Über Ulrike Herrmanns seltsame Kritik an E-Autos und warum diese auch gegen Bahnfahren spricht

UPDATE: Der hier besprochene Videoausschnitt ist ein recht unglücklicher Zusammenschnitt, denn er gibt nicht wider, auf was sie antwortet und dass sie durchaus gegen Autos generell argumentiert. Weitaus problematischer ist Frau Herrmanns Verständnis von Erneuerbaren Energien, auf der ihre Aussagen hier teilweise berufen, siehe [EDIT]-Bereiche im Artikel:

Aktuell geht ein Videoausschnitt der NDR-Sendung „DAS!“ viral, in dem Ulrike Herrmann ihre Sicht auf Elektroautos und die Energieversorgung schildert. Er ist 53 Sekunden lang, hat über 50.000 Reaktionen, wurde über 23.000 mal geteilt (26.09. um 13:00 Uhr), enthält aber leider nicht ein einziges plausibles Argument, so dass die Redaktion die Kommentarfunktion bereits einschränken musste. Ulrike Herrmann ist Journalistin und Autorin, Anfang September erschien ihr Buch „Das Ende des Kapitalismus“.

Den Fans von Frau Hermann wünsche ich, dass das Buch auf mehr Fachexpertise beruht als der Facebook-Video-Ausschnitt, denn da wirkt sie bezogen auf die Energiewende leider nicht gut informiert. Nun muss man bei Live-Sendungen berücksichtigen, dass die Gäste ihren Standpunkt nicht immer ideal rüberbringen können. Ich bin selbst für Anfang 2023 bei DAS! eingeladen und habe jetzt schon Bammel, mich an irgendeinem Punkt sensationell zu verhaspeln.

Da es aber auch Frau Herrmanns Entscheidung war, E-Autos erst mal als „totale Sackgasse“ zu bezeichnen, muss sie sich daran schon messen lassen, denke ich. Gehen wir das also mal Schritt für Schritt durch:

„Also aus meiner Sicht ist das Elektroauto die totale Sackgasse, weil es auch zu aufwändig ist. Sie müssen ja nur rausgucken und dann diese Elektroautos sehen. Am besten ist ja […] Tesla. Ein riesiges Auto, das Tonnen wiegt.“

[EDIT: Meine Kritik wäre hier deutlich schwächer ausgefallen, wenn die vorangestellte Frage der Moderation ebenfalls im Schnitt wäre. Diese war: „Jetzt wurde uns aber gesagt, ein Elektroauto, das wäre ein guter Ersatz für das momentane Auto, was halten sie davon?“. Die Antwort von Frau Hermann zielt also durchaus darauf ab, inwieweit sich das eine Autosystem durch das andere ersetzen lässt, was meine Kritikpunkte teilweise aufhebt. Sie stehen aber der Transparenz halber weiter im Text.]

Aufwändig? Verglichen mit was? Laut den Kommentaren möchte Frau Hermann mit ihrem Satz dafür plädieren, den ÖPNV auszubauen und den Individualverkehr hinterfragen. Ja klar, verglichen mit jemandem, der einen Weg zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegt (ist übrigens auch Individualverkehr), ist so eine Autoherstellung schon aufwändig, aber was in aller Welt hat das explizit mit E-Autos (Betonung auf dem E) zu tun?

Wollte sie das Argument stringent führen, müsste sie sagen „Also aus meiner Sicht ist das Auto die totale Sackgasse“, und das können wir gerne diskutieren. Sie schießt sich aber stattdessen auf Tesla ein, ein „riesiges Auto“. Nein, das ist kein Auto, das ist eine Firma, und die Autos, die aus den Fabriken dieser Firma rauspurzeln, sind auch nicht ausnahmslos riesig. Das mit großem Abstand meistverkaufte Modell von Tesla ist das Model 3 und das ist niedriger als ein VW Golf. Es ist auch etwas breiter und schwerer, aber ob das für die Umschreibung „riesig“ taugt, naja…

Ja, in der Regel sind E-Autos aufgrund des Gewichts der Batterie schwerer als gleich große Verbrenner, aber dieser Nachteil wird aufgrund der lokalen Emissionsfreiheit ja um Größenordnungen wieder ausgeglichen. Wenn ich am ersten Ring in Wiesbaden stehe und mit meinen Kindern auf das Vorbeiziehen der Blechkolonne warte, dann sind mir die etwas schwereren Model 3s deutlich lieber als die nervtötend lauten, klimaschädlichen Verbrenner, deren giftige Abgase in unseren Lungen landen.

Kritik an den immer größer werdenden Autos äußere ich selbst gerne, aber ich mache das seit dem Jahr 2000, als BMW mit dem X5 eine Art Kühlschrank auf Rädern herausgebracht hat, von dem allein in Deutschland hunderttausende zugelassen wurden, wodurch der BMW-Chef-Aerodynamiker den vermutlichen beklopptesten Beitrag zum Weltklima leistete. Auch die immer weiter steigende Platznot in unseren Städten wird nicht gerade entschärft dadurch, dass Autos immer größer werden, aber das hat mit der Antriebsart ja nun mal null zu tun.

