Die AfD-Wähler und ich, ein Annäherungsversuch

Liebe AfD-Wähler, wir müssen mal reden. Und ich verspreche, möglichst sachlich zu bleiben. Wie viele meiner FB-Kontakte habe ich vorgestern zuerst verärgert und zornig auf die Wahlergebnisse reagiert. Nachdem nun die Statistiken bekannt sind, empfinde ich eher Verstörung und, ja, ein wenig Mitleid für all die vielen wählenden Bürger, von denen ein großer Anteil offenbar mit viel Euphorie vom Regen in die Traufe springt.

afd trump

Drei Viertel davon, also 18% aller Wähler Die Hälfte (die drei Viertel sind Unsinn) haben die AfD primär als Denkzettel für die Regierung gewählt? Oh je, das ist irgendwie traurig. Ihr habt das Glück, in einer Demokratie zu leben, in der Eure Stimme zählt, und dann werft Ihr sie einfach so weg? Dass man mit der Regierung nachhaltig unzufrieden ist, kann ich ja durchaus nachvollziehen. Hey, ich bin Atheist, Veganer und gegen Internet-Überwachung, da muss man Überschneidungen mit der Politik der großen Koalition schon mit der ganz großen Lupe suchen. Aber auch wenn ich am Karfreitag nicht tanzen gehen darf oder selbst Frau Künast von den Grünen im Wahlkampf wie eine Irre auf Fische einschlägt, so wäre ich nie auf die Idee gekommen, NPD oder Republikaner zu wählen, selbst wenn die mir den Veggieday + Abschaffung aller Kirchenprivilegien versprochen hätten. Es wäre halt ein Protestverhalten, das sich primär gegen mich selbst richtete.

Aus Protest gegen schlechte Politik die AfD zu wählen ist eben irgendwie nicht allzu zielführend. Die größten Wähleranteile holt die vermeintliche Alternative bei Arbeitslosen, gefolgt von Arbeitern – also ausgerechnet der Gruppe, die am meisten unter den von der AfD Sachsen-Anhalt geplanten massiven Senkungen von Hartz IV und Abschaffung des Mindestlohns leiden würden. Auch das geleakte Grundsatzprogramm lässt die Zukunft gerade für Menschen mit geringem oder gar keinem Einkommen noch düsterer erscheinen: Laut diesem müssten Angestellte ihre dann private Arbeitslosenversicherung komplett selbst finanzieren, die für Menschen in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen dann mutmaßlich auch noch teurer wäre als für gut verdienende Unternehmensberater oder Banker. Die Abschaffung von Grunderwerbssteuer und Länderfinanzausgleich käme zudem gerade Sachsen-Anhalt teuer zu stehen, laut Bundesfinanzministerium hätte das Bundesland dadurch Einbußen von 750 Millionen Euro zu beklagen. Ist das grotesk? Um der Regierung einen Denkzettel zu verpassen, wählt man Sozialeinschnitte gegen sich selbst. Als würde im Hühnerstall die Partei „Alternative für Habichte“ mit dem Slogan „Freie Jagd für freie Raubvögel – die Stalldächer müssen weg!“ große Zustimmung erhalten. Weil die auch irgendwas gegen den Zuzug von Hühnern aus dem Ausland machen will.

Und das, obwohl unlängst kaum noch „Hühner“ aus dem Ausland hier ankommen: Am vergangenen Mittwoch waren es gerade mal bundesweit 125 Flüchtlinge, die nach Deutschland eingereist sind. Das wäre ein hochgerechneter Jahreszuzug von 33.125 Menschen, so viele sind 2015 allein in Berlin untergekommen. Zugegeben, das hat auch mit der versperrten Balkanroute zu tun, aber auch ohne die hat sich Deutschland auf dem Papier ja längst mit den jüngsten Asylpaketen abgeschottet. Dennoch verspürt man in dem Bundesland mit einem der bundesweit niedrigsten Anteile von Muslimen so eine Sorge vor mehr Muslimen, dass man dafür die eigenen Grundrechte abwählt.

