24 comments on “Ich habe den extrem, extrem(!) schwurbeligen Artikel bei der Deutschen Welle gelesen, damit Ihr es nicht tun müsst

    • Besten Dank, Sabine, das habe ich mal versucht (obwohl ich sonst zu sowas viiiiiiel zu faul bin). Der witzigste Absatz, den ich dazu gefunden habe, war mit Sicherheit dieser hier, und der ist immerhin fast zehn Jahre alt:

      Der Sender begründet die Entscheidung mit dem Vertrauensverlust, den Zhangs Äußerungen in der Öffentlichkeit verursacht hätten.

      Lass ich jetzt mal so stehen.

    • hab das mal gemacht, und ehrlich gesagt hat es mich nicht gewundert, dass die tussi rechtskonservativ für eine obergrenze für flüchtlinge plädiert. schönes zitat:

      “Wenn seit Herbst 2015 in erster Linie nur noch über Flüchtlinge gesprochen wird, dann ist das doch ein sicheres Indiz dafür, dass Angela Merkel mit ihrer Grenzöffnung für alle die Einheimischen überfordert hat. Ein Chinese sagte mir neulich, das sei ein Akt moralischer Geiselnahme.”
      http://www.dw.com/de/mein-deutschland-die-obergrenze-eine-typisch-deutsche-debatte/a-40913021#disqus_thread

      so ein dreck. also alles was die schreibt.

      @graslutscher vielen dank für den zerriss. sehr gelungen, aber man muss sich quälen, immer weiter zu lesen, weil man sich denkt *omg* noch mehr dummfug und mein hirn platzt – und das ist mit dschungelcamp, bachelor und frauentausch eigentlich ganz gut abgehärtet

  1. Was für eine wunder-, wunderschöne Textkritik. In der B-Note gespickt mit lauter äußerst lässigen Beleidigungen (ich versuche mal, einige davon in meinen aktiven Wortschatz aufzunehmen). Die in der A-Note (und darauf kommt es natürlich an) jedoch ausnahmslos überzeugend, argumentativ logisch und überprüfbar belegt vorgetragen wurden.

    Rhetorisch einer der schönsten Verrisse, die ich seit langem gelesen habe.Ich bin wieder jung und glaube an die Wirkmacht von Blog-Texten. Danke für dieses Erlebnis.

    Kurzer Schwenk auf die Meta-Ebene: Ich hatte also viel Freude mit diesem Text. Und ich neige dazu, wenn ich das habe, dies dem Autoren auch mitzuteilen. Kommentarspalten FTW! Dies ist vordergründig der Anlass meines Kommentars.

    Und damit hätte es sich an sich auch schon. Wäre der kritisierte Text auf irgendeinem anderen Blog erschienen. Aber Deutsche Welle? Ernsthaft? Was bitte läuft denn bei denen?

    p,s,: Bei aller großen Liebe für das Zerpflücken der Einzelteile dieses Machwerks fehlte mir der Blick von oben auf die generelle Stoßrichtung. Der sich schon anhand der Unterüberschrift und des direkt darunter geschobenen Bildes festmachen lässt: “Diese Scheiß Veganer, wieso wird mir als normaler Mensch ständig deren Existenz aufs Brot geschmiert? Warum treffe ich selbst im Kühlregal meines Supermarkts plötzlich auf eine Veganer-Abteilung? Können diese Veganer nicht einfach in ihren Wohnungen bleiben, wo ich sie nicht wahrnehmen muss?”

    Das ist nämlich die Aussage, die bei mir ankommt.

    Und die anhand dieses Kühlregals so locker-leicht erwidert werden kann: Weil sie existieren, weil sie Kaufkraft besitzen (und wir im Kapitalismus leben – magst Du doch sonst?) und vor allem weil auch alle Nicht-Veganer vegane Produkte kaufen können (nicht aber umgekehrt). Es kann so einfach sein.

    Du hast den ganzen Supermarkt voller Nicht-Veganer Produkte. In der Geschichte der Bundesrepublik ist noch nie in einem Supermarkt ein nicht-veganes Produkt zu Gunsten eines veganen Produkts ausgelistet worden. Aber Du musst Dich natürlich über diesen Einbruch in Deine Realitätswahrnehmung aufregen. Obwohl nichts davon Dein Leben irgendwie beeinträchtigt.

