Gesundheit

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Wenn die Klassiker-Thesen aus der Metzger-Ecke alle vorgetragen sind, dann wird man dort erst richtig kreativ und sucht aktiv nach ein paar guten Gründen, warum vegan doch irgendwie nur was für verblödete Freaks sein kann. Und dann hört man oft, manchmal gar wortwörtlich:

“Jaja, vegan, alles schön und gut – aber Ihr verleugnet damit ja die Evolution, solange das nur mit diesem unnatürlichen Vitamin B12 geht!“

Bernd (angetrunken), Anlass und Ort unbekannt

*seufz* Ich habe dazu neulich meine Augen derart intensiv verdreht, dass mehrere Tage nur noch das Weiße zu sehen war und ich in der Zeit professionell betreut werden musste, bis mein Augenlicht zurückkehrte. Ich verleugne also die Evolution, weil ich synthetisch hergestellte Vitamine zu mir nehme… was ein Unsinn! Kreationisten verleugnen die Evolution. Indem sie überall erklären, es gebe sie nicht. Aber nonverbal ein Naturphänomen leugnen, einfach indem man etwas isst? Dann verleugnen Piloten vermutlich auch die Schwerkraft, wenn sie unverschämterweise einfach in der Luft herumfliegen. Dieses blöde anti-aufklärerische Pack von der Lufthansa! Where’s the petition to sign???

Scientopilotogy

Ärgerlich, dass man in der Situation selten genug Zeit hat, dem Kontrahenten mal eben die Inhalte von 2-3 Vorlesungen zu Evolutionsbiologie einzutrichtern. Die wären aber dringend notwendig, um diesen Spruch in der Unsinnigkeitsskala korrekt auf dem Niveau von Rolltreppen vor Fatburn-Centern einzuordnen! Also die Kurzfassung: Evolution beschreibt nicht den Zustand, in dem wir uns gerade befinden, sondern die ständig stattfindende Veränderung des Erbguts. Sie hat weder ein Ziel noch eine Rangfolge oder einen Willen, gegen den ich agieren könnte. Und wenn ich irgendwas echt dummes, Darwin-Award-würdiges mache, was mein Erbgut für immer aus dem Genpool kegelt, dann geschieht auch das im Einklang mit der Evolution.

Man könnte höchstens sagen, dass synthetisches B12 nicht der natürlichen Lebensweise eines >> Weiterlesen

Nils! Wir brauchen noch was für Seite 6. Schreib irgendwas über vegan, am besten irgendwie anti, das bringt Auflage.

spon3

So oder so ähnlich muss man sich das vermutlich vorstellen, wenn in den Redaktionen der Republik die Weichen gestellt werden. Anders kann ich mir die jüngsten Artikel zum Thema nicht erklären. Ganz aktuell: Der Test der Verbraucherzentrale Hamburg. Man muss nicht mal groß recherchieren im eigentlichen Sinn – für einen kompetenten Artikel über den Test reichte es schon, die 20-seitige Test-Übersicht zu lesen. Wahrscheinlich aber waren den feinen Herrschaften die 20 Seiten zu viel und sie haben sich einfach aus der Test-Zusammenfassung das rausgefischt, was am besten zum vorher festgelegten Ergebnis passte: Vegan ist gar nicht gesund!!!

Bzw. „Vegane Lebensmittel sind auch nicht besser“ (SPON) und „Vegan ist nicht gleich gesund“ (Weser Kurier). Daran ist natürlich erst mal niedlich, dass beide Titel sich einem Strohmann-Argument bedienen, nämlich dem, dass veganes Essen per se supergesund sei. Der Umstand, dass schnödes Mampf-Zubehör wie Nudeln mit Tomatensauce, Chips, Marzipanschokolade und Oreo-Kekse genau so in die Rubrik „vegan“ fallen wie Obst, Gemüse und Vollkornbrot, scheint die Komplexitätsgrenze mancher bezahlter Redakteure weit zu >> Weiterlesen

AAAAAH – kaum hören die Leute, die gar kein Weiderind essen, auf, den Urkost-Artikel zu teilen, der empfiehlt, Weiderind zu essen, da wird die nächste Sau durchs Dorf getrieben:

Eine Studie der Uni Graz, laut der Vegetarier gesundheitliche Nachteile verbuchen. Eine Studie, die die Probanden nicht auf körperliche Empfinden untersucht sondern lediglich befragt. An dieser Stelle empfehle ich Verfechtern der Studie, Anwender von Glückspyramiden und Heilsteinen nach ihrem körperlichen Befinden zu fragen und das Ergebnis entsprechend zu würdigen.

