13 comments on “Die AfD-Wähler und ich, ein Annäherungsversuch

  1. Fällt dir auf, dass du den gleichen Fehler wie alle anderen machst? Du behandelst AfD-Wähler von oben herab. Du nimmst sie nicht ernst und unterstellst ihnen, dass sie quasi dumme Idioten sind. Und dazu kommt noch, dass du mit doppeltem Maß misst. Du verurteilst die AfD (ich bin weiß Gott kein Fan von denen und ich mag ihr völkisches Geplapper nicht) und nennst gleichzeitig die Linke, welche die offizielle Nachfolgepartei der SED ist und sich nie davon distanzierte, eine Partei mit Anstand.

    Ich glaub mein Vorteil ist, dass ich im Osten aufgewachsen bin und niemanden von den Leuten dort für ihre Meinung und Einstellung verachte. Ich versuch niemanden zu belehren, sondern höre mir an was sie zu sagen haben und erklär ihnen meinen Standpunkt dazu. Aber ich setz mich dazu nicht wie du es hier schon wieder tust und im Prinzip sämtliche Medien und Politiker auf eine hohes moralischer Ross. Ich sag dann z.B. “es ist ok, wenn du Homosexuelle nicht magst. Ich kann es zwar nicht verstehen, weil ein paar gute Freunde von mir schwul sind, aber so lange du nicht zur Gewalt greifst seh ich da kein Problem drin.”

    Ebenso verurteile ich auch niemanden für seine Wahl oder versuche ihm zu erklären, dass er ein ungebildetes, asoziales Nazi-Arschloch, weil er eine Partei wählt, die zur Wahl steht, aber mir nicht gefällt. Das ist nunmal Demokratie und ich hab absolutes Verständnis für die gefühlte Alternativlosigkeit. Wenn man sieht wie Ursula von der Leyen am Sonntagabend auch die Wahlsiege von SPD und Grünen als Bestätigung der CDU deutet, dann zeigt sich der aktuelle Konsens in der Politik, der keinen Streit über Ideen mehr zulässt. Ich für meinen Teil bin froh, dass es Die PARTEI gibt, denn ansonsten müsste ich auch den Wahlzettel ungültig machen.

    Warum akzeptierst du nicht, dass es offensichtlich eine gewisse Anzahl an Menschen gibt, die konservative Werte haben. Warum versuchst du wie es Polikier und Medien gerade versuchen diese Mensche zu bekehren. Was behandelst du sie wie unmündige Kinder und akzeptierst nicht, dass sie ein in deinen Augen rückständiges Rollenbild haben? Warum dürfen sie das nicht haben? Ich verstehe wirklich nicht wieso es in Deutschland nicht mehr akzeptiert ist über Weltanschauungen zu streiten? Warum dürfen Leute nicht sagen, dass sie keine Flüchtlinge hier haben möchten? Nicht das wir uns falsch verstehen, ich bin dafür und auch aktiv dabei, aber trotzdem akzeptiere ich Menschen die mir erklären, dass sie keine Unterkunft in ihrer Nachbarschaft haben möchten. Ich versuch sie nicht mit dem Hinweis auf Nazis oder Rassismus mundtot zu machen, sondern versuche nachzuvollziehen warum sie der Meinung sind. Ohne dies von oben herab zu bewerten.

    Abschließend mal noch eine Frage: Hast du dich mal gefragt warum du zornig und verärgert auf Wahlergebnisse geschaut hast? Ist das dein Verständnis von Demokratie? Ist Demokratie nur gut, wenn Parteien gewählt werden die dir gefallen? Was bedeutet, wenn alle die Linke gewählt haben (wir leben ja in einer Welt in der Links = Gut und Rechts = Böse ist), dann ist der gute Endsieg erreicht und wir sind im Paradies? Frag dich selbst mal, warum du keinen ähnlichen Beitrag geschrieben hast, als in Thüringen die Linke 25 Jahre nach dem Mauerfall wieder an die Macht gekommen ist? Bist du wirklich demokratisch oder eher Schönwetterdemokrat der nur bereit ist Demokratie zu akzeptieren, wenn Parteien regieren die seinem Gusto entsprechen?

