From Sarah with Love-Hate

Mit Sarah Wiener verbinde ich so eine Art Hassliebe (ha-ha, der Veganer hat „Hass“ geschrieben). Nein, ich werfe morgens keine Dartpfeile auf ein in eine Zielscheibe eingerahmtes Sarah Wiener-Foto, aber wenn sie irgendwo erscheint, dann ist meine Erwartung erst mal vorsichtig. Das ist so, wie wenn Jogi Löw einen dieser Überraschungsei-Stürmer einwechselt, die an guten Tagen alleine einen 0:3 Rückstand aufholen können, aber an schlechten Tagen ständig nur über die eigene Hose stolpern, so dass man sie nach 5 Minuten wieder auswechseln möchte. Mit dem Unterschied, dass man Sarah Wiener nicht so ohne Weiteres auswechseln kann. Sie wird oft zu Talk-Shows mit Ernährungsthemen eingeladen und ist dann dort zugegeben meist die mit Abstand hellste Person der Runde, aber an schlechten Tagen…

Sarah ist eine der wenigen Personen, der ich ihre „ich esse nur Bio-Fleisch“-Grundsätze tatsächlich abnehme – während die meisten anderen Menschen mit „Ich esse fast nur Bio-Fleisch“ meinen, dass sie im November 2009 mal welches gekauft haben, zieht Sarah das offenbar durch. Ich erkenne das an, auch wenn ich den Grundgedanken dahinter nicht teile. Mir kommt das mit dem Bio-Fleisch so vor als wenn jemand an Silvester den guten Vorsatz fasst, nächstes Jahr nur 10 alte Autoreifen in den Rhein zu schmeißen. Klar, 10 alte Reifen im Rhein sind besser als 50 alte Reifen im Rhein. Aber das Bild, wie die 10 schwarzen Kautschuk-Teile im Wasser herumdümpeln, ist halt irgendwie doch unschön. Da fragt man sich schon irgendwann, ob es überhaupt alte Reifen im Rhein braucht.

artikel

Anyway, sie ist trotzdem meist die Person einer Gesprächsrunde, die meiner Position deutlich am nächsten ist, weil diese Fernseh-Nasen bei der Auswahl von Studiogästen mitunter das Talent einer Stubenfliege auf LSD an den Tag legen und Frau Wiener 4 Hardcore-Wurst-Päpste zur Seite setzen. Zum Thema „Fleischlose Ernährung, ist das nicht was für vollkommen kranke Spinner“ lädt man bei ARD und ZDF gerne mal 5 Fleischesser ein, eine ähnlich vielversprechende Zusammenstellung als würde man zum Thema Schwangerschaftsbeschwerden eine Runde mit 5 alten Männern moderieren. Und dann ist Sarah meist eine Wohltat, da sie doch die mit Abstand unfleischigste Vertreterin ist. Sie würde z.B. so Unsinn wie „Nicht jeder kann sich ein Hühnchen für 25 Euro leisten“ nicht sagen. Sarah hat eigentlich auch nicht wirklich etwas gegen Vegetarier und Veganer, sie erkennt das Grundmotiv oftmals offen an. Zumindest ist das mein Gesamtfazit nach gefühlt 25 ansonsten leider recht dämlichen Talk-Shows mit ihrer Beteiligung.

Nun hat Sarah einen Kolumnenbeitrag für die „Enorm“ geschrieben, der im Prinzip gar nicht schlecht beginnt, dann jedoch mit ein paar monströsen Denkfehlern den guten Start mit dem Hintern komplett einreißt, schwelende Text-Ruinen hinterlässt und gar nicht so enorm daherkommt. Hand aufs Herz Sarah, an dem Tag wärst Du besser auf der Ersatzbank geblieben. Erst das Positive: Laut eigener Aussage ist Frau Wiener in ihrer „only-bio“-Haltung so konsequent, dass sie während eines Südamerika-Aufenthaltes mangels Transparenz des erhältlichen Fleisches komplett vegetarisch gelebt hat. Das kann man jetzt finden wie man will, ich kenne auch Video-Material aus deutschen Bio-Betrieben, angesichts derer Frau Wieners Konsequenz einem nur ein zynisches Lachen entlocken könnte. Aber wenn ich mich schon ständig beschwere über die Inkonsequenz der (doch nicht)-nur-Bio-Esser dann muss ich auch mal sagen, wenn jemand das besser macht.

Sie sagt auch klipp und klar, dass unter den hierzulande vertilgten Fleischmengen Planet und Kreatur massiv leiden, was im Prinzip auch nicht überrascht, setzt sie sich z.B. seit Längerem gegen das Töten männlicher Küken ein. So weit so gut, würde ich alles sofort unterschreiben. Bis zu dem Punkt, an dem sie sagt, vegane Ernährung sei auch keine Lösung des Grundproblems und ein Ausrufezeichen hinterher schießt. Da muss ich zum ersten Mal einhaken und ganz doof fragen: Was genau ist denn das Grundproblem für Frau Wiener? Sie schreibt weiter oben noch

 „Für mich ist es kein Genuss, in den Schenkel eines Huhns zu beißen, das weder Sonne noch Wind gespürt hat, dessen Schnabel amputiert wurde und das schon nach wenigen Tagen sein Körpergewicht kaum mehr tragen konnte.“

Tja, nennt mich naiv, aber ich denke, dieses Problem bekäme man schon ganz gut in den Griff mit einer fleischfreien Ernährung.

Auch die von ihr stark kritisierte Antibiotika-Gabe, die sie als Köchin aus „ethischen Gründen“ ablehnt, hängt schon irgendwie mehr oder weniger mit Fleischverzehr zusammen, oder? Würden wir also keines essen, dann hörte dieser Antibiotika-Quatsch, schwupps, einfach auf. Und genau das und dieser 40.000 Frankenstein-Tiere auf engstem Raum-Blödsinn sind in meinen Augen das Grundproblem. Wenn sie also nur Bio-Fleisch isst, das offiziell ohne pauschale Antibiotika auskommt, dann ist das einfach Ausdruck ihrer Ethik, um Antibiotika-Einsatz zu verringern. Wenn ich aber nun auch das Bio-Fleisch weglasse, dann löst das das Grundproblem nicht? Hä? Weil das Ministerium für Bodenverunreinigung für jeden erfassten Veganer Medikamente ins Grundwasser kippt oder wie?

Sie schwenkt dann unvermittelt um von der Ethik-Schiene auf Ökologie- und zum Teil  etwas schwurbelige Natürlichkeits-Argumentation:

„Vegan zu leben fördert weder die Nachfrage nach Produkten aus einer anständigen Tierhaltung noch die nach natürlichen, ökologisch erzeugten Lebensmitteln aus der eigenen Region.“

regioanle Seitan-Wurst

Ehm, ja. Veganismus fördert in der Tat keine Produkte aus anständiger Tierhaltung. Ein Mann mit Glatze fördert auch keine Friseursalons und ein 6-jähriges Kind keine Rasierschaum-Produzenten, that’s life. Hat anständige Tierhaltung denn irgendeinen Selbstzweck, dass eine Welt ohne sie so gar nicht mehr lebenswert wäre? Soll ich schon aus Prinzip jeden Monat eine Bio-Salami kaufen als mein persönlicher Beitrag für die Erhaltung dieser sympathischen Branche? Wenig Fleisch essen fördert übrigens auch keine Produkte aus anständiger Tierhaltung, dazu bräuchte man erst mal anständige Tierhaltung, die sich mit Profitmaximierung aber nun mal ziemlich ausschließt. Aber selbst wenn es die flächendeckend gäbe: Wie absurd ist es, von Veganern zu verlangen, Tierhaltung zu supporten? Ich finde es ja schön, dass die gute Frau sich gegen Misshandlungen ausspricht, aber sie scheint nicht zu verstehen, dass für manche Menschen auch der Tod der Kreatur eine fragwürdige Maßnahme darstellt, die nur mit „Jetzt gibt es lecker Happi-happi!“ nicht zu rechtfertigen ist.

Und seit wann Veganer ökologisch erzeugte, regionale Produkte boykottieren konnte mir der Zentralrat der Wiesbadener Kartoffelbauern spontan auch nicht beantworten. Hey, ihr mitlesenden Veganer, sagt mal: Wieso erdreistet Ihr euch, nie regional einzukaufen?? Das finde ich total mies von euch! Ach, ihr kauft gerne und oft regional ein? Soso… und wieso schreibt die liebe Sarah dann, dass ihr immer nur die abgepackte Übersee-Paprika der Gattung Pestizia kauft? … nein! Ihr meint, das könnte am Ende gar nicht stimmen? Sie hat sich das nur ausgedacht?? *Deutlich hörbares Einatmen* Also Sarah, wirklich… was hindert einen Veganer denn daran, eine regionale Bio-Möhre zu kaufen? Merkst’e selber, ne?

