Über den peinlichen Unsinn, den ein selbsternannter „Experte“ über E-Autos schreibt, und wie FOCUS Online ihn veröffentlicht

Als ich ein kleiner Junge war, hat meine Oma immer gesagt: „Jan, wenn FOCUS Online eine reißerische Schlagzeile benutzt, darin von einem ominösen „Experten“ redet und darüber auch noch „Dieser Inhalt wird bereitgestellt* von Mopo“ geschrieben steht, dann glaub diesen miesen Lügnern nicht ein Wort. Und jetzt iss Deine Haferflocken“. Hach, was war meine Oma für eine weise Frau. Damit will ich natürlich nicht sagen, der FOCUS verbreite Lügen, ich zitiere lediglich meine Oma.

Zudem bedeutet das Sternchen neben „bereitgestellt“, dass der Text nicht mal vom FOCUS stammt, sondern in diesem Fall von der Hamburger Morgenpost, einem norddeutschen, lokalen Rumpelportal, dessen Seriosität ich ganz subjektiv irgendwo zwischen der BILD und der Gala einordnen würde. Eine entsprechende Suche im Bildblog ergibt 11 Seiten erhellende Suchergebnisse. Der FOCUS stellt direkt im Text auch schon klar: „Es gibt keine redaktionelle Prüfung durch FOCUS Online. Kontakt zum Verantwortlichen hier.“, und wer auf „hier“ klickt, landet einfach im Impressum der Mopo. Ich frage also beim Chefredakteur der Mopo gerne mal nach, wer sich denn stattdessen um die redaktionelle Prüfung gekümmert hat, aber erwartet nicht allzu viel.

Geschrieben hat diesen Artikel nämlich kein gewöhnlicher Mopo-Autor, sondern Prof. Dr.-Ing. Prof. h.c. Jörg Wellnitz von der technischen Hochschule Ingolstadt. Dieser hat in der Vergangenheit diverse Forschungsprojekte zu Wasserstoff- und Benzinantrieben durchgeführt, Wasserstofftanks mitentwickelt und mit den Partnern Audi und BMW ein Forschungsprojekt zur Leichtbauweise für zukünftige Autogenerationen durchgeführt. Es könnte also sein, dass dieser Mann aufgrund seiner Karriere und der wirtschaftlichen Interessen in Bezug auf Antriebstechnologien nicht so ganz unbefangen ist – bei Mopo und FOCUS wird der Leser darüber komplett im Unklaren gelassen. Professor Wellnitz ist zudem bereits im Januar mit sehr kritischen Beiträgen zur E-Mobilität in den eher unbekannten Portalen „Autohaus“ und „Ingolstadt-Today“ aufgefallen, dennoch wird er vom FOCUS einfach nur „Experte“ genannt. Seine Ausführungen zu E-Autos wecken aber erhebliche Zweifel, ob er diese Bezeichnung wirklich verdient, sein

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Autofasten 2019 – Tag 1

So, ich habe es zwar nicht so mit der Kirche, aber dieses Jahr mache ich trotzdem beim Fasten mit. Ich esse bis Ostern GAR KEIN FLEISCH! Da kann man schon mal klatschen, oder? Was? Wieso zählt das nicht, wenn man ohnehin schon vegan lebt? Wer stellt denn diese blöden Regeln auf, bitte? Na gut, na gut. Dann mache ich es anders:

Ich verzichte bis Ostern komplett auf die Frage „Du lebst vegan, aber Du hast ein Auto?“ und ersetze sie durch „Du machst Carsharing? Aber woher nimmst Du dann Deine Proteine?“ Unsere Autoschlüssel haben drei weitere  Personen und ich bei book-n-drive abgegeben, dafür darf ich kostenlos den Wiesbadener ÖPNV nutzen und habe ein Kontingent für deren Autoflotte bekommen.