    • Kann es sein, dass Du meinen Text nicht gelesen hast? Du schreibst hier 20+ Strohmannargumente runter, da Du mir diverse Dinge vorwirfst, die ich überhaupt nicht gesagt habe. Das ist ziemliche Zeitverschwendung. Bitte beziehe Dich doch darauf, was hier im Artikel steht und nicht auf das, was Du gerne beantworten würdest. Ein paar Beispiele:

      “Du nimmst sie nicht ernst und unterstellst ihnen, dass sie quasi dumme Idioten sind. ”

      Wo unterstelle ich, dass es dumme Idioten sind? Ist das etwas, das ich geschrieben habe, oder eher etwas, das Du da rein interpretierst?

      “und nennst gleichzeitig die Linke, welche die offizielle Nachfolgepartei der SED ist und sich nie davon distanzierte, eine Partei mit Anstand.”

      Nein, ich sage, dass die einen Funken Anstand mehr haben. Das ist eine relative Aussage, keine absolute.

      “Ich glaub mein Vorteil ist, dass ich im Osten aufgewachsen bin und niemanden von den Leuten dort für ihre Meinung und Einstellung verachte.”

      Wie kommst Du darauf, dass ich Menschen aus dem Osten verachte? Ich habe Freunde und Bekannte dort.

      “Aber ich setz mich dazu nicht wie du es hier schon wieder tust und im Prinzip sämtliche Medien und Politiker auf eine hohes moralischer Ross.”

      Wo tue ich das?

      “Ebenso verurteile ich auch niemanden für seine Wahl oder versuche ihm zu erklären, dass er ein ungebildetes, asoziales Nazi-Arschloch, weil er eine Partei wählt, die zur Wahl steht, aber mir nicht gefällt”

      Auch das tue ich nicht. Ich beleidige hier auch niemanden.

      “Warum akzeptierst du nicht, dass es offensichtlich eine gewisse Anzahl an Menschen gibt, die konservative Werte haben.”

      Wie kommst Du darauf, dass ich das nicht tue?

      “Ist Demokratie nur gut, wenn Parteien gewählt werden die dir gefallen?”

      Nein, habe ich auch nicht behauptet. Wie ich schon schrieb, bin ich kein CDU-Anhänger und komme damit klar, dass die regieren.

      “Frag dich selbst mal, warum du keinen ähnlichen Beitrag geschrieben hast, als in Thüringen die Linke 25 Jahre nach dem Mauerfall wieder an die Macht gekommen ist?”

      Vermutlich, weil ich da 12 Jahre alt war ;)

      Ich bin übrigens kein Anhänger von “Die Linke”. Das war nur ein Beispiel. Dass Du Dich daran so aufhängst, lässt mich vermuten, dass es DIr vielmehr darum geht als um das Thema, das ich hier im Artikel bespreche.

      • Ich bin übrigens kein Anhänger von “Die Linke”. Das war nur ein Beispiel. Dass Du Dich daran so aufhängst, lässt mich vermuten, dass es DIr vielmehr darum geht als um das Thema, das ich hier im Artikel bespreche.

        Zwei Worte: Pavlov’scher Reflex.

    • Ich finde leider auch, du hast sehr viel in den Text rein interpretiert. Ich empfinde den Text vom Graslutscher schon als sehr gemäßigt und grundsätzlich spiegelt das auch meine Einstellung dazu wieder: Kritik üben, aber halbwegs sachlich bleiben.

      Kritik zu üben gehört zur Demokratie dazu. Und gerade, wenn unangenehme Tendenzen ihren Lauf nehmen, muss man das auch sagen können. Und wenn du bei allem einfach nur die Hände hoch reißt und sagst “Finde ich jetzt nicht so ok, aber mach mal!”, bekomme ich den Eindruck, dass du einfach wegschaust.

