Was der BR als „scharfe Kritik der Wissenschaft“ bezeichnet, stellt sich als Meinung von Forschenden mit Interessenkonflikt heraus

Seit 14 Tagen finde ich mit schöner Regelmäßigkeit den Link zum immergleichen Artikel des Bayerischen Rundfunks mit der Überschrift „E-Mobilität: Scharfe Kritik der Wissenschaft an einseitigem Kurs“ in meinem Postfach. Kombiniert ist das meist mit einem Ausruf von Triumphgefühl nach dem Motto „Da siehst du mal, ich fahre weiter Diesel!“ oder „So, was ist jetzt mit deinen elektrischen Spielzeugautos?“.

Tja, was soll ich sagen, da bin ich mit „meinen“ Autos ja wohl ganz schön angeschmiert und verzweifelt, zumindest wenn ich ganz kurz komplett ausblende, dass ich gar kein Auto mehr habe. Das ist so ein unpraktischer Nebeneffekt eines Medien-Watchblogs: Ich reagiere meistens auf den größten Unsinn im Netz, und der fokussiert sich aktuell stark auf E-Mobilität. Eigentlich würde ich ja gerne mal was zur Verkehrswende selbst schreiben, also dazu, wie Kommunen zu weniger Autos kommen. Ich warte also sehnlichst auf die Artikel, laut denen wir bitte noch viel mehr Autos in unseren Städten brauchen *händereib*.

Bis es soweit ist, schauen wir mal, was die „Wissenschaft“ laut BR so alles an E-Autos kritisiert. Und dazu muss man sich zunächst ansehen, wer oder was denn „die Wissenschaft“ überhaupt sein soll. Hält die wissenschaftliche Community jetzt regelmäßig Besprechungen ab wie beim Rat von Elrond, um zusammen ein paar griffige Presseerklärungen zu formulieren? Könnte ja schon rein logistisch eine Herausforderung sein bei 480.000 Forscher:innen in Deutschland. Wer schmiert die ganzen Häppchen für so viele Menschen?

Bei genauerem Hinsehen stellt sich dann auch heraus, dass es sich nicht wirklich um eine offizielle Verlautbarung aller Wissenschaftler:innen handelt, sondern um einen offenen Brief von nur 59 davon (mit dem etwas sperrigen Titel „Offener Brief an die Bundesregierung wegen drohender Verfehlung der langfristigen Klimaschutzziele im Verkehr aufgrund unzureichender Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungs-Quote“. Um einen Brief also, der von einem Achttausendstel der deutschen Wissenschaftsgemeinde unterzeichnet wurde. Das ist also nicht wie der Rat von Elrond, sondern eher so, als wäre da nur Gimli alleine aufgetaucht.

Zweites Problem: Für den Untersuchungsgegenstand haben viele der 59 Personen einen Hintergrund, der auf ihr Urteil einen gewissen Einfluss haben könnte: 45 dieser Personen konnte ich nach einer oberflächlichen Recherche mit Forschung oder unternehmerischer Tätigkeit in den Feldern Bio-Kraftstoffe, synthetische Kraftstoffe, Verbrennungsmotoren oder Wasserstofftechnologie in Verbindung bringen, also alles mehr oder weniger Konkurrenten zum klassischen E-Auto mit Batterie.

Ich könnte mich mit dem Begriff „Kritik der Wissenschaft“ ja vielleicht noch anfreunden, wenn alle relevanten Personen eines relevanten Forschungsfeldes einstimmig einen offenen Brief unterzeichnen würden, aber das ist hier nicht der Fall. Die Frage, ob E-Autos ein höheres Klimaschutzpotential als alternative Kraftstoffe haben, wird in diesem offenen Brief hauptsächlich von Leuten beantwortet, in deren Alltag primär alternative Kraftstoffe und Verbrennungsmotoren eine Rolle spielen.

Da sind eine Menge ziemlich kompetenter Menschen aufgeführt und ich will denen jetzt gar nicht pauschal unterstellen, den Brief nur aus Eigeninteresse unterschrieben zu haben. Aber der Bayerische Rundfunk kann das nicht einfach als „Kritik der Wissenschaft“ framen, wenn hier explizit der Teil der Wissenschaft Kritik übt, dessen Forschungsfelder teilweise massiv durch batterieelektrische Fahrzeuge an Bedeutung verlieren könnten.