    Man soll versichtig damit sein, so ein – mit Verlaub – eher albernes Thema immer gleich aufs große Ganze zu eskalieren. Ich erfülle mal Godwin’s Law und tue dies gleichwohl. Für mich passt das ins Bild einer Horde an Leuten, die sich ständig darüber aufregen, dass andere Lebensentwürfe sichtbar stattfinden, obwohl sie ihre eigenen Lebensentwürfe überhaupt nicht tangieren:

    Da regen sich Leute darüber auf, dass Homos heiraten dürfen. Ohne dass ihren Rechten aus Ihrer Ehe irgendetwas weggenommen würde.

    Da regen sich Leute darüber auf, dass Menschen, deren Geschlecht nach fachlich-medizinischen Gesichtspunkten nicht eindeutig feststellbar ist, das Recht erhalten, dass dies in der Bürokratie auch so abgebildet wird. Ohne dass dies irgendjemanden irgendetwas wegnehmen würde.

    Da regen sich Leute darüber auf, dass verzweifelten Geflüchteten geholfen wird. Ohne dass dies irgendjemanden… Ihr habt das Bild.

    Und genau da passt das für mich rein. Alles was in diesem Text danach kommt, sind für mich lediglich hilflose Argumentationsversuche, um diese grundlegende Einstellung irgendwie zu unterfüttern: Diese Leute passen nicht in meinen eigenen Lebensentwurf. Und deswegen ist es für mich eine Zumutung, die wahrzunehmen. Und diese Zumutung hat gefälligst zu unterbleiben.

    Und ganz ehrlich: Ich mache mich auch über so manches dediziert für Veganer vermarktete Produkt lustig (wie auch über viel andere). Gerade in dem dort abgebildeten Foto entdecke ich einige Produkte, die ich nicht kaufen würde. Auch nicht als Veganer. Aber wer nicht mal die Existenz von veganen Buletten im Kühlregal tolerieren kann – ich mache jetzt wieder den ganz großen Bogen auf. Aber wer nicht mal vegane Buletten tolerieren kann, der macht mir Angst. Angst davor, was er wohl sonst nicht tolerieren kann. Ernsthaft.

    p.p.s.: Ich persönlich esse Fleisch und Wurst. Und bin heterosexuell. Und Bio-Deutscher. Ich finde das für die Einordnung meiner Einordnung dieser beiden Texte völlig uninteressant. Aber irgendwie leben wir ja in einer Welt, in der man sowas unbedingt dazu sagen muss.

    • Moin Sternburg,

      ich habe den i-Tag geschlossen. Ich werde die Kommentare hier aber demnächst öffnen, so dass sie erst mal online stehen und ich sie ggf. löschen muss, wenn es verhetzender Mist ist oder so was.

      Vielen Dank für das Feedback, ich habe mich sehr gefreut, dass das Lesen offenbar Freude bereitet 🙂 Und ja, eigentlich hätte es da noch einer meta-Ebene bedurft, warum in aller Welt diese Frau, die sich in anderen Artikeln darüber beschwert, dass ihr chinesischer Name in Europa in europäischer Reihenfolge gelesen wird, sich derartig so über eine 1%-Minderheit der Bevölkerung echauffiert.

      Allein, die Zeit und der Platz reichten nicht. Ich hatte am Freitag zu schreiben begonnen und wollte das eigentlich schon am Samstag Vormittag veröffentlichen. Nichts ist lahmer als eine Replik zu einem Text von letztem Monat. Zudem wurde er halt auch echt lang.

      Ich habe mir aber auf meine Manuskript-Liste geschrieben, dass ich generell mal einen Blick auf die Motivation richte, die solche Leute umtreibt. Genau, wie Du sagst: Niemandem wird was weggenommen, wenn schwule heiraten können, wenn Männer sich einen Männer-Körper wünschen oder im Supermarkt ein Regal steht mit veganen, glutenfreien oder Diabetiker-Produkten.

      Wären die ehrlich, sie würden einfach sagen “Ich finde das blöd, dass diese Menschen das gleiche Recht haben wie ich”. Stattdessen feuern sie alberne Salven voller Unargumente ab. Es ist nicht nur doof, es ist auch verlogen und feige.

