So bekommen wir das Benzin wieder günstiger

Nein, teures Benzin macht keinen Spaß, da sind wir uns einig. Ich habe die meiste Zeit meines Lebens ein Auto besessen, und das fing bereits in jungen Jahren an. Meine Oma traf damals eine weise Entscheidung: Sie akzeptierte früher als viele andere Menschen, dass ihre Fahrkünste eigentlich nicht mehr ausreichen (obwohl sie noch 10 Kilometer lange Deichwanderungen unternahm) und verschenkte Ihren alten Opel E-Kadett mit Schrägheck an ihren 19-jährigen Enkel. An mich.

Fortan war ich fast überallhin mit 120 PS unterwegs. In die Schule, zu Freunden und zu meinem Nebenjob, um das Auto zu finanzieren. Das gestaltete sich aufgrund der Wartung schwieriger als ich dachte und so stand ich oft mit den letzten 5 Mark an der Tankstelle, damit die Tanknadel knapp über den Bereich kletterte, in dem die Warnleuchte wieder erlosch. Im Jahr 2000 stieg der Preis für einen Liter Superbenzin auf über einen Euro und selbst für mich als vergleichsweise nichtsnutzigen BWL-Student ohne lebenswichtige Fahrtziele wirkte das auf einmal bedrohlich. Ich war wütend. Aber auf wen überhaupt?

Ich war wütend über hohe Benzinpreise. Aber auf wen eigentlich?

Vermutlich auf die Falschen, denn vom Mineralölmarkt hatte ich keine Ahnung und so waren als Schuldige nur irgendwelche sinistren Behörden denkbar, die mir böswillig das Benzin teuer machen. Das Schöne an dieser Auffassung ist, dass irgendein Schurke dahintersteckt. Nennen wir ihn einfach Dr. Doom und sind sauer auf ihn. Dieser Blödmann! Sitzt da in seiner Geheimfestung und spielt mit Rohstoffpreisen – weiß der gar nicht, dass ich kein Geld für so einen Quatsch habe?

Das Schlechte an dieser Auffassung ist, dass sich das Problem kaum lösen lässt:

Im Jahr 2004 kostete der Liter Superbenzin erstmals über 1,10 Euro, im Jahr 2005 über 1,20 Euro und im Jahr 2007 über 1,30 Euro. Dann kam endlich 2009, puh, da sank er dann wieder unter 1,30 Euro. Hatte Dr. Doom endlich ein Einsehen? Nein, es war Weltfinanzkrise. Menschen fuhren schlicht weniger Auto und Benzin war erst mal nicht mehr so gefragt. Danach stieg der Preis wieder stark an – zwar nicht stetig, aber unter 1,30 Euro kam er nie mehr nennenswert.

Aber warum ist das so? Laut Social-Media-Kommentaren sind es meist entweder Robert Habeck oder Christian Lindner, die jeden Morgen das Benzinpreis-Glücksrad drehen. Manch andere vermuten dahinter wiederum die Merkel-Diktatur und haben nicht mitbekommen, dass die gar nicht mehr Bundeskanzlerin ist. Der Witz an der Sache ist nur: Benzin ist mitnichten nur in Deutschland teurer geworden. Genau die gleichen Anschuldigungen treffen aktuell Emmanuel Macron oder Jo Biden, denn auch französische und US-amerikanische Tankstellen erzielen derzeitig Rekordpreise pro Liter Sprit.

Nun belegen die USA ihre PKW-Kraftstoffe mit einem absoluten Witz an Steuern und dennoch sind selbst Kolumnisten liberaler Blätter wie der Washington Post erbost, dass Jo Biden ihnen den US-amerikanischen Traum stiehlt, mit ihrem gottgegebenen Hummer H2 von Boston nach San Diego zu fahren. Es scheint also gar nicht am deutschen Steuersystem zu liegen, vielmehr werden weltweit die Erdölprodukte teuer. Was uns zur sträflich vernachlässigten Frage führt, warum manche Produkte überhaupt teuer werden.

