Wie ein Kardiologe der Ostsee-Zeitung erzählt, Vegetarismus sei unsinnig, weil Soja zu wenig Protein enthält

Betitelt ist das Kunstwerk mit „Vegane ernährung bei Kindern ist Körperverletzung“. Aber nur bei Kindern. Bei Teenagern, Erwachsenen und Greisen führt sie zur Ausbildung von hübschen Flügeln und der Fähigkeit, bis ins Infrarotspektrum hinein sehen zu können, wusste mal wieder keiner. Wozu Infrarotwellen sehen fragt Ihr Euch? Na, das ist total praktisch, wenn Ihr beim Fliegen in ein trübes Gewässer abstürzt und Euch da trotzdem orientieren könnt.

Ja, zugegeben, das ist wieder so ein Fall von Zeitung interviewt Arzt, Arzt hat in Ernährungsfragen eigentlich keine Kompetenz, aber sein Doktortitel und die markigen Sprüche versprechen hohe Klickzahlen. Wenn ein Arzt vor irgendwas warnt, dann kling das immer bedrohlich, der Artikel wird weitreichend geteilt und es gibt schön viel Verwirrung und Geld von Werbekunden. So befragte die Ostsee-Zeitung letzte Woche Dr. Armbrust zum Thema Kinderernährung, weil Dr. Armbrust Kinderkardiologe ist und damit ja vermutlich alles über Kinder weiß.

Ich wüsste bei solchen Artikeln ja immer wahnsinnig gerne, wie Dr. Armbrust reagieren würde, wenn die Ostsee-Zeitung nächste Woche einen Kinderpsychiater interviewte und der dann seine ganz persönliche Einschätzung zur Machbarkeit von Herzklappen-OPs bei 8-Jährigen zum Besten geben dürfte. Würde dieser zum Beispiel einfach behaupten, dass man die am besten in sternenklaren Nächten bei Vollmond macht, würde Dr. Armbrust sich vermutlich ziemlich beschweren, dass der Kollege eine solch fahrlässige Einschätzung außerhalb seines eigenen Fachgebiets abgibt.

Die Ostsee-Zeitung würde in dem Fall vermutlich auch schnell auf die Idee kommen, dass man in solchen Fragen lieber einen Kardiologen statt eines Psychiaters fragt. Sobald aber die Ernährung ins Spiel kommt, halten eine Menge Zeitungsleute den „Dr.“ vorm Namen des Interviewpartners für eine Art Heiligsprechung und hängen diesen Leuten unkritischer an den Lippen als die Besucher eines Einhorn-Seminars.

Klar, auch Kardiologen können Fortbildungen machen oder an Konferenzen teilnehmen und wären dann bestimmt auch ein guter Interviewpartner in dieser Thematik. Irgendetwas sagt mir jedoch, dass Dr. Armbrusts letzte Fortbildung in dieser Sache lange her ist:

„Aus meiner Sicht wäre ein gutes regionales Produkt mit einer ausgewogenen Zusammensetzung [und saisonal], der beste Weg, um eine gute und gesunde Ernährung sicherzustellen“

Ist jetzt nur ein Detail, aber regionale und saisonale Ernährung hat primär was mit Nachhaltigkeit zu tun, weil man damit Transportwege einspart. Eine Portion frischer Kartoffeln vom Acker um die Ecke dürfte kaum gesünder sein, als wenn ich im März Lagerware aus Schleswig-Holstein kaufe. Das aber nur zum Warmwerden, wir steigen jetzt richtig ein mit:

„Eine vegetarische Ernährung bei Kindern ist völlig sinnlos. Menschen sind gemeinhin Allesfresser. Wir brauchen Fleisch.“

Ja, das ist ein aktuelles Interview von 2020, es ist nicht in den 70er Jahren geführt worden, auch wenn man das annehmen könnte. Vegetarisch ist also „sinnlos“, weil Menschen als Allesfresser auch Fleisch essen können. Nach der Logik ist dann aber ein Schweineschnitzel mit Bratkartoffeln genauso sinnlos wie eine Kürbissuppe, weil Menschen ja auch Biberfüße mit Wanzen essen könnten. Wie viele Nahrungsmittel muss ich denn in einer Mahlzeit kombinieren, damit es nicht mehr „sinnlos“ ist? Entkomme ich der Unsinnigkeitsfalle überhaupt, wenn ich nicht täglich mindestens einen Smoothie aus Koalabär, Schlangenhaut, Sauerampfer, Skunkmilch, Molchaugen, Lachsleber und Algen verzehre?

