Sarah Wiener

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Sag mal Sarah, hast Du eigentlich in den letzten Monaten Deinen Internetanschluss bezahlt? Ich frage nur, weil es momentan wirklich nicht den Eindruck macht, als wären Aussagen Deiner Interviews irgendwie mit dem aktuellen Wissensstand der Menschheit in Einklang zu bringen. Besuchst Du neuerdings regelmäßig diese esoterischen Einhorn-Workshops, in denen man sich zu ätherischen Düften an den Händen fasst und die ultimative Erkenntnis durch Singen und Klatschen zu erlangen versucht? Letzten Sommer erst hat die Enorm diesen unseligen Text von Dir abgedruckt, worauf hin eine Menge Leute inkl. mir darauf reagierten: Wir mögen ja echt Dein Engagement in Sachen Nachhaltigkeit und Verbesserungen in der Tierhaltung und sind auch wirklich froh, wenn in einer Talk-Show zum Thema „sind sieben Schnitzel pro Woche denn schon maßlos?“ neben den vier Schlachthof-Besitzern und Bauernverbands-Fuzzies auch Du sitzt. Ganz ohne Ironie, wenn es um die Auswüchse moderner Tierfabriken geht, dann gehe ich mit fast allem d’accord was Du sagst.

Ausschnitt Sat1

Aber das, was Du da seit ca. einem halben Jahr fabrizierst, das tut echt weh beim Lesen. Ich persönlich hatte ja gehofft, das wäre so eine Art Ausrutscher gewesen. So wie wenn das Mathe-Genie aufgrund akuter Verliebtheit eine glatte sechs schreibt und der Lehrer die Klausur großzügig wiederholen lässt, weil da offenbar einfach ein paar Kilo Hormone zu viel im Spiel waren. Aber wenn das Mathe-Genie auch die Aufgaben der nächsten Klausuren anstatt mit Graphen und Summenformeln nur mit Strichmännchen und „I like Bacon“ zu lösen gedenkt, dann ist das mit dem Ausrutscher nicht mehr so ganz plausibel. Ähnlich verwunderlich ist es für uns, wenn Du in gefühlten siebenunddreißig Interviews all die logischen Fehlschlüsse und Argumentationslücken wiederholst, die Du von der halben Netzgemeinschaft erst letzten Juni um die Ohren gehauen bekommen hast. Ich meine, liest Du denn nicht eine einzige der vielen Erwiderungen, die Du bekommen hast?

Diverse Leute haben Dir erklärt, was ein naturalistischer Fehlschluss ist, also die sehr simple Annahme, dass natürliche Dinge per se eine super Sache sind, während alles Künstliche strikt abzulehnen ist. Dennoch führst Du Deinen Kurs in Natürlichkeitskunde ohne Rücksicht auf Verluste weiter, in dem jede Lektion darauf hinaus läuft, dass pflanzliche Ernährung eine Erfindung von Chemiebaukasten-Herstellern oder dem Antichristen persönlich sein muss. Zunächst hast Du dem Sat1-Morgenmagazin ein Interview gegeben, und allein diese 4,5 Minuten würden für eine ganze Artikelreihe reichen. Man fragt sich, wie der Moderator sich diese immer skurriler werdenden Antworten mit ernstem Gesicht anhören konnte, ohne sich spontan ein Nudelholz ins eigene Gesicht >> Weiterlesen

Mit Sarah Wiener verbinde ich so eine Art Hassliebe (ha-ha, der Veganer hat „Hass“ geschrieben). Nein, ich werfe morgens keine Dartpfeile auf ein in eine Zielscheibe eingerahmtes Sarah Wiener-Foto, aber wenn sie irgendwo erscheint, dann ist meine Erwartung erst mal vorsichtig. Das ist so, wie wenn Jogi Löw einen dieser Überraschungsei-Stürmer einwechselt, die an guten Tagen alleine einen 0:3 Rückstand aufholen können, aber an schlechten Tagen ständig nur über die eigene Hose stolpern, so dass man sie nach 5 Minuten wieder auswechseln möchte. Mit dem Unterschied, dass man Sarah Wiener nicht so ohne Weiteres auswechseln kann. Sie wird oft zu Talk-Shows mit Ernährungsthemen eingeladen und ist dann dort zugegeben meist die mit Abstand hellste Person der Runde, aber an schlechten Tagen…

Sarah ist eine der wenigen Personen, der ich ihre „ich esse nur Bio-Fleisch“-Grundsätze tatsächlich abnehme – während die meisten anderen Menschen mit „Ich esse fast nur Bio-Fleisch“ meinen, dass sie im November 2009 mal welches gekauft haben, zieht Sarah das offenbar durch. Ich erkenne das an, auch wenn ich den Grundgedanken dahinter nicht teile. Mir kommt das mit dem Bio-Fleisch so vor als wenn jemand an Silvester den guten Vorsatz fasst, nächstes Jahr nur 10 alte Autoreifen in den Rhein zu schmeißen. Klar, 10 alte Reifen im Rhein sind besser als 50 alte Reifen im Rhein. Aber das Bild, wie die 10 schwarzen Kautschuk-Teile im Wasser herumdümpeln, ist halt irgendwie doch unschön. Da fragt man sich schon irgendwann, ob es überhaupt alte Reifen im Rhein braucht.

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Anyway, sie ist trotzdem meist die Person einer Gesprächsrunde, die meiner Position deutlich am nächsten ist, weil diese Fernseh-Nasen bei der Auswahl von Studiogästen mitunter das Talent einer Stubenfliege auf LSD an den Tag legen und Frau Wiener 4 Hardcore-Wurst-Päpste zur Seite setzen. Zum Thema „Fleischlose Ernährung, ist das nicht was für vollkommen kranke Spinner“ lädt man bei ARD und ZDF gerne mal 5 Fleischesser ein, eine ähnlich vielversprechende Zusammenstellung als würde man zum Thema Schwangerschaftsbeschwerden eine Runde mit 5 alten Männern moderieren. Und dann ist Sarah meist >> Weiterlesen