Also klar, wenn die Herstellung teurer wird, wird auch das Produkt teurer. Würde jemand Clemens Tönnies zwingen, die Menschen in seinen Fabriken fair für das Zersägen von Schweinen zu entlohnen, würde deren Wurst am Ende vielleicht doch mehr kosten als Katzenfutter. Aber Erdölförderung ist ja genauso teuer wie früher, trotzdem kostet der Liter Rohöl heute 75 Prozent mehr als vor einem Jahr und 130 Prozent mehr als vor 3 Jahren (der Wert von 2020 ist pandemiebedingt kein guter Vergleich). Betrug? Verschwörung? Skandal?

Nein, das ist die Wirkung von Angebot und Nachfrage. Ich weiß, einige rollen jetzt mit den Augen, daher mal ein Beispiel ganz ohne Finanz-Blabla und Fachausdrücke: Ich bin mal zu einem Depeche-Mode-Konzert gepilgert, weil ich über Connections an einen Platz auf der Gästeliste gekommen war. Dachte ich zumindest. Wie immer war ich viel zu spät und als ich an der Commerzbank-Arena ankam, spielte bereits deutlich hörbar die Vorgruppe. Da ich etwas grenzdebil nach dem richtigen Einlass suchte, war ich schnell von zwei dieser klebrigen Ticket-Spekulanten umringt. Die Typen, die Konzerte großer Bands leerkaufen, um dann bei echten Fans das Doppelte für ein Ticket zu verlangen. Eklig.

Hat Robert Habeck Depeche-Mode-Tickets auf dem Schwarzmarkt teuer gemacht? Unwahrscheinlich…

Der Vorverkaufspreis lag eigentlich bei ca. 80 Euro, so dass diese Aasgeier in der Regel 150 bis 200 Euro verlangen konnten. Warum? Na weil verzweifelte Menschen mit Dave-Gahan-Tattoo im Intimbereich das zu zahlen bereit waren – wenn denn genug davon auftauchten. Nun habe ich kein solches Tattoo und war auch nicht verzweifelt, denn ich stand ja auf der Gästeliste. Oder anders: Das Angebot war größer als die Nachfrage. Die Typen fingen also schnell an, angesichts meines Desinteresses im Preis immer weiter runterzugehen, denn in einer halben Stunde würde ihre Ware nur noch hübsches Altpapier sein. 120 Euro. 90 Euro. 50 Euro.

Ich fand dann den richtigen Einlass und die Frau dort sagte mir, sie habe keine Ahnung von einer Gästeliste und sie müsse jetzt auch gleich schließen, das Konzert finge ja ohnehin gleich an. Ich also zurück zu den Aasgeiern in der Absicht, ein 50-Euro-Ticket zu erstehen. Mein Pokerface war aber wohl nicht das beste und so verkaufte der gewiefte Ticketfuzzi mir das Ticket für 70 Euro. Der letztendliche Preis hatte also kaum etwas mit den tatsächlichen Kosten der Veranstaltung zu tun. Hätte ich mich etwas geschickter angestellt, hätte ich nur 50 Euro bezahlt und wäre noch ein Reisebus voller Fans ohne Ticket angekommen, wären es über 200 Euro gewesen.

Und so ist das prinzipiell auch mit den Benzinpreisen (wenn auch deutlich komplexer und mit einem Haufen anderer Einflussfaktoren): Wer dieser Tage einen Verbrennungsmotor benutzen will, steht auf dem globalen Markt wie einer der Depeche-Mode-Fans mit Intimtatoo da, denen man aktuell jeden noch so absurden Preis abverlangen kann. Wenn hingegen niemand mehr Erdöl bzw. ein Konzertticket haben will, dann fällt der Preis ins Bodenlose, zuletzt geschehen am 20. April 2020: Der Preis für Erdöl war kurz negativ. Wolltet ihr an diesem Tag ein Barrel Erdöl an den Mann oder Frau bringen, musstet ihm/ihr nicht nur das Öl sondern auch 30 US-Dollar dafür geben. Verrückt, nicht wahr?

Der Tag, an dem Erdöl auf einem minus 30 Dollar pro Barrel kostete

Schuld daran war ein winziges Stück Biomasse, das auf den Namen SARS-CoV-2 hört und dazu geführt hatte, dass die Menschen im April 2020 kaum noch Auto fuhren, kaum noch in Flugzeuge stiegen und auch sonst alle Aktivitäten stark herunterfuhren, die in jedem anderen Jahr das Verbrennen großer Erdölmengen bedingt hätte. Die Lager waren alle randvoll und niemand war mehr in der Lage, nennenswerte Mengen aufzukaufen.