Es gibt geschätzt 300.000 für Menschen essbare Pflanzen auf diesem Planeten, für den Großteil unserer Ernährung verwenden wir aber nur 200 regelmäßig. Nach Dr.-Armbrust-Logik dürften sich so gut wie alle Menschen recht sinnlos ernähren, nutzen wir nicht mal ein Prozent der uns zur Verfügung stehenden Zutaten. Dabei sind wir doch Allesfresser! Wie unverantwortlich ist das bitte, dass es in Deutschland nie Okraschoten mit Hundertfüßern zum Frühstück gibt, haben wir doch den göttlichen Befehl, gefälligst alles aufzuessen, was uns vor die Finger kommt? Spezies, die zu den Allesfressern gehören, können alles essen. Sie müssen nicht.

„Eine vegetarische Ernährung bei Kindern wäre nur dann zu verantworten, wenn sie wirklich sehr ausgewogen ist. Selbst dann ist sie aber nicht optimal“.

So was wie die optimale Ernährung gibt es gar nicht. Was für einen Menschen optimal ist, kann bei einem anderen zu regelmäßigen Darmkrämpfen und Unterernährung führen. Aber egal, denn jetzt kommt meine Lieblingsstelle:

„Sogar die qualitativ beste Soja-Bohne (sic) verfügt nur über ein Fünftel des Eiweißgehaltes wie ein ebenso großes Stück Fleisch. Man bräuchte also im Vergleich zu einem Gramm Fleisch die fünffache Menge der besten Sojabohne, um den Bedarf zu decken.“

Ist ja auch irgendwie eine Kunst, in zwei Sätzen so viele Fehler auf einmal einzubauen.

1. Was in aller Welt soll eine qualitativ gute Sojabohne sein und wie wirkt sich das auf den Proteingehalt aus? Und seit wann essen Vegetarier sonderlich viel pure Sojabohnen? Dieses Szenario wirkt immer so authentisch wie die kläglich scheiternden Versuche 65 Jahre alter PolitikerInnen, hippe Jugendsprache nachzumachen. Wir stellt er sich das vor?

„Hey Schatz, was essen wir heute Abend?“
„Na, Liebling, wir sind doch Vegetarier, lass uns doch qualitativ hochwertige Sojabohnen kochen!“
„Und was dazu?“
„Nix, nur Qualitätssojabohnen. Mit Qualitätsketchup.“

Die reinen Bohnen gibt es als Edamame in asiatischen Restaurants oder auch in gut sortierten Salatbuffets, ist aber neben Tofu und verarbeitetem Soja als Fleischersatz eher die Ausnahme. Viel wichtiger: Es soll doch tatsächlich noch andere vegetarische Lebensmittel außer Sojabohnen geben, aber daran erkennt man schnell den Schwurbelonkel: Seine ganze Argumentation basiert auf exakt einem Lebensmittel, obwohl er vorher noch Ausgewogenheit predigt.

2. „Ein Stück Fleisch“ ist für einen konkreten Vergleich der Nährstoffe beklagenswert ungenau, das ist, als würde er beim morgendlichen Stationsrundgang eine der anwesenden Medizinstudentinnen fragen, wie der Blutdruck des Patienten ist uns sie antwortete „Ganz okay“, „prima“ oder „joaaa“.

