19 comments on “Wählt Sarah Wiener – für natürliche Bienendemokratie und gegen Sojawasser

  1. (Klugscheißerischer) Fun-Fact: Viele Naturschutzgebiete existieren in ihrer heutigen Form nur, weil hin und wieder Kampfpanzer durchbrettern! Besuch doch z.B. mal das NSG Mainzer Sand (auch heute noch militärisch genutzt), ökologisch höchst interessant mit einem großen Angebot an Führungen und Exkursionen und öffentlichen Arbeitseinsätzen.

    Danke für den super Artikel, wie immer eine Freude zu lesen! :D

    • Auch wegen solcher und anderer typischer Vorwürfe gegen Veganer und Veganerinnen (“Was kannst du denn dann überhaupt noch essen?”) habe ich diese Website gestartet: paradysium.de

      Ich gebe zu, die Fotos sind recht künstlich. ;)

      • Deine Seite ist wirklich beeindruckend, nicht nur was die Qualität der Fotos anbelangt, sondern auch angesichts der akribischen Zuordnung der wissenschaftlichen Namen und sogar des Vermerks von Varietäten – DAS nenne ich “solide fachliche Basis”. Und nicht das
        völlig willkürliche und geradezu erschreckend unlogische Gerede einer ignoranten Promifigur…

        Danke für diese Fleißarbeit und weiterhin viele Erfolgserlebnisse beim Sammeln!

  2. Ich wünsche diesem ausgezeichneten Artikel wider den Schwachsinn eine möglichst weite Verbreitung!!! Und was die Wiener-Wurst betrifft, die ist wirklich der Ulrich Kutschera unter den Köchinnen… nur dass Kutschera kürzlich erstmals von einem Vortrag wieder ausgeladen wurde, weil die Veranstalter endlich, endlich gemerkt hatten, was sie sich da an “Kompetenz” ins Haus holen – merkt’s bei Sarah Wiener bald auch mal jemand??

  3. Danke, Jan für diesen hervorragenden Artikel…..
    … der mich und meine Ambivalenz siechend zurücklässt.
    Denn *eigentlich* schätze ich Fr. Wiener für die meisten ihrer Ansichten und Taten sehr…
    …. aber eben nur *eigentlich*….

  4. Hier ein Beleg zur “Pionierthese” von Sarah Wiener: http://www.sueddeutsche.de/wissen/biologie-pioniergeist-unter-bienen-1.1304400

    2% ist dabei natürlich im Sinne einer Größenordnung zu verstehen und muss in dem Zusammenhang nicht auf die Goldwaage gelegt werden.

    Sarah Wiener hat mit großer Sicherheit das Buch “Bienendemokratie” von Seeley (und andere Fachliteratur) gelesen. Es ist unter Bienen-Liebhabern sehr bekannt und eine Art Standardwerk. Auch Seeley beschreibt sehr ausführlich, dass ein kleiner Prozentsatz der Bienen dafür verantwortlich ist, eine neue Wohnung auszukundschaften. Der Rest der Bienen folgt, ohne sich an dem Entscheidungsprozess irgendwie zu beteiligen.

    Sarah Wiener ist selbst Imkerin und hat sich u.a. bei uns fortgebildet. Ihre Aussagen über Bienen sind daher nicht aus der Luft gegriffen, sondern haben eine solide fachliche Basis.

    • Als studierter Biologe, der beim Lesen des Wienerschen “natürlich-künstlich”-Gequassels unsäglich gelitten hat, erlaube ich mir folgende Anmerkung: Das, was Sie “Pionierthese” nennen, ist eigentlich ein evolutionsbiologischer Gemeinplatz, und zwar schon seit Darwins Zeiten (der letzte Absatz des von Ihnen angegebenen Artikels deutet dies an). Natürliche Selektion hängt mit erblicher Variabilität von Organismen zusammen. Variieren kann dabei alles mögliche: Körpergröße, Geschwindigkeit von Stoffwechselprozessen, bestimmte Verhaltensweisen. Varietäten, die sich weit außerhalb des Durchschnittes bewegen – also etwa jene zwei Prozent an den Enden einer Normalverteilungskurve – können Populationen vor dem Aussterben retten, wenn z.B. Umweltbedingungen sich stark ändern und sie zufällig die “richtigen” Eigenschaften aufweisen, um sich aus der Krisensituation heraus wieder auszubreiten.

