Ich habe die schwurbelige Kolumne aus der Neue Osnabrücker Zeitung gelesen, damit Ihr es nicht tun müsst

Woran erkennt man eine Ex-Vegetarierin auf ‘ner Party? Keine Sorge, sie wird eine Kolumne mit allerhand unlogischem Quatsch vollschreiben, um sich Fleischkonsum wieder schönzureden.

Mir wird ja immer vorgeworfen, Vegetarier und Veganer hielten allen Fleischessern ungefragt eine Predigt und erreichten damit auf Partys grundsätzlich einen Nervfaktor irgendwo zwischen nässenden Ekzemen und Erdbeben der Stufe 8,5. Ich halte immer dagegen, dass das eher die Ausnahme ist und ich solche Personen noch nie kennengelernt habe – jetzt muss ich aber gestehen, dass Claudia Scholz vermutlich genau so eine Vegetarierin war. Die Fleischesser können aufatmen, sie WAR so eine. Jetzt isst sie aber – oh Wunder – wieder Fleisch; und sollte ihr Talent für das Breittreten überflüssiger Details und zusammenhangloses Aufzählen absurder Fehlschlüsse auch während ihrer letzten vier fleischlosen Jahre schon so ausgeprägt gewesen sein wie jetzt, dann verspüre ich fast schon den Drang, mich im Nachhinein bei den Fleischessern dafür zu entschuldigen. Auf der anderen Seite haben wir sie jetzt an der Backe, der Drang lässt schlagartig nach.

Zuerst lernen wir in Frau Scholz‘ Kolumne in der Neue Osnabrücker Zeitung, dass sie ursprünglich mal von Fleischskandalen angeekelt war und sich in Askese üben wollte, und daher kam angeblich die Idee, das Fleisch vom Einkaufszettel zu streichen. Wir kennen das: Man kommt abends abgekämpft nach Hause von einer Schicht Klärbeckentauchen, legt Wäsche zusammen, während man mit den Kindern die Hausaufgaben macht, und denkt „Verdammt, was ich jetzt brauche, ist eine ordentliche Portion Askese mit Schokostreuseln!“. Okay, vielleicht spielt das bei anderen Veggies ja tatsächlich eine Rolle, aber Askese so um der Askese Willen war zumindest in meinen 150.000 Gesprächen über Fleischkonsum extrem selten das Hauptmotiv, es mal ohne zu versuchen.

Ähnlich selten kam ich ins Gespräch mit Veganern, die Vegetarier für schlechte Menschen halten – laut Claudia gefühlt bei den meisten Veganern der Fall. Ich kann nur mal Bilanz ziehen, dass auf meinen bislang acht veganen Straßenfesten eine Menge Vegetarier am Start waren, die nicht mit Fackeln und Mistgabeln über den Platz gejagt wurden. Die Vegetarier seien zudem oft intolerant, so ihre Erfahrung, denn sie selbst habe Bekannten auf den Teller geguckt und sie gefragt, ob sie das wirklich essen wollten. Ok, das mag ja sein, aber es mutet schon etwas egozentrisch an, wenn man seine persönliche, rückblickende Selbstkritik auf acht Millionen Vegetarier hochrechnet. Ich finde ja auch, dass deutsche Männer mit Bart immer viel zu laut reden. Immerhin rede ich ständig zu laut, und ich bin ein deutscher Mann mit Bart. REDET ALSO ENDLICH LEISER, IHR LÄRMENDEN BARTRÜPEL!

So weit so gut, aber jetzt dreht Frau Scholz so richtig auf. Sie sei ja sooo froh, keine Vegetarierin mehr zu sein! Denn damit sei sie automatisch toleranter, schlanker, gesünder und habe ein befriedigenderes Intimleben (sic). Eeehm, ja, danke. Kennt Ihr das, wenn Ihr jemanden fragt, wie er ihm geht, und er antwortet überaus explizit, dass er eben eine ganz tolle Wurst in die Schüssel gesetzt hat? Waaaaay too much information, my dear… Was hat denn das Intimleben mit einer vegetarischen Ernährung zu tun? Spielen in ihrem neuen Intimleben Produkte aus dem Wurstsortiment eine entscheidende Rolle oder was?