Grundsätzlich würde ich Frau Hermann empfehlen, sich solchen Themen nicht durch das „rausgucken“ zu nähern, sondern durch das Sichten von Zulassungsdaten. Gibt ja nicht nur Tesla, sondern auch andere Hersteller, und so dominieren eher kleine Autos die Statistik der E-Neuzulassungen 2021 (achtet auf die Unterscheidung zwischen Klein- und KleinSTwagen):

  1. Tesla Model 3 (Mittelklasse)
  2. VW E-Up (Kleinstwagen)
  3. VW ID.3 (Kompaktklasse)
  4. Renault Zoe (Kleinwagen)
  5. Smart FORTWO (Kleinstwagen)
  6. Hyundai KONA (SUV)
  7. Skoda ENYAQ (SUV)
  8. VW ID.4 (SUV)
  9. Fiat 500 E (Kleinstwagen)
  10. BMW I3 (Kleinwagen)
  11. Opel CORSA (Kleinwagen)
  12. MINI Cooper SE (Kleinwagen
  13. Audi E-Tron (SUV)
  14. Peugeot 208 (Kleinwagen)
  15. Renault TWINGO (Kleinstwagen)

Es geht weiter mit:

„Dann sitzt da ein einziger Mensch drin und lässt sich mit enormem Energieaufwand da durch das Gelände fahren.“

Ja, in vielen Autos sitzt nur ein Mensch drin, was aber auch dem Umstand geschuldet ist, dass die anderen Leute im Büro meist wenig begeistert sind, wenn man seine Kinder mit ins Budget-Meeting bringt.

Spaß beiseite: Das Thema hier ist natürlich Verkehrswende und die damit einhergehende Frage, wie viele Autos es pro Person überhaupt braucht. In Deutschland sind mittlerweile 48,5 Millionen Autos zugelassen. Das bedeutet, dass wenn sich jetzt alle Deutschen mit Führerschein gleichmäßig auf alle Autos im Land verteilen, in 80% aller Autos nur eine Person sitzt. Das ist schon etwas viel und das liegt unter Anderem daran, dass es in Deutschland im Ländervergleich sehr günstig ist, Autos im öffentlichen Raum abzustellen.

Ja, können wir gerne ändern. Die meisten Menschen wären überrascht, wie viel mehr Komfort und Freiheit ein gutes Carsharing-System im Vergleich zum eigenen PKW ermöglichen kann, wenn man entsprechend lebt. Wenn. Wenn man hingegen etwas ländlicher lebt und auf die Frage „gibt es hier Carsharing?“ hin aufgefordert wird, eine dieser Simultanübersetzungsapps zu starten, sieht das anders aus. Da ist vielleicht noch eine Fahrgemeinschaft drin, aber eine Menge Menschen ist dort ohne eigenen PKW schon recht eingeschränkt mobil.

Der Punkt ist: Das hat mit E-Autos überhaupt nichts zu tun, sondern mit unserer autozentrierten Gesellschaft. Wir können uns gerne gemeinsam Lösungen überlegen, mit denen auch Menschen im ländlichen Raum nicht darauf angewiesen sind, privat 4-stellige Beträge in große Maschinen zu investieren, um mobil zu sein. Das wird nur leider nicht von heute auf morgen gelingen, so dass in den kommenden Jahren allein in Deutschland noch Millionen Autos gekauft werden. Und je mehr von denen mit Erdöl unterwegs sind, desto schlechter.

Das bedeutet nämlich einen deutlich enormeren Energieaufwand, um mal auf das Zitat zurückzukommen, weil Verbrennungsmotoren mit lausigen Wirkungsgraden von 25 Prozent unterwegs sind und unsere gerade im kommenden Winter kostbare Energie zu 75 Prozent zum Auspuff hinauswerfen. Sich in diesem Kontext gegen E-Autos auszusprechen, die mit der gleichen Energiemenge 3,5 mal so weit kommen, weil der Energieaufwand so „enorm“ sei, ist vollkommen absurd.

Es geht weiter mit:

„Und das Ganze ist ja nur klimaneutral, wenn erstens: Der Strom echter Ökostrom ist und wenn dieses ganze Auto auch nur mit Ökostrom hergestellt wird.“

Dieses Argument ist jetzt nicht neu, wird aber sonst von der Fossil-Lobby gebracht. Weiß nicht, ob das ein gutes Zeichen für eine Kapitalismus-Gegnerin ist, wenn die eigenen Argumente aus der Trickkiste einer der aggressivsten, im Kapitalismus reich und mächtig gewordenen Lobbys stammen, aber gut.

Ja, bislang ist kein Auto wirklich klimaneutral, weil bei der Herstellung zumindest indirekt fossile Brennstoffe zum Einsatz kamen oder bei der Herstellung der Solarmodule und Windkraftanlagen, die im optimalen Fall den Strom liefern. Dinge, die so gesehen ebenfalls nicht klimaneutral sind:

Fahrräder
Schuhe
E-Busse
Straßenbahnen
Vegane Muffins
Bio-Schnittlauch
Jute-Beutel
Pädagogisches Holzspielzeug

Hey, wisst ihr, was auch nicht klimaneutral war? Wie ich letzte Woche mit dem Zug vom Hauptbahnhof in Hannover zur Messe Hannover gefahren bin, dazu tuckere nämlich ein Diesel-Aggregat in der Lokomotive. Ist das ein Argument gegen Zugfahren? Natürlich nicht, die Deutsche Bahn fährt zu einem überwältigenden Anteil (dennoch zu klein) auf elektrifizierten Strecken und die paar Dieselzüge ändern nicht den klaren Klimavorteil.

Ich könnte mich jetzt dennoch hinstellen und erklären, dass E-Loks die totale Sackgasse seien, weil die ja auch nicht klimaneutral hergestellt sind auch nicht nur mit Ökostrom laufen bzw. das tun einige Leute aus der Erdöl-Autos-für-alle-Bubble seit Jahren. Sie machen dabei den gleichen Fehler wie Frau Herrmann, weil sie übersehen, dass der Strommix eben immer besser wird und sowohl die Produktion von Zügen als auch das Zugfahren selbst damit perspektivisch klimaneutral werden, genau wie bei E-Autos nun mal auch.