Klingt irgendwie fast schon zu einfach, oder? Ich werde aber jetzt nicht einfach für jeden Weg ein Leihauto nehmen, sondern in den kommenden Wochen diese Fragen erörtern:

– Wie viel Hafermilch passt in einen Fahrradkorb?
– Wie kulant reagiert der Kundendienst darauf, wenn meine Tochter Schokoladeneis auf den Sitzen verschmiert?
– Kann ich auf diesem Weg genauso spontan sein wie mit einem Auto vor der Tür?
– Ist das auch eine Alternative für Urlaubsfahrten oder Kundenbesuche?
– Wo und wie kann ich hier ein Wasserstoffauto auftanken?
– Halten mich die Nachbarn für einen unmännlichen Körnerfresser, wenn ich in einem Kleinwagen vorfahre und gleichzeitig Good Charlotte aus den Lautsprechern dröhnt? Sollte ich deswegen das Auto oder den Radiosender wechseln? Und sollte mich das überhaupt interessieren?

Ich schreibe jetzt freiwillige an für die Klärung der Frage „Wie viele Veganer passen in einen Smart“.

Und ja, wer ohnehin schon auf ein Auto verzichtet, hat von ganz alleine mehr Applaus verdient als ich, ist ja logisch. Ich habe mich da jetzt trotzdem für beworben, weil in der Diskussion um Autobesitz oft gesagt wird, dass ein autoloses Leben für kinderlose Studenten und Hipster in Berlin bestimmt kein Problem sei, dass aber total krasse Business-Fuzzies, Eltern und Menschen, die irgendwas in der Provinz erledigen müssen, ohne eigenes Auto spontane Selbstentzündungen erleiden werden und deswegen gar nicht ohne leben können.

Nun habe ich Kinder, bin so ein halb-krasser Businessfuzzie mit Fahrtzielen im Ländlichen und würde daher gerne auch für diese Zielgruppe mal prüfen, ob das mit den Selbstentzündungen noch so aktuell ist  Und nein, ich bekomme dafür kein Geld, kann hier also ganz frei berichten, wenn irgendwas gut oder weniger gut funktioniert.

Tag 1:

Letzte Woche habe ich also meinen Autoschlüssel vertrauensvoll an book-n-drive ausgehändigt und dann bravourös drei Tage lang hart autogefastet. Ohne Mist, das war so hart, nur mit ganz viel Willenskraft, Meditation und vier Packungen Lucky Strike habe ich das durchgehalten. Ganz schön vorbildlich, was? Na gut, ich gebe es zu, ich brauchte gar keins. Doch dann kam der Samstag, Kind 2.0 wollte von einer Freundin in Limbach abgeholt werden und der Kühlschrank wirkte trist und leer.

Limbach liegt 22 Kilometer vor den Toren von Wiesbaden in der Nähe von Hünstetten und ist meiner RMV-App (die Öffis im Rhein-Main-Gebiet) weitestgehend unbekannt – sie schlägt mir unentwegt vor, in eine Gemeinde gleichen Namens in der Nähe von Kaiserslautern zu fahren, so dass ich mir als ungefähre Näherung den Weg nach Hünstetten berechnen lasse: Mit dem Bus wären wir 1,5 Stunden unterwegs, ein Auto muss her.

Der Book-n-Drive-Pool bietet am Samstagvormittag nicht ganz so viel Auswahl wie zum Rest der Woche, die Idee samstags einzukaufen scheinen auch andere zu haben. Ich finde dennoch recht schnell einen Opel Astra Kombi in 10 Minuten Entfernung, in den mutmaßlich meine Freundin, die Kinder und die Einkäufe reinpassen. Einige werden das jetzt lesen, hörbar einatmen und sagen „10 Minuten?? Voll lang!“, wir wohnen aber seit 1,5 Jahren in der Emser Straße, der Weg zum nächsten Parkplatz ist dort selten kürzer als das.