Ja, der Markt für vegane Ersatzprodukte ist nicht der wahrgewordene Traum der Pioniere von ökologischem Bio-Anbau. Die sind ständig in 10 Kilo Plastik eingepackt und werden meist zentral hergestellt, um dann in die restliche Republik gefahren zu werden. Wir würden ja auch gerne Seitan-Würstchen vom eigenen Acker essen, aber alle Versuche, mir hier im Garten einen Ableger hochzuziehen, sind grandios gescheitert. Aber die Grundzutaten für vegane Seitan- und Soja-Produkte, z.B. biologisch angebauter Weizen, sollen sich ja durchaus ökologisch angebaut beschaffen lassen. Wie um alles in der Welt kommt die Frau denn aber auf die Idee, diese Produkte würden das Klima mehr „versauen“ als Bio-Fleisch? Weil sie „industriell“ hergestellt sind? Tut mir leid, aber da ist wohl eher eine romantisch verklärte Sehnsucht nach pittoresken Wurst-Manufakturen der Vater des Gedanken: Die hohe Klimabelastung von industriell hergestelltem Fleisch kommt ja  nicht daher, dass die Fließbänder in einer Schlachtfabrik zu viel Strom verbrauchen oder das Gebäude sich so hässlich grau vor dem umliegenden Grün abzeichnet.

Fleisch ist eine klimatechnische Katastrophe, weil man dafür von so ziemlich Allem ein Vielfaches braucht: Mehr Energie, mehr Fläche, mehr Sprit, mehr Dünger, mehr Pestizide, mehr Transport, mehr Verarbeitung. Auch das Zerschlagen aller großen Mastanlagen in niedliche kleine Ställe würde das Problem der hohen Emission von Treibhausgasen nicht lösen. Man kann ein abgepacktes Tofu-Steak ja gerne kulinarisch uninteressant finden, die evtl. darin enthaltenen Zusatzstoffe darin kritisieren oder Fertigprodukte generell ungesund finden. Aber klimatechnisch steht das immer noch weit besser da als die gleiche Menge Hack aus Schweinchen Babe, selbst wenn dieses ein ganz tolles Leben mit marmornen Whirlpools und Biermassagen hinter sich hat. Wovon redet die Gute da also, wenn sie veganen Fertigprodukten vorwirft, das Klima zu versauen und das Wasser zu vergiften? Wheaty Spacebars werden vermutlich nicht komplett klimaneutral hergestellt, sind aber eindeutig die bessere Wahl als ihre Fleisch-Brüder und Schwestern. Und um nachhaltig das Wasser zu vergiften erzeugt die Seitan-Branche wohl so ca. 200 Milliarden Liter Gülle zu wenig, mit denen wiederum die hiesige Tierhaltungs-Szene unser Grundwasser beglückt.

gut und schlecht

Geht es hier also überhaupt um Nachhaltigkeit? Eigentlich nicht, Sarah hat wohl irgendwie „unnatürlich“ mit „unökologisch“ verwechselt und unterstellt nun jedem Nahrungsmittel, das nicht mit viel Liebe und Zuneigung in Handarbeit auf einer Alm hergestellt wurde, automatisch ein Klimakiller und Trinkwasser-Verschmutzer zu sein. Ich finde es ja auch prinzipiell eine gute Idee, Essen möglichst frisch zuzubereiten, aber was hat das mit „natürlich“ zu tun? Natürliche Dinge sind doch nicht per Definition was Gutes und künstliche immer was Schlechtes. Ist Natürlichkeit nicht ohnehin ein ziemlich dehnbarer Begriff für eine Zivilisation, deren Supermarkt-Regale mit allerlei Gemüse und Obst befüllt sind, die es in der Form vor 200 Jahren noch gar nicht gab? Nein, sagt Sarah Wiener, denn *Tusch*: Ausgedrückte Sojabohnen sind widerlich.

Kochen und drücken Sie Sojabohnen einmal aus – die Brühe ist kaum trinkbar, die möchte sich niemand in seine Latte Macchiato kippen.

Und weil die nur so ausgedrückt im Latte Macchiato nicht schmecken, ist schmackhaft gemachte Sojamilch so künstlich wie Cola. Ja genau, diese Sojamilch ist voll unnatürliches Teufelszeug. Da lobe ich mir doch die gute, super-natürliche Kuh-Milch, direkt aus dem Euter, mjammi! Ok, also als Roh-Milch geht das natürlich nicht, durch die großen Fett-Tröpfchen kriegt man davon kaum mehr als ein Glas runter. Spritzen wir die Milch also unter hohem Druck auf eine Metallplatte und nennen es Homogenisierung. Milch voll natürlich

Ach ja, und dann kann Rohmilch so unschöne Sachen wie Listeriose oder Hirnhautentzündungen auslösen und vergammelt auch recht schnell, weswegen wir sie erst mal pasteurisieren müssen, sofern der Latte Macchiato nicht zufällig neben einem Kuhstall getrunken werden will. Während die Kuh-Milch also ganz im Einklang mit der Natur durch ein paar hochmoderne Maschinen gejagt wird, bevor man sie wie unsere Vorväter und -mütter in großen Kühlhallen lagert, trinken wir künstlichen Veganer-Cyborgs diese verfluchte Sojamilch aus dem Chemiebaukasten! Wir sind solche Freaks!

So weit so schlecht, aber leider nicht zu Ende, die eingewechselte Sarah legt es unbedingt noch darauf an, ihrem Team ein paar Eigentore in den Kasten zu ballern. Denn während Sarah Wiener in Südamerika kein Fleisch isst, weil es da kein als solches ausgewiesenes Bio-Fleisch gibt, und dann zu Hause alle Sorgen vergisst solange das richtige Siegel auf der Wurst klebt, fällt ihr auf einmal auf:

„Auch bei Bio entdeckt der clevere Stratege, dass man nicht unbedingt Idealist und Überzeugungstäter sein muss, um am Bio-Trend mitzuverdienen. Geld regiert die Welt.“

Hat Sarah nicht weiter oben noch bemängelt, wir Veganer stellten absurde Essensregeln auf? Wie absurd ist denn bitte dieses Bio-Fleisch-Mantra, wenn die gute Frau gleichzeitig kritisiert, dass Bio-Convenience-Produkte (ich vermute mal, dass sie darauf abzielt) auch ihre Grenzen haben? Mal sehen, also wenn vegane Bio-Convenience Produkte nicht die Welt retten, weil irgendwelche geldgierigen Produzenten das Siegel nur als Vehikel zum Portemonnaie des Käufers missbrauchen, welche Rückschlüsse lässt das wohl auf Bio-Fleisch im allgemeinen zu? Na klar, dass Bio-Fleisch immer eine ganz feine Sache ist (zumindest wenn man die blaue Pille genommen hat).

Der Artikel driftet dann komplett ab in die Richtung, dass alles künstliche irgendwie schlecht sein muss:

„je gezielter und selbstverständlicher wir unsere Nahrungsmittel nach unserer Vorstellung kreieren, desto mehr entfernen wir uns von der Natur – und damit von unseren Wurzeln.“

Wheaty immer böse2

Damit meint sie wohl, dass abgepackte Seitan-Steaks nicht auf Bäumen wachsen. Da wachsen aber auch keine Königsberger Klopse oder Käsespätzle. Hohe Kochkunst definiert sich doch selbst dadurch, Nahrung nach unserer Vorstellung zu kreieren, oder nicht? Ich weiß schon, worauf sie hinaus will, aber ihr Denkmuster ist in seiner Schwarz/weiß-Denke derartig willkürlich, dass sie es selbst nicht mal sauber ausformulieren kann. Stark verarbeitete Gerichte mögen für den menschlichen Organismus meist nicht gerade ideal sein, aber das liegt ja nicht daran, dass sie nicht selbst gekocht sind, sondern weil oft Geschmacksverstärker oder Konservierungsstoffe enthalten sind. Man kann (immer öfter) auch fertige Sachen kaufen, die gerade eben ohne solchen Kram zubereitet worden sind. Das mag einer Köchin nicht gut gefallen, aber diese Dinge sind weder per se ungesund noch klimaschädlich.

Um uns gegen Ende dann doch einen schönen WTF-Gesichtsausdruck auf unser Antlitz zu zaubern, schlägt Frau Wiener noch quasi- religiöse Töne an (nachdem sie weiter oben noch im Veganismus eine Ersatzreligion verortet hatte): Für sie stelle sich durchaus die Frage,

„ob es nicht unser Schicksal ist, auch Tiere zu essen – weil wir Allesfresser sind, weil wir bestimmte tierische Enzyme brauchen, um gesund zu bleiben und weil der Tierdung unsere Felder düngt. “

Ui, toll… hallo Herr Wachtmeister, ich habe gerade ein Haus angezündet, aber es war mein Schicksal, das zu tun, weil mein imaginärer Freund Zündi es mir befohlen hat und ich Funkenflug brauche, um gesund zu bleiben. Oder alternativ: Ich musste eben Fleisch essen, denn ich bin ein Allesfresser und Kuhscheiße kann ich mir nur auf den Acker sprühen, wenn ich das Tier vorher abmurkse.

Ja, wir sind Allesfresser. Wir sind auch Tiere, denen natürlicherweise irgendwann die Zähne ausfallen. Ich habe Frau Wiener in ihrem Natürlichkeits-Mantra aber noch nichts darüber sagen hören, dass man sich bitte keine dritten Zähne aus industrieller Fertig-Gebiss-Produktion einsetzen lassen soll, weil es unser Schicksal ist, ab dem 50. Lebensjahr nur noch Suppe zu schlürfen. Ist aber ganz typisch für den Einsatz von Natürlichkeit als Argument: Das wird immer nur da benutzt, wo es gerade passt. Das Wohnen in einem elektrifizierten Haus mit Internet-Anschluss und Fußbodenheizung ist zwar auch unnatürlich as hell, aber aus irgendeinem Grund hat Frau Wiener in Bezug auf schön warme Füße auf den Küchenfliesen keine Angst, sich von unserer Natur und unseren Wurzeln zu entfernen.

