Oatly Volume II, oder: Was kümmert mich mein törichtes Geschwätz von gestern?

Unerwartet: Nur kurze Zeit nach meinem Text zum Blackstone-Deal von Oatly fühlte ich mich ein bisschen so, als wäre ich auf eine Medienkampagne reingefallen und hätte mich in einem Text verrannt, den ich heute nicht mehr so schreiben würde. Je länger ich über die ganze Sache nachdenke, desto eher will ich meinem 12 Tage jüngeren Selbst widersprechen, das vorletzte Woche noch formulierte: „Beziehungsstatus zu Oatly: Es ist kompliziert.“

Nein, ich möchte natürlich immer noch keine Menschen auf ihren politischen Abwegen unterstützen. Allerdings kommt mir die Idee, meine Hafermilchkäufe hätten eine Auswirkung auf eine US-Präsidentschaftswahl, zunehmend absurd vor. Ich finde die ganze Erzählung „Investmentfirma beteiligt sich an Hafermilchhersteller“ → „Investmentfirma gehört Steve“ → „Steve ist ein alter Kumpel von Donald“ → „Die Hafermilch ist jetzt Pro-Donald“ in der Rückschau schlimm unterkomplex.

Erstens ist es nicht so, dass all der Profit von Blackstone in der Tasche des Geschäftsführers landet, da sollen ja auch noch ein paar andere Menschen arbeiten. Ein weiteres Mitglied des engsten Führungskreises ist z. B. Hamilton James, ebenfalls Milliardär, der vor acht Jahren beim Beschaffen von 2 Millionen US-Dollar für die Wiederwahl von Barack Obama geholfen hat. Und auch das sagt wenig aus, denn wir haben keinen Schimmer, ob die restlichen 3.000 Blackstone-Angestellten ihre Jahresboni für güldene Shrimpscocktails oder politische Kampagnen verjubeln.

Ich weiß weder, was Natalie Portman mit ihren Oatly-Gewinnen anstellt, noch was Jay-Z, Oprah oder der ehemalige Starbucks-CEO Howard Schultz damit machen. Spendete Schultz was für die Kampagne für Joe Biden, weil er

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Was der Blackstone-Deal von Oatly bedeutet

War Euer erster Gedanke, als Ihr vom Deal zwischen Oatly und Blackstone gelesen habt, auch „verdammt, aber die schäumt doch so schön!“? Ja, meiner auch.

Für alle, die es nicht mitbekommen haben: Seit Juli 2020 ist die Blackstone Group (Wikipedia-Link, um eine Verwechslung mit BlackRock auszuschließen) an Oatly beteiligt. Das hat seltsamerweise über Wochen hin kaum Wellen geschlagen, vielleicht einfach sommerlochbedingt, aber spätestens letzte Woche war der Ärger vieler Oatly-Konsument:innen heraufbeschworen, so dass das Unternehmen noch mal offiziell Stellung dazu bezog.

[Dieser Text erschien bereits letzten Freitag auf meiner Facebook-Präsenz. Es sollte eigentlich nur eine ganz kurze Einordnung werden, wurde aber während der Recherche immer größer, so dass ich im Nachhinein entschieden habe, dass er für einen reinen Social-Meda-Post zu schade ist. Außerdem ist gerade Teil 2 in Arbeit, der ohne Teil 1 etwas hilflos in der Luft hängt.]

Blackstone ist halt nicht irgendein Investor, sondern eine der weltweit größten Investmentfirmen unter der Leitung eines recht bekannten Großspenders der US-Republikaner, der bislang 3,7 Millionen US-Dollar für die Wiederwahl des orangefarbenen Versagers im Weißen Haus gespendet hat – sorry, ich kann den Namen einfach nicht ausschreiben, ich ekele mich davor und muss mich danach zwanghaft drei Stunden lang duschen. Entsprechend ungern möchte ich, dass mein Geld auch nur in der Nähe solcher Vorhaben landet.

Was bei dieser Berichterstattung dennoch etwas verzerrt wird: Das ist für besagten Großspender Stephen Schwarzman nicht wirklich viel Geld, denn sein Vermögen wurde jüngst auf 18,5 Milliarden US-Dollar oder 18.500 Millionen US-Dollar geschätzt. In den letzten Jahren hat er 150 Millionen US-Dollar an die Yale University gespendet, 350 Millionen US-Dollar an das MIT und 150 Millionen britische Pfund an die University of Oxford. Seine Feier zum 70. Geburtstag hat so um die 8 Millionen US-Dollar gekostet.

Seine größte politische Unterstützung ging im

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Warum ihr euch auch dann vor dem Coronavirus schützen müsst, wenn ihr jung und gesund seid.

„Na und? Da sterben doch nur Alte und Kranke dran, ich mache weiter Party.“

Ja, Malte, famous last words. Sorry an alle, die keine Texte über dieses verblödete Virus mehr lesen können, aber es sind nach wie vor einige Meinungen im Umlauf, die in diesen Zeiten einfach nur gefährlich sind. Wenn ihr jetzt denkt, Vegan-Blogger, bleib bei deinem Tofu, geht das für mich okay. Wenn ihr aber nicht im Thema seid, wenn ihr glaubt, im NDR-Corona-Podcast ginge es um Bierempfehlungen, und behauptet, ihr wäret einfach besonders mutig, weil ihr jeden Abend in dicht gefüllten Kneipen rumhängt, dann lest bitte weiter.

Ich kann selbst gar nicht so richtig fassen, wie schnell alles ging von „Da ist so eine Krankheit in China ausgebrochen“ über „Ein paar Leute in Italien haben sich angesteckt“ zu „Wir schließen in Deutschland alle Schulen und Kneipen“. Es ist irgendwie unwirklich, einerseits zu wissen, wie dringend jetzt die Ausbreitung verlangsamt werden muss und andererseits zu sehen, wie Familien bei Vogelgezwitscher durch die ersten schönen Tage des Jahres schlendern. Manchmal ertappe ich mich dann selbst beim Gedanken, die Maßnahmen seien übertrieben.

Ja, ein Fehler, aber ich habe mich zwei Minuten später wieder im Griff, während sich einige meiner Landsleute offenbar permanent diesem Trugschluss hingeben. Die Wiesbadener Innenstadt sah gestern aus, als sei das Ziel der Schulschließungen, den Umsatz im Einzelhandel anzukurbeln. Im McDonald’s bildeten sich lange Schlangen, große Gruppen waren zum Shoppen verabredet und ein recht altes Ehepaar drängelte sich mit einem Dutzend anderer Menschen am Service-Counter der Karstadt-Filiale, um irgendeinen Plunder in zweistelligem Eurowert umzutauschen. Menschen, die mit Liegestuhl und Sonnenbrille in mutmaßlichem Tschernobyl-Fallout chillen, handeln nicht viel

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