Das Betreiben einer Raffinerie war zu dieser Zeit also wirklich kein Zuckerschlecken, und in der Folge musste ein Teil davon stillgelegt werden oder es wurde Personal abgebaut, um die Produktion zu reduzieren, so dass die weltweite Raffinerieleistung im Jahr 2021 zum ersten Mal seit 30 Jahren sank. Weniger Raffinerien bedeutet logischerweise weniger Benzin und Diesel.

Im Jahr 2021 fuhren fast alle Staaten ihre Corona-Maßnahmen zurück und so sprang die Nachfrage wie bei einem Jojo sprungartig wieder an. Die Menschen wollen jetzt all ihre verschobenen Reisen machen, tausende Frachtschiffe sind wieder unterwegs, um die Lücke wieder aufzufüllen, so dass die Öl- und Spritnachfrage aktuell weltweit höher ist als vor der Pandemie.

Dazu komm, dass der Preis von Rohöl zwar den Preis von Benzin beeinflusst, aber dieser Einfluss kann schwanken – zum Beispiel wenn eigentlich genug Öl da ist, aber nicht genug Raffinerien, die daraus Benzin herstellen können. Wenn die Preise sich voneinander entfernen, nennt sich das „Crack Spread“, also zu deutsch Crackspanne (Cracken ist das Verfahren, mit dem aus Erdöl Benzin, Diesel, Kerosin usw. gemacht wird). Dieser Crack Spread ist aktuell sehr hoch, hier der Wert der New Yorker Börse:

Abweichung von Öl- und Benzinpreis (Quelle)

Der Wert steigt bereits ab November 2021, also lange bevor der Ukrainekrieg losgeht. An dem Tag, an dem Russland seinen wahnsinnigen Angriffskrieg auf die Ukraine startet, schießt der Crack Spread so richtig nach oben und liegt heute beim ca. vierfachen Wert verglichen mit November 2021.

Auch das ist wenig verwunderlich, denn die EU importiert aus Russland nicht nur Rohöl, sondern auch große Mengen Diesel. Auch von diesen Importen wollen wir aus naheliegenden Gründen so schnell wie möglich loskommen und so sinken auch die russischen Dieselexporte um mehrere 100.000 Tonnen pro Monat. Aber nicht nur aus Russland kommt weniger Kraftstoff, auch China hat seine Exporte stark reduziert.

Benzin ist aktuell überall teuer, oft teuer als in Deutschland

Der Effekt ist der Gleiche als wenn ihr zur Konzerthalle kommt und da steht jetzt nur noch ein Ticketverkäufer mit einem einzelnen Ticket und ihr seid 20 Leute, die es alle haben wollen: Die Ware ist knapp, der Preis steigt. Und das tut er weltweit: Die Biden-Administration hat bereits mehrfach die Betreiber von US-Raffinerien aufgefordert, ihre Produktion wieder zu erhöhen. Für einen Liter Benzin musstet Ihr am 06. Juni 2022 folgende Preise zahlen:

Frankreich: 2,12 Euro
Spanien: 2,08 Euro
Dänemark: 2,55 Euro
Österreich: 2,00 Euro
Schweiz: 2,08 Euro
Niederlande: 2,25 Euro
(Quelle)

Aber wo landet die ganze Kohle? Bei den Raffinerien, die die Krise von 2020 gut überstanden haben. Ihre Margen steigen gerade gewaltig:

Es würde den Benzinpreis also schnell stabilisieren, wenn einfach mehr Raffinerien Benzin herstellten, nur bauen Raffinerien sich nicht mal schnell neu. Das sind riesige Industrieanlagen mit Baukosten in Milliardenhöhe (Milliarden, nicht Millionen). Die Konzerne, die einen Teil ihrer Anlagen stillgelegt haben, haben jetzt natürlich besonders viel davon, den Betrieb wieder aufzunehmen und werden das vermutlich auch versuchen.