Zudem wirkt der Artikel des Bayerischen Rundfunks so, als sei der Autor selbst nicht ganz unbefangen, umschreibt er den offenen Brief von Professor Thomas Willner und Dr. Armin Günther von Air Liquide mit Begriffen, als hätte er ihn am liebsten selbst noch unterschrieben. Der Brief hätte „es in sich“, „rechnet schonungslos ab“, „Schärfer kann man […] eigentlich nicht attackieren“ , „und zwar mit voller Wucht“. Huiuiui, das klingt ja wirklich dramatisch. Leider bleibt es bei einer unkritischen Nacherzählung des Briefs ohne Einordnung, abgerundet durch ein paar irritierende Patzer wie z.B.:

„Die Bundesregierung setzt beim Klimaschutz nur auf die E-Mobilität.“

Nein, das ist glücklicherweise nicht der Fall, es gibt neben dem Verkehr ja noch ein paar andere Sektoren, in denen wir im Vergleich zu 1990 schon erheblich Klimaemissionen einsparen, auch wenn das immer noch viel zu langsam vonstattengeht. Ferner handelt es sich um 59 und nicht um mehr als 60 unterzeichnende Wissenschaftler:innen und es werden allerlei wörtliche Zitate genutzt, die im Brief gar nicht vorkommen.

Der Brief selbst ist tatsächlich recht kurz: Ein Absatz, 6 Forderungen, Verabschiedungsklausel. Darin sorgt sich Prof. Willner angeblich ob der Verfehlung der langfristigen Klimaschutzziele und fordert in Punkt 1 die transparente Offenlegung der realen Klimaemissionsminderungen der deutschen Klimaschutzmaßnahmen. Klingt soweit ja erst mal gut.

In den folgenden Punkten fordert er, Klimaschutzoptionen durch alternative flüssige und gasförmige Kraftstoffe zu nutzen und alle Maßnahmen nur anhand des realen Klimaschutzpotentials anzurechnen, und das möglichst schnell und unter Berücksichtigung der globalen Wertschöpfungskette.

Ja… okay?! Kann ich auch unterschreiben? Ist ja alles schön und gut, aber was genau hat das jetzt mit E-Autos zu tun? Der BR hat wohl noch mal bei den Initiatoren nachgefragt und dabei kam das heraus:

„Ihrer Überzeugung nach wird die Elektromobilität in der „Zeitspanne bis 2030, die für den langfristigen Erfolg oder Misserfolg des Klimaschutzes entscheidend sein wird, mit hoher Wahrscheinlichkeit zu keiner nennenswerten Treibhausgasminderung über die gesamte Wertschöpfungskette führen.“

Mit anderen Worten: Das mit den Stromautos dauert alles viel zu lange, lasst uns lieber die jetzigen Autos mit Biokraftstoffen und E-Fuels betanken. Aha. Damit das mit dem Klimaschutz schneller geht, sollen wir jetzt also alle Autos mit Kraftstoff tanken, der nur im kleinen Labormaßstab hergestellt wird. Ich glaube, ich unterschreibe lieber doch nicht.

Der BR interviewt nun Professor Peter Pfeiffer, Leiter des Labors für Fahrzeugtechnik an der Hochschule München, weil er den „Brandbrief“ auch unterschrieben habe (in der Liste der Unterzeichner findet sich jedoch kein Professor Pfeiffer). Dieser bemängele

„… wie alle anderen, dass die Politik die hohen CO2-Emissionen bei der Produktion der Akkus für die Elektroautos völlig ausblende. Und auch nicht berücksichtige, dass ein Großteil des Ladestroms in Deutschland noch etliche Jahre aus Kohlekraftwerken stammen werde. Nur darauf zu schauen, dass das E-Auto keinen Auspuff habe, sei absurd.“

Irgendwie hätte ich vom Leiter eines Labors in München erwartet, selbst in 5 Minuten zu ergoogeln, dass das nicht stimmt. Die CO2-Emissionen der Batterieproduktion sind Gegenstand hunderter Debatten, über den gesamten Lebenszyklus eines Autos sind sie jedoch immer noch ein kleiner Faktor verglichen mit den Emissionen von Verbrennungsmotoren.

Quelle: Energy-Charts, Fraunhofer ISE https://energy-charts.info/charts/energy_pie/chart.htm?l=de&c=DE&year=2020

Die meisten Ladestationen in Deutschland laden Ökostrom (sonst sind sie nicht förderberechtigt), aber selbst der deutsche Strommix besteht schon lange nicht mehr zum Großteil aus Kohlestrom, letztes Jahr machte er nur noch 24 Prozent aus, EU-weit liegt der Kohleanteil sogar bereits unter 15 Prozent.

