Die Sojamilch-Odyssee

Liebes Hotel De La Paix, liebe HRS-Blutsauger (Und jetzt auch liebe Superbude in Hamburg),

ich war heute morgen wirklich gerührt! Ja, ich gebe zu, ich habe extra gewartet, bis die Frühstücks-Bedienung aus dem Raum war, bevor ich mir die Träne aus dem Augenwinkel wischte.

Seit ca. 4 Jahren gebe ich bei jeder HRS-Hotelreservierung in dem kleinen Fensterchen „Haben Sie noch sonstige Wünsche an das Hotel?“ an, dass ich gerne Sojamilch zum Frühstück hätte. Beim ersten Mal war ich ganz hibbelig vor lauter Aufregung. Die anfängliche Vorfreude beim Gang zum Frühstücksbuffet wich schnell vorsichtigem Optimismus, dann realistischem Zynismus, dann tiefbetrübter Enttäuschung und zuletzt dann blindem Hass. DAS INTERESSIERT DIE NÄMLICH ALLE EINEN SCHEISS.
HRS4

Ja, ich war das, der immer Eure Duschvorhänge aus dem Fenster geworfen hat und die Bibeln in der Badewanne eingeweicht hat (mache ich aber immer). Aus Rache! Ich weiß schon, Ihr seid ganz clever, da steht nämlich nirgends, dass der Wunsch auch erfüllt würde. Ist faktisch korrekt, hat aber was von „Willst Du einen Kaffee? Dann hol Dir einen Du faules Stück!“

Na egal, ich habe da schon gar nicht mehr dran gedacht, das wird einfach immer automatisch von meinen Google-Chrome Autofill-Einstellungen eingetragen. Ich war auch nicht mehr davon ausgegangen, dass sich das je ändert – zumal ich in einer der düsteren Phasen immer ganz rebellisch und zu Testzwecken „Hookers and Blow“ in das Feld geschrieben habe und mich schon auf der Hotelwunsch-Blacklist von HRS wähnte.

Auf jeden Fall, als ich heute morgen beim Frühstück brav meine Zimmernummer aufsagte hüpfte die Bedienstete spontan und nuschelnd hinfort und kam mit einer Kanne zurück. Dem besorgten Blick nach muss ich ziemlich schwer von Begriff ausgesehen haben – „na, Sie haben doch Sojamilch bestellt, oder? Wir haben gestern 2 Liter gekauft, wollen Sie die jetzt gleich“. Ich konnte mich beherrschen zu fragen, ob sie sich den einen Liter lasziv am Kinn runterlaufen lassen könnte – ohne Wodka ist das ja bis übermorgen wohl etwas viel auf einmal.

superbude

Wir halten fest: Morgen früh werde ich zum ersten Mal nicht wie ein spinnerter Freak umständlich den wenigen Fruchtsaft aus dem Obstsalat auf mein Müsli schaufeln, um nicht an trockenen Haferflocken zu ersticken, während mich die ganzen Beleibten, sich 2 Kilo Rührei mit Wurst reinschaufelnden Typen entsetzt anstarren, weil ich so ein kranker Psycho bin! Ich werde schön system-konform Milch in meiner Schüssel haben! Ich werde von Tisch zu Tisch gehen, über mein Handy in voller Lautstärke den Ritt auf der Walküre abspielen und allen stolz meine Schüssel zeigen und ihnen ganz entgegen meiner eigentlichen Art erklären, dass vegan das neue Hip ist und ihnen eine Diskussion aufnötigen. Und wenn dann einer sagt „vegan? Da kann man doch gar nichts essen“ dann antworte ich „Ach ja?? ACH JA?? Dann riech mal an der Schüssel hier Du kleiner Schmock!“.

Laszive Milch3

Vielleicht setze ich mich auch einfach in meine Ecke am Fenster und esse still und leise mein Müsli. Und höre da den Ritt auf der Walküre. Und kichere ein Bißchen krank in mich hinein.

BAM!

#WhatIsTheSuperlativeOfAwesome

12 Gedanken zu “Die Sojamilch-Odyssee

  1. Ahoi lieber Graslutscher,
    wir mögen Deine besondere Art 😉 und haben uns ein Schmunzeln nicht verkneifen können.
    Im Bezug auf Deine Milch Odysse, ist es uns ein Bedürfnis, Dich eines besseren zu belehren und daher würden wir Dich gerne als offiziellen Milch Tester zu uns einladen und freuen uns, wenn Du annnimst. Wir bieten nämlich (und das schon seit 2 Jahren) Vollmilch, H-Milch, Sojamilch und sogar Laktosefreie Milch, heiße Milch, kalte Milch und (Achtung festhalten!) sogar Kakao!
    Auf Wunsch frieren wir Dir auch (Soja)Milch zu Eiswürfeln, so dass Du Deinen White Russian damit befeuern kannst..
    Was sagst Du?!
    Bei Interesse melde Dich bitte bei mir (Jörn) unter supermail@superbude.de
    mit frischen Grüßen, Deine Superbude

    • Ahoi!