Was will Sarah uns mit diesem auf allen Ebenen super durchdachten Text also sagen? Laut eigener Aussage:

„Wir haben alle schon genug Stress zu Hause und im Job. Wir können nicht alle zu Ernährungsexperten werden. Die Lösung aber ist ganz einfach. Denn die simpelsten Wahrheiten sind immer noch die besten: Kochen Sie selber und mit natürlichen Zutaten. Kaufen Sie saisonal und regional. Und essen Sie nur ab und zu ein Stückchen Fleisch – aus artgerechter Tierhaltung!“

Super Tipp! Sie haben immer Termindruck und viel Stress? Dann kochen sie einfach immer selbst, das spart Zeit! 🙂 Nicht falsch verstehen, selbst kochen ist klasse, aber als Tipp gegen Stress für z.B. eine allein-erziehende Mutter vielleicht etwas fehl am Platz. Überhaupt ein merkwürdiges Fazit für einen Text mit dem Titel „Vegan ist auch keine Lösung“. Wir sollen selber kochen, ok. Sollen Veganer ab und zu machen, munkelt man. Mit „natürlichen“ Zutaten. Ok, koche ich morgen mal kein Flugzeugträger-Ragout, ich bekomme das hin! Wir sollen saisonal und regional einkaufen – ja, auch das soll mit Obst und Gemüse machbar sein. Und das Stückchen Fleisch ab und zu, muss man das essen um zur Lösung beizutragen oder ist das optional? Ich tippe mal, die „ganz einfache“ Lösung ist darauf nicht zwingend angewiesen. Liest sich irgendwie überraschend vegan-kompatibel das Ganze, obwohl vegan ja eigentlich nicht die Lösung ist.

Sie sagte Milch sei natürlich

Ich fasse mal zusammen, um es zu begreifen: In einer Welt, die immer komplizierter wird und wo man Bio nicht mehr vertrauen kann weil das System geldgierig ist, da sind es die Veganer mit ihrer blöden Religion, deren Nahrungsmittel nicht ökologisch genug hergestellt sind, während Bio-Fleisch immer die beste Wahl ist für Planet und Kochzunft. Und weil es auch veganen Fertigfraß gibt, ist das Verspeisen einer regional hergestellten Bio-Zwiebel kein Teil der Lösung – außer es liegt Bio-Hack drum rum. und Tieren in Megaställen hilft vegane Lebensweise sowieso nicht, weil Seitan-Würste nicht auf hübschen Almwiesen gedeihen sondern in Fabriken hergestellt werden. Nee, begreif‘ ich doch nicht. Ein Video von Jimi Blue Ochsenknecht macht mehr Sinn.

Irgendwie schade, sie kann es ja besser. Ich verstehe auch die Motivation gar nicht – Sarah Wiener ist gegen Massentierhaltung und engagiert sich da auch nicht wenig. Sie ist für weniger Fleischkonsum und für schonende Nahrungsproduktion. Das sind die meisten Veganer doch auch, überlappen unsere Ziele und Motive da nicht zu 95%? Der Bio-Fleisch-Anteil liegt immer noch im einstelligen Prozent-Bereich und es gibt nicht wenige vegane Organisationen wie die Albert-Schweitzer-Stiftung, die sich erfolgreich für verbesserte Haltungsbedingungen einsetzen. Können wir da nicht erst mal an einem Strang ziehen und uns dann später, im Jahr 2390, streiten, ob Tierhaltung generell so eine tolle Idee ist?

Nächstes Mal machst du es besser, Sarah. Und bei der nächsten Talk-Show sitze ich wieder da und halte zu Dir, auch wenn wir heute deinetwegen 10:0 verloren haben 😉

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Nachtrag 01.07.2015:

1. Neue Regel fürs Bloggen: Lehne den Titel Deines Posts niemals niemals NIEMALS an ein Lied an, das Du hasst. Bei jedem Facebook-Share, Blog-Kommentar oder Twitter-Update bekomme ich den nämlich wieder ins Blickfeld, so dass mein dummes Gehirn mir alle 10 Minuten einen „From Sarah With Love“-Ohrwurm in den Neocortex klebt.

2. Mit meiner Kritik an Frau Wieners Artikel möchte ich nicht die allseits bekannte „Ach egal, Hauptsache vegan“ – Einstellung unterstützen. Wer jeden zweiten Tag mit einem Q7 30 Kilometer zum Mega-Store fährt, um da im großen Stile Flugananas in Palmölsauße zu kaufen, dem erkläre ich gerne persönlich, warum das optimierbar ist. Auch dann, wenn sich das Verhalten ein Vegan-Siegel verdient hat.

Selbst wenn ganz Deutschland alle Tierprodukte vom Einkaufszettel verbannen würde, dann verbrauchten wir für eine nachhaltige Lebensweise immer noch zu viel Energie, Ressourcen und Fläche.

Das ist aber kein Grund, nicht vegan zu leben. Keine Einzel-Maßnahme der Welt wird alle Probleme derselben lösen. Wenn wir alle Maßnahme verwerfen, die nicht die allein selig machende Lösung für Klimawandel, Homophobie und Blutkrebs gleichzeitig darstellen, dann ist die Menschheit jetzt schon zum Scheitern verurteilt.

Sollte man also einfach vegan leben, sich zurücklehnen und sagen „So, ich leben vegan, ich habe damit genug getan. Um den globalen Elektronik-Müll sollen sich die Fleischesser kümmern!“? Nope

Sollte man Leute davon abraten, vegan zu leben, weil man damit nicht das Ozonloch schließt? Auch nicht.

Wir sollen alle weniger Benzinauto fahren, Gas verbrennen und sinnlos zukünftigen Müll konsumieren. Die Fleischesser wie die Veganer. Eine Unterscheidung nach Ernährung in diesen Zielen macht doch null Sinn.

„Und fliegst Du nach Paris oder nimmst Du den Zug?“
„Ach, ich fliege, ich lebe ja schon vegan!“
„Bitte bleib da…“

3. Eine vegane Ernährung verursacht weniger Treibhausemissionen als eine omnivore. Punkt. Man kann jetzt versuchen, einzelne Fallbeispiele zu kreieren, in denen der Veganer sich nur von mit Hubschraubern transportierten Südfrüchten, Seitansteaks und Himalaya-Mineralwasser ernährt und der Fleischesser einmal pro Monat 50 Gramm Bio-Huhn zu sich nimmt, so dass der Veganer doch mehr CO2 verursacht. Aber das ist dann für eine durchschnittliche Gesamtbetrachtung irrelevant.

Und in dem Punkt liegt Frau Wiener einfach himmelschreiend falsch, denn sie unterstellt, dass Lebensmittel immer dann umweltschädlicher als Bio-Fleisch sind, wenn sie industriell hergestellt sind. Ich bin auch nicht gerade ein großer Fan grauer Fabrikgebäude und globaler Warenströme für Lebensmittel, aber für Bio-Fleisch benötigt man einfach sehr viele Ressourcen, selbst wenn das von kleinen Höfen stammt, die sich nahtlos in die Landschaft eingliedern.

Wenn ich also nur pflanzliche Nahrung zu mir nehme und da sind pro Woche 4 Soja-Schnitzel dabei, dann erzeugt das immer noch weniger Klimagase als die Ernährung einer Person, die pro Woche 4 echte Schnitzel isst. Selbst dann, wenn meine Schnitzel aus einer Fabrik stammen und die anderen ein Bio-Siegel tragen. Die Schweine für das Schnitzel müssen halt Unmengen Zeug fressen, werden in der Gegend rumgefahren und dann auch erst mal in Schnitzelform gebracht. Das kostet Ressourcen für ca. 10 Sojaschnitzel (Geschätzt, die Quoten gehen da von 1:4 bis 1:16, je nach Tierart)

Noch weniger Klimagase erzeugt jemand, der anstatt der Sojaschnitzel nur regionale Bohnen und Kohlrabi isst oder die Sojaschnitzel selbst macht. Aber ist das ein guter Einwand gegen Veganismus? Nein, denn 80 Millionen Menschen, die ihre Fleischbeilage durch Seitan ersetzen, sind für die Umwelt einfach wesentlich schonender als das jetzige Konsumverhalten in Bio-Fleisch.

4. Man kann sich vegan ernähren ohne ein Gramm Soja oder Seitan. Machen auch nicht wenige. Frau Wiener sagt dazu nur „Aber auf dem Trendmarkt Veganismus boomen eben auch all die Kunstprodukte“. Tja, der Veganismus hat ja auch regen Zulauf, da wäre alles andere schon sehr überraschend. Die Frage ist da doch, ob ein Veganer im Durchschnitt mehr industrielle Fertigprodukte als ein Fleischesser, oder? Und das bezweifle ich schon allein aufgrund der recht mageren Verfügbarkeit solcher Produkte.

Es gibt außerdem auch immer mehr Fleischesser, die solche Produkte kaufen und stattdessen eine Wurst weniger essen, z.B. die Rügenwalder „Eiklar-Wurst“. Auch das ist in puncto Klimawandel eine Verbesserung und kein Nachteil veganer Ernährung

5. Selber kochen ist prima. Würde ich auch jedem eher empfehlen, anstatt ihm zu raten, sich eine vegane Tiefkühllasagne aufzuwärmen. Wenn man sich aber (wie Sarah Wiener in ihrem Artikel) damit beschäftigt, welche Ernährung besser für Planet und Umwelt sind, dann ist die Frage der eigenen Gesundheit eigentlich nicht das Thema.