Dazu müssen sie aber wieder Personal finden, sie müssen teures Rohöl am Markt kaufen, das aus europäischer Sicht wegen des starken Dollarkurses noch etwas teurer ist, und all das hat seine Vorlaufzeiten. Ob und wenn ja wie schnell das geht, kann euch ohne Glaskugel wohl niemand seriös beantworten. Es kann also gut sein, dass die Preise erst mal hoch bleiben.

Die Spritpreisbremse wirkt. Die Wirkung von Angebot und Nachfrage wirkt noch stärker

Unpopular Opinion: Die Spritpreisbremse von Christian Lindner kann aktuell wenig dafür, dass der Benzinpreis in Deutschland nun fast wieder genauso hoch ist wie vor der Bremse, weil gleichzeitig die Preise einfach weltweit in ungeahntem Ausmaß steigen. Ohne Bremse wäre er vermutlich einfach noch höher.

Was können wir also tun? Am Angebot können wir wenig ändern, da Deutschland weder über Ölvorkommen verfügt noch über unausgelastete Raffinerien. Worauf wir aber Einfluss haben: Die Nachfrage. Würden die Welt ihren Spritverbrauch auch nur um ein paar Prozent verringern, hätte das schon eine Wirkung und die Preise würden ein Bisschen sinken.

Und hier kommen wir dazu, warum die Spritpreisbremse wirklich eine unglaublich blöde Idee war: Sie animiert Menschen dazu, wieder mehr zu verbrauchen. Das ist dann Anfang Juni vielleicht ganz schön, weil ihr pro Tankfüllung 15 Euro spart, aber langfristig kann das ein grandioser Bumerang werden: Es ist ja nicht plötzlich mehr Benzin da als vorher, nur weil der Staat mit Steuermilliarden beispringt. Trotzdem verbrauchen wir mehr.

Folge: Wie verschärfen den Engpass noch, was den Preis erneut steigen lassen dürften. Das ist so als wenn ihr eine schmerzhafte, eitrige Wunde habt, die dringend behandelt werden muss. Aber weil euch der Weg zur Arztpraxis zu lästig ist, ballert ihr euch einfach 1,2 Gramm Ibuprufen in die Blutbahn. Vorteil: der Schmerz lässt sofort nach. Nachteil: Die Wirkung ist irgendwann wieder weg und dann ist alles noch schlimmer.

Mehr Benzinverbrauch: Die dümmste Idee seit verbleitem Benzin

Viel klüger wäre es hingegen, wenn wir unseren Verbrauch verringern. Ja, manche Leute sind aufs Auto angewiesen, aber nicht alle. Der deutsche PKW-Fuhrpark ist zum Januar 2022 erstmals auf 48,5 Millionen angewachsen, die Wiesbadener Straßen sind an einem Sonntagmorgen voller Autos mit einem einzelnen Mensch darin und der Hang, sich Automodelle mit der Windschnittigkeit eines Kühlschranks auf Rädern zu kaufen, steigt nach wie vor.

Dieses Verhalten ist nichts anderes als eine Wette auf stabile Spritpreise. Tja, Wette verloren, würde ich sagen. Und das nicht allzu überraschend: Der globale Ölpreis ist den Launen eines Erdöl-Oligopols unterworfen und die Kurve der letzten 20 Jahren sieht aus wie eine richtig fiese Achterbahn:

Unter Anderem deswegen reden weitsichtige Leute seit Jahren gebetsmühlenartig auf ihre Mitmenschen ein: Fossile Rohstoffe sind nicht nur eine Katastrophe für Klima und Gesundheit, sie sind auch endlich. Selbst wenn wir die Dinger CO2-neutral verbrennen könnten: Sie sind immer ein Risiko für die Versorgungssicherheit, weil die Vorkommen weltweit sehr ungleich verteilt sind und weltweite Krisen wie Pandemien und Kriege die Förderung einbrechen lassen können.

Endlich bedeutet auch: Es wird in Zukunft immer schwerer und teurer und oft auch umweltschädlicher, die verbliebenen Vorkommen zu nutzen. Die Benzinparteien in Deutschland argumentieren gerne mit der Freiheit des Autofahrens, aber tatsächlich sind Erdölprodukte ein Weg in massive Abhängigkeiten. Wir Deutschen haben es nun aber tatsächlich geschafft, unsere Abhängigkeit in den letzten Jahren auch noch zu erhöhen, obwohl es Alternativen dazu gibt.