Sein Kollege Prof. Willner erklärt anschließend:

„Die Elektroautos werden auf deutschen Strom angewiesen sein. Und der erneuerbare Anteil des deutschen Stroms, der wird der Engpass in der Energiewende sein.“ Deutschland müsse daher darauf achten, Strom zu sparen und nicht für neuen Strombedarf zu sorgen. Doch genau letztes sei der Fall, insbesondere auch deshalb, weil alle wichtigen Hersteller derzeit große E-Fahrzeuge mit möglichst viel Reichweite auf den Markt brächten.“

Also weil wir aktuell noch nicht genug erneuerbaren Strom im Netz haben, plädiert Prof. Willner für E-Fuels, die ca. 7- bis 8-mal so viel Strom pro Kilometer benötigen. Und der Kollege vom Bayerischen Rundfunk hält es auch nicht für nötig, da mal kritisch nachzuhaken.

Es bringen auch nicht alle Hersteller große E-Fahrzeuge mit viel Reichweite auf den Markt. Die meistverkauften E-Autos in Deutschland im Jahr 2020 waren: Renault Zoe, BWM i3, Tesla Model 3, VW E-Golf, E-Smart, dann erst kommen die E-SUVs von Audi und Hyundai. Und dann soll es unter den Autos mit Verbrennungsmotor ja auch noch ein paar Modelle mit absurd großen Ausmaßen geben, habe ich mir sagen lassen – die verfahren dann 10 Liter E-Fuel / 100 km. Das bringt dem Klima jetzt was genau? Wo soll all das E-Fuel denn herkommen? Ah, von dort:

 

„Die E-Fuels ließen sich beispielsweise in Nordafrika oder Südamerika herstellen. Also in weit von Deutschland entfernten Regionen, wo beinahe unbegrenzt Sonnen- und Windenergie zur Verfügung stehen.“

Ja, lass uns solche Sachen mal schön weit entfernt von Deutschland machen. Große Windfarmen mit Elektrolyse-Stationen dengeln wir nach Afrika und Südamerika, Hauptsache nicht bei uns. Vielleicht können die Schiffe, die die E-Fuels dann von dort nach Deutschland transportieren, auf dem Rückweg einfach noch unsere alten Reifen, unsere Industrieabwässer und unseren Atommüll mitnehmen. Lasst uns das doch einfach in Afrika verbuddeln, Hauptsache weit weg von Deutschland!

Abgesehen davon, dass das schlimm nach Neokolonialismus riecht: Hat einer/eine der 59 Unterzeichner:innen mal durchgerechnet, was das am Ende kosten soll? Auch in Afrika und Südamerika kostet das Errichten von Windrädern und Solarfarmen Geld, meist teurer versichert als hier, und dort gelten dieselben physikalischen Gesetze wie in der EU. Wir brauchen also gigantisch viel Strom für diese Idee. Wieso genau sollten andere Länder, die ja ihre eigene Energieversorgung auch noch klimaneutral umbauen müssen, extra viel Strom für deutsche Autos produzieren wollen?

Chile wird gerne als Beispiel genommen, weil es da viel Sonne gibt. Für eine mit E-Fuels betriebene deutsche PKW-Flotte müssten die extra für den deutschen Markt 1.000 Terawattstunden Strom generieren. Aktuell erzeugt das gesamte Land Chile 34 Terawattstunden Strom aus erneuerbaren Quellen. Der Plan, den Klimaschutz zu beschleunigen, beruht da auf der Idee, dass Chile mal eben diese installierte Leistung verdreißigfacht.

Wollen wir wirklich weiter abhängig von anderen Ländern sein, was unsere Energieversorgung angeht? Hat bei Erdöl und Erdgas ja schon mal so toll geklappt, also gleich noch mal, jetzt nur mit anderen Ländern. Und ging es hier nicht darum, dass es schnell gehen muss? Prof. Willner will keine E-Autos, weil das alles zu lange dauert, und deswegen will er stattdessen eine komplett neue, riesige Infrastruktur auf anderen Kontinenten errichten? Das ist wie „Ach, jetzt eine ganze Folge How I Met Your Mother? Das ist mir zu lang, lass uns lieber Herr der Ringe in der extended Edition gucken“.

Nur mal so: die E-Autos, die fahren hier bereits rum und sparen heute schon Emissionen ein. Für die ganze E-Fuels-Nummer gibt es nicht mal ein Land, das sich dazu bereit erklärt hat, im großen Stil bei diesem Plan mitzumachen. Ach doch, halt, es gab da bereits ein paar unterzeichnete Verträge zwischen Deutschland und Marokko, um dort grünen Wasserstoff herzustellen. Blöd, dass ausgerechnet jetzt Marokko die Beziehungen zur deutschen Botschaft auf Eis legen will – werden E-Fuels dadurch wohl günstiger oder teurer?