      In dieser Hinsicht wären diese Abweichler von der Norm also “Pioniere”. Das passiert ständig, ist absolut trivial, so dass es eigentlich nur darum geht, diese vermenschlichende Begrifflichkeit anhand der Besonderheiten der betreffenden Tierarten genauer zu erklären (hier also: soziale Insekten, speziell Bienen). Vermenschlichende Beschreibungen sind manchmal didaktisch gut, viel öfter aber der reinste Humbug. Schauen Sie sich doch mal an, was Sie da schreiben: Bienen sollen “demokratisch” sein, aha. Und dann kommt: 98% der Bienen folgen 2%, “OHNE SICH AN DEM ENTSCHEIDUNGSPROZESS IRGENDWIE ZU BETEILIGEN.”

      Wow – ich kenne zwar viele Leute, die von solchen “Demokratien” träumen (siehe christliche Demokratie polnischen Zuschnitts), aber ich persönlich hätte da gewisse Vorbehalte…

    • Hallo Erhard,

      danke für den Link, du bist vermutlich auch der User, der den entsprechenden Facebook-Kommentar geschrieben hat?

      Eine andere Userin war Dir schon zuvor gekommen und so habe ich den Artikel um einen Nachtrag ergänzt. Da ich etwas faul bin, kopiere ich ihn hier rein:

      [NACHTRAG]

      Laut einer aufmerksamen Leserin hat Sarah Wiener mit ihr zusammen ein Seminar zu Bienenhaltung besucht, in dem viele Inhalte auf einem Buch mit dem Namen “Bienendemokratie – wie Bienen kollektiv entscheiden und was wir davon lernen können” von Thomas D. Seeley basieren. Laut diesem gibt es Anhaltspunkte, dass Bienenschwärme in bestimmten Situationen kollektive Entscheidungen treffen. Aus einem anderen Link geht die These hervor, dass ein Teil der Bienen sogenannte Pionierbienen sind, die neue Nist- und Futterplätze suchen.
      Vielen Dank für diese Quellen, es ist sehr aufschlussreich Und irgendwie auch beruhigend, dass Sarah Wiener sich das nicht einfach frei erfunden hat, so wirkte es nämlich auf den ersten Blick. Ich halte an meiner Kritik aber insoweit fest, dass Frau Wiener offenbar Probleme damit hat, Sachverhalte korrekt wiederzugeben, was ja auch zum Rest meines Textes passt:

      Sie behauptet, die Pionierbienen würden im Gegensatz zu den anderen nicht dem Naturgesetz folgen, so als wäre deren Verhalten einem ganz anderen Mechanismus unterworfen. Dabei geht aus dem Link hervor, dass das eine genetische Veranlagung ist, also sehr wohl eine Art von innerem Plan, dem die Kreatur folgt und vollkommen im Einklang mit dem Naturgesetz. Und es bleibt für mich absurd, dass sie diesen 2% (eigentlich 16%) eine heldenhafte Rolle zuschreibt, weil sie eben was anderes ausprobieren, während sie genau das bei Veganern bemängelt. Zumal dieses “was anderes ausprobieren” ja keine rationale Entscheidung ist, gegen den Strom zu schwimmen, sondern schlicht Teil ihrer biologischen Programmierung.

      “Diese Bienen sichern das Überleben des ganzen Volkes” ist in meinen Augen auch irreführend, denn die 84% “normalen” Sammler-Bienen sichern ja genauso das Überleben des ganzen Volkes. Die Basis mag korrekt sein, aber was sie daraus konstruiert, dürfte auf einem Imker-Fachkongress nicht zwingend für Zustimmung sorgen.

      Und wenn sie sagt, die Bienen seien demokratisch, dann ist das eben auch eine recht eigenwillige Interpretation. Was die Forscher damit meinen, ist, dass die Bienen in einer Art Schwarmbewusstsein eine so komplexe Entscheidung treffen können, für welche die Kapazität des einzelnen Individuums nicht ausreichen würde. Ohne Frage eine interessante Erkenntnis, aber mit der menschlichen Staatsform einer Demokratie hat das nun mal recht wenig zu tun. Da geht es ja darum, dass alle Macht vom Volke ausgeht und dass mündige Wesen eine Entscheidung treffen, die ihre Interessen vertritt. Dazu dann zu sagen, Bienen seien demokratisch, ist wie wenn Leute die Entdeckung des Higgs-Boson als einen Beweis für die Existenz Gottes ansehen, weil es in populären Darstellungen “Gottesteilchen” gennant wird. Das ist aber erst mal nur ein Wort.