Wie gesagt, das ist nicht nur bedrohlich, das ist auch tragisch. Ich habe das Glück, auf die Zuschüsse aus Sozialsystemen kaum angewiesen zu sein und bekomme PNs und Mails, in denen mir in beschissenen Branchen arbeitende Leute stolz erzählen, es der Regierung jetzt mal so richtig gezeigt zu haben. So als würde mich das stärker treffen als sie, nur weil ich die Aufnahme von Millionen Flüchtlingen in einem der reichsten Kontinente des Planeten für eine machbare Aufgabe halte. Dabei trifft es mich persönlich halt kaum, während die Absender dieser Mails das Wahlprogramm ihrer Denkzettel-Partei offenbar kaum lesen. Ich komme mir vor, als würden meine Nachbarn mir stolz erzählen, aus Protest gegen den Fluglärm in die neue AfD-Siedlung zu ziehen. Und auf meine Warnung hin, dass die leider direkt neben der Startbahn West liegt, reckt man die Faust in die Höhe, schreit „Wir sind das Volk“ und zieht mit Kind und Kegel mitten in die Einflugschneise, um es mir mal so richtig zu zeigen. Irgendwie bestürzend – wie viel frustrierter sind diese Leute erst bei der nächsten Wahl?

Und um beim Beispiel zu bleiben, ist der Fluglärm noch nicht mal wirklich nachweisbar. Die große Mehrheit der AfD-Wähler sagt, dass es gut sei, dass die AfD den Zuzug von Ausländern stärker begrenzen wolle und dass der Einfluss des Islam zu stark werde. Ich habe das in den vergangenen Monaten schon ein Dutzend Mal gefragt, also gerne zum dreizehnten Mal: Wo denn? Wo in Eurem Alltag spielt der Islam denn irgendeine Rolle? Müsst Ihr Euch an muslimische Glaubensvorschriften halten oder werdet Ihr von Muslimen irgendwie diskriminiert? In Sachsen-Anhalt leben so wenige Muslime, dass ihre Anzahl im Wikipedia-Artikel nicht mal explizit ausgewiesen, sondern als Summe mit Juden und den Zeugen Jehovas genannt wird. Im kompletten Bundesland leben weniger Moslems als in Frankfurt am Main, einer ziemlich wohlhabenden Stadt, die nicht gerade für regelmäßige Ausschreitungen oder öffentliche Steinigungen bekannt wäre.

Und dafür nehmt Ihr ganz konkrete, einschneidende Benachteiligungen in Kauf? Weil Deutschland so viel für Ausländer tut und so wenig für Deutsche, wählt Ihr eine Partei, die Sozialleistungen für Deutsche kürzen will. Gut, nach der Logik kann ich mir auch in den Fuß schießen, weil mich die Kopfschmerzen so stören. Ferner wählt Ihr damit Klimaerwärmung, Diskriminierung von Nicht-Heterosexuellen und christlichen Fundamentalismus (davon sind Deutsche übrigens genauso betroffen wie Ausländer) – ich weiß, das interessiert 75% 50% von Euch gar nicht, es geht hier ja um einen Denkzettel. Ihr würdet die vermutlich selbst dann wählen, wenn im AfD-Wahlprogramm die Einebnung des Erzgebirges vorgeschlagen würde.

Aber wieso müssen diese Scheiß-Denkzettel immer so eingebräunt sein? Wenn Ihr Merkel ärgern wollt, dann nur zu. Ich habe die in meinem Leben noch nie gewählt, meinen Segen habt Ihr. Aber dann wählt doch geschlossen Piraten, die Linke oder irgendwen, der einen Funken mehr Anstand im Leib trägt als diese Leute, die längst gezeigt haben, wes Geistes Kind ihre Agenda ist. Denn bei Politikern, die sich öffentlich per se gegen Flüchtlinge aussprechen, ist der Weg nicht weit, sich gegen arbeitslose „Schmarotzer“ auszusprechen, gegen Menschen mit Behinderung, die der Gesellschaft zur Last fallen, oder gegen Alleinerziehende, weil man damit dann angeblich Familien hilft. Oh, was ein Zufall, ein paar dieser Vorstöße zeichnen sich ja bereits ab.