Laut Auke Hoekstra von der TU Eindhoven ist eine solche Lösung noch Jahrzehnte weit weg. Aber selbst wenn nicht, so wirkt der Initiator des offenen Briefs grundsätzlich ziemlich befangen. Auf Twitter teilt er die legendär unwissenschaftliche Dokumentation, die Arte letztes Jahr zu dem Thema ausgestrahlt hat, und schreibt dazu „Entlarvt die Schattenseiten des Elektrifizierungswahnsinns!“ Die Doku bezeichnet aber grundsätzlich auch Wind- und Solarkraft als einen Irrweg – und damit wollte Professor Willner doch prima E-Fuels herstellen oder nicht? Wie will er die in seinem Brief noch als ach so wichtig bezeichneten Klimaziele einhalten, wenn Windstrom und Photovoltaik wegfallen?

Aber ich habe gute Nachrichten für die Unterzeichner:innen des Briefs: E-Fuels und Biofuels brauchen wir voraussichtlich sowieso. In PKW sind die zwar ziemlich ineffizient, aber für den Schiff- und Luftverkehr sieht es mit elektrischen Antrieben noch düster aus. 20 der Unterzeichner:innen forschen und arbeiten an Biofuels, 10 an E-Fuels und 3 an Wasserstofftechnologie, die müssen sich eigentlich keine Gedanken um ihr Forschungsthema machen.

Ich würde daher auch abraten, solche Briefe von Prof. Willner zu unterzeichnen, er wirkt doch recht befangen. Abgesehen von den vielen sachlichen Fehlern in seinen Ausführungen bezieht er sich auf veraltete Daten, und seine Fürsprecher argumentieren mit dem deutschen Stromnetz von 2008. Der Bayerische Rundfunk beklagt, dass es noch keine Antwort auf den Brief gibt, weder von der Umweltministerin noch von der Kanzlerin selbst.

Da kann ich ihr nur beipflichten. Sie hat vermutlich Besseres zu tun.

 

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Sind Wasserstoffautos besser als E-Autos? Harald Lesch sagt ja, ich bin skeptisch

Da will man nur mal ein paar Minuten im Hinterhof sitzen und gepflegt in der aktuellen Ausgabe der Beef schmökern, schon wird man von dem blöden Gepiepe unterbrochen. Auf dem Handy erscheint ein Kommentar zu meinem letzten Artikel über Elektroautos: „Warum nehmen wir denn nicht einfach Wasserstoffautos?“ fragt mich eine Leserin. „Naja …“, beginne ich zu antworten, „da wäre zunächst …“ – weiter komme ich nicht. „Hey Jan, können wir nicht einfach Wasserstoffautos fahren?“ ruft meine Nachbarin beim Wäscheaufhängen vom Balkon. Moment mal, woher weiß die denn … Mist, das Handy fällt mir in mein Tomatenbrot. Ich antworte genervt: „Ja, können wir, aber …“ – da klingelt das Telefon. Ich fingere das glitschige Ding vom Teller und lausche neugierig einer ernsten Stimme: „Hallo, hier spricht Harald Lesch. Was spricht denn gegen Wasserstoffautos, he? HE??“

Screenshot von Terra X vom 05.06.2019
Screenshot von Terra X vom 05.06.2019

Na gut, ganz genau so hat es sich nicht zugetragen, aber ein bisschen so angefühlt hat es sich schon. Die Rückfragen zum Wasserstoff sind wohl die häufigsten überhaupt zu Artikeln, in denen es um E-Autos geht, nicht nur bei mir, sondern in Kommentarspalten generell. Zudem haben sich einige Sendungen und Zeitungen mit der Frage beschäftigt, und eine davon ist eine Folge von Terra X, in der Harald Lesch dieser Frage nachgeht – und zu meiner Bestürzung als Harald-Lesch-Fan nicht sorgfältig genug.

Nun folgt der Ruf nach Wasserstoffautos meiner Erfahrung nach meistens der ehrbaren Motivation, eine Lösung für die Umweltauswirkungen der E-Auto-Produktion zu finden. Der Gedanke ist vermutlich meistens, dass ja auch Batterien leider nicht an Bäumen wachsen, sondern mit diversen, aus der Erde gebuddelten Rohstoffen unter Energieeinsatz in irgendwelchen Fabriken hergestellt und am Ende wieder entsorgt werden müssen.

