Veganes Junk-Food ist nicht gesünder als unveganes Junk-Food. Hört hört!

Nils! Wir brauchen noch was für Seite 6. Schreib irgendwas über vegan, am besten irgendwie anti, das bringt Auflage.

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So oder so ähnlich muss man sich das vermutlich vorstellen, wenn in den Redaktionen der Republik die Weichen gestellt werden. Anders kann ich mir die jüngsten Artikel zum Thema nicht erklären. Ganz aktuell: Der Test der Verbraucherzentrale Hamburg. Man muss nicht mal groß recherchieren im eigentlichen Sinn – für einen kompetenten Artikel über den Test reichte es schon, die 20-seitige Test-Übersicht zu lesen. Wahrscheinlich aber waren den feinen Herrschaften die 20 Seiten zu viel und sie haben sich einfach aus der Test-Zusammenfassung das rausgefischt, was am besten zum vorher festgelegten Ergebnis passte: Vegan ist gar nicht gesund!!!

Bzw. „Vegane Lebensmittel sind auch nicht besser“ (SPON) und „Vegan ist nicht gleich gesund“ (Weser Kurier). Daran ist natürlich erst mal niedlich, dass beide Titel sich einem Strohmann-Argument bedienen, nämlich dem, dass veganes Essen per se supergesund sei. Der Umstand, dass schnödes Mampf-Zubehör wie Nudeln mit Tomatensauce, Chips, Marzipanschokolade und Oreo-Kekse genau so in die Rubrik „vegan“ fallen wie Obst, Gemüse und Vollkornbrot, scheint die Komplexitätsgrenze mancher bezahlter Redakteure weit zu weser kurier überschreiten. Aus dem Ausspruch „Ich ernähre mich vegan“ kann man für die Gesundheit des Sprechers erst mal nur ähnlich viel Rückschlüsse ziehen wie auf den Musikgeschmack einer Person, die laut eigener Angabe „viel Rock und Pop“ hört.

Der Spiegel weiß außerdem stolz zu berichten:

„Immer mehr Menschen verzichten auf tierische Produkte – weil sie sich gesund und vor allem ethisch korrekt ernähren wollen.“

Oder mit anderen Worten: Die doofen Veganer denken, sie handelten auch beim Kauf von Kindersklaven-Kakao und Tomaten aus südspanischen Gewächshauswüsten automatisch ethisch korrekt. Sie, lieber Leser, sind jetzt angehalten, diesen Unsinn in der Kommentarspalte schön zu zerpflücken – auch wenn kein Veganer bei Verstand so was behaupten würde, aber ich werde halt nach Klickzahlen entlohnt. Und weiter:

„In Wirklichkeit aber lösen viele vegane Lebensmittel dieses Versprechen nicht ein“

Das ist ein biiiiisschen simpel, zutreffend wäre: 20 vegane Fertigprodukte lösen dieses Versprechen nicht ein. Dass man mit dem Verzehr von veganen, nicht industriell verarbeitetem Zutaten wie Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten etc. komplett aus dem Relevanz-Bereich dieses Tests fällt ist für so einen Empörungs-Artikel aber einfach zu sperrig. Und inwiefern der Test überhaupt eine Aussage über die ethische Korrektheit der Produkte zulässt konnte mir in der Kommentarspalte auch keiner beantworten.

„Längst nicht jedes pflanzliche Lebensmittel ist gesund oder wurde nachhaltig produziert.“

NEIN, Scheiss die Wand an!!! Vielen Dank lieber Nils Klawitter! Wir alle waren im blinden Glauben gefangen, gedünstete Flugananas schwimmend in Palmöl sei aufgrund des (gedachten) V-Labels in jedem Fall nachhaltiger und gesünder als eine Portion Regional-Rührei! Morgen lesen wir dann weitere knallhart recherchierte Sensationen: „Achtung! mit voller Wucht gegen Wände rennen kann zu Nasenverletzungen führen“ und „Unerwartet! Neueste Erkenntnisse zeigen Zusammenhang zwischen Flatulenzen und Geruchsbelästigung“. Wieso eigentlich gehört dieser Unsinn ins Wirtschafts-Ressort?!