Wie gesagt, wählt so viele Denkzettel, wie Ihr wollt. Ich bin auf Hartz IV nicht angewiesen und gut versichert. Aber wäre mein Arbeitsplatz gefährdet oder der Sozialstaat eine wichtige Grundlage für mich, dann würde ich mir das erst recht zweimal überlegen, selbst wenn ich ein großer Gegner der Flüchtlingsaufnahme wäre. Sonst macht Ihr die AfD zu einer Art Donald-Trump-Partei, die noch so absurde Inhalte in ihr Programm schreiben kann, ohne dass es auf Wahlergebnisse irgendwelche Auswirkungen hat. Dass auch die AfD-Wähler mit diesem Programm nicht zwingend einverstanden sind, kann man an meinem persönlichen Höhepunkt der aktuellen Absurdität ablesen: Der SPIEGEL-Artikel, der über das geleakte Grundsatzprogramm berichtet, wird von AfD-Anhängern mehrfach als Hetze kritisiert. Wenn aber schon die Wähler selbst das eigens gewählte Programm als Hetze empfinden, dann kann man sich schon mal fragen, ob die Wahl desselben nicht doch eine eher mittelgute Idee war.

PS: Das grundsätzliche Entfreunden von AfD-Wählern halte übrigens nicht nur ich für keine sonderlich gute Idee. Ohne Dialog werden alle Probleme der Welt nur noch schwieriger.

14 Gedanken zu “Die AfD-Wähler und ich, ein Annäherungsversuch

  1. Fällt dir auf, dass du den gleichen Fehler wie alle anderen machst? Du behandelst AfD-Wähler von oben herab. Du nimmst sie nicht ernst und unterstellst ihnen, dass sie quasi dumme Idioten sind. Und dazu kommt noch, dass du mit doppeltem Maß misst. Du verurteilst die AfD (ich bin weiß Gott kein Fan von denen und ich mag ihr völkisches Geplapper nicht) und nennst gleichzeitig die Linke, welche die offizielle Nachfolgepartei der SED ist und sich nie davon distanzierte, eine Partei mit Anstand.

    Ich glaub mein Vorteil ist, dass ich im Osten aufgewachsen bin und niemanden von den Leuten dort für ihre Meinung und Einstellung verachte. Ich versuch niemanden zu belehren, sondern höre mir an was sie zu sagen haben und erklär ihnen meinen Standpunkt dazu. Aber ich setz mich dazu nicht wie du es hier schon wieder tust und im Prinzip sämtliche Medien und Politiker auf eine hohes moralischer Ross. Ich sag dann z.B. „es ist ok, wenn du Homosexuelle nicht magst. Ich kann es zwar nicht verstehen, weil ein paar gute Freunde von mir schwul sind, aber so lange du nicht zur Gewalt greifst seh ich da kein Problem drin.“

    Ebenso verurteile ich auch niemanden für seine Wahl oder versuche ihm zu erklären, dass er ein ungebildetes, asoziales Nazi-Arschloch, weil er eine Partei wählt, die zur Wahl steht, aber mir nicht gefällt. Das ist nunmal Demokratie und ich hab absolutes Verständnis für die gefühlte Alternativlosigkeit. Wenn man sieht wie Ursula von der Leyen am Sonntagabend auch die Wahlsiege von SPD und Grünen als Bestätigung der CDU deutet, dann zeigt sich der aktuelle Konsens in der Politik, der keinen Streit über Ideen mehr zulässt. Ich für meinen Teil bin froh, dass es Die PARTEI gibt, denn ansonsten müsste ich auch den Wahlzettel ungültig machen.

    Warum akzeptierst du nicht, dass es offensichtlich eine gewisse Anzahl an Menschen gibt, die konservative Werte haben. Warum versuchst du wie es Polikier und Medien gerade versuchen diese Mensche zu bekehren. Was behandelst du sie wie unmündige Kinder und akzeptierst nicht, dass sie ein in deinen Augen rückständiges Rollenbild haben? Warum dürfen sie das nicht haben? Ich verstehe wirklich nicht wieso es in Deutschland nicht mehr akzeptiert ist über Weltanschauungen zu streiten? Warum dürfen Leute nicht sagen, dass sie keine Flüchtlinge hier haben möchten? Nicht das wir uns falsch verstehen, ich bin dafür und auch aktiv dabei, aber trotzdem akzeptiere ich Menschen die mir erklären, dass sie keine Unterkunft in ihrer Nachbarschaft haben möchten. Ich versuch sie nicht mit dem Hinweis auf Nazis oder Rassismus mundtot zu machen, sondern versuche nachzuvollziehen warum sie der Meinung sind. Ohne dies von oben herab zu bewerten.