Der Wagen steht in einem Hinterhof auf einem festen Platz, ist sauberer als mein eigenes Auto und die Bluetooth-Kopplung funktioniert, ich freue mich. Ein Glück, der erste Ring – eine der Hauptverkehrsstraßen durch die Stadt – ist ohne laute Musik als Ablenkung kaum zu ertragen, weil komplett verstopft. Kurze Zeit später sind wir also unterwegs nach Limbach, bedeutet Freundin, Kind 1.0, Kind 3.0 und ich. Kind 3.0 benutzt die Sitzerhöhung, die in allen Book-n-Drive-Wagen vorhanden ist und hat natürlich irgendwas bröseliges zu Essen mitgenommen. Kindermägen haben offenbar so einen Sensor verbaut, der „HUNGER!“ schreit, sobald er das Gefühl hat, sich in einem Auto zu befinden. „Leni, bitte krümel nicht alles voll, sonst muss ich die Reinigung bezahlen und dafür den Fernseher verkaufen.“ Leni wägt ab und entscheidet sich für den Fernseher.

Wir gabeln also Kind 2.0 in Limbach auf, das verbaute Navi hatte gleich kapiert, das wir nicht nach Kaiserslautern wollen. Wieso quatscht das eigentlich immer zuverlässig dann, wenn gerade ein Gitarrensolo kommt? Eine Funktion, die die Sprachausgabe am den Musikgeschmack des Fahrers ausrichtet, ist bestimmt eine riesige Marktlücke. Auf dem Rückweg kaufen wir genug vegane Pestosoße ein, um damit eine Zombieapokalypse zu überstehen:

Der Kofferraum ist nur halb voll, weil ich die Basics schon unter der Woche gekauft hatte. Die Kinder dürfen sich was aussuchen, Niko und Ella bekommen eine Flasche Limo und Leni wählt eine Laugenstange. Ich versäume es, erneut den Verkauf des Fernsehers in Aussicht zu stellen, nach kurzer Zeit ergießt sich das abgepulte Salz auf den Rücksitz.

Jetzt kommt der stressigste Teil: Zuhause einen Parkplatz zum Ausladen finden. Es ist nach 14:00 Uhr, das bedeutet, dass sich die Westendbewohner bereits im Verpuppungszustand befinden: So wie Raupen zu festgelegten Zeiten einen Kokon bilden, fahren Autobesitzer im Westend nach 17 Uhr nicht mehr weg (am Wochenende nach 14 Uhr), da sie sonst keinen Parkplatz mehr finden. Abends noch mal mit dem Auto ins Kino? Lieber nicht, wo soll man dann noch parken? Das Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung liegt in der Luft, wenn samstagnachmittags eine Art Reise nach Jerusalem mit Autos gespielt wird, deren Verlierer alle an den Düreranlagen parken oder sich recht bescheuert auf Busspuren, Fuß- oder Radwegen niederlassen.

Essen und Kinder sind verstaut, es geht zurück zum Parkplatz. Benötigte Minuten für die Parkplatzsuche: 0 (in Worten: Null).

Ich überlege kurz, wie entspannt wohl festgelegt Ladezonen in der Stadt wären, auf denen Lieferdienste, Wochenendeinkäufer und Postautos 10 Minuten halten dürften und denke an mein Auto, das 23,5 Stunden am Tag mehrere Quadratmeter Straßenfläche blockiert.

 

 

Autofasten 2019, bislang keine große Umstellung, außer, dass ich mit sauberem Auto unterwegs bin. Die Krümel habe ich vor der Abgabe rausgefegt!“ 

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Na, immer noch nicht genug? Dir gefällt der Artikel wohl und Du würdest gerne mehr solcher Texte hier sehen, was? Du denkst, der Autor dürfte ruhig mal weniger faulenzen und mehr in die Tasten hauen? Du hast die richtige Einstellung!

