Wenn 70 Prozent der globalen Agrarfläche Grasland sind, sollten wir dann nicht alle Kühe essen?

Es gibt viel Streit um die Frage, wie ökologisch und gerecht eine zu 100 Prozent vegane Welt wäre, da es auf dem Globus anteilig sehr viel Weideland gibt. Wer könnte die besser beantworten als euer Veganer des Vertrauens (bin ja komplett unbefangen🤪)? Aber im Ernst, das ist wichtig, also habe ich hier mal die Fakten gesammelt, entscheidet selbst:

Je nach Studie besteht das gesamte Agrarland weltweit zu 65 bis 70 Prozent aus Grasland. „Case closed!“ schreit uns die Intuition da in den Vernunft-Komplex. Würden sich alle nur von Pflanzen ernähren, dann würden diese Flächen ja komplett brachliegen und uns blieben nur 30 Prozent dieser Flächen zur Nahrungsproduktion. Aber Vorsicht, die Intuition ist die kleine Schwester vom gesunden Menschenverstand und der Schule des Lebens, so simpel ist es wie sooft nicht.

Unter dem Wort Grasland stellen sich die meisten Menschen saftige, irische Wiesen vor, über denen 24/7 das Kerrygold-Jingle erklingt. Tatsächlich ist dieses Grasland aber sehr unterschiedlich beschaffen. Es gibt dazu eine sensationelle Studie von 2017, die die Daten zum globalen Grasland fluffig aufbereitet hat:

Ja, 70 Prozent Grasland ist eine Menge, aber wie man an der hellgrün und gelb eingefärbten Fläche sehen kann, gehören da auch ein paar ziemlich unwirtliche Landstriche dazu, so z.B. der Norden Russlands und Kanadas, Alaska, Teile der Sahara und der arabischen Halbinsel. Unter den Begriff Grasland fallen eben auch Feuchtgebiete wie die Everglades in Florida, sibirische Tundra und Dornstrauchsavanne wie z.B. die Kalahari im südlichen Afrika. Da sieht es so aus (nicht ideal für Kühe zum Grasen):

Kalahari, Namibia
Everglades-Nationalpark in Florida, USA
Halbinsel Kola, Russland

Auf diesen Flächen gibt es keine nennenswerte Tierhaltung. Wie in der Legende der Landkarte ganz oben schön aufgeschlüsselt ist, machen diese Flächen allein 955 Millionen Hektar oder 30 Prozent aller Grasland-Flächen des Planeten aus.

Auf den dunkelgrünen und den olivgrünen Flächen werden tatsächlich Tiere gehalten (zusammen ca. 2.150 Mio. Hektar oder 70 Prozent dieser Fläche), nur ließe sich auf wiederum der Hälfte dieser Fläche (der olivgrün eingefärbten) auch Ackerbau betreiben.

Aber damit nicht genug, auch die Fläche, die wir bereits heute für Ackerbau nutzen, wird zum Großteil für Tierfutter verwendet:

Grafik aus „Globale Landflächen und Biomasse“ vom Umweltbundesministerium

Eine vollständig vegane Gesellschaft, so unrealistisch das heute wirken mag, würde also direkt mal eine Milliarde (!) Hektar bereits heute genutzten Ackerlands für eine andere Nutzung ermöglichen. Wir belegen diese aktuell leider mit gigantischen Monokultur-Flächen für die Fleischproduktion während uns die Artenvielfalt zusammenbricht.

Man könnte jetzt denken, na gut, aber die Flächen, auf denen WIRKLICH nur Tiere grasen können, die kämen ja zusätzlich obendrauf. Ja, stimmt, so diese Tiere dann auch wirklich nur Gras fressen. Das mag auf Paarhufer im nepalesischen Hochgebirge zutreffen oder auf die Tierherden von Nomaden in der Sahel-Zone, aber unsere „Nutztiere“ in Europa bekommen fast alle Kraftfutter dazu.

Schweine, Hühner, Enten und Puten sowieso, denn die können mit Gras nur bedingt was anfangen. Aber auch die in Deutschland gehaltenten Kühe fressen am Tag ca. 44 Kilo Pflanzen, von denen in der Regel ein großer Teil auf Flächen wächst, auf denen auch Kartoffeln gedeihen würden:

Empfehlungen der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Seite 34

Soja, Raps und die 20 Kilogramm Maissilage stammen von Ackerböden, da könnte man auch direkt Nahrung für Menschen anbauen. Alleine für den in Deutschland angebauten Futtermais wird eine Fläche von 1,67 Millionen Hektar verwendet. Das ist ein bisschen größer als ganz Thüringen.

