4 comments on “Mann mit 1,5 Millionen verkauften Büchern beklagt mangelnde Meinungsfreiheit

  1. Ich habe Sarrazins letztes Buch (das zu Europa) nicht gelesen und dieses hier interessiert mich auch nicht besonders, aber sein Debut war nicht zufällig so erfolgreich. Man muss ihm natürlich nicht in allem Recht geben, es werden aber selten Bücher publiziert, in denen ein Autor (fast) jede These so akribisch statistisch belegt wie Sarrazin es in seinem ersten Buch getan hat. Ich finde es (bekanntlich) ohnehin erfrischend, wenn Personen nicht einfach ihr Fähnchen in den Wind hängen. Lieber ein Buch mit ein paar Fehlern und ein paar neuen Gedanken als immer die gleiche Laier von den üblichen Verdächtigen. Man hat sich damals in den Medien übrigens kaum mit den guten Argumenten des Buches auseinandersetzt. Stattdessen wurde immer nur auf ein oder zwei Thesen Bezug genommen, in denen Sarrazin sich verrannt hatte.

    Was die These seines neuen Buches betrifft: Sehr viele Kommentatoren und Kritiker schrieben seinerzeit in den „überregionalen Zeitungen“, in denen Sarrazin die Titelstory war, dass sein Buch nur Beachtung findet, weil er damals ein hochrangiger SPD-Politiker war. Das stimmt ja auch. Der Skandal und die Berichterstattung über diesen Skandal waren also nicht wirklich eine Folge des Buches, denn solche Bücher werden von vergleichsweise unbekannten Autoren häufig geschrieben und normalerweise tatsächlich von den Medien ignoriert und boykottiert. Der Skandal war, dass jemand aus der Machtelite so ein Buch schreibt, und für diesen Verstoß hat Sarrazin immerhin seinen Job bei der Bank verloren (der damalige Bundespräsident hat sich höchstpersönlich eingeschaltet, um das zu garantieren). So abwegig, wie Du es darstellst, ist seine These also nicht. Man könnte zusammenfassen: Ein Mitglied der Machtelite (und NUR ein Mitglied der Machtelite) kann seine Meinung zu solchen Themen äußern, ohne von den Medien boykottiert zu werden, solange diese Person bereit ist, dafür ihre politische Karriere zu opfern.

    Damit sind wir gewiss nicht bei nordkoreanischen Verhältnissen angelangt. Ein medialer Zensurmechanismus, so wie ihn z. B. Noam Chomsky sehr eloquent beschreibt, ist aber schon in Kraft. Diese Zensur ist nicht furchtbar schlimm, sie ist aber wahrscheinlich folgenreicher als beispielsweise der Freiheitsverlust durch das Verhalten der NSA, und da ich es nicht überzogen finde, sich über die NSA aufzuregen, finde ich es auch nicht überzogen, wenn Sarrazin sich in einem Buch über diese vergleichsweise harmlose Form der Zensur aufregt (wie gesagt: ich habe das neue Buch nicht gelesen und beziehe mich jetzt nur ganz allgemein auf seine Grundthese).

  2. Sehr schöner Beitrag.
    Der Mann kommt mir mehr und mehr wie ein quängelnder Junge vor der trotzig die Arme verschränkt wenn er seinen Willen nicht bekommt.

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