Fleisch ist kein Kästchen im Periodensystem der Elemente, es gibt hunderte Sorten mit unterschiedlichen Eigenschaften: Schweineschulter enthält ungefähr 16,5 Gramm Protein/100 Gramm, Rindersalami ungefähr 12,6 Gramm/100 Gramm und Truthahnwürstchen Frankfurter Art etwa 12,2 Gramm/100 Gramm. Sojabohnen liegen bei dieser willkürlichen Auswahl mit 13 Gramm Protein/100 Gramm im unteren Mittelfeld.

Es gibt auch Sorten mit einem höheren Anteil, aber das Fünffache? Sollten Mediziner nicht grundlegende Rechenarten beherrschen, auch um die Dosis von Wirkstoffen berechnen zu können? Zudem ist der menschliche Körper auf Dutzende verschiedener Mikronährstoffe angewiesen, die in der krass verkürzten Formel „Vegetarisch ist nicht gut, weil in Fleisch Protein ist“ gedanklich nicht mal stattfinden. Das ist so als würde jemand sagen, dass Filme von Christopher Nolan nicht gut sind, weil darin keine Zeppeline vorkommen.

3. Eventuell will er darauf hinaus, dass 100 Gramm Sojabohnen mehr Volumen haben als 100 Gramm Fleisch? Dann wäre natürlich die Formulierung „einem Gramm Fleisch“ ziemlich unsinnig, aber viel wichtiger: Das ist kein Nachteil. Pflanzliche Nahrung hat in der Tat oft mehr Volumen, weil sie mehr Ballaststoffe enthält. Das ist aber ein Feature, kein Bug.

Es gibt diverse Krankheitsbilder, die durch einen Mangel an Ballaststoffen begünstigt werden, in der letzten nationalen Verzehrstudie waren 71 Prozent der Deutschen damit unterversorgt. Mehr Ballaststoffe haben z.B. den Vorteil, dass sich schneller ein Sättigungsgefühl einstellt. Wäre womöglich interessant für Dr. Armbrust, der im späteren Verlauf des Interviews zu fettleibige Kinder in Deutschland bemängelt.

Dr. Armbrust ist nun in Fahrt:

„Kinder brauchen aber Eiweiß als Baustoff und Energiemittel, weil sie im Wachstum sind. Auch den Anbau von Soja kann man unter Klimagesichtspunkten kritisch sehen“

Ja, Kinder brauchen Proteine, übrigens alle anderen Wirbeltiere ebenfalls, vom erwachsenen Delfin bis zum schwangeren Maulwurf. Ich weiß nicht, was andauernd diese irritierende Formulierung soll, die so klingt, als wenn Kinder hier die große Ausnahme wären. Glücklicherweise ist Protein in echt vielen Nahrungsmitteln enthalten, sonst wäre veganer Spitzensport wohl kaum denkbar. Ist er aber. Dass Dr. Armbrust zwanghaft auf Soja referenziert und dann auch noch diese uralte, tausendfach widerlegte Fehlbehauptung aufstellt, Soja sei als menschliche Nahrung klimaschädlich, zeigt, wie massiv uninformiert er ist.

Entsprechend empfiehlt er zum Schluss, Kindern an vier von fünf Wochentagen Fleisch zu geben, was sogar der eher konservativen Deutschen Gesellschaft für Ernährung zu fleischlastig ist. So, wer vegetarische Ernährung im Jahr 2020 noch für etwas Aufsehen Erregendes hält, für den ist vegane Ernährung wie zu erwarten natürlich der siebte Vorhof der Hölle:

„Eine vegane Ernährung bei Kindern ist Körperverletzung. Viele Substanzen, die Kinder brauchen, können sie dann nicht aufnehmen, beispielsweise bestimmte B-Gruppen“

Es ist 2020 und wir hören immer noch diese Warnungen, als wenn vegan lebende Menschen nicht wüssten, dass Supplementierung mit Vitamin B12 eine gute Idee ist. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie hoffnungslos veraltet das ist: Selbst in der Welt konnte man im April 2018 bereits lesen, dass vegan ernährte Kinder einer Studie sehr gute B12-Werte hatten, weil das halt kein Geheimnis ist.