Das führt uns zu dieser wichtigen Grafik. 77 Prozent der global genutzten Agrarfläche, ein Gebiet so groß wie die USA, Russland und China zusammen, wird für die Tiermast verwendet und trägt am Ende nur zu 18 Prozent (!) zur Kalorienversorgung der Menschheit bei:

Aufbereitet von Our World In Data, https://ourworldindata.org/uploads/2020/01/Global-land-use-graphic-800×506.png

Man kommt auch ohne Mathestudium auf den Gedanken, dass es effizientere Möglichkeiten geben könnte. Wir benötigen nun mal mehrere Kalorien Pflanzen, um am Ende eine Kalorie Fleisch zu produzieren. Das ist je nach Tierart unterschiedlich, im Schnitt sind es 7 pflanzliche Kalorien pro Fleischkalorie. Davon landen 5 Kalorien im Stoffwechsel der Tiere. So verfüttern wir 75 Prozent der Weltsojaernte und 33 Prozent der Weltgetreideernte an Tiere und das zahlenmäßig größte Endprodukt dabei ist Tierkacke.

Würden wir Tierprodukte vom Speiseplan streichen, hätten wir auf Anhieb viel mehr Agrarflächen zur Verfügung. Es gibt da zwar eine Menge Tiere, die allein von Gras leben könnten, aber in der Praxis ist das im globalen Norden eher selten der Fall. Wie gesagt, es mag vereinzelt lokale Besonderheiten geben, wo die Menschen nur durch ihre Tierhaltung gerade so auf die nötigen Kalorien kommen. Das soll kein Plädoyer dafür sein, abgeschiedene Amazonas-Naturvölker mit veganen Kochbüchern zu nerven.

Der globale Süden geht mit seinen Kalorien aber ohnehin viel sparsamer um:


Europa, Australien und Nordamerika sind rot eingefärbt, weil sie am schlechtesten mit ihren Kalorien haushalten. Südamerika ist noch hellrot und gelb, die Kost in Afrika, Indien, China und Indonesien ist hingegen so stark pflanzlich geprägt, dass sie viel mehr Menschen pro Hektar Boden ernähren können.

Je mehr Pflanzen wir direkt ohne Umweg über einen Tiermagen essen, desto mehr Fläche können wir der Natur zurückgeben. Wir erreichen hier also schon Teilerfolge, ohne dass sich gleich alle vegan ernähren. Die Frage war halt so gestellt, aber um die globale Nahrungsproduktion ökologisch und sozial gerecht zu machen, reicht es auch, die Fleischmenge stark zu reduzieren.

Darauf einen Beyond Burger 😉

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9 Gedanken zu “Wenn 70 Prozent der globalen Agrarfläche Grasland sind, sollten wir dann nicht alle Kühe essen?

  1. Man sollte dabei auch immer im Hinterkopf haben, dass es hinsichtlich der Ertragsqualität der Böden erhebliche Unterschiede gibt. Die fruchtbarsten Böden sind schon unter dem Pflug, und die schwächsten Böden taugen eben nicht mal als Weide. Die für Ackerbau ungeeigneten Agrarflächen, die tatsächlich als Weide mit Tieren drauf genutzt werden, sind also klima-, relief- oder bodenfruchtbarkeitbedingt tendenziell weniger ertragreiche Böden, sprich extensives Weideland, was als einziges nicht mehr landwirtschaftlich nutzbar wäre bei 100% veganer Welternährung.
    Das sind zwar ca. 1/3 des Weidelands, aber aufgrund des schlechten Wirkungsgrades über den Umweg Tier trägt dieses anteilmäßig nochmal deutlich weniger zur Kalorien/Proteinversorgung der Menschheit bei als ohnehin schon über tierische Produkte, also deutlich weniger als 6% bzw. 12%, was durch die Umnutzung des Ackerlandes, was derzeit für Futtermittel genutzt wird für die direkte menschliche Ernährung ebenso deutlich überkompensiert würde, die Umnutzung von Weideland, was auch als Ackerland taugt noch nicht berücksichtigt. Bei diesem extensiven, ackerbauuntauglichen Weideland dürfte es sich vorwiegend um traditionelle Nutzung handeln, sprich keine eutrophen Mähwiesen, sondern Weidewirtschaft mit angepassten, genügsamen Haustiereassen (Ziegen, Schafe, Rinder) was Hochleistungsrassen ausschließt, damit aber den Wirkungsgrad sich noch mal verschlechtert. Die Bedeutung dieser Flächen ist daher sowohl quantitativ im Falle eines „Verlustes“ als auch wenn man die traditionelle Nutzung beibehält marginal.
    Der fette Brocken ist und bleibt die westliche Wohlstandsernährung mit der industriellen Massentierhaltung. Nur genau davon soll wohl mit solchen „Argumenten“ abgelenkt werden.