Sie müsste halt außerdem mal konkret sagen, wie viele Veganer denn, anstatt zu kochen, Fertigfraß zu sich nehmen, um das ganze zu bewerten. Aber allein die Tatsache, dass es veganen Fertigfraß gibt, reicht für die Überschrift „Vegan ist auch keine Lösung“ einfach nicht aus. Ob es nun um die eigene Gesundheit oder die des Planeten geht.

 

Und demnächst schreibe ich dann was über Elektroautos, Plastikvermeidung, Ozean-Säuberungen und Solarflugzeuge als Beweis dafür, dass wir uns nicht auf unserer Ernährung ausruhen 🙂

64 Gedanken zu “From Sarah with Love-Hate

  1. rechtschreibfehler gefunden 😉
    neben den alten herren: Das system sind nicht, das ist 😀

    ansonsten Top.. Schön dass der Beitrag so gut kommentiert und beantwortet wird, das freut mich sehr 🙂

  2. Hey,
    klasse geschrieben! Teilweise hab ich laut losgelacht 😉
    Ich hätte mir noch gewünscht, dass du auf die wichtigen „Tierenzyme“ eingehst.
    Was meint sie eigentlich mit dem Bullshit? Ist B12 jetzt ein Enzym? Oder haben Tierenzyme in Vergleich zu Pflanzenenzymen die magische Fähigkeit entwickelt an Magensäure und Proteasen vorbei in unsere Blutbahn hineinzuapparieren?
    Wtf.

    Grüße
    jonathan

    • Ja, ich hatte dem zuerst einen eigenen Abschnitt gewidmet, aber das musste beim Kürzen dann raus, indem ich es stattdessen mit der Wichtigkeit von Funkenflug für unsere Gesundheit gleichgesetzt habe.

      Es ist einfach so blödsinnig, dass ich dafür nicht so viel Platz verbrauchen wollte, man findet zu essentiellen, über die Nahrung aufzunehmende Enzyme einfach nichts. Wäre das eine Klausur, würde der Lehrer mit rot schlicht „erfunden“ daneben schreiben.

      Ist aber nicht das erste mal, dass mir jemand drohenden Enzymmangel in Aussicht gestellt hat, keine Ahnung, wo das immer herkommt o.O

  3. vielen dank, dass ich an deinen großartig formulierten gedankengängen teilhaben durfte. ich nehme das sarah wiener zwar nicht ab, denn sonst würde sie nicht immer wieder so viel mist erzählen – aber es ehrt dich, dass du so nachsichtig bist und ihr die hand reichst. leider wird sie deinen artikel wohl nicht lesen, oder?

  4. Da hat jemand zuviel Gras vor den Augen und kann/möchte die Gründe von der Frau zu dem Artikel nicht sehen. Mmn geht es hauptsächlich darum die Hipster Veganer wachzurütteln, die sich toll vorkommen und sich was darauf einbilden, wenn sie vegan essen, ohne zu hinterfragen was sie essen aka grün ist geil. Der Artikel will aufzeigen dass nicht alles was grün ist auch grün ist und vegan nicht automatisch alles besser macht und man allgemein bei Lebensmittel auf Qualitätachten soll. Dies dient letztentlich auch dem Interesse vom Lutscher, denn den Gedanken dass keiner mehr Fleisch ist kann man als Wunschdenken abtun.

    • Dann hätte sie das vielleicht einfach genau so schreiben sollen? Ich hätte null dagegen, Leute aus ihrem „Hauptsache vegan, alles andere ist egal“-Denken zu holen. Aber dafür schreibt sie das alles viel zu pauschal.

      Dass vegan nicht automatisch alles besser macht ist so eine Binsenweisheit, die ich ständig vorgehalten bekomme, ohne dass besonders viele Veganer behaupteten, mit Veganismus bekäme man Nahost-Konflikt oder Rassismus in den Griff.

      Mag sein, dass sie alles mögliche damit gemeint hat, aber dann muss sie es halt auch so hinschreiben. Mit Aussagen wie „Vegan zu leben fördert [nicht] die Nachfrage nach natürlichen, ökologisch erzeugten Lebensmitteln aus der eigenen Region“ schert sie alle über einen Kamm und ist dabei auch recht ungenau, denn sie ignoriert, wie viele Ressourcen Fleisch eben kostet und dass diese automatisch vermieden werden, auch wenn jemand jeden Tag nur vegane Schlagsahne zu sich nimmt.

      • Kleine Anmerkung:
        Hier „Vegan zu leben fördert [nicht] die xxx nach…“ fehlt ein Substantiv. Vielleicht „Suche“? Nach „Region“ kommt das Anführungszeichen-Ende. Liest sich sonst etwas verwirrend.

        Im Übrigen kann ich auch nur vermuten – da es ja von Frau Wiener nicht formuliert wird, daß sie – möglicherweise – an die Regenwälder denkt, die zwecks Urbarmachung abgeholzt werden. Wie man kolportiert, auch für Soja. Ich habe daher oft ein latent schlechtes Gewissen, wenn ich Sojaprodukte kaufe.

        Abgesehen davon nervt mich gerade an Alternativprodukten die oftmals umweltschädliche Verpackung. Ich meine: Warum muß die Bio-Gurke eingeschweißt sein? Bei den Sojaprodukten kann ich das verstehen, die kommen von oftmals weit her und sollen Hygienevorschriften entsprechen. Vermutlich gibt es da keine Alternative. Aber die Gurken sind ja abwaschbar. Da kann man nur sagen: Bio ist auch keine Lösung.

        • Stimmt, da fehlte ein Teil des Zitats, ist jetzt angepasst.

          Ja, für Soja werden Urwälder abgeholzt. Das Soja von dort wird dann aber zu 80% als Tierfutter verwendet, während Soja-Produkte in deutschen Supermarktregalen zu seinem sehr hohen Teil aus europäischem Bio-Anbau stammen.

          Für ein Kilo Fleisch braucht man außerdem viel mehr davon, die Sorge um Regenwälder an Veganer zu formulieren erscheint vor diesem Hintergrund ziemlich absurd.

          Bio-Gurken müssen auch nicht zwingend in Plastik verpackt sein, es gibt eine Menge Läden, wo man Obst und Gemüse einfach ein Papiertüten einpackt. Zumal eine konventionelle Gurke ja auch oft in Plastik eingepackt ist. In dem Moment ist Dein Anspruch an eine Bio-Gurke, eine perfekte Ware zu sein. Es geht aber erst mal darum, den geringsten Schaden anzurichten. Bio-Gurken werden auch mit einem Lastwagen zum Supermarkt gefahren, ist das auch kein Grund welche zu kaufen?

          Wie man von diesem Gedanken zu „Bio ist auch keine Lösung“ kommt, verstehe ich nicht so ganz.

        • *klugscheiß* Bio-Gemüse im Discounter und Supermarkt werden extra verpackt, damit sie nicht mit konventionellem vermischt werden können. Geh lieber in einen richtigen Bio-Laden, wenn möglich.

    • Ist ja witzig. Das haben leute auch über die abschaffung der sklaverei oder rechte für frauen behauptet. Solche gedanken waren unsinniges wunschdenken. und siehe da…
      Optimismus FTW!

      Und außerdem ist es völlig hirnrissig, einen text über das zu schreiben, was du eben genannt hast. >> Wenn man schon zugibt, wie beschissen der verzehr von fleisch ist (für tiere sowieso – und ihrer meinung nach eben auch für umwelt und klima), ist es dann nicht ziemlich dämlich, sich an ein paar wenige veganer zu wenden, die glauben, dass veganismus die ultra-power-super-sayajin lösung ist?
      Ich mein, von wie vielen reden wir hier? Die prozentzahl der vegetarier und veganer in deutschland ist einstellig – wie viele davon tun es „aus falschen gründen“ oder aus übertriebenem optimismus? und inwiefern ist es dann wichtiger, diese zu kritisieren, als die restlichen über 90%, die (laut ihrer aussage) noch viel falscher handeln? 😀

      Abschließend ein sehr schönes zitat, was meiner meinung nach das grundproblem sehr gut erläutert:

      „The animals of this world exist for their own reasons. They were not made for humans any more than black people were made for white, or women created for men.“ – Alice Walker

    • Danke…hab ich auch ganz genau so aufgefasst!
      Mich schüttelts regelrecht, wenn ich die Inhaltsstoffe der veganen Ersatzprodukte bei Aldi, REWE und Co. lese…aber weils gerade hip ist, wirds erst gar nicht gelesen sondern dumm in sich reingestopft!
      Versteh mich nicht falsch – ich bin auch gegen Tierprodukte (ich steh außerdem voll auf Mandelmilch…und die kann man gut selber machen) aber man muss die Menschen echt sensibel machen für das, was sie sich da so gedankenlos in sich reinstopfen (und auch ihren Kids)!
      Nahrung soll nähren…ein Körper der nicht wertvoll versorgt wird, wird irgendwann an irgendeiner Stelle Schaden nehmen. Da verdient dann nicht nur die Lebensmittelindustrie dran sondern auch noch die Kollegen von der Pharma!
      Sarah´s Fazit ist doch eigentlich „ernährt euch NATÜRLICH“ ohne Ersatzpräperate (und Nahrungsergänzungs-Pillen würd ich hier noch hinzufügen)…den Satz mit dem Fleisch lass ich für mich halt einfach weg…

      • Das muss aber jeder selbst wissen, ob er seinen Körper nun gesund oder ungesund ernährt. Klar wäre es gesund besser, aber wenn jemand jeden Tag nur Seitan Steaks essen möchte, kann er das meinetwegen gerne tun, da er damit eben nur sich selbst schadet.