Die Behauptung, die Kinder könnten diese Substanzen nicht aufnehmen, ist vollkommener Unsinn, man muss sich halt darum kümmern, dass sie Nahrungsergänzung bekommen. Wenn das schon für den Tatbestand der Körperverletzung ausreichte, dann wäre auch ein Leben in der Steiermark, deutsche Mischkost oder generell die Besiedelung Nordeuropas Körperverletzung:

In der Steiermark sind die Böden sehr jodarm, was in früheren Jahrhunderten zu weit verbreitetem Kretinismus führte, heute begegnen wir diesem Phänomen mit Jodsalz. Die Vitamin-D-Produktion ist aufgrund der niedrigen Sonnenstände in europäischen Wintern ebenfalls suboptimal, es wird empfohlen, das entsprechend zu ergänzen und Frauen in Deutschland sollten in der Schwangerschaft Folsäure einnehmen, um Fehlbildungen zu vermeiden, die Einnahme über typisch deutsche Kost ist mangelhaft.

Dr. Armbrust behauptet anschließend, vegane Ernährung sei nur machbar, wenn man den Kindern zwecks Kontrolle regelmäßig Blut abnehme. Ich verweise erneut auf die nationale Verzehrstudie: Die meisten Menschen in Deutschland sind nicht ausreichend mit Ballaststoffen, Vitamin D und Folsäure versorgt, hierfür schlägt niemand regelmäßige Blutproben vor – warum nicht? Die vermeintlich gefährdete Versorgung mit Protein ist in Deutschland übrigens ein kaum vorhandenes Problem, die meisten Deutschen nehmen deutlich über 125% der benötigten Menge auf.

Ganz zum Schluss wird es nochmal lustig, wenn Dr. Ich-empfehle-vier-mal-die-Woche-Fleisch ein „massives Adipositas-Problem“ bei der heutigen Jugend bemängelt, da würden zu viel Kalorien aufgenommen.  Aber hey, Soja ist böse, weil man davon so viel essen muss, um auf dieselben Nährstoffe zu kommen. Dass dadurch auch einfach schneller ein Sättigungsgefühl einsetzt und man weniger Gefahr läuft, sich zu sehr vollzustopfen, passt in diese Erzählung natürlich nicht rein.

Fazit: Wieso in aller Welt interviewen Zeitungen ständig Leute außerhalb ihres Fachgebiets? Wieso fragen sie den Mann nicht nach Herzerkrankungen oder Problemen im klinischen Alltag, sondern nach Ernährung? Fragt doch bitte einen Ernährungswissenschaftler. Wenn es um die Folgen von Abgasen geht, dann interviewt bitte Epidemiologen und keine Lungenärzte und wenn Ihr wissen wollt, wie gut Elektroautos funktionieren, dann sind Lobbyvereine wie der ADAC oder Menschen, die mit Verbrennungsmotoren ihr Geld verdienen, eventuell nicht ganz unbefangen.

Und wenn Ihr sie schon interviewt, denn stellt doch wenigstens kritische Rückfragen. Der Mann hat offenkundig keine Ahnung, welche Nährstoffe in Deutschland problematisch sind, wo sie enthalten sind und welche Folgen das hat. So ist „Fleisch“ für ihn irgendwie wichtig, weil das in seinen Augen neben Sojabohnen offenbar die einzige Proteinquelle der Welt ist. Wieso fragt Benjamin Fischer den Mann denn nicht, was gegen Protein aus Linsen, Nüssen, Vollkorn, Erbsen, Bohnen, Haferflocken oder Kürbiskernen spricht?

Der Mann ist zudem Kardiologe und empfiehlt eine Ernährung mit Fleischmengen, die das Risiko für Herzkrankheiten erhöhen würden, in Deutschland übrigens Todesursache Nummer eins unter allen Krankheiten. Er findet zugesetzte Nährstoffe für Veganer blöd und ignoriert gleichzeitig, dass sich Europäer seit Jahrzehnten essenzielle Nährstoffe per künstlicher Jodierung von Speisesalz zuführen.

Und in mutmaßlich wenigen Monaten werden wir wieder etwas sehr ähnlich lautendes von Dr. Wieauchimmer lesen und das ganze geht von vorne los.