      So wie der Graslutscher halte auch ich Dialog für das wichtigste Instrument. Wegschauen, hinnehmen, aber auch verdammen, nicht ernst nehmen oder ignorieren ist einfach nicht der richtige Weg. Ob das jetzt nun rechts, links, vegan oder nicht vegan oder was auch immer angeht.

  2. Wieder ein schöner Text in dem ich vieles von meiner Meinung wieder erkenne. Bei einer seiner bin ich allerdings anderer Meinung: die Denkzettel-These. Seien wir doch mal ehrlich: Dieser Denkzettel bezieht sich auf die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, sprich Merkel und hat damit wenig mit der eigentlichen Politik der Regierung (da gibt’s mit TTIP, Vorratsdatenspeicherung etc. ja noch viel mehr Themen) als mit latentem Fremdenhass.

    Darum geht’s doch. Die Angst die armen Schweine die hier her kommen, könnten am Ende besser leben als man selber. Mit der AfD gibt’s jetzt endlich wieder eine Partei die (noch) gesellschaftlich akzeptiert ist, und die nicht dem rechten Schmuddel von NPD, Reps und Co unterliegt. Und darum ist diese Partei für diese Menschen wählbar. Diese Menschen würden genauso gut NPD wählen, wenn der Ruf der NPD nicht unbestreitbar braun wäre. Wir reden hier von diesen “das wird man ja wohl noch sagen dürfen – das die Erde ne Scheibe ist”-Menschen. Und wenn das jetzt so klingt, als schaue ich auf diese Menschen herab liegt das einzig und allen daran, dass ich auf diese Menschen herabschaue. Fast alle Behauptungen, steilen Thesen, kühnen Behauptungen und lächerlichen Befürchtungen dieser Menschen werden Tag für Tag widerlegt oder treten einfach nicht ein; all dies ändert jedoch nichts an täglich neuen Behauptungen/Befürchtungen/Thesen. Eine Diskussion auf Augenhöhe ist quasi gar nicht möglich. Dabei müssen wir auch nicht so tun, als sei herablassende Art ein nur von AfD-Gegnern gepachtet. Wie oft werden Kritiker und Flüchtlingsbefürworter herabschauend als Gutmensch bezeichnet?

    Die aktuellen Wahlergebnisse spiegeln in meinen Augen nur den allseits vorhandenen latenten Fremdenhass wider, der sich endlich wieder in einer “wählbaren” Partei kanalisiert. Das hatten wir vor ein paar Jahren btw. in Hamburg schon mal mit der Schill-Partei.

    Kleiner Fun-Fact: Ich habe Familie in Sachsen-Anhalt und wohne in M/V. So latent ist der Fremdenhass dann mancherorts gar nicht. ;)

    • Deine Protestthese klingt plausibel und, aus dem Bauch heraus eingeschätzt, realistisch. Aber genau das ist ja das Problem. Das mit dem Denkzettelverhalten ist aber eben nicht zu Ende gedacht, denn so wie hier im Artikel beschrieben hängt da einfach noch viel mehr dran. Genau dieser Punkt ist hier im Artikel korrekt abgehandelt worden. Außerdem sollte man sich darüber im Klaren sein, dass Wahlen nicht drei Mal im Jahr stattfinden, als dass man die Stimme für einen Denkzettel “wegschmeißt”.

      Ich wage noch eine gewagte These:
      Vielleicht entsteht gerade wegen solcher Verhaltensmuster der herablassende Blick. Zugegebenermaßen habe ich auch gerade den Gedanken im Kopf: AfD-Wähler denken nicht weiter.
      Das mag bei dem Einen oder Anderen etwas suptiler oder auch gar nicht stattfinden, mir ist dies beim Lesen irgendwie bewusst geworden.