Ok, aber ein gewisses Interesse daran, wie gesund Veganer sich nun im Durchschnitt ernähren, verstehe ich schon. Immerhin bietet es ein sehr bequemes Schutzargument, um sich nicht unnötig mit Tierleid zu beschäftigen, wenn man sich auf dem vermeintlichen Umstand ausruhen kann, dass das total ungesund ist. Aber bitte, ausgerechnet der Test der Verbraucherzentrale Hamburg? Die schreiben doch in der Zusammenfassung selbst:

„Auch wenn Veganer beispielsweise häufig weniger Fette aufnehmen als Menschen, die gerne mal eine Bratwurst oder Käse essen, so sollten einige Produkte daher nicht zu häufig auf dem Speiseplan stehen.“

Inwieweit man aus dem Test aber jetzt ableiten kann, dass vegane Lebensmittel schlechthin ungesund sind, das muss mir noch mal einer erklären. Generell hätte man beim Spiegel erwähnen können, dass die Verbraucherzentrale hier ausschließlich Fertigprodukte getestet hat, das wäre der Realität schon eher gerecht geworden. Insbesondere aber ein Vergleich mit den nicht-veganen Pendants hätte Aufschluss gegeben:

4 mal wurde die rote Ampel für zu hohen Fettgehalt vergeben – einmal für Fake-Hühnchen und 3 mal für veganen Käse (!). Und daraus macht Ihr dann

„Von 20 untersuchten Produkten wiesen allein vier zu viel Fett auf und fünf fielen wegen ihres Salzgehalts durch“

Sorry, aber wie hirnlos ist das denn? Die veganen Käse enthielten im Schnitt 23,3 Gramm Fett / 100 Gramm „Käse“. Ein handelsüblicher Gouda enthält 27,5 Gramm Fett / 100 Gramm Käse. Ferner verputzt kein Veganer, den ich kenne (a bit anecdotal evidence here, sorry), Unmengen von veganem Käse geschweige denn hält er ihn für besonders gesund. Hey, wäre Zutatenlisten lesen olympisch, die vegane Community hätte auf Jahrzehnte hin alle Medaillen plus die Plätze 4-20 sicher – glaubt Ihr echt, ausgerechnet wir wüssten nicht, dass Analog-Käse ernährungstechnisch betrachtet ziemlicher Kram ist? Wenn die Verbraucherzentrale noch einen Test macht mit 20 (nicht Fett-reduzierten) Käsesorten aus Kuhmilch dann weisen da 20 von 20 zu viel Fett auf.

fett in käse

Nur dass über den veganen Käse nicht gleichzeitig die Mär verbreitet wird, der sei ja doch supergesund, weil da irgendwo Calcium zwischen die fettigen Laktoselappen gequetscht ist. In jeder doofen Ernährungspyramide des Planeten ist ein nicht gerade winziger Bereich für Milchprodukte reserviert. Einen dicken, roten >20% Fett-Sticker sucht man da leider vergeblich. Aber wenn man aus ähnlich ungesunden Zutaten eine tierleid-freie Alternative herstellt, dann ist der Fettgehalt auf einmal total wichtig. Ähnlich beim Salz und den gesättigten Fettsäuren: Gerade mal 3 der 20 Produkte schnitten verglichen mit ihrem nicht-veganen Original schlechter ab. 9 besser. Dazu musste man jetzt auch nicht groß Nährwert-Datenbanken durchforsten, das hat die Verbraucherzentrale recht praktisch direkt in die Aufstellung integriert.