    Abschließend mal noch eine Frage: Hast du dich mal gefragt warum du zornig und verärgert auf Wahlergebnisse geschaut hast? Ist das dein Verständnis von Demokratie? Ist Demokratie nur gut, wenn Parteien gewählt werden die dir gefallen? Was bedeutet, wenn alle die Linke gewählt haben (wir leben ja in einer Welt in der Links = Gut und Rechts = Böse ist), dann ist der gute Endsieg erreicht und wir sind im Paradies? Frag dich selbst mal, warum du keinen ähnlichen Beitrag geschrieben hast, als in Thüringen die Linke 25 Jahre nach dem Mauerfall wieder an die Macht gekommen ist? Bist du wirklich demokratisch oder eher Schönwetterdemokrat der nur bereit ist Demokratie zu akzeptieren, wenn Parteien regieren die seinem Gusto entsprechen?

    • Kann es sein, dass Du meinen Text nicht gelesen hast? Du schreibst hier 20+ Strohmannargumente runter, da Du mir diverse Dinge vorwirfst, die ich überhaupt nicht gesagt habe. Das ist ziemliche Zeitverschwendung. Bitte beziehe Dich doch darauf, was hier im Artikel steht und nicht auf das, was Du gerne beantworten würdest. Ein paar Beispiele:

      „Du nimmst sie nicht ernst und unterstellst ihnen, dass sie quasi dumme Idioten sind. “

      Wo unterstelle ich, dass es dumme Idioten sind? Ist das etwas, das ich geschrieben habe, oder eher etwas, das Du da rein interpretierst?

      „und nennst gleichzeitig die Linke, welche die offizielle Nachfolgepartei der SED ist und sich nie davon distanzierte, eine Partei mit Anstand.“

      Nein, ich sage, dass die einen Funken Anstand mehr haben. Das ist eine relative Aussage, keine absolute.

      „Ich glaub mein Vorteil ist, dass ich im Osten aufgewachsen bin und niemanden von den Leuten dort für ihre Meinung und Einstellung verachte.“

      Wie kommst Du darauf, dass ich Menschen aus dem Osten verachte? Ich habe Freunde und Bekannte dort.

      „Aber ich setz mich dazu nicht wie du es hier schon wieder tust und im Prinzip sämtliche Medien und Politiker auf eine hohes moralischer Ross.“

      Wo tue ich das?

      „Ebenso verurteile ich auch niemanden für seine Wahl oder versuche ihm zu erklären, dass er ein ungebildetes, asoziales Nazi-Arschloch, weil er eine Partei wählt, die zur Wahl steht, aber mir nicht gefällt“

      Auch das tue ich nicht. Ich beleidige hier auch niemanden.

      „Warum akzeptierst du nicht, dass es offensichtlich eine gewisse Anzahl an Menschen gibt, die konservative Werte haben.“

      Wie kommst Du darauf, dass ich das nicht tue?

      „Ist Demokratie nur gut, wenn Parteien gewählt werden die dir gefallen?“

      Nein, habe ich auch nicht behauptet. Wie ich schon schrieb, bin ich kein CDU-Anhänger und komme damit klar, dass die regieren.

      „Frag dich selbst mal, warum du keinen ähnlichen Beitrag geschrieben hast, als in Thüringen die Linke 25 Jahre nach dem Mauerfall wieder an die Macht gekommen ist?“

      Vermutlich, weil ich da 12 Jahre alt war 😉

      Ich bin übrigens kein Anhänger von „Die Linke“. Das war nur ein Beispiel. Dass Du Dich daran so aufhängst, lässt mich vermuten, dass es DIr vielmehr darum geht als um das Thema, das ich hier im Artikel bespreche.

      • Ich bin übrigens kein Anhänger von “Die Linke”. Das war nur ein Beispiel. Dass Du Dich daran so aufhängst, lässt mich vermuten, dass es DIr vielmehr darum geht als um das Thema, das ich hier im Artikel bespreche.

        Zwei Worte: Pavlov’scher Reflex.

    • Ich finde leider auch, du hast sehr viel in den Text rein interpretiert. Ich empfinde den Text vom Graslutscher schon als sehr gemäßigt und grundsätzlich spiegelt das auch meine Einstellung dazu wieder: Kritik üben, aber halbwegs sachlich bleiben.

      Kritik zu üben gehört zur Demokratie dazu. Und gerade, wenn unangenehme Tendenzen ihren Lauf nehmen, muss man das auch sagen können. Und wenn du bei allem einfach nur die Hände hoch reißt und sagst „Finde ich jetzt nicht so ok, aber mach mal!“, bekomme ich den Eindruck, dass du einfach wegschaust.

