Neulich, als der Bauernverband mal witzig sein wollte…

„Jan, immer schreibst Du hier nur was über ganz doofe Argumente von Fleischessern. Du traust Dich ja nur nicht, Dich auch mal mit den guten Argumenten von Profis auseinanderzusetzen!“. Das hat mich jetzt doch etwas getroffen *schnüff*. Habe ich hier nicht schon Argumente besprochen, die höchstselbst von bezahlten Pr-Heinis Lügnern im Fernsehen genannt werden? Hallo, der Löwen-Spruch? Allein damit werden pro Tag Millionen Vegetarier in ihrer Standhaftigkeit geprüft! Nicht wenige kapitulieren vor der monströsen Stichhaltigkeit und beißen spontan in ihre Katze!

Also gut, das will ich nicht auf mir sitzen lassen. Mal sehen, was die Profis so von sich geben… der Bauernverband Schleswig-Holstein z.B. nähert sich dem Thema recht kreativ von einer ganz neuen Seite und hinterfragt, ob diese Negativ-Hysterie um Tiertransporte nicht eigentlich ganz schön übertrieben ist:

Beim Tiertransport schreien alle auf, selbst wenn die Regeln eingehalten werden. Beim Menschen gilt: Hauptsache billig. Ist das so, weil es uns beim „Menschentransport“ ans eigene Portemonnaie geht oder sind uns die Tiere mehr wert als wir selber es sind? Zeit, einmal darüber nachzudenken. Dieser Film kann dabei helfen und zugleich Spass machen

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Schockierendes Recherche-Ergebnis: Super-billig hergestelltes Essen oft von schlechter Qualität

Mir wird ja oft vorgeworfen, ein unverbesserlicher Wutbürger zu sein, der nie zufrieden ist und sich für sein Leben gerne über irgendwas aufregt. Stimmt aber nicht, tatsächlich bin ich nach dem aufregen wieder recht entspannt und amüsiere mich über solches Feedback, für das ich die Kommentarspalte mit einem FSK-18-Sticker versehen müsste. Mir wäre außerdem eine Welt ohne Aufregenswertes viel lieber, ich würde dann vermutlich stattdessen stricken oder so was ähnliches. Viel wichtiger: Ich rege mich über Dinge auf, die auch wirklich aufregenswert sind! Ja, das ist ein Unterschied:

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Derzeitig regen sich ja nicht gerade wenig Leute ernsthaft darüber auf, unter was für Bedingungen man bei Burger King Nahrung gehaltlosen Fraß herstellt. Weil der gute Onkel Wallraff das mit düsterer Musik unterlegt und recht sinnfreier Kunst-Dramatik garniert für das RTL-Publikum aufbereitet hat. Aber jetzt mal abgesehen von der albernen Machart, ohne die der geneigte DSDS-Zuschauer offenbar nicht mehr zu 20  Minuten Aufmerksamkeit am Stück in der Lage ist – wen in aller Welt überrascht das denn bitte? Ok, also dass die Typen erst Klos sauber machen und dann direkt wieder mit bloßen Händen die Burger zusammenkleben verleiht dem Ausspruch „Bei Burger King schmeckt alle scheisse“ eine ganz neue Bedeutungsebene. Aber irgendwie

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Unnatürliches Vitamin B12 from hell

Wenn die Klassiker-Thesen aus der Metzger-Ecke alle vorgetragen sind, dann wird man dort erst richtig kreativ und sucht aktiv nach ein paar guten Gründen, warum vegan doch irgendwie nur was für verblödete Freaks sein kann. Und dann hört man oft, manchmal gar wortwörtlich:

„Jaja, vegan, alles schön und gut – aber Ihr verleugnet damit ja die Evolution, solange das nur mit diesem unnatürlichen Vitamin B12 geht!“

Bernd (angetrunken), Anlass und Ort unbekannt

*seufz* Ich habe dazu neulich meine Augen derart intensiv verdreht, dass mehrere Tage nur noch das Weiße zu sehen war und ich in der Zeit professionell betreut werden musste, bis mein Augenlicht zurückkehrte. Ich verleugne also die Evolution, weil ich synthetisch hergestellte Vitamine zu mir nehme… was ein Unsinn! Kreationisten verleugnen die Evolution. Indem sie überall erklären, es gebe sie nicht. Aber nonverbal ein Naturphänomen leugnen, einfach indem man etwas isst? Dann verleugnen Piloten vermutlich auch die Schwerkraft, wenn sie unverschämterweise einfach in der Luft herumfliegen. Dieses blöde anti-aufklärerische Pack von der Lufthansa! Where’s the petition to sign???