Generell finde ich den Test eigentlich ganz cool – die genannten Defizite prangere ich auch an. Mangelnde Transparenz, dümmlich-nichtssagende Worthülsen, die dem Produkt einen natürlichen Anstrich verpassen usw., das ist doch alles alberner Marketing-Quatsch. Und Inhaltsstoffe geheim halten finde ich auch ungefähr so geil wie ’ne Kuhfladenschlacht. Auch hier hätte man in einem begleitenden Artikel erwähnen können, dass nicht-vegane Lebensmittelhersteller in der Disziplin auch nicht gerade eine Vorreiter-Rolle einnehmen und regelmäßig ihre zusammengemanschten Fabrikabfälle mit dem Nährwert von Soylent Green als gesunde, nachhaltige und potenzsteigernde Wundermittelchen anpreisen, um damit den vollkommen überteuerten Preis zu rechtfertigen.

Trotzdem sind das wertvolle Informationen – dieser undurchsichtige Label-Djungel nervt ja wirklich. Und wenn ein paar Hersteller mit in Plastik verschweißtem Müll auf den Vegan-Zug mit aufspringen, dann bin ich dankbar dafür, wenn jemand neutrales das transparent macht.

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Was an der ganzen Sache am Ende doch irgendwie lustig ist – die erste Reaktion auf ein vegan-Outing sind oftmals mitleidige Blicke, weil man ja jetzt gezwungenermaßen nur noch gesundes Kaninchenfutter in seinem Napf hat. Kaum hat der Markt endlich reagiert und entsprechend deftige, weniger gesunde Alternativen hervorgebracht, da schreien gleich alle auf „Ha, ertappt, ist doch nicht so gesund!“. Mon Dieu! Wer hätte auch ahnen können, dass vegane Sahne nicht gerade als Grundnahrungsmittel geeignet ist? Ich fasse mal zusammen: Veganer, die sich gesund ernähren, sind spaßbefreite Gesundheitsasketen, während Veganer, die sich nicht so gesund ernähren, naive, verantwortungslose Krankenkassen-Belaster sind, die auf billige Heilsversprechen der Nahrungsmittelindustrie reinfallen. Puuuh, das war knapp, beinahe wären wir aus dem Feinbild reaktionärer Anti-Aufklärer rausgefallen.

Liebe Verbraucherzentrale Hamburg, ich mag Eure Tests echt gerne. Erst Zentrum der Gesundheit und Konsorten und jetzt vegane Fertigprodukte, zwei Daumen hoch. Aber wenn das nächste Mal die finsteren Lakaien der Boulevard-Presse anrufen um Euch plumpe Statements zu entlocken, dann lasst Euch doch eine Leseprobe zuschicken, bevor Ihr die Veröffentlichung freigebt.

Das wäre total lieb.

 

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Nachtrag 04.04.2014:

so ziemlich jedes Käseblatt hat jetzt entweder beim Weser Kurier oder dem SPIEGEL abgeschrieben bzw. den Text jeweils leicht abgeändert um der Berufsbezeichnung Qualitätsjournalist doch noch gerecht werden. Besonders dusselig hat sich dabei noch mal Behrit Uhlmann von der Süddeutschen Zeitung angestellt:

„Immer mehr Menschen mühen sich mit Tofuwürstchen und diversen Pasten ab, um Gesundheit, Figur oder dem Gewissen Gutes zu tun. Doch wer Pech hat, erwischt eines der Produkte, die noch zweifelhafter sind als fleischliche Lebensmittel.“

ich habe nun wirklich genug vegane Kochbücher für die Gesundheitsfraktion zu Hause rumliegen, um mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen zu können: In keinem steht drin „Vegan – das Beste für Körper und Seele. Gehen Sie jetzt in einen Supermarkt Ihrer Wahl und packen Sie den Wagen voll mit Tofuwürstchen und Brotaufstrichen auf Hefebasis.“ Und wenn ich mir beim Grillabend mit 2000 Kilokalorien Tofuwürstchen und Saitan-Steak den Wanst vollschlage, dann tut das meinem erleichterten Gewissen bezogen auf hierdurch nicht leidende Tiere keinen Abbruch.