Besonders bizarr, dass hier gerne mit der Krankenpflegerin argumentiert wird, die 40 Kilometer zur Arbeit fahren muss und jetzt an der Zapfsäule ziemlich im Regen steht. Die Spritpreisbremse mildert die Auswirkungen zwar aktuell etwas ab, aber das zu horrenden Kosten und ohne Langfristwirkung. Gleichzeitig fahren gutbetuchte Manager in 120.000-Euro-Autos herum und bekommen von uns allen den 10-Liter-Verbrauch ihrer riesigen Gefährte teilfinanziert, was das Problem am Ende nur noch verschärft.

Ihr wollt der Krankenpflegerin helfen? Dann spart Benzin.

Wenn diese Krankenpflegerin euch wirklich am Herzen liegt und ihre Tankrechnung sinken soll, dann senkt den Verbrauch. Robert Habeck kann da nicht viel machen und Christian Lindner auch nicht. Aber wir:

Fahrt keine unnötigen Strecken, fahrt nicht mit 180 über die Autobahn, fahrt kleine Autos oder noch besser elektrische Autos. Oder noch besser: Gar keine Autos. Ja, das können nicht alle, schon klar. Wenn ihr Verbrennerauto fahren müsst (herzliches Beileid), dann ermutigt aber doch nicht andere, auch eins zu fahren. Ihr schneidet euch damit ins eigene Fleisch, denn ihr verknappt damit Benzin und Diesel.

Das verstehe ich grundsätzlich nie an der Debatte: Wer wirklich Auto fahren muss, weil deutsche Verkehrspolitik in den letzten 30 Jahren die Perspektive hinter dem Lenkrad eingenommen hat, genießt meine Solidarität. Aber hey, ihr habt doch nur Nachteile, wenn außer euch NOCH mehr Leute mit dem Auto fahren.

Die Menschen beschweren sich über hohe Spritkosten, wenig Parkplätze und zu viele Staus (verständlicherweise) und vergessen dabei ständig, dass jedes Auto mehr diese Probleme verschärft: Ob ich in einer Stadt einen Parkplatz abschaffe oder ein weiteres Auto zulasse, hat den gleichen Effekt. Ob eine Raffinerie zusätzlich Benzin für 10 PKW produziert oder 10 Menschen ihr Auto abschaffen hat den gleichen Effekt.

Seid froh über Leute, die aufs Rad umsteigen, seid froh über Leute, die jetzt mit 9-Euro-Ticket ihr Gegend erkunden oder mit E-Roller. Ihr steht nämlich gerade mit 48,5 Millionen anderen vor einer imaginären (echt großen) Konzerthalle und versucht, ein Ticket von Leuten zu ergattern, die möglichst viel Geld damit verdienen wollen. Was ist da wohl besser? Wenn sich 500.000 überlegen, auf das Konzert zu pfeifen oder wenn 500.000 dazukommen?

Genau. Und weder Herr Habeck noch Herr Lindner können das ändern.

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20 Gedanken zu “So bekommen wir das Benzin wieder günstiger

  1. Und man könnte auch Sprit sparen, wenn man statt eines Verbrenners ein Elektroauto kauft. Besser wäre natürlich gar kein Auto, aber das will der Deutsche ja nicht. Ein kleines E-Autochen ab 14000 Euro bringt einem auch in die Arbeit und zurück.

  2. Ihre Argumentation ist nicht logisch:
    Was habe ich davon, wenn ich mir ein E-Auto kaufe, damit ein Nachfrager weniger am Markt ist und damit der Benzinpreis sinkt? Ist der dann tatsächlich gesunken (weil viele, viele andere Autofahrer ebenfalls auf E-Autos umgestiegen sind und die Nachfrage nach Benzin gefallen ist), nützt mir das billige Benzin nichts mehr, denn ich fahre ja jetzt elektrisch. Stattdessen werde ich jetzt statt von den Ölkonzernen von den Stromkonzernen gemolken, da ja die Nachfrage nach Elektrizität sprunghaft angestiegen ist. Schön blöd, oder etwa nicht?