Scientopilotogy

Ärgerlich, dass man in der Situation selten genug Zeit hat, dem Kontrahenten mal eben die Inhalte von 2-3 Vorlesungen zu Evolutionsbiologie einzutrichtern. Die wären aber dringend notwendig, um diesen Spruch in der Unsinnigkeitsskala korrekt auf dem Niveau von Rolltreppen vor Fatburn-Centern einzuordnen! Also die Kurzfassung: Evolution beschreibt nicht den Zustand, in dem wir uns gerade befinden, sondern die ständig stattfindende Veränderung des Erbguts. Sie hat weder ein Ziel noch eine Rangfolge oder einen Willen, gegen den ich agieren könnte. Und wenn ich irgendwas echt dummes, Darwin-Award-würdiges mache, was mein Erbgut für immer aus dem Genpool kegelt, dann geschieht auch das im Einklang mit der Evolution.

Man könnte höchstens sagen, dass synthetisches B12 nicht der natürlichen Lebensweise eines

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Veganes Junk-Food ist nicht gesünder als unveganes Junk-Food. Hört hört!

Nils! Wir brauchen noch was für Seite 6. Schreib irgendwas über vegan, am besten irgendwie anti, das bringt Auflage.

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So oder so ähnlich muss man sich das vermutlich vorstellen, wenn in den Redaktionen der Republik die Weichen gestellt werden. Anders kann ich mir die jüngsten Artikel zum Thema nicht erklären. Ganz aktuell: Der Test der Verbraucherzentrale Hamburg. Man muss nicht mal groß recherchieren im eigentlichen Sinn – für einen kompetenten Artikel über den Test reichte es schon, die 20-seitige Test-Übersicht zu lesen. Wahrscheinlich aber waren den feinen Herrschaften die 20 Seiten zu viel und sie haben sich einfach aus der Test-Zusammenfassung das rausgefischt, was am besten zum vorher festgelegten Ergebnis passte: Vegan ist gar nicht gesund!!!

Bzw. „Vegane Lebensmittel sind auch nicht besser“ (SPON) und „Vegan ist nicht gleich gesund“ (Weser Kurier). Daran ist natürlich erst mal niedlich, dass beide Titel sich einem Strohmann-Argument bedienen, nämlich dem, dass veganes Essen per se supergesund sei. Der Umstand, dass schnödes Mampf-Zubehör wie Nudeln mit Tomatensauce, Chips, Marzipanschokolade und Oreo-Kekse genau so in die Rubrik „vegan“ fallen wie Obst, Gemüse und Vollkornbrot, scheint die Komplexitätsgrenze mancher bezahlter Redakteure weit zu

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Von Tofutieren und Wurstblumen

Jau, erwischt! Ich habe es die ganze Zeit zu leugnen versucht, aber jetzt stehe ich argumentativ mit dem Rücken an der Wand und muss bekennen: Auch bei den Veganern gibt es ausgemachte Freaks! Man schätzt in Deutschland um die 800.000 Veganer – selbst wenn das zu optimistisch ist und es in Wirklichkeit nur 100.000 wären – das entspricht immer noch der Bevölkerung einer Großstadt. Wer mir also eine Großstadt zeigen kann, in der nicht ein durchgeknallter irrer lebt, dann wäre das dufte.

Fake Garnelen

Solange das nicht passiert wäre ich echt dankbar, wenn mir irgendwer erklären könnte, warum das irgendwie wichtig ist. Also dass es vegane Vollspaten gibt. Hier trudeln nämlich ständig Nachrichten ganz gewitzter Typen ein, in denen diese die ganze vegane Idee per se damit verteufeln, dass sich in ihrem Bekanntenkreis ein ganz besonders blöder Veganer aufhält. Haupt-Ärgernis: Er isst ganz komisches Fake-Zeugs! Ich verlinke dann immer meine Soja-Oktaeder, wo ich schon mal erklärt hatte, warum auch wir Nicht-Freaks unserer Rohstoffe gerne in Wurstform verzehren.