        Wenn er aber Bio-Fleisch isst, dann leiden darunter Tiere und eben auch Planet, deswegen finde ich ohne Bio-Fleisch einfach sinnvoller und zukünftigen Generationen gegenüber fairer.

        Ich habe im Text mehrere Male erklärt warum „Ernährt Euch natürlich“ im Jahr 2015 irgendwie ein komischer Ratschlag ist. Was ist natürlich? Broccoli? Gab es vor 500 Jahren noch gar nicht. Ohne Ersatzpräparate ist für Veganer in Deutschland auch kein guter Rat. Ohne B12 wird’s schnell unangenehm. Und in den Wintermonaten scheint hier zu wenig Sonne, um genug Vitamin D abzubekommen.

    • Ich habe mich mal wieder köstlich amüsiert; lieber Graslutscher, ich bin ein großer Fan Deiner Schreibe und teile Deine Meinung komplett. Bin seit Ende 2011 Vegetarier, habe leider noch nicht den Schritt zum Veganer geschafft, aber ich gebe offen zu, ich bewundere Veganer und wäre selbst gerne einer.

      Besonders schade finde ich, dass man sich IMMER NOCH rechtfertigen muss (!!!), wenn man nicht ins Grillwürstchen (War „Pürierte Schlachtabfälle im Kackmantel“ eigentlich von Dir? – Egal, habe damit schon für etliche Lacher und ruckartig beendete Diskussionen gesorgt;-))
      beißen möchte und auch den „sooo gesunden“ toten Fisch verschmäht…

      Es nervt einfach. JEDER will mitreden und seinen Senf dazugeben, auch wenn er noch so brothohl und ignorant ist.

      Manchmal hat man einfach nicht die Kraft, gegen so viel SCHREIENDE DUMMHEIT anzureden. Wäre ja ok, wenn man dann nicht dieses gewisse Etwas, (Ist es vielleicht doch ein unterschwellig schlechtes Gewissen? Denn eigentlich hat man ja Tiere so lieb und kann sich die schlimmen Bilder im TV gar nicht ansehen) zu spüren bekommen würde; dieses Etwas kann ich nicht genauer definieren, es zeichnet sich jedenfalls durch einen aggressiven Unterton aus, als wenn ICH mit meiner Weigerung, so wie alle anderen zu essen, irgendwas total falsch gemacht hätte.

      Ich bin ganz bestimmt nicht missionierend unterwegs und möchte einfach nur meine Ruhe, gebe aber natürlich als einigermaßen höflicher Mensch Antwort, wenn ich gefragt werde, warum isst Du kein Fleisch?

      Warum fühlen sich Mitmenschen einfach dadurch provoziert, dass man manche Dinge nicht isst? Warum versuchen sie dann krampfhaft, einen als „Freak“ oder irgendwie komisch / schwierig darzustellen, auf mehr oder weniger subtile Art und Weise?

      Und warum landet man als Vegetarier oder Veganer immer in dieser Tofu-Schublade?
      Ich kann an fünf Fingern abzählen, wie oft ich Tofu oder Ähnliches in den letzten Jahren konsumiert habe! Ich habe nichts gegen Tofu, mag aber nun mal andere Sachen noch lieber und habe immer noch unendlich viele Möglichkeiten, mich ohne Fleisch und Fisch gesund und lecker zu ernähren, auch OHNE Tofuwürstchen!

      Zum Thema Sarah Wiener: Sie ist für mich persönlich nicht glaubhaft. Sie will niemandem so richtig wehtun und redet vieles einfach nur schön. Ich verstehe, was sie meint, teile aber ihre Meinung absolut nicht.

      Für mich steht eines fest: JEDER Konsument kann an den Zuständen etwas verändern, wenn er will. Und zwar bei sich und von einem Tag auf den anderen. Eine simple Entscheidung reicht. Ich weiß, wovon ich spreche. Es kommt auf jeden an. Ginge die Nachfrage zurück, würden es die Erzeuger von Tierelend direkt merken. Nur weil es immer schon so war, muss es nicht so bleiben! Tiere, Menschen, Klima, alle würden profitieren.

      Meine Bitte: Lasst Euch nicht von Werbung, Medien, Politik und angeblichen Gesundheitsexperten (bezahlt von der Fleisch- und Milchindustrie) hinters Licht führen, wacht auf und hinterfragt diese Botschaften und vor allem, von wem sie kommen!

      1000 Dank für diese Seite und: Weiter so!

      Liebe Grüße
      Christine

  5. Oh Mann, ich hab Tränen gelacht 😀 Das hat gut getan, nachdem mich der Artikel von Frau Wiener doch geärgert hat, gerade weil sie sonst ganz gute Ansätze hat. Danke!

  6. Graslutscher, normalerweise bin ich ein Fan von dir. Aber diesmal bist du komplett durchgedreht. Dein Beitrag fällt fast schon in die Sparte „Zusammenhangloseses Geschreibsel“. Tut mir leid, dass ich dir das so vor den Latz knallen muss. Lies dir das Zeug doch selbst nochmal mit ein bisschen Abstand durch.
    Soweit ich das verstehe, kritisiert Sarah Wiener im ihrem Beitrag (der übrigens ca 1000 mal leichter zu verstehen ist, als das was du hier fabriziert hast) das System der „Industriellen Massenproduktion“, die – und das kann man nicht verleugnen, auch wenn man noch so viel herumlabert – IMMER mit Chemie und Natur (oder sagen wir mal der Hauptressource, genannt unserer PLANET) schädigenden Verhaltensweisen zu tun hat.
    Man kann nun mal nicht etwas „nachhaltig“ und „umweltschonend“ massenhaft herstellen. Dieser Zauberspruch ist noch nicht erfunden. Jedenfalls nicht dass ich jemals von so einer Art von Produktion gehört hätte. Riesige Anbauflächen sind prädestiniert für Schädlinge und damit für chemische Schädlingsbekämpfung und Herbizide… Um ein Beispiel zu nennen.
    Also, auch wenn dir persönlich Tiere ganz, ganz viel am Herzen liegen (mir übrigens auch). Es denkt nicht jeder so. Manchen Menschen sind Tiere sch..egal. Trotzdem kann auch diesen Menschen unsere Hauptressource „Planet“ nicht ganz egal sein, schließlich hängt davon auch das Überleben ihrer Nachkommen ab.
    Deshalb sollten wir Menschen uns wenigstens darauf einigen, möglichst wenig von unseren Lebensgrundlagen zu zerstören, wenn wir uns schon nicht auf fleischlose Ernährung einigen können.
    Und dass dieses Anliegen Sarah Wiener wichtig ist, finde ich schon ganz ok.

    • Ich habe mir das Zeug nochmal durchgelesen, ich finde es immer noch ziemlich berechtigt.

      „Soweit ich das verstehe, kritisiert Sarah Wiener im ihrem Beitrag […] das System der “Industriellen Massenproduktion”, die […] IMMER mit Chemie und Natur (oder sagen wir mal der Hauptressource, genannt unserer PLANET) schädigenden Verhaltensweisen zu tun hat.“

      Wo fängt bei Dir Industrielle Massenproduktion an? Der Beitrag kritisiert ja wohl vegane Fertigprodukte und Sojamilch. Wenn jetzt eine Fabrik eine Million vegane Burger-Patties herstellt, dann ist das nicht zwingend mit schädlichen Zusätzen verbunden (siehe z.B. Aufstriche von Rapunzel) und auch nicht immer Natur-schädigend. So eine Fabrik wird ja auch errichtet, weil man da effizienter produzieren kann, also mit weniger Einsatz von Energie und Rohstoffen.

      Wenn eine Fabrik z.B. Sojamilch herstellt, dann hat das natürlich auch Transportwege, Abfälle und Treibhausgasemissionen zur Folge. Verglichen mit Kuhmilch-Produktion aber viel weniger. Eine Packung Sojamilch belastet die Umwelt also wesentlich weniger als eine Packung Bio-Milch, für die eine Kuh Methan in die Atmosphäre pupst, auf großen Flächen angebautes Futter frisst und die Reste ausscheidet, welche dann im Grundwasser landen.

      Und der Begriff „Chemie“ ist mir so auch zu pauschal. Was ist Chemie und was nicht? In einem Apfel sind zig chemische Verbindungen gelöst, und den hältst Du vermutlich nicht für schädigend, oder?

      „Man kann nun mal nicht etwas “nachhaltig” und “umweltschonend” massenhaft herstellen.“

      Klar kann man das. Man müsste die eingesetzte Energie durch regenerative Stromquellen gewinnen und sicherstellen, dass man nicht mehr Ressourcen verbraucht als der Planet wieder regenerieren kann. Seitan Steaks z.B. kann man aus Bio-Weizen herstellen auf Förderbändern, die mit Solarstrom laufen. Ob man da jetzt 10 von herstellt oder 10 Millionen ist da egal, die Frage ist, WIE es hergestellt ist. Wenn die Herstellung klima- und Ressourcen-neutral ist, dann ist die Menge doch zweitrangig, oder?