      Sorry, da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt. Ich habe Euch erwähnt, weil es bei Euch, wie auch im De la Paix, Sojamilch gibt 🙂 Ich hatte auch ein Foto davon, aber das sah irgendwie komisch aus.

      Damit ich Euch nicht die Kunden abspenstig mache nehme ich doch wieder rein, dann isses hoffentlich klar. Aber auf das Angebot mit dem veganen White Russian komme ich zurück, ich meld‘ mich dann 😀

      Viele Grüße,
      ciao Jan

  2. Jan, nimm doch das ganze Angebot an und komm wirklich zum Testen. Inklusive White Soja Russian und schreibe darüber! Da haben wir beide was davon. Bei Bedarf, gerne Mail an mich 😉
    Herzlichst* Jörn

  3. Absolut genial! Mach auf jeden Fall weiter damit. Projekte wie deines oder das des Artgenossen sind super für die Etablierung der veganen Lebensweise und nicht selten eine Überstrapazierung der Lachmuskeln 🙂

    Lg, Darius

  4. Also Herr Graslutscher, nun habe ich vielleicht nicht ganz so viel aus dem Näh- eh- Gras-kästchen zu erzählen, dass es für einen persönlich so amüsant-lesenswerten Blog ausreichen könnte.
    Aber die Soja-Milch-Attacke brüllt geradezu nach meinem Sonntagfrühnachmittagserlebnis am 2. März d.J., und hier folgt es sogleich:

    Vor den Toren der deutschen Veganer-Hauptstadt, noch genauer am nördlichen Berliner Stadtrand, hing bereits Ende Januar an dem alteingesessenen deutschen Eiscafè die frohe Botschaft: Wiedereröffnung nach Winterschlaf am letzten Februarwochenende. Schön cremig Vanille-Eis-Gelb an die Scheiben geschmiert.

    Dort könnte ich wohl auch in dieser Saison nur auf Fruchtsorbet aber keineswegs auf tierproduktfreie Soja-Sahne-Leckereien hoffen.Ich gestehe, seither trieb mich der Suchtdruck um , jedoch keineswegs nach einem Supermarkt-Soja-Eis-am-Stiel oder der Entsprechung in der Familienbox. Nein, ich stellte mir vor, wie ich in den ersten Frühlingssonnenstrahlen vor einem veganen Eiscafe in der Sonne mit einem leckeren Eisbecher vor mir auf dem Tisch, glücklich strahlend in den Himmel schauen könnte. Gekrönt von einem Capuccino mit cremigem Sojamilchschaum.

    Es kam wie es kommen musste?! Nach einer Odyssee durch die einschlägigen Berliner Stadtbezirke , während der ich lediglich geschlossene Pforten sah, brach ich das Experiment ab. War es zu früh am Nachmittag oder hatte ich mich im Monat geirrt? Bedauerlich ist jedoch, mit einer lieber nicht genauer zu beziffernden CO2-Bilanz und OHNE eine Kugel Eis am Gaumen landete ich letztendlich in ebenjenem eingangs erwähnten Cafè, vor mir eine Tasse Kaffee schwarz, denn allein bei der Frage nach Sojamilch befürchte ich in dieser Gegend ein Lokalverbot 😉
    Ich schaute in den Himmel, wo glücklich strahlend immer noch die erste Märzsonntagsonne aufgehängt war…

    Allen Eisschnuten und Leckermäulchen viel Glück am kommenden Wochenende bei der Jagd nach dem passenden Eis-Dealer..

  5. Warum kannte ich deinen Blog bis vor einer halben Stunde noch nicht?
    Herrlich – spricht mir viel aus der Seele! Und dass man bei diesen „Wunschfeldern“ wirklich etwas eintragen kann – ich werde es mir merken! Steter Tropfen höhlt ja bekanntlich den Stein, und die Hoffnung gebe ich selten auf!
    Viele Grüße aus Frankfurt!
    Katrin

  6. Oh ja…. Du sprichst mir aus der Seele ! Bei meinem letzten Aufenthalt in einem Hotel Anfang März habe ich selber 1 Liter Sojamilch mitgebracht und demonstrativ auf den Frühstückstisch gestellt.. Irritierte Blicke, konsterniertes Schweigen und gekonntes Ignorieren waren die Reaktion.. Na ja.. ich denke, spätestens in 10 Jahren wird die Sojamilch zum Standart-Frühstücksbuffet gehören.. WEHE WENN NICHT !!!! 😉

  7. „Sie haben wünsche zu diesem Zimmer?“

    Vielleicht hat die Frau, die deine Betten morgens aufgeschüttelt hat sich den Wunsch „Vegane Milch beim Frühstück“ angeschaut und sich gedacht: „Простите, не расслышал?“

    Sowas sollte man der Frau am Empfang beim Einchecken / der Küche, die das Essen macht sagen.

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