    • Das ist ja das schöne, der Strombedarf insgesamt *sinkt* durch eAutos. Klingt komisch? Rohöl und Benzin plätschern ja nicht einfach so aus dem Boden, sondern werden erst mit einem sehr großen Bohrer angebohrt und dann mit Pumpen gepumpt. Bohrer und Pumpen laufen mit Strom. Die Raffinerie hat auch kein Lagerfeuer sondern heizt mit Strom. Die Pumpen in die Raffinerie rein und wieder raus laufen mit … Strom. An der Tanke wird gepumpt mit … Strom!

      So gibt es einen Energiebedarf von ca 42kWh Strom, um etwa 6 Liter Diesel von der Quelle bis in den Tank zu bringen. 6 Liter Diesel bringen einen etwa 100 km weit. 42 kWh Strom bringen einen Tesla etwa 200 km weit und den sehr effizienten Hyundai Ioniq sogar an die 350 km.

      Das heißt, der Verbrenner braucht auf 100 km 42 kWh zuzüglich Öl, der Ioniq 12 kWh.

      Tada, mein Ioniq spart pro 100 km 30 kWh Strom gegenüber einem Diesel.

      Quelle:
      https://www.springerprofessional.de/elektromobilitaet/dieselmotor/endenergiebezogene-analyse-diesel-versus-elektromobilitaet/16673694

      • Obwohl ich die Argumentation grundsätzlich für richtig halte würde ich gerne eine Korrektur einwerfen, um bei der Wahrheit zu bleiben. Bei den 42 kWh handelt es sich nicht um Strom, sondern um Primärenergiebedarf zur Herstellung von Kraftstoffen. Tatsächlich ist nur ein sehr kleiner Teil davon wirklich Strom und der größere Teil ist thermische Prozessenergie, d.h. es werden tatsächlich Anteile des Rohöls verbrannt, um das restliche Erdöl zu cracken (also doch ein kleiens Lagerfeuer…). Natürlich könnte man diese Energie aber auch verstromen, anstatt sie in thermische Energie zu wandeln und damit Kraftstoff herzustellen. Von dem her ist die grundsätzliche Argumentation trotzdem richtig. Ob der Strombedarf durch die Elektrifizierung des Straßenverkehrs sinkt wage ich zu bezweifeln – zumindest aber steigt er nicht so stark, wie das oft suggeriert wird. Und nur weil der Strombedarf steigt heißt das ja noch lange nicht, dass auch der Energiebedarf steigt. Der sinkt nämlich tatsächlich auf jeden Fall!

    • Moin Peter,

      Soweit ich weiß ist E-Auto fahren heute schon günstiger als Verbrenner. Die Kraftwerke müssen wir so oder so ausbauen und da ist Habeck auch dran.

      War jetzt aber auch nicht mein Vorschlag für Leute, bei denen es jetzt finanziell eng ist und die sich gar kein neues Auto leisten können. Aber all die wohlhabenden Menschen – und davon gibt es eine Menge in D. – die können mal aufhören mit riesigen Spritschluckern in der Gegend rumzufahren, einfach aus Solidarität mit den Menschen, die jetzt schon mit 4,6 l/100km zur Arbeit fahren, weil es sonst nicht reicht.

      • Ich fürchte nur, dass die Solidarität der Reichen und auch „Energiespar-Duschkopf“-Habeck mit den Armen doch sehr begrenzt ist. Wie sagte schon AFAIK der vegane Kabarettist Hagen Rether

        vernünftige Dinge tun die Menschen nicht freiwillig

        und statt es ihnen einfach autoritär das eine zu verbieten oder das andere vorzuschreiben, sei es durch ein selbstgerechtes, demokratisch nicht effektiv kontrolliertes Parlament oder einen ebensolchen Diktator, gäbe es auch noch andere Möglichkeiten, wo wir hier in Deutschland nur mal über den nationalen Gartenzaun blicken müssten. Aber das, was im Parlamentarischen Rat eigentlich Konsens war, hat ja der „Fuchs“ Adenauer ja erfolgreich und politisch nachhaltig verhindert.