Und dann geht es los, man bekommt alle möglichen Fleisch-Fakes zugeschickt, die weit über ordinäre Würste hinausgehen. Und ja, ich gebe gerne zu, dass meine Einwände von damals in diesen Fällen nicht so super greifen. Ja, es gibt echt Produkt-Nachahmungen, die

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Ich ess‘ aber nur Bio-Fleisch und das auch nur ganz selten

Um es kurz zu machen: Ich glaub‘ Euch kein Wort. Genauer: Niemand tut das. Der Artgenosse nicht und auch sonst keiner. Eure selbstgewählte Position ist eins von vielen Feldern auf einer Bingo-Persiflage für Fleischesser-Schutzbehauptungen, mehr nicht. Auch wenn Ihr Euch jetzt aus der Schusslinie wähnt weil Ihr Euch scheinbar clever aus der Affäre gewieselt habt – die Aussage war so vorhersehbar wie Halsschmerzen nach einer Pulle Tabasco auf ex. Und als Argument genau so beeindruckend.

Und ja, ich weiß, dass das ein Bißchen unfair ist gegenüber den 0,01% der Deutschen, die es mit diesem Ansatz tatsächlich ernst meinen. Aber die würden sich dieser Position einfach anders nähern. Tatsächlich aber haben die werte Ophelia und ich die letzten 1,5 Stunden in der Kommentarspalte eines unsinnigen Artikels im Focus über das Verhältnis von Menschen zu Tieren diskutiert. Und irgendwie haben sich unsere Positionen in der Zeit schon etwas angenähert – zu Beginn war ich der „Fanatiker, der Tiere über Menschen stellt“. Nach und nach wurden dann die gängigsten Veganer-Klischees bearbeitet und jetzt bin ich nicht mehr so richtig fanatisch, sondern nur noch „zu extrem“. Wir haben uns aber darauf geeinigt, dass man Tiere nicht einfach quälen sollte, selbst wenn das am Ende Schnitzel für EUR 1,99 ermöglicht.

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Und dann kommt er, der unausweichliche Punkt. So wie Godwin’s Law besagt, dass jede Internet-Diskussion mit Zunahme der Posts immer wahrscheinlicher auf einen Nazi-Vergleich hin zusteuert, so gelangt man in einer Diskussion über Vegetarismus/Veganismus nach Jan’s Law irgendwann an einen recht undankbaren Punkt. An eine argumentative Sackgasse, in der jemand seinen eigenen Tierkonsum durch einen so starken Weichzeichner jagt, dass man aus der Nummer nicht rauskommt ohne laut „Bullshit“ zu rufen oder ihn schlicht der Lüge zu bezichtigen. Den meisten sicher auch als „Ich ess‘ aber nur Bio-Fleisch und das auch nur ganz sel – ten“ – Versmaß bekannt (Betonung auf den unterstrichenen Silben).

Und ich meine undankbar, denn

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Die Anti-Moralpredigt im ZEITmagazin

Das war lustig!

Mir wurde heute  nein, gestern (verdammt, die Zeit rast) letzten Freitag der Text einer Autorin vom Zeit-Magazin in eine Diskussion kopiert:

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Zuerst dachte ich, ja, ganz witzig, aber nicht überspitzt genug. Dann, ganz langsam, schlich sich eine dunkle, furchterregende Ahnung in meinen Neocortex: Es könnte eine geringe Wahrscheinlichkeit bestehen – ja, womöglich, gegen jeden gesunden Menschenverstand, könnte es sein, dass … die Autorin das am Ende ernst meint??? Ein Blick auf die FB-Seite des netten Kalendersprüchleins bestätigte meine schreckliche

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Der Vegetarier und die vergiftete Insel

AAAH, was soll der Blödsinn?? Ich habe seit Monaten keine Vegetarier-Diskussionen mehr geführt und irgendwie, tief in meinem Inneren, hatte ich gehofft, ein paar Dinge hätten sich rumgesprochen. Angeblich kein Protein in Pflanzen? Geschenkt, kann man als RTL-Gucker annehmen in unserer Wurstokratie. Regenwald abholzen für Tofu? Kann man drauf reinfallen, muss man nur einen dieser wirren Welt-„Artikel“ gelesen haben.

island

Aber bitte, diese unfassbar wirre Geschichte mit dem Vegetarier auf der einsamen Insel? Kommen die Typen tatsächlich alle getrennt ausgerechnet auf dieses krude Szenario oder werden irgendwo Broschüren verteilt, in denen diese Fehlschlüsse als valide Argumente für Diskussionen angepriesen werden?