Letzter (und schlimmster) Abschnitt:

„Und da ist einfach klar: Der Ökostrom wird nicht reichen. So, und wenn man dann feststellt, dass Ökostrom knapp und teuer bleiben wird, dann ist das allererste, was man aufgeben muss, das E-Auto“

[EDIT: Im direkten Anschluss sagt Frau Herrmann noch „oder überhaupt Autos“, was ihre Argumentation deutlich stringenter macht.]

Aha. Frau Herrmann ist gegen eine Umstellung auf Strom, weil der Ökostrom nicht reicht. Gut, nach der Logik kann ich auch gegen bessere Bildung sein, weil die Lehrkräfte nicht reichen. Die naheliegende Idee, mittelfristig einfach für mehr Lehrkräfte zu sorgen, scheint als Transferleistung für den Stromsektor viele zu überfordern.

Anstatt „Der Ökostrom reicht nicht, also lasst uns mehr Ökostrom-Kapazität zubauen“ wird hier der Schluss gezogen, halt einfach die Energiewende zu stoppen.

Leute, die diese Idee gut finden mögen auch „Oh, wir haben zu wenig Medikamente, na dann lasst uns doch einfach nur die Hälfte der Menschen behandeln“ oder „in dieser Stadt gibt es zu wenig Radwege, lasst uns einfach weniger Rad fahren“. Ich weiß schon, die Idee soll da sein, unnötigen Ressourcenverbrauch zu verhindern, aber Energie brauchen wir ja nicht nur für grellen Plastik-Plunder, sondern für so elementare Dinge wie warme Wohnräume, elektrisches Licht, Mobilität, Bildung, Medizin, Stahl und auch den von Frau Herrmann (und mir) geliebten ÖPNV.

Ökostrom ist auch nicht zwingend knapp, zumindest für E-Autos nicht, denn die können wir aufladen, wenn das Netz gerade vor PV- und Windstrom überläuft – gilt aber natürlich auch für E-Busse oder E-Roller. Ferner ist Ökostrom auch nicht teuer. Er ist der günstigste Strom in unserem Mix und drückt unseren Börsenstrompreis in ungeahnte Tiefen, wenn er im Rudel auftritt. Es ist mir schleierhaft, warum ausgerechnet eine Kapitalismus-Kritikerin diese Märchen der Fossillobby nacherzählt.

Fazit: Frau Hermann möchte gerne für die Verkehrswende argumentieren, schafft das aber nicht, ohne gleichzeitig die Energiewende schlechtzureden. Das wiederum lässt auch ihre eigenen Ziele fragwürdig erscheinen, da ohne Energiewende keine Mobilität jemals klimaneutral sein wird.

Selbst wenn man der Auffassung ist, dass der PKW-Bestand in Deutschland problematisch ist (bin ich), wirken ihre Argumente plump formuliert, da all ihre Kritik auf Autos generell zutrifft und nicht auf E-Autos im Speziellen. Diese Kommunikation führt immer wieder dazu, dass Menschen sich eher in der Benutzung von Erdöl-Autos bestätigt sehen, anstatt für Verkehrswende einzutreten.

Dass sie hierzu Scheinargumente aus Kohle-, Erdöl- und Erdgaslobby recycelt, die bislang weder an Klimaneutralität noch an einer Verkehrswende interessiert ist, ist besonders enttäuschend. Vielleicht erreicht sie ja meine Frage, was denn gegen die Idee spricht, unsere PKW-Flotte insgesamt zu verringern und gleichzeitig elektrisch zu machen.

Zur Frage, wie wir genug Ökostrom erzeugen können, wie das mit den Speichern und den Rohstoffen klappen soll, und warum weniger PKW dabei hilfreich wären, habe ich das Buch „Weltuntergang fällt aus!“ geschrieben. Sollte jemand hier Kontakt zu Frau Herrmann haben, lasse ich ihr gerne ein Exemplar zukommen (nicht hämisch gemeint).

Ergänzung (27.09.2022):

Wie schon weiter oben bemerkt sind Frau Herrmanns Aussagen bezogen auf Elektroautos nicht so kritikwürdig, wenn man sich den gesamten Beitrag ansieht. Worüber wir aber wirklich sprechen müssen, das sind ihre Aussagen zur Energiewende, denn da macht sie einen kolossalen Denkfehler und der strahlt auch in die Aussagen zu E-Autos rein.

Etwa 40 Sekunden nach obigem Redebeitrag sagt sie:

„aber diese Vorstellung, dann ist da unendlich viel Ökostrom und jeder kann machen was er will, die ist falsch. Aber wahrscheinlich muss man das erklären, warum Ökostrom knapp bleiben wird also obwohl das eigentlich auch banal ist: Letztlich ist die einzige Ökoenergie, die uns zur Verfügung steht entweder Solarpaneele oder Windkraft.

Jetzt ist aber das Problem, dass der Wind nicht immer weht und die Sonne scheint auch nicht immer, das heißt wenn man so eine Wirtschaft kontinuierlich am Laufen halten will, dann muss man enorme Massen an Energie zwischenspeichern und da gibt es dann eigentlich nur zwei Technologien, das eine sind Batterien und das andere ist perspektivisch grüner Wasserstoff und beides ist teuer und aufwändig. Ich sage nicht, dass es unmöglich ist, aber es ist nur teuer und aufwändig, weil wenn man erst mal feststellt, dass die Energie teuer und aufwändig ist, ist klar, das mit dem Wachstum wird nichts.“

Hier sind mehrere Fehler enthalten:

1. Die einzige Ökoenergie ist nicht Wind- und Solarkraft, es gibt auch Wasserkraft, Biomasse und Geothermie. Letztere spielt in Deutschland (noch?) keine große Rolle und auch Wasserkraft und Biomasse sind begrenzt, aber andere Länder haben hier rein geografisch große Vorteile und können diese Energien besser nutzen. Wind- und Solarkraft sind halt als einzige nennenswert skalierbar.