      Alles in allem eine recht verklärte Interpretation, die Dinge so darstellt, wie Sarah Wiener sie gerne hätte. Was sich nahtlos einfügt in ihre Ansichten zu Veganismus, zu dessen Thesen sie vermutlich mal irgendwo zutreffende Dinge gelesen hat, diese aber in so falsche Zusammenhänge bringt, dass am Ende sehr eigenwillige Interpretationen herauskommen.
      Ich gebe zu, man kann einigen Entscheidungen der Bienenvölker einen schwarmintelligenten Charakter nachsagen, und die nennt dieser Bienenforscher “Bienendemokratie”, insofern ist der Begriff nicht so lustig, wie ich zuerst dachte. In einem Interview zu behaupten, Bienen seien demokratisch, halte ich aber immer noch für gewagt.

    • Ich stimme Kampfdrohne zu, demokratische Bienen, die sich in exis­ten­zi­ellen Fragen einfach auf Gedeih und Verderb den Pionierbienen ausliefern, ohne sich an der Entscheidung im Mindesten zu beteiligen, wirken nicht sonderlich demokratisch ;)

  5. Mag Sarah Wiener vielleicht mit ihrer Bienenthese nicht ganz falsch liegen, so sind immer noch 98% (um mich ihrer heiligen Zahl zu bedienen) ihrer anderen Aussagen unreflektiert und wenig fundiert. Und wie man so vehement gegen eine so winzige Minderheit (i.e. VeganerInnen) schiessen und gleichzeitig jene prozentual ähnliche Minderheit der Bienen für deren Entdeckungsdrang und Mut, Neues auszuprobieren, hochloben kann, geht mir echt nicht in den Kopf.
    Kritisch wird’s bloss, wenn diese Frau nicht als narzisstische Verschwörungstheoretikerin mit einem unerklärlich intensiven Groll gegen Veganismus (womöglich eine nicht-erwiderte Liebe eines Veganers?) angesehen, sondern tatsächlich noch ernst genommen wird – von dieser ominösen 98%-Mehrheit.
    Nun denn, bleibt mir halt nichts anderes übrig, als weiterhin mit den 2% Ausgestossenen rumzustreunen… summ… summ…

  6. Super Post, wie immer! Kleine Korrektur: Der naturalistische Fehlschluss ist ein Fehlschluss in der philosophischen Metaethik, und es kommt jetzt nicht so genau drauf an, wie er tatsächlich geht, aber man sollte ihn vom “es ist natürlich, also gut”-Fehlschluss unterscheiden. Sonst rotiert A.J. Ayer im Grab! Auf Englisch sagt man da immer “Appeal to Nature”, auf Deutsch könnte man ihn auch einfach den Natürlichkeitsfehlschluss nennen (aus Mangel an besseren Alternativen). Oder wenn’s sein muss halt einfach “Sein-Sollen-Fehlschluss”, denn davon ist er ja eine Variante.

  7. Sarah Wiener ist inzwischen unter die Produzenten von veganen Pasten und Fruchtmusen
    gegangen. Wie passt das zusammen?
    Jedenfalls ist ihre Meinung zu Veganismus keine gut Werbung für Ihre Produkte.

  8. Ich habe einfach mal versucht Sarah zu verstehen. Meiner Meinung nach ist sie eine talentierte Handwerkerin die Tradition und altes Zeugs liebt. Darauf hat sie sich auch spezialisiert.

    “Nachhaltigkeit” und “bessere Haltungsbedinungen” passen daher auch in ihr Programm denn “früher war ja alles besser”. In mancher Hinsicht stimmt das ja auch, daher landet sie in der Kategorie des öfteren mal treffer.

    So:

    - Die meisten veganen Gerichte sind jetzt in Europa erst mal eine Neuheit, das ist schon mal schlecht für Sarah. Neu ist nicht so ihr Ding.

    - Produkte z.B. im Supermarkt, die mit Maschinen hergestellt wurden sind auch böse. Sie ist ja Handwerkerin und möchte möglichst viel von Hand machen.

    Ihre Art sich Wissen anzueignen scheint ja möglichst Praxisnah zu sein, am besten direkt vom alten Handwerksmeister. Das hat sie ja zumindest in ihrer komischen Sendung gemacht wo sie mit ihrer Ente (oder was das für ein Ding ist) durch Europa fährt.

    - Es gibt traditionelle, handwerklich hergestellte Sojaprodukte und sogar vegane Ernährung z.B. in Asien / bei buddhistischen Mönchen. Da kann sie aber nicht hin, die Ente schafft die weite Strecke nicht.