  2. Was passiert eigentlich mit den ganzen Nutztieren, wenn wir uns alle nur noch vegan ernähren? Dürfen die vorher noch alle gegessen werden oder kommen die in Zoos oder darf man die als Haustiere halten? Nicht, dass die noch aussterben. (Die Fragen sind ernst gemeint und sollen keine Art Gegenrede darstellen.)

    • Das ist eine der Standardfragen, die immer wieder von der Seite kommen, die von vegan und Tierrechten (abolitionist approach) nicht nur keine Ahnung haben sondern sich auch gar nicht damit befassen wollen und nur ihre Vorurteile und Gewohnheiten bestätigt sehen wollen, sprich, dass das alles mit vegan gar nicht machbar wäre.
      Bevor ich mir daher hier den Mund fusselig rede nur so viel:
      ein Stopp der Hochleistungsqualzüchtungen in der Massentierhaltung stellt keinerlei biologischen Verlust dar und ist ökologisch und tierrechtlich geboten. Die vorhandenen Tiere kann man aufessen, muss aber nicht, denn tierrechtlich unbedenkliche Ausstiegsszenarien sind auch mit auslaufender Gnadenbrothaltung denkbar. Die wenigen Tiere von alten Haustierrassen mit quasi historisch-kultureller Bedeutung fallen quantitativ nicht ins Gewicht, egal ob man diese weiter hält oder nicht, so wie auch oben bereits beschrieben eine traditionelle, indigene Weidehaltung. Ein konkretes, sehr von wirtschaftlichen, ethischen und gesetzlichen Randbedingungen abhängiges Ausstiegsszenario hin zu 100% vegan gibt es nicht, so wie es auch noch keinen Plan für Konversion hin zu einer klimaverträglichen Landwirtschaft gibt. In sofern ist die Frage noch sehr hypothetisch.

    • Wenn die Welt tatsächlich irgendwann vegan wäre, dann würde das ja nicht über nacht passieren, sondern es wäre ein gradueller Wandel. Die Nachfrage nach tierischen Produkten sinkt immer weiter, während die Nachfrage nach pflanzlichen Produkten steigt. Somit werden auch immer weniger tierische Produkte hergestellt und dafür immer mehr pflanzliche. Das heißt, es werden stetig weniger Tiere gezüchtet, bis die Zahl der gezüchteten Tiere im Idealfall dann irgendwann auf Null ist.
      Vielleicht werden auch einige Tiere auf Gnadenhöfen ihr Leben leben. Einige Menschen werden sicherlich Schweine, Kühe oder Hühner als Haustiere halten – aber die selektiv gezüchteten Tiere, die heute in der „Nutztier“industrie gehalten werden, werden dann weitestgehend aussterben. Wie mein Vorredner bereits gesagt hat, ist das aber wohl eher wünschenswert, da diese Züchtungen häufig durch ihre bloße Existenz leiden. Dazu kommt, dass die Existenz von Milliarden von „Nutztieren“ direkt für das Artensterben wilder Arten, die essenziell für unsere Ökosysteme sind, verantwortlich sind.
      LG

  3. Hallo Graslutscher! Ich hab 2 Punkte zu folgendem Abschnitt:

    „Man könnte jetzt denken, na gut, aber die Flächen, auf denen WIRKLICH nur Tiere grasen können, die kämen ja zusätzlich obendrauf. Ja, stimmt, so diese Tiere dann auch wirklich nur Gras fressen. Das mag auf Paarhufer im nepalesischen Hochgebirge zutreffen oder auf die Tierherden von Nomaden in der Sahel-Zone, aber unsere „Nutztiere“ in Europa bekommen fast alle Kraftfutter dazu.“

    Zum Einen: ja, die bekommen das Kraftfutter noch dazu, aber das ändert ja nix an der Menge des genutzten Weidegrases – Und des damit erzeugbaren Rindfleischs!
    Ebensogut könnte man diesen Rindern das Kraftfutter streichen, dann werden dort halt weniger Rinder ernährt.
    Diese könnte man dann anderswo in Ställe zwängen und mit dem soeben eingesparten Kraftfutter wiederum mästen.