2. Dass Wind und Sonne nicht immer zur Verfügung stehen, ist vermutlich die am häufigsten Vorgetragene Wahrheit, die schon jeder kennt. Der Witz ist nur, dass die Zeiten, in denen das bei einem starken Ausbau der Erneuerbaren die Ausnahme ist. In der Regel hätten wir an den meisten Tagen aufgrund der Witterung ausreichend oder deutlich mehr Strom, als wir brauchen.

3. Eine Wirtschaft lässt sich so übrigens am besten am Laufen halten, wenn wir den Stromverbrauch mehr an der Erzeugung ausrichten. Das geht nicht mit allen Wirtschaftsbereichen, aber eine Menge sehr energieintensive Prozesse sind zeitlich recht flexibel, so dass es sich für Firmen heute schon lohnt, das zu berücksichtigen. In meinem Buch habe ich das betreffende Kapitel „Der Speicher, den keiner braucht“ genannt und bringe das Beispiel eines Papierherstellers, der sein Hackschnitzelwerk dann anwirft, wenn das Netz vor Windstrom überquillt, weil das 6- bis 7-stellige Beträge auf der Stromrechnung einspart.

4. Frau Herrmann geht davon aus, dass Ökostrom immer knapp bleibt, weil sie nicht zwischen Primärenergie und Nutzenergie unterscheidet. Wird bei DAS! nicht ganz so gut ersichtlich, aber hier hält sie einen Vortrag beim Schauspiel Stuttgart, in dem sie behauptet, wir müssten noch 93 Prozent unseres Endenergieverbrauchs umstellen, und das sei einfach nicht machbar:

„So und da wird es jetzt aber wirklich schwierig […], aber eine einzige Zahl macht schon deutlich, wie schwierig [die Energiewende] wird. Sie alle wissen, dass wir in Deutschland seit 20 Jahren den Ausbau der Erneuerbaren Energien fördern und subventionieren und momentan sind wir so weit, dass die Windenergie, und das ist die zentrale Energie in Deutschland, weil Sonne scheint ja im Winter nicht, […] macht im Augenblick 5,4% des Endenergieverbrauchs in Deutschland aus.

Das heißt, wir müssen, wenn wir hier klimaneutral werden wollen, noch ungefähr (lach), 95 Prozent des Endenergieverbrauchs, naja, wenn man Solar noch mitzählt, 93% des Endenergieverbrauchs umstellen auf klimaneutrale Energie. Und das alles in 15 Jahren.“

Das Argument kennen wir eigentlich schon mit dem Primärenergiebedarf, an dem der Wind- und Solaranteil ohne Hintergrundwissen tatsächlich sehr klein erscheint: Bei Windkraft liegt der Anteil bei 4 Prozent, für Photovoltaik bei 1,5 Prozent. Die scheinbare Schlussfolgerung, wir müssten diese 5,5 Prozent nun durch 20 mal so viel Wind- und Solarkraft auf 100 bekommen, ist glücklicherweise falsch, denn im Primärenergiebedarf ist eine ganze Menge Energie enthalten, die wir gar nicht brauchen.

Fossile Energie hat meist einen lausigen Wirkungsgrad und so entweicht selbst bei modernen Kohlekraftwerken 60 Prozent der Energie durch Schornstein und Kühlturm des Kraftwerks. Bei einem Verbrennerauto sind es sogar 75 Prozent und auch eine Gasheizung benötigt viel mehr Energie für die gleiche Heizleistung verglichen mit EE-Strom und Wärmepumpe.

Ich habe das im Buch so zu illustrieren versucht: Links ist unser aktueller EE-Anteil an der Primärenergie und rechts sieht man, wie viel weiter wir eigentlich schon sind, weil eine Energiewende eben auch die Menge benötigter Energie reduziert:

Frau Herrmann nimmt nun anstatt des Primärenergiebedarfs den Endenergiebedarf, da sind schon mal die Kühltürme rausgerechnet, aber es ist immer noch ein mit zahlreichen fossilen Anwendungen aufgeblähter Anteil. Zudem unterschlägt sie Wasserkraft und Biomasse, geht also von einem viel zu hohen benötigten Zubau aus.

Ohne dieses Wissen muss man natürlich davon ausgehen, dass wir kaum in der nötigen Zeit die nötige Menge Ökostrom erzeugen können. Aber das können wir. Nicht nur, weil die Menge benötigter Energie sinkt, sondern weil Wind- und Solarkraft viel effizienter und günstiger geworden sind und eine heutige 6-MW-Windkraftanlage 4 bis 5 mal so viel Strom erzeugt wie die Anlagen im deutschen Bestand.

Ihr merkt schon, das ist ein riesiges Thema, aber in diesem Fall stellt Frau Herrmann es leider verkürzt dar.

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18 Gedanken zu “Über Ulrike Herrmanns seltsame Kritik an E-Autos und warum diese auch gegen Bahnfahren spricht

  1. Ich finde den Ausspruch von Frau Hermann gar nicht so schlecht, um einmal darüber nachzudenken, dass ein 100 % Ersatz aller Verbrennerautos durch E-Autos keineswegs anzustreben ist. Denn solche engagierten Verteidigungen für das E-Auto, wie hier vom Graslutscher, führen eben ganz schnell dazu, dass man die ganzen Probleme des Autos wegwischt. Und das sage ich als jemand, der schon 1993 ein E-Auto besaß.
    Fakt ist, umso mehr wir nur Verbrenner mit E-Autos ersetzen, erzielen wir Scheinerfolge.