Focus Artikel

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So, alle Hefte raus, Klassenarbeit! Neenee, hiergeblieben, sagen wir ein kleiner, nicht versetzungsrelevanter Test: Alle mal die Hand heben, die die Erde für den Mittelpunkt des Universums halten. Ok. Und jetzt mal alle die Hand heben, die das Verspeisen von 50 Milliarden Tieren pro Jahr für eine nachhaltige Idee halten. Oh – ok. Zum Ergebnis: Ihr beiden da vorne geht bitte in eine Sternwarte Eurer Wahl und richtet den Blick auf das Zentrum unserer Galaxie. Und die 50, die enorme Mengen Fleisch für nachhaltig halten, Ihr seid bestimmt mit der Bahn gefahren, ne? Da waren nämlich letzte Woche alle Sitze mit der, äh, Zeitschrift „Meat“ bestückt.

Meatfront

Und wer da mit Schinkenbrot im Mund nur mal unbedarft über das Cover liest, dem brennt sich gleich der beruhigende Slogan „Gut, gesund und nachhaltig: Fleisch gehört dazu!“ ins Gehirn. Was jetzt auch echt kein Vorwurf sein soll, das Ding war nicht schlecht aufgemacht – also mal rein Design-technisch betrachtet haben da wohl einige begabte Illustratoren und Layouter ihre Seele für das mediale Sturmgeschütz der Bauernlobby verkauft. Was mich insofern freut, dass mich jetzt seit Eröffnen dieses Blogs mehrmals der Vorwurf erreichte, ich hielte Fleischesser für doof. Liebe Fleischesser, das tue ich nicht (ernst gemeint), ich war nämlich lange Zeit selbst einer und bin seitdem nicht plötzlich intelligenter geworden. Aber klar, es gibt Leute, die Euch für doof halten. Und für mit großem Abstand am allerdööfsten hält Euch wohl der Bauern-Verband aka die Fleisch-Lobby:

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Das ist echt immer putzig! Nee, wirklich, ich bin schon gar nicht mehr sauer, wenn dieser Unsinn kommt, weil es auch echt nicht leicht ist, aus allen Medien die ganze Metzgerei-Propaganda herauszufiltern. In einem normalen Fleisch-Haushalt steht man ja 18 Jahre lang wie ein Kind vor dem Kotelett-Prediger und bekommt währenddessen ständig erzählt, Eiweiß sei nur in Fleisch und Zähne und Knochen würden ohne Kuhmilch verkümmern, von ähnlich gepolten Erziehern in Kindergarten und Schule ganz zu schweigen. Ging mir selbst ja auch mal so, den ersten mir bekannten Veganer habe ich nach genau diesen Sachen gefragt (hoffentlich war ich nett).

hotdog_esser

Da muss man einfach mal realistisch bleiben: Auch 2014 ist Veganismus auf den meisten Parties ‘ne Randerscheinung, das wird einfach schnell zum Thema weil weit weg von der Norm. Ich empfehle für interessiertes nachfragen ein bißchen Wohlwollen und Geduld, denn eine gesunde Neugier im Falle von subjektiv außergewöhnlichen Geschichten haben wir doch alle: Wenn man mit jemandem ins Gespräch kommt, der Blauwal-Besamer ist, dann stellt man dem ja auch genau die Fragen, die unsere 3 Vorgänger auch schon losgeworden sind. Ist das nicht ziemlich viel Sperma? Wie bekommt man den Blauwal dazu, stillzuhalten? Passt so eine künstliche Blauwal-Vagina in einen Smart? >> Weiterlesen