    - Sie spricht einige Europäische Fremdsprachen, vermutlich aber keine Asiatische. Also kann sie auch nicht mit dem alten Tofumeister quatschen…

    Was soll die arme Frau jetzt machen? Ihr Strategie ist offenbar all die Sachen die sie sich nicht aneignen kann/will als böse zu bezeichnen. Damit wird das neue unterdrückt und sie kann länger die gefrage Handwerklich begabte Spezialexpertin bleiben….

  9. Es gibt aber tatsächlich eine serienreihe mit Sarah Wiener, wo sie durch Asien reist und alte kochkünste kennen lernt. Unter anderem auch in China bei einer Familie die schon seit Generationen Tofu herstellt. Sie weiss also wie es geht. Ich selbst habe auch selbst gemachte Sojamilch von der Mutter meiner chinesischen Freundin bekommen und ich kann sagen, dass war eins der wenigen Dinge in China die richtig lecker waren.

  10. Nun ist mir der „Graslutscher“ zwar schon länger ein Begriff, taucht er doch gelegentlich in meinem FB-Stream auf, heute erst setzte ich mich über das Was-ein-bescheuerter-Name hinweg und begann zu lesen, was sich hinter den Likes/Postings/Links verbirgt, und musste recht schnell feststellen, du hast es ja echt drauf, sowohl inhaltlich als auch von der Rhetorik her, schick.

    Topic: Wenn wir einmal wieder ein Catering von ihr dastehen haben, werde ich ganz genau hingucken, was ihre Truppe im Wagen für die Veganer-Fraktion bereithält, könnte wetten, dass da dann auch eine Sojamilch neben der Kaffeemaschine steht.

  11. Hallo Jan,

    wieder mal ein sehr schöner Artikel. Man kann es wohl drehen und wenden wie man will, Sarah Wiener ist offensichtlich ein Rad im Getriebe des karnistischen Systems, ob nun bewusst oder unbewusst. Sie fördert den Mythos von der Notwendigkeit des Fleischkonsums (eines der drei Rechtfertigungs-”N”s des Karnismus zusammen mit “natürlich” und “normal”) und sorgt damit für die Gewissensberuhigung der Tierverbraucherinnen und -verbraucher, solange nur ein Bio-Siegel auf den Produkten prangt, welche sie aus der Massentierhaltung erwerben. Damit macht sie sich (wieder bewusst oder unbewusst) zur Komplizin eben dieser schlimmen Industrie.

    Mir fällt außerdem auf, dass zwar die grausamen Praktiken der Massentierhaltung immer stärker in die öffentliche Diskussion geraten, dass aber gleichzeitig dem durchschnittlichen Medienkonsumenten immer mehr (Bio-)Kleinbetriebe präsentiert werden (z.B. in Reality-Shows über und mit “Landfrauen”), in denen z.B. die Schweine sich in der kurzen Zeit bis zu ihrem gewaltsamen Tod zumindest noch im Schlamm suhlen und auf auf großen Flächen frei bewegen dürfen. Die Reihe von Sarah Wiener auf arte fügte sich auch nahtlos in dieses Schema. Offenbar soll damit suggeriert werden, dass die Bioprodukte aus dem Supermarkt um die Ecke irgendetwas damit zu tun hätten. Nur wer sich aus eigener Initiative bewusst damit beschäftigt, erfährt, dass auch hinter den Bio-Tierprodukten im Einzelhandel eine genauso grausame und quälerische Massenindustrie steht.

    Und eine Sarah Wiener, die eigentlich genau wissen müsste, dass das “Bio” in “Bio-Fleisch” eben so gar nichts mit artgerechter Haltung zu tun hat, tut nicht nur nichts, um dieses verbreitete Missverständnis aufzuklären, sondern befördert es sogar noch und schießt sich stattdessen auf diejenigen ein, die das erkannt haben und daraus die einzig richtige Konsequenz ziehen, diese unnötigen und sogar gesundheitsschädlichen Produkten einfach im Regal liegen zu lassen.

    Interessant wäre einmal eine öffentliche Diskussion zwischen Sarah Wiener und einer gut informierten Veganerin wie z.B. Hilal Sezgin oder Karen Duve. (Von Attila Hildmann wäre eher abzusehen.) Da hätte die liebe und immer gut gelaunte Sarah auch intellektuell wohl keine Chance. Vielleicht sieht man sie genau deshalb nur in Diskussionen mit Großagrarvertretern vom Schlage eines Christian Schmidt. Gegen die kann sie wenigstens noch ein bisschen glänzen.

    Gruß
    Hauke

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