    Ein Auto bleibt in vielen Dingen ein höchstunsoziales Verkehrsmittel. Mikroplastik zB. 25-50 % des Mikroplastiks in den Weltmeeren ist verkehrsbedingt. E-Autos, aufgrund höherem Gewicht und besserer Beschleunigung, verursachen besonders viel Mikroplastik. Lärm ist ein weiterer Faktor, den durch Avas die E-Autos kaum reduzieren (gerade eben im Bereich bis 20 km/h, ist die Ruhe jetzt auch bei E-Autos dahin). Von Unfalltoten ganz zu schweigen.

    Auch das Argument, auf dem Land geht es nicht ohne Auto, ist quatsch. Mit E-Lastenrad, Podbike oder schnellem E-Bike können die Bedürfnisse der meisten Menschen abgedeckt werden. Und wer in die hinterste Ecke von D zieht und gleichzeitig maximale Mobilität möchte, verhält sich eben alles andere als klimafreundlich und sowieso nicht sozial.

    Solche lauten Erwiderungen wie hier vom Graslutscher, haben als Wirkung, dass viele Menschen im E-Auto den Heilsbringer sehen, was dieses garantiert nicht ist, und die sehr vielen anderen Probleme, die mit dem Auto einhergehen, kleingeredet werden (so wie auch hier im Artikel). Deshalb fahre ich auch seit 2000 kein Auto mehr. Ich bin seitdem sozialer und klimafreundlicher als ich es zuvor mit E-Auto war und meine Mobilität und Gesundheit hat darunter nicht gelitten – im Gegenteil!

    Achim

    • E-Autos werden zerrieben zwischen Diesel-Dieter und Öko-Torben. Die einen zweifeln Autobesitz in Gänze an, die anderen brauchen Benzin im Blut. Und Otto Normal steht dazwischen, sieht die Diskussion und denkt sich „Das ist mir zu kompliziert, dann mach ich einfach was ich schon immer gemacht habe“ und kauft sich den nächsten Verbrennergolf.

      Auch wenn das E-Auto nicht *alle* Probleme des Verkehrssektors lösen kann lohnt es sich, sich eindeutig zu positionieren. Denn wenn man es nicht tut, hilft das nicht der Sache sondern nur dem Status Quo.

      Natürlich wäre es besser die ganze Thematik in ihrer notwendigen Komplexität zu erörtern, aber praktisch schließt man damit die meisten Leute aus, was wirklich schade ist. Oder hast du eine Idee, wie man das Überkommen kann? Wie kann ich mit Hinz und Kunz reden, ohne dass
      1. die andere Person wegen Überforderung abschaltet, oder
      2. emotional wird und in Trotz verfällt erst recht am Verbrenner festhalten zu müssen?

    • „Auch das Argument, auf dem Land geht es nicht ohne Auto, ist quatsch. Mit E-Lastenrad, Podbike oder schnellem E-Bike können die Bedürfnisse der meisten Menschen abgedeckt werden. Und wer in die hinterste Ecke von D zieht und gleichzeitig maximale Mobilität möchte, verhält sich eben alles andere als klimafreundlich und sowieso nicht sozial.“

      Ist es nicht traurig, wenn man glaubt, nur das eigene Handeln wäre sozial?

      Wir leben auf dem Land, kaufen Eier, Gemüse und Fleisch beim Bauern, aber bei uns kommt nur 2 x am Tag ein Bus durchs Dorf. Der nächste Supermarkt ist schon 5km entfernt und zur S-Bahn bin ich mit dem Fahrrad mehr als 30 Minuten unterwegs. Und dann möchte mir jemand erklären, was sozial ist.

      Ich kann Ihnen sagen was nicht sozial ist, die eigenen Umstände auf alle anderen zu übertragen, zu glauben nur man selbst macht es richtig.

      Wir fahren berufsbedingt mit unseren beiden E-Autos jährlich ca. 30.000km, das entspricht ca. 5.000kwh und die Energie macht unsere PV-Anlage. So viel zu klimaunfreundlich und nicht sozial!

    • Ich kann mich Achims Kommentar nur anschließen. Ich weiß die Arbeit vom Graslutscher sehr zu schätzen – sein Buch steht schon auf meiner To-Read-Liste, oft bin ich seiner Meinung, aber hier sind wir ganz weit voneinander entfernt. Und das wundert mich. Ulrike Herrmann hat Recht! Ja, klar, auch Züge oder Fahrräder werden (momentan) nicht mit Öko-Strom produziert, aber das ist ja nicht das Hauptthema. Das würde bedeuten, wir gehen zu Fuß – und zwar nackt. Es geht um eine Mobilitätswende, nicht um eine Antriebswende. Ob nun Verbrenner, E oder von mir aus mit Kryptonit als Antrieb: Es sind einfach viel zu viele Autos auf den Straßen, weil es bequem ist, weil es „immer so war“ und es für viele ein Statussymbol ist. Ja, auch hier: Ausnahmen gibt es immer, manche Menschen sind schlicht darauf angewiesen. Das ist so. Für eben solche, darf und soll das (eigene) Auto als Individualtransportmittel natürlich weiterhin zur Verfügung stehen. Aber so viele, wie man immer meint, sind das nicht. Für die, die es nicht betrifft (hören wir mal alle in uns): Sharing, sicherer, günstiger und verlässlicher ÖPNV und Fernverkehr, Ausbau Fahrradwege und Fahrradparkplätze, politisches Lenken/Subventionieren klimafeundlicher Tranportmittel… Wir sehen die Diskussion E-Auto zu europa-zentriert. Wir müssen es global sehen. Tauschen wir die Auto-Flotte, wie Achim es anspricht, 1:1 einfach nur aus (von Verbrenner zu E), gibt das eine katastrophale Ökobilanz, selbst bei Klein- und Kleinstwagen. Und im zweiten Step fahren wir klimatisiert im E-Auto durch die brennende Welt, während auf anderen Kontinenten ein Leben überhaupt nicht mehr möglich ist. Liebe Grüße und alles Gute, Alex