Nach drei Jahren Dauerbeschallung aus unterkomplexen ARD-Dokumentationen und Zeitungsartikeln haben viele Menschen den falschen Eindruck gewinnen müssen, dass die Verdunstungsbecken, mit denen in der Atacamawüste unter anderem Lithium gewonnen wird, dort nur aufgrund von Elektroautos Grundwasser

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Wie Hans-Werner Sinn in der F.A.Z. behauptet, Verbrennungsmotoren seien klimaneutral

[Diesen Artikel gibt es auch als Folge 1 des Graslutscher-Podcast, eingelesen von Marco Prehler zu hören.]

Es war mir ja schon seit längerem schleierhaft, warum Hans-Werner Sinn ständig als die Kompetenz schlechthin in Wirtschaftsthemen herumgereicht wird, aber nach der Lektüre seines Gastbeitrags „Schluss mit den grünen Sperenzchen!“ in der F.A.Z. muss man sich ernsthaft fragen, ob man ihm in Zukunft auch nur die Rätselseite der Hörzu anvertrauen sollte. Er enthält derartig viele absurde Behauptungen, die ein grundsätzliches Verständnis unserer politischen Landschaft vermissen lassen, dass ich die Versuchung, naheliegende Wortwitze mit seinem Nachnamen anzustellen, nur unter Aufwendung meiner ganzen Willenskraft vermeiden konnte.

Welchen Anspruch die F.A.Z. mit der Veröffentlichung solcher Texte an sich selbst stellt, kann man nur erahnen. Veröffentlicht ist der Text im Ressort Finanzen als Gastbeitrag, aber ob er damit als persönlicher Kommentar oder redaktioneller Nachrichtenbeitrag gemeint ist, wird mir als Leser nicht klar. Den Inhalt belegende Quellen finden sich in dem 2.600 Wörter langen Beitrag keine, aber das scheint zumindest im Ressort Finanzen generell Standard bei der F.A.Z. zu sein.

Klar, in 4 Absätzen zu Börsennachrichten lässt sich nicht viel verlinken, aber Sinn formuliert wiederholt schwerwiegende Anschuldigungen, redet gerne von „den Grenzwerten“ bzw. „den Verordnungen“ und postuliert einfach mal einen „unvollständigen Weltmarkt für Kohle“. Es wäre schon spannend zu erfahren, welche von den tausenden Grenzwerten und Verordnungen zu diesem Thema denn konkret gemeint sind.

Das könnte aber auch daran liegen, dass sich für seine scheinbar aus einer Paralleldimension stammende Geschichte nur schwer Belege finden lassen, sie geht nämlich so: Weil die Autoindustrie im großen Maßstab die eigene Bevölkerung betrogen hat, konnten die Gegner der Autoindustrie wiederum ausreichend „Entrüstung schüren“ – diese ist nicht etwa von ganz alleine entstanden, weil es ein Skandal historischen Ausmaßes war, nein, angeblich haben im Hintergrund agierende Konkurrenten, grüne PolitikerInnen und mutmaßlich auch in dunklen Spukschlössern hausende, sinistre Geheimbünde

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Über die wundersame Märchenrechnung von einer Million E-Autos, die abends das komplette Stromnetz lahmlegen

„Ja toll, Jan, ist ja schön, dass Du für Dein ökologisches Gewissen jetzt einen Elektroherd benutzt, aber Du weißt schon, dass unser ganzes Stromnetz zusammenbrechen würde, wenn jetzt auf einmal alle einen hätten? Wenn nur 10 Prozent aller Deutschen abends Lasagne kochen, dann bräuchten wir dafür 94 Gigawatt Strom! So viel haben wir ja gar nicht im Netz, wir müssen für Dein alberndes Gekoche Dutzende Atomkraftwerke bauen, DER KOCHWAHNSINN MUSS EIN ENDE HABEN!

Und überhaupt, die ganzen afrikanischen Kinder, die nur für Deinen Elektroherd seltene Rohstoffe aus der Erde holen, die sind Dir wohl komplett egal, was? Da benutze ich lieber meinen alten Gasherd, so einer wächst nämlich an Bäumen in lieblichen Tälern voller Hobbits und Elfen.“

Angenommen, Euer Kumpel kommt mit so einer Nummer um die Ecke, wie hart rollt Ihr dann mit den Augen? Richtig. Ersetzt Ihr nun aber das Wort „Herd“ durch „Auto“ und „Gas“ durch „Benzin“, befindet Ihr Euch mitten in ernstgemeinten Debattenbeiträgen zur Elektrifizierung unserer PKW-Flotte. Na gut, der zweite Absatz ist von mir kreativ dazu ergänzt, es geht eher um die Frage, ob der Strom denn reicht.