    Zum anderen:
    Ich weiß nicht, ob ich dazu etwas überlesen hab, aber ich weiß, dass Weideland jetzt auch nicht allzu effizient ist. Nach meiner Erinnerung macht ein Land, dessen Fleischindustrie-Fläche zu ca. 50% aus Ställen & Futterackern besteht und die andere Hälfte aus Weideland, grade mal 2% des Fleischbedarfs aus.
    Wenn nun also alles Fleisch bei gleichbleibendem Konsum zu 100% aus Weidefleisch bestünde, bedürfte es 2500% der aktuell für Fleischproduktion genutzten Fläche.
    Die mir bloß im Kopf vorliegenden Zahlen dürften stark abweichen, möglich also, dass es letztlich bloß 1000% sind. Also noch immer 10mal so viel Fläche wie verfügbar.

    • Nachtrag:
      Natürlich bezieht sich das nicht auf Wüstenregionen wie die Sahara, wo alle paar Meilen mal ein Grashalm aus dem Sand ragt, auch die saftig-grünen Wiesen sind weitaus weniger effizient als Futtermaisfelder etc. Genau deshalb werden all die genannten (Kraft-)Futtermittel ja hauptsächlich zur Mast verwendet und I.D.R. selbst den Weidetieren noch untergeschoben.

  4. Hi,
    wie sieht es eigentlich mit dem Vergleich von einem Schnitzel vs vegetarischem Schnitzel aus? Letzteres ist ja komprimiert aus pflanzenproteinen etc hergestellt. Sind die veg alternativen durch die Bank ökologischer als ihr Fleisch äquivalent?

  5. Hi,

    ein paar Dinge werden hier ausgeblendet. Tiere haben den riesen Vorteil, dass wir mit ihnen einen großen Teil unserer Lebensmittelabfälle nutzen können, z.B. die Reste von der Bier- oder Zuckerproduktion. Ferner lassen sich bei Missernten z.B. Mais ohne Kolben auch noch die Reste nutzen. Das macht unser Ernährungssystem insgesamt nachhaltiger. Ich denke, wenn wir weniger Tiere halten, um damit Gras, Reste aus der Lebensmittelindustrie zu nutzen dann macht es das System rund.

    • hi Matthias,

      zum einen wird das mit den lebensmittelabfällen eben kaum noch gemacht, weil es sich anscheinend nicht lohnt, zum anderen ändert das ja an den verhältnissen der nötigen flächen zur globalen proteinversorgung nicht wirklich soo viel, zumal wir natürlich lebensmittelabfälle kleinhalten sollten.
      wenn die hälfte (um sehr hoch zu greifen) der ‚crobs‘, die wir zum direkten verzehr produzieren als lebensmittelabfälle zurück gingen an die fleischproduktion, dann würde das allerbestenfalls bedeuten dass damit irgendwie 11% land für die futterherstellung gespart würden.. dann liegt die tierlandwirtschaft immer noch bei 66% der agrafläche bei 37% proteinversorgung.
      abgesehen davon sind lebensmittelabfälle ja auch gut als kompost/dünger, in der biogassanlage oder zum teil in bio-plastik verwertbar. den platz der eingespart werden könnte ohne tierlandwirtschaft brauchen wir dringend für wiederaufforstung von wäldern und schaffung von biotopen.
      und dann will ich dich fragen wie viele tiere wir denn halten sollten? ich finde diese idee immer etwas lustig, weil sie meistens von leuten kommt die mehrmals in der woche fleisch essen. wenn wir wirklich das ganze ’nachhaltig‘ und ‚tiergerecht‘ gestallten wollten, dann glaube ich nicht dass der durchschnitt mehr als ein paar mal im jahr fleisch essen könnte.. und da stellt sich mir dann immer die frage, warum nicht einfach ganz lassen?

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