    • Was orsg schreibt, weitgehend.
      Zwischen Benzin-Bernd und Öko-Malte entscheidet sich der Michel im Zweifel für selbstgerechte Apathie. Und Windkraft will er auch nicht wegen SF6 und den Piepmätzen und dem „Sondermüll“ der Flügel, die offenbar nicht in die graue Tonne passen.
      Und Fahrräder ham ja auch Reifenabrieb und überhaupt.

      Ja, prinzipiell hat die gute Frau Herrmann natürlich nen Punkt.
      Unser Wachstumsfetisch und die unfassbar ineffiziente Warenwirtschaft der letzten Jahrzehnte wird so nicht beizubehalten sein. Das ham die Parteigrünen entweder schlicht vergessen oder schweigen es wahlstrategisch tot.
      (Find’s auch immer bisschen drollig, wenn die FFF-Crowd, wie letzten Freitag wieder mehrfach, nahtlos in zwei Sprechchören weniger Kapitalismus aber dann, sinngemäß, „grünes Wachstum“ fordern.)

      Nur, die Lösungen für eine halbwegs nachhaltige Restmoderne sind weitgehend da, es is also eine politische Frage.
      Wie wirkt da so ein Beitrag wie der im NDR hier, in der realen, physischen Welt?
      Tja.

      Anekdotisches Beispiel.
      Achtung: Meine Mutti.
      Is Mitte 70, wohnt halt aufm platten Land, wo es, als sie vor 40 Jahren dort hingezogen ist, aber noch zwei oder drei Lebensmittelgeschäfte am Ort gab.
      Mitte 2010 den ersten Neuwagen ihres Lebens gekauft. Brunzbilliger Dacia Automatik, beeindruckend lahme Ente. Wird kaum benutzt.
      Damals schon gesagt: Vom Geld her reichts, bei deinem Fahrverhalten, denk doch über ne einfache E-Kutsche nach.
      Inzwischen bin ich froh, dass sie da zu vorsichtig für war.
      Nicht, weil sie nicht mit so nem pupsigen Zoe o.ä., den sie über die PV-Anlage lädt, komfortabler und vielleicht sogar billiger dran wäre.
      Nö, weil es mir Leid täte, wenn meine olle Mama betroffen wäre von etwas, was man spätestens in den Niederungen von Facebook nur noch, ohne viel Polemik, bezeichen kann als:
      Pogromstimmung.

      Und da sind clips wie der von der Herrmann, mit oder ohne Kontext, echt nicht hilfreich.

  2. Aus meiner Sicht sind autonome share Autos für den individuellen Transport das Ziel, diese werden keine Verbrenner sein.
    Wenn das autonome geht wird keiner mehr kaufen sondern nur noch leihen.
    Alle Verbrenner 1:1 gegen e zu tauschen halte ich auch für besser aber Quatsch.

  3. „Auch das Argument, auf dem Land geht es nicht ohne Auto, ist quatsch. Mit E-Lastenrad, Podbike oder schnellem E-Bike können die Bedürfnisse der meisten Menschen abgedeckt werden. Und wer in die hinterste Ecke von D zieht und gleichzeitig maximale Mobilität möchte, verhält sich eben alles andere als klimafreundlich und sowieso nicht sozial.“

    Dein Ernst, lieber Achim? Dann sollen deiner Meinung nach also alle Leute aus ländlichen Gebieteen in die Stadt ziehen oder aber akzeptieren, daß Achim ihnen sagt, wie sie sich fortzubewegen haben? Sorry, aber das kann es nicht sein. Das ist ein etwas schräger Demokratiebegriff, den du da offenbarst.

  4. Was man berücksichtigen müsste, ist die Einbettung dieses Aspekts bezüglich E-Autos in die grundsätzliche Argumentation von Frau Hermann. Sie geht davon aus, dass die EE grundsätzlich beschränkt sein werden. Das hat die Konsequenz, dass der Kapitalismus, den sie als segensreiches soziales System sieht, nicht mehr funktionieren wird. Zwei elementare Grundbedingungen des Kapitalismus ist Energie und Wachstum. Wenn aber nicht mehr immer mehr Energie zur Verfügung steht, kann auch der Kapitalismus nicht mehr wachsen. Es wäre eine gewaltige gesellschaftliche Herausforderung eine friedliche, nicht ins Chaos führende Transformation zu gestalten. Und das wird, so Hermann über Rationierung gehen können. Damit würde keine ausreichend Energie mehr für die individuelle Mobilität zur Verfügung stehen. In diesem Sinne ist das E-Auto ein Irrweg. Andere MobilitätsKonzepte hätten Vorrang.