Und so lese ich leider auf diversen einschlägigen Portalen und in den Kommentaren der offenbar leicht eskalierenden LeserInnen, dass der Betrieb von Millionen E-Autos rein physikalisch nicht zu stemmen sei, weil das gleichzeitige Aufladen von nur einer Million davon zu gravierenden, Trafohäuschen zerschmelzenden Konsequenzen führen würde.

Unsinn im Internet ist nicht nur nervig, am Ende ist es auch ziemlich schwer herauszufinden, wer damit eigentlich angefangen hat. Ich habe diese Erzählung auf Facebook und Twitter

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Weil ein Tesla ausbrennt, warnt der Spiegel eindringlich vor brennenden Batterien, die nicht brennen

Was ist gefährlicher? Eine Wildschweinmutter mit Jungen, eine Luft-Boden-Rakete, eine chemische Chemiewurst aus Soja oder eine Batterie? Wer die aktuelle Geschichte im Spiegel über einen Teslabesitzer liest, der aus seinem brennenden Autowrack gerettet wurde, könnte auf die Batterie tippen. Wäre Michael Bay vor 20 Jahren in den Genuss dieses Artikels gekommen, hätten die Trottel in seinem Film „Armageddon“ den auf die Erde zurasenden Asteroid vermutlich nicht mit einer Atombombe gesprengt, sondern dort einfach ein paar Teslas darauf abgeworfen.

Es gibt Parallelen zwischen diesem Film und dem Spiegeltext, der in der Printausgabe die Überschrift „Tatortreiniger“ trägt: In beiden geht Unterhaltung vor Fakten, die Handlung ist übersimplifiziert und es gibt unnötige Explosionen. Direkt im ersten Satz geht es maximal gefährlich los: „Am 4. Oktober wäre Dominik Freymuth fast verbrannt.“ (nachdem er selbstverschuldet von der Straße abgekommen und gegen einen Baum geprallt war). Es habe dann eine „riesige Explosion“ gegeben, das Endergebnis war „Ein Haufen Elend. Ein zerknittertes Ungetüm aus geschmolzenem Blech“.

Nun sind Fahrzeugbrände ein recht alltägliches Ereignis, allein in Deutschland gibt es jeden Tag rein statistisch 110 (!) dieser etwas unkonventionellen Lagerfeuer am Straßenrand, bei denen der Verzehr von in die Glut gehaltenem Stockbrot oder Marshmallows nur eingeschränkt empfohlen werden kann. Warum widmet Deutschlands größtes Nachrichtenmagazin also dieser Fußnote der Statistik eine ganze Seite? Logisch, weil die Batterien

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Warum es meistens unerträgliche Heuchelei ist, wenn Besitzern von E-Autos das Kobalt in den Akkus vorgerechnet wird

Kennt Ihr das? Eure Kinder fragen Euch, was das Wort „Heuchelei“ bedeutet, und Euch fällt kein griffiges Beispiel ein? Das muss nicht sein. Zeigt ihnen einfach dieses wirre Bildchen und erläutert dazu ganz kurz:

Der Erfolg von Verbrennungsmotoren wäre ohne die massive Ausbeutung von Menschen in armen Regionen der Welt überhaupt nicht möglich. Für die gigantischen Mengen Mineralöl wurden und werden Minderheiten und indigene Völker von ihren Wohnstätten vertrieben. Erdöl-Konzerne konnten in Nigeria, Venezuela, Angola oder dem Kongo über Jahrzehnte tun und lassen was sie wollten, so sind zwischen 1976 und 1996 knapp zwei Millionen Barrel Öl ins Regenwald-Ökosystem des Nigerdeltas entwichen. Das ist eines der Gebiete mit der höchsten Artenvielfalt des gesamten Planeten, tausende der dort lebenden Menschen sind krank geworden und haben ihren Zugang zu Nahrung und Trinkwasser verloren.

Auch Verbrennungsmotoren benötigen seltene Metalle (wobei„selten“ hier ein relativer Begriff ist). In Katalysatoren wurden und werden Platin, Cer und Palladium eingesetzt, diese Metalle finden sich im Kongo, Simbabwe und Südafrika, wo die Arbeitsbedingungen katastrophal sind und Arbeiteraufstände schon mal mit dem Erschießen Dutzender Menschen endeten. Die Bleibatterien aus alten Autos landen gerne mal in Nigeria, wo sie von Jugendlichen ohne ausreichende Schutzkleidung auseinandergesägt werden, ganze Dörfer werden dort mit Blei vergiftet.