      So wie der Graslutscher halte auch ich Dialog für das wichtigste Instrument. Wegschauen, hinnehmen, aber auch verdammen, nicht ernst nehmen oder ignorieren ist einfach nicht der richtige Weg. Ob das jetzt nun rechts, links, vegan oder nicht vegan oder was auch immer angeht.

    • An „Ein Hoch auf die Demokratie“

      Zu deiner Behauptung: „(…) die Linke, welche die offizielle Nachfolgepartei der SED ist und sich nie davon distanzierte (…)“ – also soweit ich weiß, hat Die Linke sich definitiv distanziert und u.a. schon kurz nach der Wende dafür gesorgt, dass keine alten Parteikader in tragenden Funktionen waren.
      Bei den heutigen MdB, die für die Linke im Bundestag sitzen und aus den neuen Bundesländern stammen, findet sich gewiss so einige ehemalige SED-Mitglieder. Doch ist dies wirklich aussagekräftig? Als simples Mitglied hatte man kaum was zu sagen.

      Und zu den IM, weil sich viele Leute auch gerne darauf stürzen… es hat viele IM in der DDR gegeben, aber komischerweise stehen bis heute nur Politiker_innen der Linkspartei im Generalverdacht?! Was soll das?

  2. Wieder ein schöner Text in dem ich vieles von meiner Meinung wieder erkenne. Bei einer seiner bin ich allerdings anderer Meinung: die Denkzettel-These. Seien wir doch mal ehrlich: Dieser Denkzettel bezieht sich auf die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, sprich Merkel und hat damit wenig mit der eigentlichen Politik der Regierung (da gibt’s mit TTIP, Vorratsdatenspeicherung etc. ja noch viel mehr Themen) als mit latentem Fremdenhass.

    Darum geht’s doch. Die Angst die armen Schweine die hier her kommen, könnten am Ende besser leben als man selber. Mit der AfD gibt’s jetzt endlich wieder eine Partei die (noch) gesellschaftlich akzeptiert ist, und die nicht dem rechten Schmuddel von NPD, Reps und Co unterliegt. Und darum ist diese Partei für diese Menschen wählbar. Diese Menschen würden genauso gut NPD wählen, wenn der Ruf der NPD nicht unbestreitbar braun wäre. Wir reden hier von diesen „das wird man ja wohl noch sagen dürfen – das die Erde ne Scheibe ist“-Menschen. Und wenn das jetzt so klingt, als schaue ich auf diese Menschen herab liegt das einzig und allen daran, dass ich auf diese Menschen herabschaue. Fast alle Behauptungen, steilen Thesen, kühnen Behauptungen und lächerlichen Befürchtungen dieser Menschen werden Tag für Tag widerlegt oder treten einfach nicht ein; all dies ändert jedoch nichts an täglich neuen Behauptungen/Befürchtungen/Thesen. Eine Diskussion auf Augenhöhe ist quasi gar nicht möglich. Dabei müssen wir auch nicht so tun, als sei herablassende Art ein nur von AfD-Gegnern gepachtet. Wie oft werden Kritiker und Flüchtlingsbefürworter herabschauend als Gutmensch bezeichnet?

    Die aktuellen Wahlergebnisse spiegeln in meinen Augen nur den allseits vorhandenen latenten Fremdenhass wider, der sich endlich wieder in einer „wählbaren“ Partei kanalisiert. Das hatten wir vor ein paar Jahren btw. in Hamburg schon mal mit der Schill-Partei.

    Kleiner Fun-Fact: Ich habe Familie in Sachsen-Anhalt und wohne in M/V. So latent ist der Fremdenhass dann mancherorts gar nicht. 😉

    • Deine Protestthese klingt plausibel und, aus dem Bauch heraus eingeschätzt, realistisch. Aber genau das ist ja das Problem. Das mit dem Denkzettelverhalten ist aber eben nicht zu Ende gedacht, denn so wie hier im Artikel beschrieben hängt da einfach noch viel mehr dran. Genau dieser Punkt ist hier im Artikel korrekt abgehandelt worden. Außerdem sollte man sich darüber im Klaren sein, dass Wahlen nicht drei Mal im Jahr stattfinden, als dass man die Stimme für einen Denkzettel „wegschmeißt“.