  5. Dass es nicht anzustreben ist die Verbrennerautos 1:1 durch E-Autos zu ersetzen: geschenkt!

    Nur sollte man auch die Realitäten sehen, insbesondere die politischen der vergangenen Jahrzehnte (in denen die Klimakackastrophe bereits bekannt war) die eben hierfür nichts signifikantes getan hat, dass die Menschen gern auf das Auto verzichten: die Bahn und der ÖPNV wurde politisch gewollt so unattraktiv wie möglich gemacht, das Fahrrad buchstäblich im Verkehr an den Rand gedrängt und die Autolobby hat sich die Gesetze mitunter quasi selbst geschrieben. Jahrzehnte in denen die Bürger zu glücklichen Sklaven der Erdöl- und Automobilmafia gemacht wurden, sind an dieser Gesellschaft nicht spurlos vorbei gegangen und auch nicht an mir, der früher eigentlich gerne mit Fahrrad, Bahn und ÖPNV unterwegs war, aber seit 2000 bewußt nur noch Fahrrad und Auto fährt, weil für mich das kleinere von zwei Übeln. Diese Abhängigkeiten, real und in vor allem in den Köpfen, kann niemand mit einem Fingerschnips beseitigen, genausowenig wie alle von heute auf morgen Veganer werden. Daran ändern auch ein paar „Ich habe schon vor … Jahren …“-Leute nichts. Solange wir ein System machtgeiler und korrupter Politiker und Lobbyisten haben, die uns schon vor 20 Jahren und auch heute noch die Probleme einbrocken, die wir in 20 Jahren und mehr auszulöffeln haben, bleibt alles nur unrealistisches Wunschdenken.
    Und wer meint man müsse nur andere Politiker wählen oder gar das System (gewaltfrei) ändern: das könnt ihr vergessen! Das habe ich drei Jahrzehnte zuerst mit wählen und dann mit echter (direkter) Demokratie versucht und bin – so wie die direktedemokratische Bewgung in D als Ganzes – grandios an der institutionellen Diktatur gescheitert. Es ist die größte Illusion hierzulande zu glauben man hätte als Bürger irgendetwas in diesem Lande politisch zu melden oder gar zu verändern.

    Ja, man kann sich als einzelner überlegen ob man wirklich ein Auto braucht. Nur wenn ich hier im Haus, das mein Opa dort gebaut hat wo es eben steht und in dem ich mietfrei wohne, mal aus dem Fenster sehe wie es von oben kübelt, dann bin ich froh glücklicher Sklave der Automobilmafia zu sein und nicht auf Fahrrad und den ÖPNV angewiesen zu sein, wenn ich zu einer Geburtstagsfeier eingeladen bin und einen Kuchen mitbringen will.

  6. Lokale Emissionsfreiheit stimmt einfach nicht. Reifen- und Bremsabrieb sowie Lärm bleiben.

    Lieber Graslutscher, stimme dir quasi immer zu, aber das hier sehe ich vollkommen anders: Hermann sagt eben, dass das E-Auto eine Sackgasse ist, weil eben ALLE Autos Sackgasse sind. Mit E-Autos ist der Weg bis zum Ende der Straße etwas weiter, aber mit Verlaub: in einer Welt beschränkter Ressourcen wird es nicht mehr möglich sein, als Regelfall der Mobilität über 1,8 Tonnen (oder wie war das durchschnittliche Gewicht von Neuwagen) Masse in Bewegung zu bringen um 80-Kilo-Mensch plus Brötchentüte zu chauffieren. Diese Verschwendung können wir uns nicht erlauben, wenn uns nicht 1,5 Grad egal sind. Das heißt doch gar nicht, dass nicht alle verbleibenden Autos E-Autos sein sollten, aber 580 E-Autos pro 1000 EW ist schlicht unmöglich in den gegebenen Grenzen durch die Endlichkeit unserer Ressourcen.

    • Jep, lokal frei an Emissionen von NOx, COx und SOx müsste das heißen.

      Bremsabrieb wohl auch minimal, dank Rekuperationsbremse.
      Aber der Ruß vom Reifenabrieb, ich seh’s hier inne Innenstadt an den neulich renovierten Balkonen im 1. Stock: Der haut echt rein.
      Und Lärm, naja, wer an der Autobahn wohnt, dem bringt der E-Antrieb nix, aber hier bei mir is Tempo 30, da is das schon ein Unterschied, wenn keine Verbrenner röhren.

      Gibt einfach wie immer keine binären Antworten.
      Nein, 48.000.000 E-Autos sind keine gute Lösung.
      Aber, ganz ohne? Vor dem Kfz-Wahnsinn hatte man Fuhrwerke, so is ja nicht.

      Was mir auffällt: Die E-Auto-Nörgler (abgesehen davon, dass 99,8 % der Diskussion Kulturkampf und fragile Männlichkeit sind) ham überwiegend eine Handvoll „Argumente“.

      Also, mein unvollständiges Q&A:

      Q: Bei mir gibt’s keine Lademöglichkeit, wohne im MFH und parke an der Laterne.
      A: Womit tut die Laterne gehen? Merkste was?

      Q: Bei mir gibt’s keine Lademöglichkeit, wohne in der Innenstadt.
      A: Wieso steht überhaupt deine Blechkiste in meiner Umwelt, auf öffentlichem Grund rum? Räum deinen Krempel gefälligst auf. Gibt’s da keine Busse oder Bahnen, Du Saftsack?

      Q: Wie soll ich mit der E-Kutsche mit xxx km Reichweite denn einmal jährlich mit Kind, Kegel und Kegelbahn in den Urlaub nach Wladiwostok donnern?!?
      A: Du brauchst keine Reichweite, sondern mehr Parkplätze am ICE-Bahnhof und weniger Krempel.

      Q: Die CO2-Steuer is nur, um dem kleinen Mann das Geld aus der Tasche zu ziehen.
      A: Der kleine Mann hat kein Auto und die ursprüngliche Planung war, an Straßensperren willkürlich SUV-Fahrer rauszuzerren und vor den Augen ihrer Kinder zu erschießen. Aber dann ham sich die Realos wieder durchgesetzt.