Claudia Scholz faselt nun unerträglich wehleidig daher, sie würde Tiere auch weiterhin lieben, müsse sie aber quasi essen, weil sie sich nicht gegen die Evolution stellen wolle. Liebe Claudia, lustiger Zufall, die Evolution hat mich eben gerade angerufen, und ich soll Dir ausrichten, dass sie gepflegt darauf scheißt, ob Du zum Frühstück Grünkernbratling oder Robbensteak verputzt. Du kannst mit Deiner Ernährung nämlich ähnlich viel Einfluss auf die Evolution nehmen wie auf die Erdumlaufbahn oder die Gravitationskonstante des Universums: gar keinen. Es ist also ganz einfach: Entweder Du liebst Tiere oder Du isst sie.

Ich kann kaum einschätzen, ob Frau Scholz überhaupt irgendeine Art Recherche für ihre Kolumne einplant, denn es folgt ein derartig wirres Geseier, dass sich die Abschnitte wie das Transskript eines feuchtfröhlichen Stammtischgelabers anhören, in dem irgendwelche Hinterwälder Vorurteile über Vegetarier austauschen. Hat die Frau wirklich vier Jahre kein Fleisch gegessen? Man mag es kaum glauben bei Sätzen wie

„Der menschliche Organismus benötigt Eiweiß. Als Vegetarier bleiben da nicht viele Alternativen.“.

Ja, stimmt, für Vegetarier sind die einzigen Eiweißquellen ja leider Nüsse, Samen, Gemüse, Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Eier, Getreide und bei extremer Einfallslosigkeit zehn dutzend Proteinriegel, die meist voll mit Molkenerzeugnis sind. Wollte ich mich als Vegetarier mit zu wenig Protein ernähren, ich müsste das schon aktiv forcieren.

Sie fabuliert weiter:

„Und diejenigen, die bleiben, sind mit Qualen im Bauch verbunden. Die wenigsten vertragen Hülsenfrüchte als wichtige Proteinlieferanten wirklich gut. Mir bekamen sie auch nicht. Eine denkbar ungünstige Ausgangslage für ein Vegetarierdasein. Ein Großteil von Gemüsen wird zudem ebenfalls oft schlecht vertragen: Paprika, Pilze, Lauch, Kohl, Zwiebeln, Gurken, Rettich und viele mehr.“

Die wenigsten Menschen vertragen Hülsenfrüchte, und überhaupt Gemüse, muss man wissen! Deshalb auch diese Warnschilder hinsichtlich Explosionsgefahr auf den Kichererbsendosen. Tatsächlich sind Hülsenfrüchte ein zentraler Bestandteil der europäischen Küche, Millionen Menschen sind groß geworden mit Linsensuppe, Bohnen und Erbsen, und wenn in der Kneipe eine Schale Erdnüsse gereicht wird, rennen augenfällig wenig Menschen schreiend aus dem Laden, weil sie das nicht vertragen – die Allergiker mal ausgenommen, aber das ist ein anderes Thema.

Und Paprika? Liegt ja erstaunlich oft beim Gemüsehändler rum, dafür dass das ganz dolle oft nicht vertragen wird. Pilze? Sind gar kein Gemüse, setzen, sechs. Lauch, Kohl und Zwiebeln sollte man idealerweise kochen, und Gurken? Ernsthaft, Gurken? Hat wirklich irgendwer schon mal den Satz „Herr Ober, sind da Gurken am Salat? Die vertrage ich nicht!“ gehört? Aber hey, Claudia muss leider Tiere essen, obwohl sie sie liebt, sonst schimpft die Evolution mit ihr und sie bekommt andauernd Durchfall von Gurken, Champignons und rohem Weißkohl.

Gesund ist das natürlich auch nicht ohne Fleisch, denn von all dem laschen Gemüse hatte Claudia andauernd Hunger und aß dann, wie „viele andere“ auch, „haufenweise Kuchen und Süßigkeiten“. Ja, toll, nach der Logik ist Sport auch nicht gesund, davon bekommt man nämlich schnell mal Hunger und Muskelkater und endet dann mit Pizza und einem Eimer Eiscreme auf der Couch. Sport ist Mord, lieber 24/7 Netflix, rät Ihnen Dr. Scholz. Oh Du meine Güte, wie viel Unsinn kann man in zehn Absätze komprimieren?

Ach ja, und weil tierisches Fett ein Geschmacksträger ist, “suchen sich Vegetarier andere Möglichkeiten, wenigstens ein bisschen Geschmack ins Essen zu bekommen:“. Kann man in Osnabrücker Supermärkten wegen irgendeines Handelsembargos kein Olivenöl kaufen, oder was? Die Frau hat sich vier Jahre ohne Fleisch ernährt und nicht rausbekommen, dass in Pflanzenfett angebratenes Protein geiler schmeckt, als wenn man es leicht blanchiert? Wer soll das denn ernsthaft glauben?