      Das tun vermutlich leider recht wenige. Aber das als Vorwurf an vegane Produkte, die per se schon viel weniger Ressourcen benötigen als ihre Fleisch-Alternativen ist doch absurd.

      „Riesige Anbauflächen sind prädestiniert für Schädlinge und damit für chemische Schädlingsbekämpfung und Herbizide… Um ein Beispiel zu nennen.“

      Die riesigen Anbauflächen haben wir aber primär für Tiernahrung, nicht für vegane Ersatzprodukte.

      „Manchen Menschen sind Tiere sch..egal. Trotzdem kann auch diesen Menschen unsere Hauptressource “Planet” nicht ganz egal sein, schließlich hängt davon auch das Überleben ihrer Nachkommen ab.“

      Wenn man sich so die deutsche PKW-Flotte anschaut habe ich da meine Zweifel.

      „Deshalb sollten wir Menschen uns wenigstens darauf einigen, möglichst wenig von unseren Lebensgrundlagen zu zerstören, wenn wir uns schon nicht auf fleischlose Ernährung einigen können.“

      Diese Forderung solltest Du aber an Fleischesser stellen, verbrauchen Veganer eben selbst mit industriell hergestellten Fertigprodukten viel weniger dieser Lebensgrundlage als ein Bio-Fleisch-Esser.

      „Und dass dieses Anliegen Sarah Wiener wichtig ist, finde ich schon ganz ok.“

      Das sagte ich eingangs. Sie zieht aber vollkommen verrückte Schlüsse aus diesem Anliegen.

  7. warum nur hätte es mich zutiefst gewundert wenn du dich nicht nur angepisst gefühlt hättest, und dir diese chance zur erneuten profilierung entgehen ließest. und so wie du hier vielen den anspruch an biologisch erzeugtes fleisch absprichst, so behaupte ich das du bis zur empörungswelle der zig anderen vor dir noch nie etwas von enorm gehört geschweige denn deren andere beiträge zur kenntnis genommen hast. sonst würdest du das thema umweltbilanz nicht so arg einäugig betrachten.

    • Ich spreche vielen den Anspruch an biologisch erzeugtes Fleisch ab? Was heißt das?

      Ich habe von der Enorm bislang kaum was gelesen, das ist richtig – aber was hat das mit meinem Artikel zu tun? Auch wenn in der Enorm 20 andere gute Artikel zum Thema stehen, machen die Sarah Wieners Aussagen in ihrer Kolumne besser?

      Ein Artikel in der Enorm war übrigens eine Entgegnung an Sarah Wiener selbst, also scheinen auch dort nicht alle einverstanden zu sein mit ihrer Sichtweise.

      Und wo genau betrachte ich das Thema Umweltbilanz einäugig?

      Zumindest hast du mit Sarah Wiener etwas gemeinsam: Ihr schreibt beide so unkonkret, dass wirklich nicht immer klar ist, was ihr meint. Das macht eine Diskussion mit Erkenntnisgewinn kompliziert.

  8. Finde deinen Artikel gut argumentiert und hervorragend die Diskrepanzen des besagten Artikels aufzeigend. Danke für die umfangreiche Analyse. 🙂

  9. Oh je… ganz schön verworren das Ganze. Ich kannte besagte Sarah jetzt noch nicht und war auch noch kein Zeuge ihrer „klaren Momente“, daher bleibt mir nur dieser eine Eindruck von ihr.
    Was sie in meinen Augen halt so unglaubwürdig wirken lässt sind die Momente, in denen sie die Argumente Ethik&Moral, Nachhaltigkeit&Umweltschutz und den Aspekt Gesundheit&Natürlichkeit wild miteinander vermischt. Da kommt ein ganz komischer Brei bei raus, die Frau kann sich wohl nicht so geschickt ausdrücken. Möglicherweise ist das aber auch tatsächlich alles, was bei ihr rauskommt wenn sie nachdenkt weil sie mental schlicht zu schwach für jegliche Form von Verzicht ist und sie hat einfach nur ein wahnsinns Geltungsbedürfnis, trotzdem der ganzen Welt zu zeigen wie perfekt argumentiert sie all ihre Grundsätze und Bedürfnisse unter einen Hut bekommt….. nur blöd wenn man sich dann in aller Öffentlichkeit so verrennt!

    Jedenfalls möchte ich trotzdem etwas loswerden, denn als ich die Headline „Vegan ist auch nicht die Lösung“ sah, war mein erster Gedanke: Stimmt!
    Vegan ist ein guter Ansatz, keine Frage. Es ist aber u.a. im Zuge dessen, dass es zum „Lifestyle“ geworden ist vegan zu leben, dazu gekommen, dass der ursprüngliche Grundgedanke des Ganzen besonders bei vielen „Trendveganern“ leicht in den Hintergrund gerückt ist. Die vegane Lebensweise ist eigentlich nur ein Teil eines großen Ganzen, einer grundlegenden Einstellung – Man möchte mit seiner Existenz und dem eigenen Konsum an anderer Stelle kein Leid verursachen!
    Doch insbesondere durch den Wandel der Zeit und das rasante Wachstum der menschlichen Population ist es kaum mehr möglich, dies auch konsequent umzusetzen solange man im Super(bio)markt einkaufen geht, der immer stärker von industriealisierten Produkten überhäuft wird. Die Masse macht’s und vor allem von der müssen wir wieder weg um etwas zu verändern, egal um welches Produkt es sich handelt.
    Es ist aber immer ein Tropfen auf den heißen Stein, die entsprechenden Produkte nur zu boykottieren. Sich nur aus etwas heraus zu halten bedeutet nicht, Verantwortung zu übernehmen!
    Auch für massenhaft(!!!) pflanzliche Lebensmittel und andere Produkte wird so imenses Leid und Zerstörung in noch unberührter Natur verursacht, dass an diesen Produkten nicht weniger Blut, Mord und unmenschliche Grausamkeit klebt als an einem Stück Fleisch oder Käse. Veganer, die darauf mit eiskalter Ignoranz reagieren, es einfach verharmlosen oder eben ganz übergehen, sich anderen aber stets als die mitfühlende und denkende Sorte Mensch präsentieren, das gruselt mich immer wieder! Doch ich erlebe es öfter als mir lieb ist……
    Streben nach Ganzheitlichkeit steht eigentlich auch der veganen Lebensweise logischerweise voran. Doch für viele ist es eben schon ganzheitlich, einfach nur vegan zu leben und NICHT weiter zu denken…! Diese Entwicklung betrachte ich durchaus mit Sorge denn es ist nicht zu unterschätzen, wie die Gesellschaft den Menschen im Laufe der Zeit geformt hat. Egomane, die sich von der Masse abheben, profilieren und glänzen wollen, tun dies über immer absurdere Inhalte und bedienen sich dafür auch gern solcher „Engelsgewänder“. Schmerzlich habe ich festgestellt, dass der Veganismus dazu ebenfalls von vielen „missbraucht“ wird. Da ist kein großer Unterschied zu jemandem, der aus fitnesstechnischen Gründen vegan wird oder etwa, weil er Antibiotikarückstände zu Gunsten des eigenen Wohlbefindens komplett vermeiden wolle.
    Dass mich keiner falsch versteht, all das ist sicherlich auch ein Teil des Ganzen, sich wohl fühlen und gesund erhalten zu wollen, als Teil des Ganzen vegan zu leben und damit vielleicht „wenig“ zu tun ist sicherlich besser, als nichts zu tun – doch sollten diese egozentrierten Beweggründe nie im Vordergrund, geschweige denn an erster Stelle stehen und man sollte NIEMALS AUFHÖREN NACH GANZHEITLICHKEIT ZU STREBEN!

    • Und der nächste, der glaubt, Veganer verbrauchten mehr pflanzliche Nahrung.

      Nein, tun sie nicht, im Gegenteil. Nutztierhaltung verbraucht ein Vielfaches der angebauten Pflanzen. Die wenigsten Nutztiere dürfen heutzutage noch für Menschen ohnehin ungenießbares Gras fressen, zu ca. 90% werden sie mit Futter aus Feldfrüchten ernährt, z.B. dem leidigen Soja. Bis das Tier geschlachtet und gegessen wird, gehen da mehr Kalorien rein, als man dann herausbekommt. Die Pflanzen lieber gleich selbst zu essen, ist deutlich sparsamer.

  10. Na ja, so ganz unrecht hat sie ja nicht. So lange für jeden, der aufhört Tierprodukte zu kaufen, 10 Leute noch mehr Billigfleisch kaufen als im Jahr zuvor, bringt das fürs gesamte System nunmal nichts.

    Da man den Leuten nun aber nicht vorschreiben kann, kein Fleisch zu essen, muss man der Industrie eben vorschreiben, wie das nicht produziert werden darf. Von daher: ja, das Thema Vegetarismus und Veganismus bringen uns vermutlich nicht unbedingt weiter.

    Natürlich könnte man ihre Aussagen auch anders interpretieren, aber ich würde aufgrund des Wissens, wie sie zu Natur, Umwelt und Lebensmittelproduktion steht, einfach mal wohlwollend interpretieren.