      Im Ernst, Klimaschutz hätte geheißen, die Neuzulassung von Ölautos 2020 zu stoppen. Die Technik war ja da.
      True cost economics inklusive Lieferketten durchsetzen. Wer dann immer noch ein Auto braucht, der braucht es wohl.

  7. Der Artikel hinkt, wie so viele andere auch und vernebelt das Problem ebenso ideologisch, wie andere Artikel auch!

    Der wahre Klimakiller ist der ungebremste Konsum von fast allem durch einen kleinen Teil der „zivilisierten“ Welt.

    Mit der Folge, dass Dinge weit kuerzer genutzt werden als möglich waere. Weil, es muss ja anscheinend immer von allen das Neueste sein. Auch oder gerade beim KFZ.
    Es gibt anscheinend nur ein Motto fuer den westlichen Lebensstandard – Alles fuer Alle – bis Alles alle ist!

  8. Och Mensch, schon wieder, die schönen Pixel!

    Du machst doch nix besser, indem Du weiter zum Irrglauben beiträgst, das Salbadern irgendeiner verwirrten Boomer-Trulla in einem Boomer-Medium auf dem langen Marsch in die verdiente Bedeutungslosigkeit, sei irgendetwas, worauf man mit seitenweise Artikel mit Fakten und Argumenten eingehen müsse.
    Das is langfristig doch bestenfalls ein Streisand-Effekt durch die Hintertür. Du reagierst nicht auf das Viralgehen von solchem Unfug. Du bist das Viralgehen.
    Wie viele Vollidioten da draußen kriegen jetzt von diesem Quatschclip zusätzlich mit, weil deine Leser den auch nicht angeklickt und damit aufgewertet haben? Keiner vonen denen wird dagegen den Artikel hier lesen, noch weniger verstehen.

    Herrje!

    Speziell der NDR schafft es ja sogar, dass Wurstköppe wie der hier im ersten Video
    https://www.youtube.com/channel/UCIoyeghf-coxB5vDHqkF09Q/videos
    ihre erzreaktionäre Deppenmeinung via Tagesthemen in den Äther pupsen können.
    – Das is so viel Ahnungslosigkeit und deutschbräsige Borniertheit auf kleinstem Raum, da fällt einem doch nix mehr zu ein. Der sagt „Wir sind ein großes Industrieland“ wie Ausbilder Himmelstoß einst „Ich bin Reservist!“, nur weniger progressiv und weltmännisch.

    Das ist alles kein technisches Problem.
    Das ist ein demographisches.
    Da kann man nicht gegen anschreiben. Da kann man nur wegschauen und drauf warten, dass sich das Problem auf biologische Weise löst.

    Es würde freilich reichen, wenn 2-3 % von Gen Y und Z das bisschen Eier hätten, die ÖRR-Anstalten und den totalitären Scheißapparat dahinter so viel zu bezahlen, wie sie ihn brauchen.
    Aber darauf warte ich wohl vergeblich.

  9. Die Aussagen von Frau Herrmann entsprechen nicht meiner Meinung. Aber: In Diskussionen kommt stets zu kurz, dass es nicht reicht, wenn es nur eine Antriebswende gibt. Die deutschen Autokonzerne stellen aber genau das in den Fokus. Was wir brauchen ist eine echte Verkehrswende, die digitale Konzepte (Sharing etc) und autonomes Fahren einschließt.

    Dann kommen Themen wie Tempolimit und kleinere Motorisierung sowie weniger luxuriöse Autos quasi von alleine.

  10. Hm, bisher war ich von den meisten Argumentationen angetan, aber hier … Ulrike Hermann als Kapitalismusgegnerin zu bezeichnen zeugt eher davon, daß der Vortrag weder komplett angehört noch verstanden worden ist …

  11. Zu F.F.
    Siecher ist Frau Herrmann Kapitalismuskritikerin – das hat selbst auch schon vielfach geäussert. Frau Herrmann möchte eine andere Welt haben. Diese Welt ist vor allem – Massstab heute – durch Verzicht geprägt: Keine Flugzeuge, kein Automobile, stark eingeschränkte Mobilität, limitierter Wohnraum für den einzelnen, jeder bekommt ein Kontingent „Umweltbelastung“ zugestanden das er nur in der gleichen Währung tauschen kann – wenn er also jemanden findet der noch bescheidener leben möchte.
    Irgendwo muss natürlich auch festlegen: Wieviel „Umweltbelastung“, wieviel Mobilität, wievielt Wohnraum dem einzelnen denn zugestanden werden soll (neben unzähligen anderen Dingen die ich jetzt mal weglasse).
    Je mehr ich mir ausmale wohin das führt, desto mehr kommen mir Zustände wie im Mittelalter, kombiniert mit stalinistischem Kommunismus in den Sinn.

  12. Frau Hermann sagt in mehreren Interviews immer wieder, daß sie vom Kapitalismus fasziniert ist; den Wohlstand schreibt sie seiner treibenden Kraft durch Innovation von Technik etc. zu. Was sie auch sagt, ist: In einer unendlichen Welt gibt es kein unendliches Wachstum. Damit ist das System nicht auf Dauer tragfähig.

    Damit kritisiert sie den Kapitalismus, aber sie ist eben keine Gegnerin. Das ist ein kleiner, aber entscheidender Unterschied. Ihr Ansatz ist es deshalb auch nicht, die Welt zurück ins Mittelalter zu führen. Das ist im besten Fall ein Strohmann und Argument und zeugt entweder von Unfähigkeit oder Unwillen, ihre Argumentation zu durchdringen.

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