Seitan, Tofu und Wurstimitate fallen natürlich auch durch, denn die schmecken nicht. Die vielen hundert Produkte dieser Kategorie schmecken ALLE nicht. Hat Frau Scholz wirklich gewissenhaft sämtliche durchprobiert, um zu diesem Urteil zu kommen? Ich meine ja nur, man könnte auch was anderes vermuten bei einer Frau, der schon die Verwendung von ordinärem Pflanzenöl zu verrückt erscheint. Wenn man schon dabei ist und nicht mal weiß, wie das Zeug schmeckt, kann man auch ins Blaue schießen, dass das alles mega-ungesund sein muss.

„Wer sich einmal die Inhaltsstoffe einer fleischlosen Wurst durchgelesen hat, will diese nie wieder essen.“

Man kann getrost davon ausgehen, dass die hoffnungslos überforderte Autorin sich die Inhaltsstoffe nicht durchgelesen hat, renommierte Institute kommen da nämlich zu recht beruhigenden Ergebnissen für Seitan- und Tofuliebhaber. Fun Fact: In den Dingern ist sogar dieses ominöse Eiweiß drin, das für Vegetarier ja angeblich so unerreichbar ist, teilweise mehr als in Fleisch.

So. Angenommen, Ihr habt eine Bekannte, die noch nie von Pflanzenöl gehört hat, die keine Pilze isst, weil sie angeblich kein Gemüse verträgt und vor dem Verzehr von Erdnüssen warnt – würdet Ihr Wert auf das Urteil dieser Person legen, wenn es um Restaurantempfehlungen geht? Wenn diese Frau bemängelte, der Genuss käme im Vegetarierleben oft zu kurz, weil die wenigsten vegetarischen Restaurants wirklich gut kochten, würdet Ihr da was drauf geben? Nein, ich auch nicht. Macht sie natürlich trotzdem.

Sie will in Berlin gelebt haben – wo muss man da bitte in ein explizit vegetarisches Restaurant gehen? Die Gute hat in der ganzen Stadt nicht eine ordentliche  Pizzeria gefunden? Nicht einen Inder mit leckerem Daal? Nicht einen guten Thailänder, Mexikaner oder Syrer? Ganz zu schweigen von den unzähligen rein vegetarischen Restaurants in Berlin, die es echt draufhaben. Sorry, aber da sitzt das Problem wohl eher vor dem Teller als darauf.

Yeah, für so was wird man bei der Neuen Osnabrücker Zeitung tatsächlich bezahlt. Die Autorin ignoriert komplett all die stichhaltigen Beweggründe, wegen denen andere Menschen tatsächlich kein Fleisch mehr essen und erzählt uns stattdessen, dass es mit Wurst besser in der Kiste läuft. Und dass Essen ohne Tierfett grundsätzlich nicht schmeckt, was aber eigentlich auch egal ist, verträgt ja ohnehin niemand Champignons oder Gurken. Und eigentlich liebt sie Tiere, sie lässt sie aber dennoch in sirrende Kreissägen fahren, weil ihr die Evolution einen Revolver in den Rücken drückt und sie quasi dazu zwingt. Man fragt sich, was die Frau vier Jahre lang gegessen haben will – in Berlin scheint sie ja ihre Wohnung nicht verlassen zu haben und gekocht wurde augenscheinlich nicht so wirklich – und wenn dann komplett ohne Öl, yummy.

Ob die gute Claudia noch Vegetarierin wäre, wenn ihr irgendjemand einfach mal ein Kochbuch oder einen Restaurantführer geschenkt hätte?

 

7 Gedanken zu “Ich habe die schwurbelige Kolumne aus der Neue Osnabrücker Zeitung gelesen, damit Ihr es nicht tun müsst

  1. Wer etwas will, findet Wege.
    Wer etwas nicht will, findet Gründe.

    Passt wirklich immer wieder, der Spruch.

    PS Ich hab tatsächlich eine Kollegin, die keine Gurken verträgt. Die ist sogar Vegetarierin und sitzt mir ungefähr genauso lange gegenüber, wie ich mich vegan ernähre. Also wenn wir nicht beide endlich wieder Fleisch essen, ist die Firma noch vor Weihnachten ruiniert. Bestimmt!

  2. und das allerbeste: aktuell sucht sie veganer, die in einem video-interview mit ihr über veganismus sprechen.kein scherz! lieber graslutscher, wäre das nichts für dich? ? ich hab dankend abgelehnt.
    hier ihre kontaktdaten:
    Frau Claudia Scholz
    Telefon: 0591-964995728
    c.scholz@noz.de

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