      Ich wage noch eine gewagte These:
      Vielleicht entsteht gerade wegen solcher Verhaltensmuster der herablassende Blick. Zugegebenermaßen habe ich auch gerade den Gedanken im Kopf: AfD-Wähler denken nicht weiter.
      Das mag bei dem Einen oder Anderen etwas suptiler oder auch gar nicht stattfinden, mir ist dies beim Lesen irgendwie bewusst geworden.

      Grundsätzlich ein super Artikel, den lesen aber vermutlich die Falschen 😉

    • Scheint man Leute, die das, was bei der Wahl mit der Afd rausgekommen ist, gut finden, oder sie gar gewählt haben, mit deren Grundsatzprogramm zu konfrontieren, kommen immer Antworten wie „sinnfrei“, „lieber mal besser informieren“, alles „Schwachsinn“ etc.
      Mir konnte noch niemand erklären, was er an dem Programm der Afd gut findet.
      Und das ist erschreckend.

  3. Danke Graslutscher. Einmal mehr. Sagt der Abschaum – alleinerziehend, lange Zeit prekär und zeitweilig von Transferleistungen existierend, liebend und lebend und ohne viele Konventionen. Mittlerweile (mit aaarmem Kitakind!) Vollzeit arbeitend. Familien wie meine würde die Afd gern abschaffen. Frauen wie mich dürfte es eigentlich nicht geben – oder wenigstens sollten wir an den Herd gekettet zwangsverheiratet und -geschwängert werden. NO SCREWING WAY! Leider hast du auch insofern Recht, als der Dialog wohl weiterhin wichtig ist. Auf ein Neues…

  4. Wiedermal sehr schön formuliert. Kann mich deinen Worten nur anschließen. Ich lebe in Sachsen-anhalt und habe mich wegen des Wahlergebnisses einfach nur geschämt. Aus Frust eine Partei zu wählen, die mehr als einmal rechtsradikale und menschenverachtende Äußerungen von sich gibt, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Mal ganz abgesehen, von den bereits erwähnten sozialen Einschnitten, welche die afd fordert. Unsozialer und brauner kann eine Partei gar nicht mehr sein. Schlimm genug, wenn man gegen die Ärmsten der Armen hetze betreibt. Aber dann noch dem eigenen Volk den Mittelfinger zu zeigen, zeigt doch auch nur, dass man wenig bis gar kein Verständnis für sozial schwächere Bürger hat. Es ist schon jetzt nicht mehr machbar mit Billiglöhnen und Hartz4 Sätzen oder alg klar zu kommen. Der Mindestlohn ist ohnehin ein schlechter Witz. Aber daran sind definitiv nicht die Immigranten oder eine Religion schult. Ganz besonders nicht, nach diesem Wahlergebnis…..

  5. Vielleicht mag mir ja wer von Euch erklären, wieso dieses Rumgwähle und Parteiensystem so cool ist. Ich komm da nicht hinter. Alle streiten sich drum wer an die Macht kommt, und holen sich einen auf Parlamentarismus runter.

    Habt Ihr so wenig Selbstvertrauen, dass Ihr wen braucht, der Euch sagt was zu tun ist? Ist die CDU oder die CSU amsatzweise weniger rassistisch und homophob als die AfD oder die NPD? Die haben nur etwas weniger stumpfe Parolen, aber der Effekt ist doch der gleiche.

    Müssen wir wirklich immer das geringste Übel wählen? Oder würds nicht mal ne Idee sein, die wichtigen Politiker*innen ihren Unsinn abziehen zu lassen und Widerstand und Selbstorganisation von unten zu koordinieren? Das Herrschaftskonzept hat doch mal irgendwann ausgedient. Lasst es uns ablösen durch eine Gesellschaft die unser aller Bedürfnisse abdeckt.

    Kooperation statt Kompetition. Direkte Aktion statt Bittstellung.

  6. Dieses Video habe ich gerade gesehen https://www.youtube.com/watch?v=1_SStcoIP5g (Frauke Petry zerlegt „linke“ Gegendemonstranten, 25 min). Dort lässt Frau Petry auf einer AFD-Veranstaltung die Urheber eines AFD-kritischen Zettels vor der Bühne zu Wort kommen. Leider sind diese Schüler rhetorisch und inhaltlich überhaupt nicht gut vorbereitet. Lieber Graslutscher, kannst du dich nicht mal als unbedarfter Abiturient verkleiden und mal zeigen, wie so was richtig geht. 😉

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