Ja, Kobaltabbau unter menschenunwürdigen Bedingungen ist ziemlicher Mist, gar keine Frage. Das hat nur irgendwie bislang kaum jemanden gejuckt, bevor das nicht auch in E-Autos verbaut wurde. Zwischen 2005 und 2017 wurden weltweit 1,5 Millionen Tonnen Kobalt gefördert, zum Großteil aus dem Kongo. Davon werden erst seit Kurzem

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Der ZDF-heute-show „Klugscheißer“ macht seinem Namen auch in Sachen Elektroautos keine Ehre

Ojeoje, wie lange macht die heute-Show denn noch Sommerpause? Müssen wir jetzt jede Woche eins dieser peinlichen Videos im Newsfeed ertragen? Unter der Rubrik „Der Klugscheißer“ durften wir vor vier Wochen schon mal bestaunen, wie viel desinformierenden Unsinn das ZDF in einem Fünf-Minuten-Video über Vegetarismus unterbringen kann. Tja, Überraschung, wer zum Thema Fleisch auf sechs Jahre alte Lobbytexte reinfällt, der redet auch reichlich Stuss, wenn es um Elektromobilität geht.

Das wäre vermutlich nur halb so peinlich, wenn nicht ausgerechnet dieser menschgewordene Dunning-Kruger-Effekt seine kruden Theorien mit der Selbstüberzeugung eines Alpha-Pavians auf Steroiden in die Kamera faseln würde, denn lustige Jodellaute ersetzen leider glücklicherweise keine Recherche. Tja, Oliver Welke, so eine Urlaubsvertretung will sorgsam ausgesucht sein. Vielleicht teilt Ihr diese beiden Kasper, die offenbar seit fünf Jahren ohne Internetanschluss überleben, nächstes Jahr nur fürs Gießen der Büroblumen ein. Wobei, die Hortensien könnt Ihr dann vermutlich komplett vergessen, aber besser wäre es trotzdem. Für alle.

Wie auch der Beitrag über Fleischverzicht arbeitet sich dieses Video, dessen Humor stellenweise den Geist von 80er-Jahre-Klamaukfilmen mit Thomas Gottschalk atmet, an irgendwelchen Strohmännern ab, anstatt sich mit den echten Argumenten für Elektromobilität auseinanderzusetzen. So sagt der vermeintliche E-Auto-Fahrer in

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Wie eine ARD-Doku absurdes Zeug über Elektromobilität verbreitet und dadurch den Klimawandel verstärkt

Nachdem ich die Hälfte der ARD-Dokumentation „Kann das Elektro-Auto die Umwelt retten“ gesehen hatte, rechnete ich schon fast damit, dass Elektroautos am Ende der Sendung nicht nur für eine Menge Umweltschäden, sondern schlussendlich auch beim Einspielen düsterer Musik für die Ermordung Kennedys, die achte Staffel von Game of Thrones und den Prager Fenstersturz verantwortlich gemacht werden. Das Gute zuerst: Es kam doch anders – aber so richtig schön war es dann insgesamt leider trotzdem nicht.

Liebe ARD, bei manchen Eurer Dokus gewinne ich zunehmend den Eindruck, dass nicht die Recherche die zentrale Message bestimmt, sondern dass bereits zu Beginn das Ergebnis mehr oder weniger feststeht und das Reporterteam dann auf Weltreise geht, um genau dafür Beweise zu suchen. In der Wissenschaft geht man genau andersrum vor, da sammelt man aufwändig Daten und Ergebnisse und sollten diese die These nicht stützen – tja, dann muss man sie verwerfen. Ob man dazu vielleicht einfach keine Lust hatte, nachdem das Budget schon mit teuren Flügen nach Südamerika strapaziert wurde und man wochenlang in der Pampa unterwegs war?

Der Vergleich mag gewagt sein, aber es erinnert mich ein bisschen an die sensationellen Artikel von Claas Relotius, dessen Spannungsbögen leider nur so toll waren, weil er am Ende eher an einer tollen Geschichte als an Fakten interessiert war. Die Geschichte der Autoren Florian Schneider und Valentin Thurn ist folgende: Elektroautos sind in der Theorie eine gute Idee, aber in der Praxis so umweltschädlich, dass sich der Aufwand nicht lohnt und man lieber gleich komplett auf moderne Verkehrskonzepte umsteigen sollte. Schade, man hätte eine ganz ähnliche Geschichte erzählen und gleichzeitig bei den Fakten bleiben können.

