Frühstück – ich befürchte, das wird gar nichts fiktives sondern so ein Doku-Hate-Format „Ich hasse es, wenn Jan isst“ oder „Ich hasse Jans Essen“. Wir überlegen, die Leine doch wieder etwas kürzer zu machen, wenn er schläft. Sein neuester Geniestreich, um sich selbst mein geradezu skandalöses Konsum-Verhalten zu erklären, ist, dass ich einfach unter Geschmacksverirrung leide. Sein missbilligender Blick schießt förmlich Blitze auf meine Wheaty-Wurst, während er mit irritierender Kopfstimme die geschmacklichen Vorzüge einer echten Salami preist und die Hände zum Gebet gefaltet hat.

Kein GaghHmmm, stimmt das am Ende? Sind meine Geschmacksknospen in einem spontanen Anfall von Neuronen-Verknotung falsch gepolt und nur deswegen esse ich gerne Lackritz-Suppe mit Ingwer–Pesto aus meinem “Scheiß auf die Gewürze, Hauptsache vegan!”-Kochbuch? Es gibt ja nicht wenige Haarpflege-Produkte, die sich der Knoten-Eliminierung rühmen – evtl. kippe ich mir jetzt abends was davon ins Ohr oder gurgle das Zeug ein bisschen, damit mein Geschmackssinn wieder korrekt einrastet. Ich bin ja schon sooo gespannt, wie dann alles schmecken mag! Ich dachte nämlich eigentlich ganz naiv, ich wüsste es noch. Ist zugegeben schon ein Weilchen her, aber so Sachen wie Fahrrad fahren und Wurst essen verlernt man ja nicht. Ich bilde mir zumindest ein, >> Weiterlesen

Jaja, die Nepalesen sind schon ganz harte Sucker… erklärte man mir gestern. Ziemlich verrückte, abergläubische Wilde, die vollkommen grundlos ziemlich viele Tiere enthaupten wollen *sigh*. Es ist ja auch echt nicht möglich, eine Petition gegen solche in der Tat fragwürdige Aktionen zu starten, ohne dass ein paar denkfaule Internet-Parasiten die Zielrichtung der Petition von “Für die Tiere” in “Gegen Nepalesen” uminterpretieren.

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Diese Gadhimai-Nummer liest sich in der Tat nicht wie die tollste Idee seit Erfindung der Gegensprechanlage: Vor 260 Jahren träumte irgendein Typ in einem fernöstlichen Gefängnis von einem Blutopfer. Und nach seiner Entlassung bedankte sich dieser Ex-Knacki dann bei seiner Göttin für die offenbar geleistete Unterstützung, indem er irgendein wehrloses Tier dafür abmurkste.

Und weil das bei diesem Heini scheinbar ganz toll funktioniert hat, rennen in der Region Jahr für Jahr die Menschen zusammen, um noch viel mehr Tiere abzumurksen. Im Jahr 2014 geschätzte 500.000 Tiere. Wie auch sonst sollte man sich beim Schöpfer bedanken, wenn nicht, indem man einen Teil seiner Schöpfung zerstört?! “Hey Gott, danke für die Du-kommst-aus-dem-Gefängnis-frei-Karte, die war super-praktisch! Zum Zeichen meiner Dankbarkeit habe ich mehrere der von Dir erschaffenen Tiere über den Haufen geballert und ein paar Wälder angezündet. Ich hab Dich nämlich echt lieb und hoffe, dass die Aschewolken von da oben hübsch aussehen”. *KRAWUMM* (Meine Theorie: Immer wenn es donnert macht Gott einen Facepalm).

Klingt das absurd hoch neun? Aber hallo… Trotzdem wirkt es auf mich einen Ticken heuchlerisch, wenn sich überzeugte Fleischesser (Michael, der Mann in der Kommentarspalte, nannte sich selber so) über diese ganze Geschichte ungebremst echauffieren. Ja, 500.000 Tiere auf einen Schlag, das sind ganz schön viele. Und die Vorstellung, dass die meisten dieser Tiere enthauptet werdenvon vom Blutopfer berauschten Jungs, ist ziemlich ekelhaft. Wenn die nicht alle über die Axt-Skills von Gimli >> Weiterlesen

Diese Tage regen sich ja nicht wenig Leute darüber auf, dass unter dem Label “Gutfleisch” verkaufte Kadaver ihrem Namen offenbar nicht all zu viel Ehre machen. Wer hätte das gedacht: Das an 12.000 Filialen gelieferte Fleisch stammt nicht ausnahmslos von idyllischen Alm-Wirtschaften. Leben die Hühner von Wiesenhof am Ende auch nicht auf von Wiesen umgebenen Höfen?

Anyway… ein guter Zeitpunkt, ein Schmankerl der Werbekunst aus den Tiefen des Internets zu bergen – ich konnte leider nicht herausfinden, wann dieses Kleinod an Marketing-Kompetenz das Licht der Welt erblickte. Aufgrund der Bildqualität und dem damals noch unverhohlenen Fremdenhass tippe ich mal auf die 80er:

Aber selbst dafür – war der Regisseur permanent auf Crack oder was? 20 wertvolle Sende-Sekunden lang guckt man der Oma bei ihrer geradezu meditativen Schnitzel-panier-Session zu. Wenn dann die Enkelin in die Küche gerannt kommt, stehen immer noch nur Schnitzel auf dem Tisch. Das kocht die regelmäßig für ihre Enkelin? 8 Schnitzel ohne alles?

Ok, aber die Enkelin steht auch echt auf die Dinger, vergisst kurzzeitig sogar >> Weiterlesen