Inwieweit ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben soll, weil die getesteten Produzenten mich selbst mit den auf den Verpackungen angepriesenen Produkteigenschaften verarschen wollen, kann mir vermutlich auch Frau Uhlmann nicht so recht erklären. Weiter geht es hinrissigerweise mit

„Sie müssen doch gesünder und figurfreundlicher sein. Natürlicher sowieso. Und Moral setzen viele Verbraucher ebenfalls voraus, wenn sie gezielt vegane Lebensmittel in ihren Einkaufskorb packen. Doch nun zeigt ein Marktcheck der Verbraucherzentrale Hamburg, dass diese Erwartungen herb enttäuscht werden können.“

Ja, Frau Uhlmann, wenn ich mit vollkommen irren Erwartungen in einen Supermarkt gehe, die einen etwas hohen Konsum von Glücksbärchi- und ähnlichen Heile-Welt-Videos in Kombination mit bewusstseinserweiternden Substanzen erahnen lassen, dann können die enttäuscht werden. Man kann sogar ziemlich fest davon ausgehen, dass sie das werden. Wenn ich tatsächlich davon ausgehen, dass mehrere Tage haltbarer Käseresatz mit Farbe und Konsistenz von echtem Käse ein natürliches und figurfreundliches Produkt ist, dann ist mir ohnehin nicht mehr zu helfen.

Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass Frau Uhlmann sich auch über alle Maßen empört, wenn im nächsten Testbericht überraschend schlechte Werte für Fertig-Currywurst, Gesichts-Aufschnitt und Tütensuppen festgestellt werden, weil sie sich für diese Produkte aus welchen Gründen auch immer Natürlichkeit und Figurschonung erhofft hat. Vielleicht wird sie auch jeden Monat im örtlichen Media-Markt vorstellig, weil irgendwelcher EUR 9,99 Elektronikschrott nach wenigen Monaten den Dienst einstellte.

38 Gedanken zu “Veganes Junk-Food ist nicht gesünder als unveganes Junk-Food. Hört hört!

  1. Ich versuchs ja, ich will ja und übe fast täglich, als Veganer einfach mal die Kresse…äh…Fresse zu halten, wenn es jetzt SCHON WIEDER so einen Müll zu lesen gibt, das auch noch im SPON auf prominentester Position. Blogeintrag dazu folgt also auch bei mir, featuring: Foto vom letzten Wocheneinkauf und von der Kresse, natürlich 😉

    Bis dahin freue ich mich über deinen Text, der das Ganze wieder etwas erträglicher macht.

  2. Heute morgen habe ich den Artikel bei SPON gelesen und hatte gehofft, hier eine Reaktion darauf vorzufinden. Sehr gelungen wie ich finde!

  3. Immer wenn wieder so ein geistreicher Artikel durch die Medien geistert und mein Blutdruck ins unermessliche steigt, bin ich froh hier auf eine passende Antwort zu stoßen. Es macht das Reden gegen Wände und das Kämpfen gegen Windmühlen um einiges erträglicher. 🙂

  4. Vielen Dank für die auch sprachlich gelungene Einordnung! Ich habe mich beim Lesen der ersten ca. hundert Kommentare zu dem Artikel gefragt: was ist eigentlich schlimmer – dass ein Medium wie SPON so einen Artikel veröffentlicht (was ihnen ja durchaus zuzutrauen ist – häufiger ist der einzige Unterschied zu bild.de das Layout) oder dass jeder Hanswurst seinen ungeprüften und nichtzertifzierten Senf dazugeben muss.

  5. Jetzt lesen wir die Testzusammenfassung auf der Seite der Verbraucherzentrale Hamburg und entdecken, dass SPON dort abgeschrieben hat.

    Witzig ist, dass Du überhaupt nicht auf die Kritikpunkte eingehst:

    – Produkte mit vielen Zusatzstoffen und einer industriell enormen Fertigungstiefe
    – mangelnde Kundenorientierung der Hersteller
    – oftmals keine naturbelassenen Produkte

    Und genau das steht auf der Seite der Verbrauchszentrale Hamburg. Wenn man eine Ernährung als das nonplusultra darstellt – ja, das tust du und tun andere hier, weil sie Fleischesser abwerten -, dann muss man mit Gegenwind rechnen. Aber mimimi macht sich sowieso immer besser. Und sich am besten noch gegenseitig Highfive geben.