Zu Beginn baut die Sendung einen Strohmann auf, also ein Argument, dass der Gegner so eigentlich gar nicht formuliert, das man aber toll widerlegen kann, und deswegen tut man einfach so, als hätte es jemand genannt. In diesem Fall: Ein Elektroauto sei ja gut für

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Über den peinlichen Unsinn, den ein selbsternannter „Experte“ über E-Autos schreibt, und wie FOCUS Online ihn veröffentlicht

Als ich ein kleiner Junge war, hat meine Oma immer gesagt: „Jan, wenn FOCUS Online eine reißerische Schlagzeile benutzt, darin von einem ominösen „Experten“ redet und darüber auch noch „Dieser Inhalt wird bereitgestellt* von Mopo“ geschrieben steht, dann glaub diesen miesen Lügnern nicht ein Wort. Und jetzt iss Deine Haferflocken“. Hach, was war meine Oma für eine weise Frau. Damit will ich natürlich nicht sagen, der FOCUS verbreite Lügen, ich zitiere lediglich meine Oma.

Zudem bedeutet das Sternchen neben „bereitgestellt“, dass der Text nicht mal vom FOCUS stammt, sondern in diesem Fall von der Hamburger Morgenpost, einem norddeutschen, lokalen Rumpelportal, dessen Seriosität ich ganz subjektiv irgendwo zwischen der BILD und der Gala einordnen würde. Eine entsprechende Suche im Bildblog ergibt 11 Seiten erhellende Suchergebnisse. Der FOCUS stellt direkt im Text auch schon klar: „Es gibt keine redaktionelle Prüfung durch FOCUS Online. Kontakt zum Verantwortlichen hier.“, und wer auf „hier“ klickt, landet einfach im Impressum der Mopo. Ich frage also beim Chefredakteur der Mopo gerne mal nach, wer sich denn stattdessen um die redaktionelle Prüfung gekümmert hat, aber erwartet nicht allzu viel.

Geschrieben hat diesen Artikel nämlich kein gewöhnlicher Mopo-Autor, sondern Prof. Dr.-Ing. Prof. h.c. Jörg Wellnitz von der technischen Hochschule Ingolstadt. Dieser hat in der Vergangenheit diverse Forschungsprojekte zu Wasserstoff- und Benzinantrieben durchgeführt, Wasserstofftanks mitentwickelt und mit den Partnern Audi und BMW ein Forschungsprojekt zur Leichtbauweise für zukünftige Autogenerationen durchgeführt. Es könnte also sein, dass dieser Mann aufgrund seiner Karriere und der wirtschaftlichen Interessen in Bezug auf Antriebstechnologien nicht so ganz unbefangen ist – bei Mopo und FOCUS wird der Leser darüber komplett im Unklaren gelassen. Professor Wellnitz ist zudem bereits im Januar mit sehr kritischen Beiträgen zur E-Mobilität in den eher unbekannten Portalen „Autohaus“ und „Ingolstadt-Today“ aufgefallen, dennoch wird er vom FOCUS einfach nur „Experte“ genannt. Seine Ausführungen zu E-Autos wecken aber erhebliche Zweifel, ob er diese Bezeichnung wirklich verdient, sein

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Wie ein Vortrag von Harald Lesch irreführend zusammengeschnitten wurde und worum es darin eigentlich geht

Seit Wochen verbreitet sich nun ein Video mit Professor Harald Lesch im Internet, in dem er die Nutzung von Elektroautos harsch kritisiert. Die seien teuer, würden viel Lithium benötigen und das hätte schlimme Auswirkungen auf die Grundwasserreserven einer chilenischen Wüste.

Spätestens seitdem ist dieser Bereich der Atacama-Wüste in aller Munde. Ironischerweise beschwert sich Professor Lesch in seinem Vortrag noch, dass kein Mensch fragt, woher denn das ganze Lithium für die Akkus komme – seit dem Erfolg des Videos wird diese Frage so gut wie immer gestellt, sobald irgendwer auch nur an ein Elektroauto denkt.

Und zwar am liebsten von Leuten, die selbst gerne Autos mit Verbrennungsmotor fahren. Ich habe dieses Video in diversen Gruppen gesehen, die „Ja zum Diesel!“, „stoppt die DUH“ oder so hießen und deren Mitglieder diese Frage wohl für eine ganz wunderbare Argumentation halten, um weiter Erdöl zu verbrennen.

Ich lese täglich Meinungen von Leuten, die Elektroautos für schlimmer als Plutonium im Bällebad halten, weil sie damit keine tausend Kilometer am Stück fahren können, und immer wieder werden diese drei Minuten und zwei Sekunden hervorgekramt, in denen Professor Lesch den Studierenden der TU Ilmenau seine Sicht auf Elektromobilität erläutert.

Die Sache hat nur einen Haken: Der ganze Vortrag ist

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