Da, ein unmoralischer Heide, opfern wir ihn unserem Gott!

Wie viele Kinder müssen eigentlich noch von der katholischen Kirche missbraucht werden, bis wir kapieren, dass frommer Glaube Menschen nicht automatisch davor bewahrt, zu widerwärtigen Monstern zu werden?

Ich bin ein Ungläubiger. Ein Heide. Ein Gottloser. Ich dachte früher immer, das sei ein wertfreier Begriff, aber tatsächlich schwingt hier mit, dass dem Gottlosen nicht zu trauen ist. Dass er unmoralisch handelt. Der Duden führt das Wort als Synonym zu „verwerflich“. Die Eltern meiner Kumpels, die im Alter von 14 Jahren Bibelstellen auf Kerzen geschrieben hatten, primär um dafür mit einigen tausend Mark belohnt zu werden, beäugten mich argwöhnisch, weil ich keinem Ritual folgte, in dem ich meinen Glauben öffentlich bekräftigte.

Wie soll aus dem Jungen denn was werden, wenn er nicht an Gott glaubt? In dieser Frage schwingt oft der Irrglaube mit, Atheisten könnten eher auf die schiefe Bahn geraten, weil sie ja keine Bestrafung durch den Schöpfer des Universums befürchten müssen. Generell ist das ein seltsames Konzept von Moral, in dem ich mich nur deswegen moralisch verhalte, weil ich sonst bestraft werde. Nach der Logik ist der Klassenschläger, der auf dem Schulhof nur deshalb keinen verkloppt, weil die Pausenaufsicht ihn

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Besinnlichkeit 2.0

Morgen wird das Land wieder ganz besonders besinnlich. Denn vor 2000 minus x Jahren ist Jesus laut biblischer Überlieferung für unsere Sünden gestorben, indem man ihn brutal einen mehrtägigen Todeskampf am Kreuz durchleiden ließ. Dieser Anlass ist für viele so unsagbar traurig, dass man auch von den Nicht-Christen Solidarität in Form einer Art mentaler Trauerbeflaggung einfordert. Es soll bitte nicht getanzt werden, Sportveranstaltungen sind in vielen Gegenden verboten und auch die religiösen Bräuche anderer Religionen sollen bitte auf andere Tage verlegt werden.

Demut 2.0_sm

Ich bin bekanntermaßen nicht gerade ein Freund dieser Praxis. Dass die Stadt Köln für diesen Tag keinen Karnevals-Umzug durch die Innenstadt genehmigt – ok. Aber inwiefern fühlen sich Christen darin gestört, wenn ihnen unbekannte Menschen in schallisolierten Hallen in abgelegenen Gewerbegebieten tanzen? Dr. Haverkamp antwortet darauf in der NOZ, der Karfreitag solle eben „ein Tag des Nachdenkens über Sterben, Tod und Leid sein“. Und das seien „existenzielle Themen, die jeden etwas angehen.“.

Gut, dann seien wir mal besinnlich anlässlich des Todes Jesu, der sich ja angeblich für uns geopfert hat und damit zu einem Synonym für Nächstenliebe geworden ist. Denken wir mal nach über Sterben, Tod und Leid. Da fällt mir ganz spontan zum Thema Ostern ein: Warum zur Hölle noch mal begehen wir dieses Wochenende eigentlich damit, im großen Stil Tierkinder zu

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