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32 Gedanken zu “Wie ein Kardiologe der Ostsee-Zeitung erzählt, Vegetarismus sei unsinnig, weil Soja zu wenig Protein enthält

  1. @graslutscher
    Gratulation! Wieder eine sehr gelungene und unterhaltsame Replik zu diesem entbehrlichen „Experten“-Interview. Ich habe mich verärgert amüsiert.
    Muss man Journalismus eigentlich noch studieren, oder ist das schon ein freies Gewerbe? Anders kann ich mir die Qualität mancher Reportagen nicht erklären.
    Ich bin doch naiv! Jetzt hab ich´s verstanden: Es geht bei manchen Medien doch nur darum Schlagzeilen und alternative, polarisierende Wahrheiten zu plakatieren, Aufmerksamkeit zu erregen und die gegensätzlichen Meinungen gegeneinander auszuspielen. Mit Wahrheitsfindung haben noch ganz wenige Geld verdient. Weil Tatsachen akzeptieren ist langweilig und manchmal auch unbequem.

    • Journalismus ist in meinen Augen qualitativ nicht viel besser als so mancher Blog. Meinungsmache je nach Ausrichtung, „Analysen“, die diese Bezeichnung nicht verdienen, oft falsche Behauptungen, fehlende Informationen, absichtliches Weglassen von Informationen. Meinungsmache durch Überschriftenwahl oder simpler Clickbait. Mangelnde kritische Fragen, generelles Unverständnis für ein Themengebiet.

      Ich hab’s aufgegeben. Ich befasse mich beruflich mit einem anderen Bereich als Ernährung und die Anzahl der journalistischen Texte in den letzten 10 Jahren, die die Fakten (also wissenschaftliche Erkenntnisse) mal allesamt(!) richtig haben, kann ich an einer Hand abzählen.

      Es kommt sogar ein gewisses Gefühl der Desillusionierung: Wenn Journalisten nicht einmal in Fachgebiet X mit klarer Faktenlage alles richtig hinbekommen, wie wertvoll sind dann all die politischen Artikel, bei denen die Faktenlage viel undurchsichtiger ist?

      • Ja leider gibt es heutzutage viele wie Peter Weber, denen soziale Kontakte und Erziehung fehlen. Ich kann auch nicht nachvollziehen, dass viele nur durch solche Kommentare Freude und ggf. Coolness fühlen können. Die meisten befassen sich auch gar nicht mit den Texten oder Autoren, weil sie das inhaltlich gar nicht verstehen können. Für mich auch immer schwer, aber ich denke man muss solche Kommentare konsequent ignorieren. Vielleicht merken die dann, dass sie einfach nur den Wunsch nach Aufmerksamkeit haben und das mit Coolness verwechseln. 🙂

    • Was muss einem da passiert sein, dass man einen solchen Kommentar unter einen Zeitungsbericht schreibt?
      Frau weggelaufen? Auto gepfändet? Letzte Flasche Schnaps leer und kein Geld mehr im Haus?
      Das muss doch nicht sein!

  2. Was dieser Dr. Hanswurst da verbal abgesondert hat, entspricht ziemlich genau dem Unsinn, der vor 30 Jahren Medizinstudenten an der Uni in der Ernährungsvorlesung erzählt wurde. Damals wurde es vom Dozenten für unmöglich gehalten, dass ein Mensch ohne tierische Nahrung mehr als fünf Jahre überlebt. Was schon damals per Existenzbeweis ad absurdum geführt wurde. Der betreffende, schon damals über 10 Jahre vegan lebende damalige Medizinstudent ist heute veganer Oberarzt und immer noch am Leben. Hat übrigens auch eine Doktor-Titel was im Medizinbereich allerdings nicht viel heißen will. Böse Zungen sprechen dem Medizinstudium generell die Qualifikation als (Natur-)Wissenschaft ab und ordnen es mehr auf dem Niveau von handwerklichen Berufen ein (Pfusch inklusive).
    In anderen Untersuchungen über Ärzte stellte sich heraus, dass über 80% von diesen nicht mal simple Prozentrechnung beherrschen um die Prozentzahlen einer Studie in absolute Zahlen mit der Basis 1000 umzurechnen. Ärzte sind genauso zahlenblind wie der Rest der Bevölkerung. Nur bei ihnen geht es oftmals um Leben und Tod. Da möchte ich kein Opfer eines ärztlichen Rechenfehlers sein.
    Und was die Ernährungswissenschaft betrifft, steht diese gerade vor einem wissenschaftlichen Scherbenhaufen. -> Pseudowissenschaft des Tages: Ökotrophologie | wwwahnsinn