    • Jetzt lesen wir die Testzusammenfassung auf der Seite der Verbraucherzentrale Hamburg und entdecken, dass SPON dort abgeschrieben hat.

      Jau, das schreibe ich im ersten Absatz, oder?

      Witzig ist, dass Du überhaupt nicht auf die Kritikpunkte eingehst:

      Und was mache ich im viert-letzten Absatz? Beginnt mit „Generell finde ich den Test eigentlich ganz cool – die genannten Defizite prangere ich auch an… “

      Wenn man eine Ernährung als das nonplusultra darstellt – ja, das tust du und tun andere hier, weil sie Fleischesser abwerten

      Nonplusultra klingt so nach einem 100%igen Idealzustand, so was sage ich nicht. Schon gar nicht bezogen auf die Gesundheit. Du verwechselst gerade die Vegan-Blogs, auf denen Du Dich echauffierst 😉

      Und Fleischesser habe ich hier auch nicht abgewertet. Ich war dazu viel zu lange selbst einer… solche Behauptungen bitte am besten mit Zitat.

    • Was du sagst, ist falsch. Dieser Artikel hier beleuchtet die veganen Produkte durchaus auch kritisch, statt sie unreflektiert als „nonplusultra“ darzustellen (z.B. die zwei Abschnitte über dem Bild „got milk?“). Auch kann ich hier beim besten Willen keine Abwertung von Fleischessern sehen, sondern nur eine der Autoren von SPON, Süddeutsche und Co. Aber wie sagtest du noch?

      „Aber mimimi macht sich sowieso immer besser. „

    • Wenn man eine Ernährung als das nonplusultra darstellt

      Wenn(!) man das tut, dann ist eine Ernährung immer noch etwas anderes, als ein paar industriell hergestellte Produkte, die für diese Ernährung geeignet, aber nicht zwangsläufig zu verwenden sind. Du vermengst da unnötigerweise die Ebenen.

    • BITTE SCHWEIG UND LESE DEN ARTIKEL VOM GRASLUTSCHER ERNEUT, DANKE!

      Da wundern sich die Fleischesser, wieso man sie nicht für ernst nimmt – möchtegern Argumente, obwohl diese alle im Text bereits dementiert wurden.

  6. ‚Generell finde ich den Test eigentlich ganz cool – die genannten Defizite prangere ich auch an.‘

    Damit sollte doch eigentlich schon fast alles gesagt sein – oder? Da braucht man doch nicht gleich die Seite hoch und Wieder runter zu wüten!

    Mich als fast ausschliesslich vegan lebende Frau ätzt einfach an, dass jede, aber auch jede Kritik an vegetarischem oder veganem Essen runter gemacht wird. Anstatt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und das Wesentliche ist in meinen Augen, dass es einfach keinen Sinn macht, industriell vorgefertigte Speisen zu konsumieren. Aber das zieht natürlich andere Konsequenzen nach sich, denn wer hat bei 1-3 Jobs schon Zeit, alles selber zu machen? Dazu braucht man nämlich massig Zeit, die o.g. natürlich nicht hat. Und diese Problematik ist natürlich systemimmanent.

    Dem Tierleid muss ein Ende gesetzt werden. Aber dies darf doch nicht Ulitma Ratio sein. Oder wollen wir uns jetzt anstatt von Tierproduktherstellern jetzt von Veganproduktherstellern verarschen lassen? Ich jedenfalls nicht.

    • Damit sollte doch eigentlich schon fast alles gesagt sein – oder? Da braucht man doch nicht gleich die Seite hoch und Wieder runter zu wüten!