    • Und woher nimmst du die Erkenntnis, dass für jeden Vegetarier 10 Fleischesser ihren Konsum hochschrauben? Die Marktforschung zu Fleischkonsum der letzten Jahre zeigt außerdem, dass sowohl die Zahl der Vegetarier und Veganer zunimmt, als auch die Menge des gekauften Fleisches zurückgeht. Klingt also so, als hätte sie doch Unrecht 😉

      Weil man der Industrie vorschreiben muss, wie produziert wird, bringt Veganismus uns nicht weiter? Yeah, bist Du Sarahs Ghostwriter? Ein veganes Produkt hat so gut wie immer weniger Treibhausgase, weniger Ressourcen und weniger Tierleid auf dem Buckel. Wieso ist das nicht erstrebenswert?

      Ich interpretiere nicht, ich beziehe mich auf das, was sie schreibt. Und das ist ja nun teilweise ziemlich grober Unfug. Da sie wirklich viel über Natur und Umwelt weiß lässt das recht beunruhigende Schlüsse zu, warum sie denn gegen besseres Wissen so einen Text veröffentlicht…

  11. Hi und Danke für den tollen Artikel.

    Ich finde den Artikel schön geschrieben und gerade die pointierten kleinen Seitenhiebe sind finde ich genau richtig platziert.

    Alles in allem kann ich nur sagen, dass ich immer wieder erstaunt darüber bin was Fleischesser alles im Internet finden und an den Haaren herbei ziehen um den bösen Veganern zu zeigen wie schlimm sie sind. Und vor allem, dass sie einem immer mit ihren Ernährungsgewohnheiten in den Ohren liegen. Lustig, dass es biser nur umgekehrt ist. Jedesmal wenn jemand mal mitbekommt, dass ich Vegetarier/Veganer bin bekomme ich sofort einen Vortrag über Fleisch und warum es gut und natürlich für die Ernähung ist. Meistens lassen sich die Leute, die für mich schon mehr Ähnlichkeit mit den Zeugen Jehovas haben auch nicht von der Aussage bremsen, dass ich Ernährung durchaus für was persönliches halte und niemandem vorschreiben möchte was er isst.

  12. Das ist wieder so ein Wichtigtuertext der mir überhaupt beim Thema Ernährung ziemlich stinkt. Sarah Wiener bindet den Bezug zur Natur und Nachhaltigkeit in ihr (Küchen-)Leben wie sonst kein Koch bzw. Köchin ein. Heißt aber nicht das sie perfekt ist, trotzdem aber Vorreiterin. Es ist echt lächerlich gerade bei ihr Erbsen zu zählen. Immerhin hat sie recht, wenn sie behauptet, dass Vegan keine Lösung ist. Das ist ein Trend hinter den auch eine große Industrie steckt und solange die nicht im Einklang mit der Natur ist, kann man Fleischessern nun wirklich keine Vorwürfe machen. Außer es ist vertretbar für Sojaanbau Regenwaldflächen abzuholzen (nur ein Beispiel)?

    • Eeehm, Du verwechselst da was. Der einzige Grund, bei Frau Wiener „Erbsen zu zählen“, ist ja, dass sie einen Artikel veröffentlicht hat, dessen einziger Inhalt Erbsen zählen ist.

      Ich wäre von alleine nie auf die Idee gekommen, eine Sarah-Wiener Kritik zu schreiben, weil sie nicht perfekt is(s)t (lies dazu am besten noch mal die ersten beiden Absätze). Nicht mal in diesem Artikel sage ich was negatives über ihren Fleischkonsum. Ich widerlege nur die ganzen unsinnigen Behauptungen, in denen sie wiederum erklärt, warum sich pflanzlich ernährende Menschen nicht perfekt sind.

      Ja, Frau Wiener hat vermutlich einen wesentlich umweltfreundlicheren Fleischkonsum als der durchschnittliche Deutsche. Das bewahrt sie aber nicht davor, kritisiert zu werden, wenn sie einen großen Haufen Schmarrn ins Internet schreibt.

      Immerhin hat sie recht, wenn sie behauptet, dass Vegan keine Lösung ist…

      Kann es sein, dass du meinen Text gar nicht gelesen hast? Darauf gehe ich ja nun wirklich ziemlich ausführlich ein. Jetzt plapperst Du einfach Frau Wieners unsinnige Behauptungen nach, unter einem Artikel, der selbige widerlegt. Das ist schon etwas bizarr.

      Und herzlichen Glückwunsch, das ist der fünfzigtausendste Kommentar, der behauptet, für vegane Soja-Produkte würde Regenwald gerodet. Während die Feldfrüchte südamerikanischer Soja-Plantagen tatsächlich zu 80%-90% in den Tiermägen zukünftiger Würste landen. Ein schlechtes Beispiel 😉

  13. Graslutscher: Argumentieren will geübt sein; die meisten deiner Texte bringen mich wieder ein bisschen „in Schwung“ was das betrifft. Inhaltlich bewaffnen sie natürlich auch. Danke dafür.

    Pauschal für alle Veggies, die ab und an diesen „Oh Gott, sind die Omnis denn alle so hohl?“-Moment haben: von den Omnis in meinem nichtfamiliären Umfeld hat keiner mit „Was- du bist Veganer? Aber Fleisch ist doch sooo gesund!“ geantwortet. Die meisten übergehen es und manche fragen interessiert nach.
    Achso ja, und jemand in meinem direktem Umfeld ist tatsächlich nur Biofleisch. Und selten.
    Ich weiß ja, dass ihr wisst, dass es solche Leute gibt. Aber siehe oben, wenn man mal wieder einen schwachen Moment hat, ist es vllt mittelbar ganz schön, so ein +1 im Raum rumstehen zu sehen. *shrug*

  14. Sehr gut und unterhaltsam geschrieben.

    Langatmig, aber ausführlich.
    Als Denkanstoß für kommende Beiträge möchte ich gerne folgendes mit auf den Weg geben:

    Analytisch von einer anderen Seite dran gehen.
    Wenn Frau Wiener meint, dass eine vegane Lebensweise kein Allheilmittel ist, bezieht sie sich auf die Herstellung vieler Ersatzprodukte. Regional Einkaufen ist gewiss sinnvoller. Denn schön und gut wenn ich Bio-Kartoffeln auf dem Teller habe, aber diese müssen dafür doch nicht aus Israel importiert werden! Also warum Tofu und Soja mit hohem energetischen Aufwand importieren, wenn regionale und saisonale Produkte so vielfältig angeboten werden können und teils noch kostenlos zur Verfügung steht (Mundraub.de). Viele Länder haben andere Gesetze für die Lebensmittelherstellung. In Deutschland verbotene Spritzmittel, Herstellungsverfahren oder nicht nachvollziehbare Herkunft von Inhaltsstoffen. Auch für vegane Ersatzprodukte sind die eingesetzten Mittel nicht immer Wahl des Verbrauchers. Aber wo die Nachfrage ist, kommt schnell das Angebot daher. Somit auch dieses überall präsente Thema Geld und an diesem Markt verdienen. Lustiges Beispiel, wenn auch nur zur vegetarischen Ersatzwurst von Lidl. Mit Eiern aus Bodenhaltung. Ja ne, danke.
    Ich kann viele Punkte von Frau Wiener nachvollziehen, wenn man nicht allein die Tierhaltung als Argumentationaufhänger nimmt. Man merkt also die Hassliebe. Gerade zum Schluss. Ihr Appell richtet sich da eher an die -wohl fleischessende- Allgemeinheit.
    Ein wenig mehr Weitsicht und Objektivität, aber weiterhin so viel Herzblut!

  15. Als Kritik reichen hier eigentlich drei Worte :

    Zum Niederknien gut !!!

    Schlau, witzig und sachlich fundiert, wurde dieser Artikel liebevoll auseinander genommen.
    So sehr ich mich geärgert habe, als er durch die Medien gerauscht ist, weil so viel Unfug darin steht, auch in der Original Fassung…so viel Spass hat es gerade gemacht, die Erwiderung zu lesen.

    Made my Day !

    Bettina Marie

  16. Die Vergleiche sind mal wieder mega geil 😀 Musste öfters mal schmunzeln.
    Eigentlich wurde alles gesagt, dass einzige was mir aber dazu noch einfällt, ist das Zitat von Tolstoi: “Die Menschen gehen lieber zugrunde, als dass sie ihre Gewohnheiten ändern.
    Denn Rest kann man sich denken…

  17. Ein herrlicher Beitrag! Vielen Dank dafür! Ich habe das Interview auch gelesen und die von dir niedergeschriebenen Widersprüche von Frau Wiener (schon der Name ist nichts für Veganer *lol*) auch nicht verstanden. Aber so ist das halt: Hauptsache im Gespräch bleiben. Und sei es mit noch so großem geistigen Dünnsch…

  18. Frau Wiener hat den Veganismus eh nicht begriffen (sonst wäre sie längst „eine von uns“), aber wie man in „3 nach 9“ vom 17.7. besichtigen konnte, ist auch nichts von der Kritik an ihrem unsäglichen Artikel zu ihr durchgedrungen. In seiner Unkorrigierbarkeit hat der Karnismus tatsächlich was quasi-Religiöses. Das ist sehr, sehr deprimierend.

    • eben auch gesehen, wollte erst noch den graslutscher aufmerksam machen. danke dir, nico! das ist alles so gruselig… gut, dass ich wieder mit argumenten gerüstet und um ein paar lacher reicher bin!!!

    • Ich versteh’s nicht… Mit dem Fazit dieses Beitrags bin ich ja größtenteils einverstanden, aber das, was sie davor so rausgehauen hat, hat mich fast durchgehend den Kopf schütteln lassen…
      Diese Frau ist mir ein Rätsel. Vielleicht findet Jan ja noch mal ein paar schmunzelerregende Worte dafür.