      Grundsätzlich ein super Artikel, den lesen aber vermutlich die Falschen ;)

  3. Hättest du das Zeug mal lieber geraucht, statt gelutscht, dann hättest du nicht soviel sinnfreies abgesondert…

    • Scheint man Leute, die das, was bei der Wahl mit der Afd rausgekommen ist, gut finden, oder sie gar gewählt haben, mit deren Grundsatzprogramm zu konfrontieren, kommen immer Antworten wie “sinnfrei”, “lieber mal besser informieren”, alles “Schwachsinn” etc.
      Mir konnte noch niemand erklären, was er an dem Programm der Afd gut findet.
      Und das ist erschreckend.

  4. Danke Graslutscher. Einmal mehr. Sagt der Abschaum – alleinerziehend, lange Zeit prekär und zeitweilig von Transferleistungen existierend, liebend und lebend und ohne viele Konventionen. Mittlerweile (mit aaarmem Kitakind!) Vollzeit arbeitend. Familien wie meine würde die Afd gern abschaffen. Frauen wie mich dürfte es eigentlich nicht geben – oder wenigstens sollten wir an den Herd gekettet zwangsverheiratet und -geschwängert werden. NO SCREWING WAY! Leider hast du auch insofern Recht, als der Dialog wohl weiterhin wichtig ist. Auf ein Neues…

  5. Wiedermal sehr schön formuliert. Kann mich deinen Worten nur anschließen. Ich lebe in Sachsen-anhalt und habe mich wegen des Wahlergebnisses einfach nur geschämt. Aus Frust eine Partei zu wählen, die mehr als einmal rechtsradikale und menschenverachtende Äußerungen von sich gibt, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Mal ganz abgesehen, von den bereits erwähnten sozialen Einschnitten, welche die afd fordert. Unsozialer und brauner kann eine Partei gar nicht mehr sein. Schlimm genug, wenn man gegen die Ärmsten der Armen hetze betreibt. Aber dann noch dem eigenen Volk den Mittelfinger zu zeigen, zeigt doch auch nur, dass man wenig bis gar kein Verständnis für sozial schwächere Bürger hat. Es ist schon jetzt nicht mehr machbar mit Billiglöhnen und Hartz4 Sätzen oder alg klar zu kommen. Der Mindestlohn ist ohnehin ein schlechter Witz. Aber daran sind definitiv nicht die Immigranten oder eine Religion schult. Ganz besonders nicht, nach diesem Wahlergebnis…..

  6. Pingback: Die AfD-Wähler und ich, ein Annäherungsversuch | Kreaktivisten.org

  7. Vielleicht mag mir ja wer von Euch erklären, wieso dieses Rumgwähle und Parteiensystem so cool ist. Ich komm da nicht hinter. Alle streiten sich drum wer an die Macht kommt, und holen sich einen auf Parlamentarismus runter.

    Habt Ihr so wenig Selbstvertrauen, dass Ihr wen braucht, der Euch sagt was zu tun ist? Ist die CDU oder die CSU amsatzweise weniger rassistisch und homophob als die AfD oder die NPD? Die haben nur etwas weniger stumpfe Parolen, aber der Effekt ist doch der gleiche.

    Müssen wir wirklich immer das geringste Übel wählen? Oder würds nicht mal ne Idee sein, die wichtigen Politiker*innen ihren Unsinn abziehen zu lassen und Widerstand und Selbstorganisation von unten zu koordinieren? Das Herrschaftskonzept hat doch mal irgendwann ausgedient. Lasst es uns ablösen durch eine Gesellschaft die unser aller Bedürfnisse abdeckt.

    Kooperation statt Kompetition. Direkte Aktion statt Bittstellung.

  8. Dieses Video habe ich gerade gesehen https://www.youtube.com/watch?v=1_SStcoIP5g (Frauke Petry zerlegt “linke” Gegendemonstranten, 25 min). Dort lässt Frau Petry auf einer AFD-Veranstaltung die Urheber eines AFD-kritischen Zettels vor der Bühne zu Wort kommen. Leider sind diese Schüler rhetorisch und inhaltlich überhaupt nicht gut vorbereitet. Lieber Graslutscher, kannst du dich nicht mal als unbedarfter Abiturient verkleiden und mal zeigen, wie so was richtig geht. ;-)

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