Ich kenne nicht ein Thema, in dem so komplett unabhängig von der Realität mit theoretischen Szenarien ein Argument zu konstruieren versucht wird.
„Ach Du bist Bodybuilder?? Interessant… aber wie ist das, angenommen, Du erleidest Schiffbruch und hast dann keine Hanteln mehr, bist Du dann immer noch Bodybuilder?? NEIN? HAHA!! Non-Bodybuilder: 1 – Bodybuilder 0!“
„Aber würden Sie auch dann die SPD wählen, wenn die als Kanzlerkandidat eine genetisch modifizierte Riesenratte aufstellten
?? Na? Dann überlegen Sie sich das wohl doch lieber noch mal mit der SPD, was?“
„Aha – Pilot sind Sie? Aber was wäre, wenn Sie

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Zwängt Euren Kindern nicht Eure Moral auf! Das tun wir schon!

„Ihr könnt ja essen was Ihr wollt, aber zwängt Euren Kindern nicht so missionierend Eure moralischen Werte auf.“ Ja, mein Mund steht da auch immer ein paar Sekunden offen bevor ich antworten kann. Man weiß einfach nicht, ob das einfach eine dümmliche Provokation darstellen soll oder ob die Person das tatsächlich ernst meint. In Ermangelung fortgeschrittener Gedankenlese-Skills und den einschlägigen Erfahrungen aus ähnlichen Diskussionen mit Bernd muss man wohl Zweiteres befürchten.

Kannibalen-Donald

Und da würde ich zuallererst mal zurückfragen, ob der/die Fragesteller/in über ein minimales Reflexionsvermögen verfügt. Ist ja nicht so, dass Onkel Bernd hier seine Söhne Theobald-Franklin und Kunibert in einer ethisch-moralischen Neutralitäts-Blase aufwachsen ließe. Sollte Kunibert nach Hause kommen mit einem am Kopf blutenden Klassenkameraden über der Schulter und dem lapidaren Verweis, dass der ihm noch Geld schuldete und es jetzt bereuen wird, geht es vermutlich rund! Bernd ist da knallhart, sogar möglich, dass er Kuniberts Spotify-Account für 2-3 Wochen sperrt.

Im Ernst, es ist doch so – ALLE Eltern geben ihre moralischen Überzeugungen und sonstigen Werte mehr oder weniger an ihre Kinder weiter, ob das jetzt Veganer, Eintracht-Fans oder Protestanten sind. Kaum jemand würde auf die Idee kommen das Jugendamt zu rufen, weil das Nachbarsmädchen ständig Monrose-Fanshirts anhat (obwohl in dem Fall berechtigt). Solange das also ein ziemlich alltäglicher Zustand ist, finde ich es recht bizarr, wenn

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Die Sojamilch-Odyssee

Liebes Hotel De La Paix, liebe HRS-Blutsauger (Und jetzt auch liebe Superbude in Hamburg),

ich war heute morgen wirklich gerührt! Ja, ich gebe zu, ich habe extra gewartet, bis die Frühstücks-Bedienung aus dem Raum war, bevor ich mir die Träne aus dem Augenwinkel wischte.

Seit ca. 4 Jahren gebe ich bei jeder HRS-Hotelreservierung in dem kleinen Fensterchen „Haben Sie noch sonstige Wünsche an das Hotel?“ an, dass ich gerne Sojamilch zum Frühstück hätte. Beim ersten Mal war ich ganz hibbelig vor lauter Aufregung. Die anfängliche Vorfreude beim Gang zum Frühstücksbuffet wich schnell vorsichtigem Optimismus, dann realistischem Zynismus, dann tiefbetrübter Enttäuschung und zuletzt dann blindem Hass. DAS INTERESSIERT DIE NÄMLICH ALLE EINEN SCHEISS.
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Ja, ich war das, der immer Eure Duschvorhänge aus dem Fenster geworfen hat und die Bibeln in der Badewanne eingeweicht hat (mache ich aber immer). Aus Rache! Ich weiß schon, Ihr seid ganz clever, da steht nämlich nirgends, dass der Wunsch auch erfüllt würde. Ist faktisch korrekt, hat aber was von „Willst Du einen Kaffee? Dann hol Dir einen Du faules Stück!“

Na egal, ich habe da

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