  3. Ich werde niemals in der Lage sein mir für 140000 Euro ein Elektroauto zu kaufen. Ich bin eine Frau und werde entsprechend bezahlt und als alleinerziehende Mutter ausgebeutet. Ich muss meinen 21 Jahre alten sehr zuverlässigen und gepflegten Diesel fahren bis zum bitteren Ende. Und das ist auch gut so, denn ich upcycel alles und kaufe selten Dinge neu. Da sehe ich als Umweltschutz in meinen Möglichkeiten.

    • Ich werde auch nie in der Lage sein irgendein Auto für 140000 Euro zu kaufen. Zum Glück kriegt man für 140000 Euro aber auch 5-10 eAutos, je nach Konfiguration

    • Moin Melanie,

      soweit ich weiß, gibt es E-Autos für weit weniger als 140.000 € 😉

      Aber mein Appell galt ja auch nicht den Leuten, die jetzt schon nicht wissen, wie sie das bezahlen sollen, sondern allen, die da Spielraum haben. Wenn genug Menschen elektrisch fahren gibt es da auch bald einen größeren Gebrauchtmarkt und dann kannst du dir auch einen Stromer zulegen. Der hält ja in der Regel auch länger als der Diesel.

  4. Ich werde niemals in der Lage sein mir für 14000 Euro ein Elektroauto zu kaufen. Ich bin eine Frau und werde entsprechend bezahlt und als alleinerziehende Mutter ausgebeutet. Ich muss meinen 21 Jahre alten sehr zuverlässigen und gepflegten Diesel fahren bis zum bitteren Ende. Und das ist auch gut so, denn ich upcycel alles und kaufe selten Dinge neu. Da sehe ich als Umweltschutz in meinen Möglichkeiten.

    • Ah Ok, die Preiskorrektur 🙂 einen gebrauchten e-Up gibt es z. B. ab 12.000 Euro.
      Auch nicht ganz billig, der Gebrauchtwagenmarkt kommt aber auch langsam in Bewegung, so dass in den nächsten Jahren durchaus mit günstigeren Preisen zum Einstieg zu rechnen ist.

  5. 12000€ für nen 6 Jahre alten E-Up, der dann auch noch den lächerlich kleinen alten Akku hat! Sorry was soll man damit anfangen? Da muss man schon eine sehr masochistische Ader haben, um sich sowas anzutun! Von einer Familie mit Kinder ganz zu schweigen!
    Aktuell sind und bleiben E-Autos für Normalverdiener unbezahlbar! Interessant wird die Entwicklung der Verkaufszahlen mit fallender, bzw. beendeter BAFA Prämie werden. Aktuell wirkt bei den Verkäufen hauptsächlich der Mitnahmeeffekt.
    Dürfte schon ab 2023 interessant werden, wenn es nur noch 4000,- statt 6000,- Euro Prämie gibt.

    • Also unser Skoda citigo e iV (baugleich mit dem E-up!) hat neu 12.700 € gekostet – mit dem großen Akku (250 km reale Reihweite) und in der Style-Ausstattungslinie. Im Preis enthalten waren so Späße wie Sitzheizung, Frontscheibenheizung, Standheizung (bei E-Autos ja immer dabei), DAB+ Radio, Alufelgen, Spurhalteassistent, Garantieverlängerung, … die ja schon als Luxus gelten könnten und nicht wirklich notwendig sind. Ohne diese ganzen aufpreispflichtigen Details hätte es den citigo damals für etwa 11.000 € als Neuwagen gegeben. Das ist natürlich auch noch mehr, als sich eine alleinerziehende, ausgebeutete Frau vielleicht leisten kann – aber doch vermutlich für sehr viele Normalverdiener bezahlbar!

  6. Ich pendel‘ fast täglich mit einem e-Up von 2015 (der mit der kleinen Batterie)

    Was soll ich sagen…. Die kleine Rakete zieht gut an und macht richtig Spaß.
    Der Akku ist jeden morgen gefüllt und 80km sind auch im tiefsten Winter immer drin.
    Vor Allem kein abwägender Blick auf die Preistafeln der Tankstellen: Wann tanke ich am günstigsten.

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