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Nein, beim Veganismus geht es nicht um Sünde und Scham, lieber Nils Binnberg

Dinge, die ich mit Fleischessern gemeinsam habe: Wenn mir jemand sagt, Vegansein erscheine ihm wie der Weg zur Unsterblichkeit, rolle ich so hart mit den Augen, dass ich mir die Netzhaut ausrenke. Nils Binnberg ist ein Mann, der früher solche und andere eher unterkomplexe Dinge sagte, und nun erkannt hat, dass er damit falsch lag. Er hat aus diesen Erfahrungen heraus das Buch „Ich habe es satt!: Wie uns Ernährungsgurus krank machen“ geschrieben und dem Tagesspiegel ein Interview gegeben. Darin sagt er ein paar sehr richtige Sachen und ein paar andere Sachen, mit denen man, auf Tonband aufgenommen und wieder rückwärts abgespielt, mutmaßlich mehrere Dämonen beschwören kann.

Vorab: Der Mann leidet laut eigener Auskunft an Orthorexia nervosa, also einer Essstörung, bei der man sich so sehr mit der Auswahl seines Essens beschäftigt, dass man darunter psychisch oder physisch leidet. Es liegt mir fern, mich darüber lustig zu machen, und grundsätzlich ist es eine gute Sache, wenn Menschen so ein Problem für sich erkennen und zu lösen versuchen. Bei Nils Binnberg schlägt das Pendel jedoch in die andere Richtung aus, so dass er ein paar seltsame Behauptungen über eine vollkommen plausible Beschäftigung mit der eigenen Ernährung aufstellt. Da er diese These außerdem publikumswirksam in einem Interview platziert und mit seinen Aussagen Geld mittels eines Buches zu verdienen gedenkt, kritisiere ich seine Aussagen trotz seiner Krankheit.

Er war über Jahre damit beschäftigt, die eine richtige Ernährung zu finden, und hat einer Menge Ernährungsgurus zugehört, die angeblich im Besitz der allseligmachenden Weisheit waren, welche Ernährung für 7,5 Milliarden Menschen mit unterschiedlichen Körpern die einzig richtige ist. Dass es so was eigentlich nicht geben kann, kann man recht schnell erahnen, wenn man eine Mahlzeit für 10 Menschen plant, die ein geeignetes Nährstoffprofil besitzen und allen schmecken soll, während jeder einzelne an verschiedenen 

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Antwort-Video an maiLab: Retten Veganer die Umwelt?

Moin,

ganz viele haben mir das Video von maiLab zugeschickt, das fragt, ob Veganer die Umwelt retten. Und auch wenn Mai darin zu einer recht positiven Antwort kommt, waren mir ein paar Aspekte darin nicht vollständig genug erläutert. Ich habe das daher nachgeholt und selbst ein Video gemacht. Ja, da ist technisch noch Luft nach oben, aber wenn ich mir erst das Equipment besorgt hätte, gäbe es heute noch kein Antwortvideo dazu 😉

 

Ich bin gespannt auf das Feedback, wenn es Euch gefällt, mache ich noch ein paar mehr.

 

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Dieser Text wäre nicht zu Stande gekommen, wenn mich nicht all die netten Menschen bei Patreon, Steady, Paypal oder auf andere Art unterstützten. Damit der hiesige Blogger weniger Zeit mit schnöder Prozessberatung verschwendet und sein Leben dem Schreiben revolutionärer Texte widmen kann ohne zu verhungern, kannst Du ihm hier einen Euro Unterstützung zukommen lassen. Er wäre dafür sehr dankbar und würde Dich dafür gerne namentlich erwähnen (wenn Du das denn überhaupt willst).

In diesem Sinne danke ich recht herzlich meinen Spenderinnen und Spendern

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Ohne Euch gäbe es diesen Text jetzt nicht, dafür aber ein toll graues Web-Formular in irgendeinem noch effizienter arbeitenden Ticketsystem 😉

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