      Das ist ja auch keine Kritik an dem Test sondern an der Berichterstattung über den Test. Haste aber schon gelesen, oder? 😉

  7. Hallo,

    Danke für diesen Artikel!
    Auch ich war sehr, sagen wir, irritiert über diesen Aufmacher gestern beim Spiegel.
    Nachdem ich die Überschrift mit großen Augen gelesen hatte, blieb nach Lektüre des Textes nur noch eine Augenbraue oben. Man kann eigentlich nur belustigt schnauben angesichts so einer Interpretation eines seriösen Testberichtes. Leider ist er aber auch Wasser auf die Mühlen der Konsum-unkritischen Mitmenschen, die nur die Überschrift lesen, den Text höchsten quer und die Quelle gar nicht.

    M. Ota

      • Auch hierzulande gibt es unter Umständen Zuckerimporte (In jedem Edeka bekommt man z.B. auch braunen Zucker, der mit Tierkohle raffniert und dann wieder eingefärbt wurde).
        Darüber hinaus könnten in „deutschen“ Oreos ebenso Stoffe tierischen Ursprungs enthalten sein oder bei der Produktion verwendet werden, die nicht angegeben werden müssen (siehe z.B. die etwaigen tierischen Enzyme im Teig bei den amerikanischen).

        Möglicherweise(!) sind „deutsche“ Oreos also frei von tierischen Inhalts- und Produktionshilfsstoffen, seit sie keine Kuhmilchbestandteile mehr enthalten, aber davon abgesehen gehören Oreos zu Kraft Foods, einem unangenehmen Großkonzern, der u.a. Tierversuche durchführt.

        Warum dieses Produkt also immer wieder gebetsmühlenartig angeführt werden muss, wenn es um vegane Süßigkeiten geht, irritiert mich stets aufs Neue.
        Ich empfehle, vegane „Oreo“-Kekse einfach selbst zu backen.

    • Das finde ich etwas schlicht. Das Fleisch essen ist imo nicht Ergebnis der Verblödung sondern das Nicht-Fleisch Essen Ergebnis von Aufklärung.
      Ich bin nicht plötzlich intelligenter geworden und habe deswegen aufgehört, Fleisch zu essen. Ich war einfach besser informiert, that’s it.

      Man überzeugt außerdem wenig Menschen, indem man ihnen per se Dummheit unterstellt. Richard Dawkins ist ziemlich intelligent und isst Fleisch.

      • Ich vermute, aussteiger spielt auf einen Text aus Georg Schramms großartigem Programm „Thomas Bernhard hätte geschossen“ an: Als Lothar Dombrowski sagt er (ca. bei 58:14 min) „Wir brauchen Idioten, sonst frisst keiner das Gammelfleisch“. Der Text (und das Programm) ist aber Kritik an Gesundheitswesen und (Bildungs-)Politik und am Einfluss der Lobbies darauf. Eine Aussage pro Veganismus war das nicht (hätte das Publikum 2005 wohl auch nicht verstanden).

  8. In einem Bezug wurde hier aber nicht mit zweierlei Maß gemessen: es werden dieselben, größtenteils unbewiesenen Ernährungsdogmen auferlegt, die in den Gebetsmühlen der zeitschriftenregale stehen. Ungesättigte Fettsäuren. Salz. Herrje. Wenigstens spricht keiner von Cholesterin, aber natürlich nur, weil es in veganen Produkten nicht enthalten ist und damit für diesen Artikel ungeeignet – nicht, weil alles, was man darüber immer noch zu wissen glaubt, von vornherein gelogen war.

    Um uns stressfrei, und damit gesund, zu ernähren, bräuchte es noch ne ganze Menge Ernährungsagnostizismus – und vor allem Bauchgefühl. Mir gehts nach dem Seitanhacksteak jedenfalls nicht schlechter als nach nem fettfreien sauren Apfel – im Gegenteil.

  9. Herrlich! Danke danke für deine tollen Einträge immer. Die sind eine Bereicherung und eine Medizin für die Seele! Da liest solche Schlagzeilen und fühlt sich wie Alice im Kaninchenbau und hält nach fliegenden Schweinen ausschau, so unglaublich ist es, was man immer so zu hören bekommen. Wäre schön, wenn man alle deine schlagfertigen Argumente mal in deren Gehirne uploaden könne … was wäre das für eine Welt…

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