  3. Ist Ernährungswissenschaft überhaupt Teil der Ausbildung eines Arztes? Ich denke immer, Ärzte haben keine Ahnung von Ernährung und das ist jetzt keinesfalls polemisch gemeint. Allein deshalb sollten doch bei dem geneigten Leser sämtliche Alarmglocken schrillen wenn ein Arzt über Ernährung doziert. Sind die „Halbgötter in weiß“ immer noch so gut angesehen dass nur wenige Menschen deren Aussagen in Frage stellen? Bei meiner Oma mit 86 könnte ich das ja noch verstehen.
    Mein behandelnder Kinderarzt sagte mir als meine Tochter noch klein war, wenn er erfährt dass ich sie vegan aufziehe verständigt er das Jugendamt. Vegetarisch ja, vegan nein – ich würde neurologische Schäden riskieren. Ich ging nach Hause und tat was ich für richtig hielt, keine neurologischen Schäden oder sonstige Defekte irgendeiner Art. Hm.

    • Eigentlich ist dieser Kinderarzt selber ein Fall fürs Jugendamt. Kindern gesunde Ernährung vorenthalten ist Kindesmisshandlung und Körperverletzung an Tieren. Meine Empfehlung: Arzt wechseln.

  4. Danke lieber Autor für den tollen Artikel. Ist allerdings wirklich naiv von der Ostsee-Zeitung kritische Fragen oder journalistische Recherchearbeit zu verlangen. Das haben die Rostocker nie gelernt. Wer das Käseblatt mal verschlungen hat, wird feststellen, dass jede Schülerzeitung mehr Niveau und wahrscheinlich auch weniger Druckfehler aufweist und besser recherchiert ist.

  5. Hallo allerseits, seit gefühlten Ewigkeit verfolgen mich die Diskussionen über Vegetarier und Veganer… Ich bin etwas altmodisch. Frage hundert tausend Jahre ernähren wir uns wie es halt ging. Und heute an jeder Ecke ein ernährungs Nazi der und alles neue für ne Offenbarung verkauft. dass wir Fleisch konsumieren( seit den 50ern immer weniger) einerseits, andererseits bin viel in Asien unterwegs…in China werden seit der letzten Schweinegrippe Millionen Tonnen Fleisch aus Europa importiert. Das will niemand hören oder wissen.warum dürfen unsere und holländischen Landwirte den Markt fluten?? Auf Kosten von Grundwasser…
    Grüße damir Mardetko Berlin

  6. Hallo nochmal, sitze hier in Südostasien und amüsiere mich über allerlei Gedanken und meiner Meinung nach etwas manipulierten Gedanken. Zum Thema Soja alle schreien keine Gentechnik, okay aber wenn ich mich Recht erinnern kann kommt weit über 90% von solchen Soja aus Süd Amerika (Uruguay, Brasilien, Argentinien…) Zum Teil aus frisch brandgerodeten Flächen… Schade für die Tofu Prediger , obwohl ich weiss dass die teilweise Recht haben
    Grüße damir Mardetko Berlin

  7. Nein, das stimmt so nicht, da ich muss ich als alter Tofuprediger leider widersprechen. Hier findet man nähere Infos, hab mir sogar Mühe gegeben, eine Quelle zu finden, die nicht im Verdacht stehen sollte, allzu veganerfreundlich zu sein: https://www.nzz.ch/panorama/montagsklischee/soja-wird-hauptsaechlich-fuer-tierfutter-produziert-1.18335485
    Zum selben Ergebnis führen übrigens praktisch alle Treffer bei Google, wenn man Soja Regenwald eingibt.
    Zu ergänzen ist noch: Das Soja in den hier erhältlichen Tofuprodukten stammt fast ausschließlich aus Europa.