  19. Zunächst einmal ich habe nichts gegen Veganer. Jeder darf aus seiner Überzeugung leben wie er will. Das einzige was mich immer auf die Palme bringt sind die populistische Halbwahrheiten die immer in den Raum geworfen werden. Es gibt kein einfaches Schwarz oder Weiß bei diesen Themen. Aus der Sichtweise eines Veganers stimme ich dem Autor im Groben ganzen an seiner Kritik an Frau Wiener zu.

    Aber zum Thema Tierhaltung ein paar kleine Anmerkungen lose in den Raum geworfen um vielleicht die Sichtweise etwas zu erweitern.

    Viele in der Tierhaltung eingesetzte Futtermittel sind zum Beispiel Nebenprodukte aus der Lebensmittelproduktion die anders schwer Verwertbar sind.

    Beispiel Soja: In der Tierfütterung wir kein Soja gefüttert sondern Sojaschrot. Bei der Herstellung von Sojaöl, (das hauptsächlich zur Nahrungsmittelproduktion verwendend wird, ein kleiner Teil davon für Veganer) bleiben ungefähr 80% der Pflanzentrockenmasse übrig, die Hauptsächlich zu Sojaschrot verarbeitet und dann als Tierfutter Verwendung findet. Deshalb 75% der Soja Produktion für die Tierhaltung. Mir ist nicht bekannt das Sojaöl weggeschüttet wird um Sojaschrot zu produzieren. Details lassen sich bei Wikipedia nachlesen (Stichworte: Sojaöl, Sojaschrot). Ähnlich läuft es mit: Rapsöl, Rapsschrot; Sonnenblumenöl, Sonnenblumenschrot; Palmöl (in meinen Augen bedenklichste Produktion), Palmschrot; usw.

    Beispiel Getreide: In der Tierfütterung wird normalerweise Getreide verwendet das den Qualitätsansprüchen für die Lebensmittelproduktion nicht genügen. Fallzahl, Proteingehalt usw. Des weitern werden hier auch oft die Nebenprodukte der Lebensmittelproduktion, wie Weizenkleie eingesetzt.

    Beispiel Rinderhaltung: Das Rind ist in der Lage Nährstoffe aus Pflanzen zu erschließen die der Mensch nicht erschließen kann. Oder können sie Gras verwerten. Grünland ist eines der wichtigsten Ökosysteme. Der Ackerbau macht nur ein Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus. Zum Thema Methan gibt es zig unterschiedliche Studien. Grundsätzliche ist die Landwirtschaft eine Kreislaufwirtschaft. Das was die Kuh an CO² freisetzt wird auch von den Pflanzen die sie frisst wieder gebunden. Anders als bei Fossilen gebunden CO² das freigesetzt wird.

    Ich behaupte es gibt keinen Menschen der ALLE Auswirkungen und Zusammenhänge versteht. Das Thema ist dafür zu komplex.

    Gerne darf mir noch jemand genau erklären wie eine nachhaltige vegane Bilolandwirtschaft funktioniert. Stichwort Kreislaufwirtschaft, Nährstoffentzug, Nutzung Grünland.

  20. Danke für diesen herrlichen Kommentar!

    Ich frage mich, ob Frau Wiener nur vorgibt, nicht zu wissen, wie man Sojamilch herstellt (sie hätte sich bei der Sendung mit der Maus informieren können) und dass man Sojabohnen (wie auch grüne Bohnen, Kichererbsen..) nicht roh verwendet, da sie in ungekochtem/unfermentiertem Zustand giftig sind.
    Das wiederum würde mich stutzig machen bei jemandem, der Restaurants betrieben hat und nun eine eigene Lebensmittelmarke aufbaut.
    Verarbeitet sie in Ihren Produkten rohe Auberginen? Rohes Hühnerfleisch?
    Was sagen die Kontrolleure dazu?

    Im Nachschlag von Frau Wiener geht es ja nochmals um die Sojamilch respektive das „chemische Industrieprodukt“, über deren Herstellung sie sich ja, siehe oben, wohl nicht informiert hat:

    Sprecher:
    „Natürlich gepresste Sojabohnen (es werden rohe(!) grüne Sojabohnen und der Saft daraus gezeigt) geben ein trübes Bild ab; völlig konsumentenuntauglich.“
    S. Wiener:
    „Dass Sie DAS nicht in ihren Kaffee reinschütten wollen, finde ich, liegt auf der Hand. Und es schmeckt natürlich nach… (reicht dem Reporter das Glas, dieser probiert und verzieht das Gesicht) … Bohnenwasser.“
    Lacht.

    Ich stelle mir eine ähnlich unqualifizierte Szene zum Thema „Woher kommt die Kuhmilch?“ auf einer Kuhweide vor, auf der ein überdimensionalen Mixer steht.
    Eine Kuh steht bereits im Mixer.
    S. Wiener: „Natürliche Kuhmilch ist, wenn sie aus Biohaltung kommt, ein überhaupt nicht chemisches Naturprodukt.“
    Der Mixer im Hintergrund springt an. Die beiden drehen sich um, wenden sich aber gleich angeekelt wieder ab.
    Sprecher:
    „Aber pürierte Kühe geben doch ein trübes Bild ab – ist das denn konsumententauglich?
    Ein Assistent zapft Undefinierbares aus dem Mixer und reicht dem Reporter ein Glas davon.
    S. Wiener:
    „So, dass können Sie ohne Bedenken in Ihren Kaffee schütten, es schmeckt sehr natürlich und nach…“
    Reporter:
    „… das wollen Sie gar nicht wissen“.
    Rennt aus dem Bild, Würgegeräusche.
    Sarah Wiener lacht nicht.
    Schnitt.

  21. In der aktuellen EMMA äußert sie sich wohl über einen – wie es die EMMA oder auch sie selbst polemisch nennt – „Shitstorm“ (der VeganerInnen?): „Sie erklärt aber auch, warum sie selbst keine Vegetarierin ist. Was sie an den Veganern kritisiert – und wie sie mit dem gewaltigen Shitstorm umgegangen ist, der ihr nach ihrer Kritik entgegenwehte.“ (Auszug aus dem Artikel auf der Website, wo der gesamte Artikel nicht zu lesen ist.) Ob sie da wohl sachliche, inhaltlich richtige Argumente gegen die Kritik vorbringen kann?

  22. hm.
    Aus meiner Sicht ist weniger die ErnährungsFORM das Problem, als die Menge.

    Wenn das Öko-System/die Natur so wichtig/alles entscheidend ist: darin gibt es Tier- und Pflanzenfresser. Also erst mal die Kirche im Dorf lassen.

    Was real passiert: sehr viele Menschen haben Bleistift-Stemmer-Jobs, (fr)essen aber wie ein Bauarbeiter. Und dann ab ins Gym, die Pfunde abtrainieren. Suche den Fehler.

    Ein einigermaßen angemessener Kalorienverbrauch würde meiner Ansicht nach mehr Tiere retten als alle Veganer zusammen. Die Autobahnen sind voll mit Lastwagen voller Lebensmittel – tierisch und pflanzlich. Manchmal ist weniger mehr. Das könnte auch das Argument aushebeln, dass man sich hochwertige (teurere) Lebensmittel nicht leisten kann. Bewusster essen (was mir schmeckt): Weniger Menge – mehr Qualität – gleiches Budget.

  23. Sehr amüsant geschrieben. Deshalb lese ich selbst als überzeugter Allesfresser den „Graslutscher“ immer wieder gerne. Ich habe ja mal versucht, eine Woche lang kein Fleisch zu essen – ging gar nicht. Dazu stehe ich und brauche auch keine Pseudo-Argumente, um das zu rechtfertigen. Was da teilweise vorgebracht wird, ist wirklich amüsant. 😉

  24. „Ich verstehe auch die Motivation gar nicht.“

    Da kann ich evtl. helfen. Ich glaube, es geht ihr darum, vor sog. Greenwashing in der Lebensmittelindustrie zu warnen. Fakt ist, dass der Anteil an veganen Fertigprodukten steigt, also werden sie auch gekauft. Die Frage, ob diese nun wirklich umweltbewusster sind, als ökologisch hergestellte TIierprodukte, darf tatsächlich bezweifelt werden. Ich will gar nicht so tun als würde ich nur Bio kaufen, aber das Fleisch aus Freilandhaltung direkt vom Bio-Bauern ist wahrscheinlich schon „ethisch korrekter“ als die eingeschweißte Tofu-Wurst aus dem Supermarkt.

    • Konventionelle Fertigprodukte und Bio-Fertigprodukte gibts nicht?!
      Mal abgesehen davon dass sich jeder Tofu-Seitan-Würste einfach selbst auf Vorrat machen kann wird es immer Leute geben die Fertigprodukte wollen. Warum nicht solange dafür keine Tiere mißbraucht, gequält, vergewaltigt und umgebracht werden?

  25. soooo toll ! ❤️❤️❤️ Habe wieder unendlich viel gelacht. Alle Fragen sind für mich geklärt. Einfach top!

    Gibt es denn mal ein Buch von dir? Würde das gerne aus dem Regal nehmen können, wenn ich mal schlechte Laune hab.

    Reicht ja schon, wenn du deine Blogbeiträge dafür nimmst. <3

    Danke für deine Arbeit 🙂

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