  8. Bravo, gekonnt auseinandergenommen, diese „Expertise“ vom Herrn Doktor! Und danke, ich habe mal wieder herzlich lachen müssen… was für ein Zirkus!
    Doch leider bleibt mir das Lachen dann auch schnell schon wieder im Halse stecken, da ich weiß dass so ein Quatsch in Zeitungen die Leute, die sich nie mit nachhaltiger veganer Ernährung beschäftigt haben, diese Meinung leider allzu oft ungefiltert übernehmen… und dann musst du dich als Mutter (zweier 90% veganer topfitter Kinder) immer wieder rechtfertigen und erklären.. so anstrengend!

  9. Nur zur Info: Kinderkardiologen behandeln angeborene und erworbene Herzerkrankungen sowie Herzrhythmusstörungen des Kindes- und Jugendalters, also primär Herzfehler, die nicht ernährungsbedingt sind.

    Betroffene Kinder sind bei Erwachsenenkardiologen (sofern diese keine Zusatzqualifikation für die Behandlung angeborener Herzfehler besitzen) in ebenso falschen Händen, wie sie es bei Dr. Armbrust bezüglich Ernährungsfragen sind.

    Der Mann wird demnach mit Sicherheit nicht arbeitslos (vgl. Kommentar von Silke), wenn sich mehr Familien vegetarisch oder vegan ernähren, zumal er und sein Team gar nicht ausschließlich Kinder mit Herzerkrankungen behandeln. Er ist an einer allgemein-pädiatrischen Klinik tätig, nicht an einem speziellen Kinderherzzentrum:
    http://www.kinderkardiologie.org/dgpk/arbeitsgemeinschaften/aapk/

    Die Rate an Kindern, die mit Herzfehlbildungen geboren werden, ist mit 1/100 relativ konstant. Die Überlebensrate von Kindern mit komplexen Herzfehlern ist hingegen durch verbesserte medizinische Maßnahmen in den letzten 20-30 Jahren stark gestiegen. Angesichts dessen, was diese Kinder vielfach an Operationen und Leid durchmachen mussten, verdienen sie es, spezifische, auf ihre Situation abgestimmte, evidenzbasierte Informationen auch zu Ernährungsfragen zu erhalten, statt platte Verunsicherung und Falschbehauptungen aus dem Reich der Mythen. Danke für die Aufklärung!

  10. Als Veganer Jod nur über Jodsalz aufzunehmen wird kaum reichen. Die empfohlene Menge Jod liegt bei 200mcg / Tag. Jodsalz enthält diese Menge bei 10g! Die empfohlene Tagesmenge Speisesalz liegt allerdings bei max. 6 g. 🙁

    • Erworbene Herzerkrankungen machen bei Kindern in Relation zu angeborenen Herzfehlern nur einen sehr kleinen Anteil der Erkrankungen aus.

      Zu den erworbenen Herzerkrankungen im Kindesalter zählen unter anderem die bakterielle Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut), die Myokarditis (Entzündung des Herzmuskels), die Folgen des sog. Kawasaki-Syndroms sowie meist als Folgen von Vorerkrankungen auftretende Herzrhythmusstörungen.

      Herzerkrankungen durch Fehlernährung dürften im Kindesalter eine absolute Ausnahme sein. Denkbar wären hier zum Beispiel toxische Wirkungen (Vergiftungen) oder Mangelernährung.

      • Entzündliche Vorgänge werden durch tierliche Nahrungsmittel gefördert. Dürfte auch für Hermuskelentzündungen gelten. Die Relation zu angeborenen Herzproblemen war nicht meine Frage und sagt auch nichts zur Ernährungs Expertise eines Kinderkardiologen aus.

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