      Ich finde Dein p.p.s. schon interessant, weil es das Bild in meinem Kopf korrigiert hat. Vermutlich nicht nur meins 😉

      • Schönen Dank für den Service.

        Ich persönlich habe “bei uns” gute Erfahrungen damit gemacht, einfach alle Schleusen zu öffnen und zur Not mit dem grobzinkigen, aber eisernen Besen durchzukämmen. Gibt, um ehrlich zu sein, auch ein ganz schönes Gefühl, wenn man irgendeinen Stuss, an dem jemand lange herumgeschraubt hat, mit einem Klick löscht (ich hab aus selbst auferlegten Transparenzgründen, die auf Dich nicht zutreffen, ein paar Handgriffe mehr – aber das tut hier nichts zur Sache).

        Zum pps:

        Um ehrlich zu sein, nervt mich das unfassbar. Ich habe das nur dazu geschrieben, um genau Deinem Eindruck entgegen zu wirken: “Der ist dagegen, dass man diese Art zu leben ankackt. Also muss er natürlich auch so leben.” Und schon muss man ihn nicht mehr ernst nehmen. Diese albernen Veganer/ Linksgrünversifften/ Schwuchteln etc. – kaum sagt mal einer, wie es ist, sind sie natürlich empört. Kennt man ja. #PC-Faschismus

        Irgendwie scheint mir völlig aus dem Erlebnisraum vieler Menschen entflohen, dass man auch einfach dagegen sein kann, wenn:

        – eine Argumentation unredlich ist,

        – eine Argumentation in sich bescheuert ist oder

        – irgendjemand für etwas angekackt wird, was einfach niemanden was angeht und niemanden stört.

        Hier treffen für mich alle drei Punkte zu. Und das auf DW. Da darf man sich schon mal empören. Auch als vordergründig nicht Betroffener. Ich bin nämlich Betroffener dieser Vergiftung des öffentlichen Diskursraumes.

        Du würdest diesen Eindruck, den Du vor dem pps hattest, natürlich positiver formulieren. Aber das sind aus meiner Sicht zwei Seiten derselben Medaille.

        Wenn mir darüber hinaus eine persönliche Betrachtung gestattet sei:

        Ich schlage jetzt wieder einen weiten Bogen. Aber mich persönlich erinnern solche Äußerungen wie in diesem Artikel immer an das, was ich in Berlin als Radfahrer erlebe. Was für Hass mir da von vielen Autofahrern entgegen schlägt. Meine Fresse. Wäre ich Autofahrer, ich wäre doch froh um jeden Arsch, der die Straßen nicht mit noch einem Auto verstopft.

        Genau geht es mir als Fleischesser. Ich persönlich halte u.a. aus ganz egoistischen Komfort-Gründen das Dasein als Veganer nicht für erstrebenswert*. Aber ich bin doch heilfroh um jeden, der – aus welchen Gründen auch immer – dieses Dasein wählt und unser gesellschaftliches Gesamt-Scheißesein (also auch meines) wenigstens etwas entlastet. Gegenüber Veganern und Vegetariern halte ich also mit meiner eigenen Lebenseinstellung (außer jetzt hier) tunlichst die Fresse.

        Und ich verstehe wirklich nicht, warum das diesen Leuten nicht gegeben ist. Alter, dann schieb Dir doch Dein verficktes Qualschnitzel quer rein, aber halt einfach deine dreckige Drecks-Fresse. Halt einfach die Fresse. Und sei verdammt nochmal froh, dass diejenigen, die das nicht tun, nicht täglich bei Dir vor der Tür stehen und die Differenz an Ressourcen-Raubbau von Dir persönlich einfordern. Dann ist nämlich ganz schnell Schluss mit Zentralheizung im Hause sternburg oder Danhong, während der feine Hörr Graslutscher nochmal ein Holzscheit extra in den Kamin schiebt.

        Entschuldige bitte die Wortwahl. Aber bei solchen wohlfeile Distinktionsgewinne über ihr eigenes Scheißetum herumschwadronierenden Affen geht mir echt der Hut hoch.

        *(nur zur Einordnung: Vegetarisch würde ich hingegen gut überleben und überhaupt glaube ich, dass wir alle früher oder später dazu gezwungen werden – oder halt untergehen).

  2. Das die Frau noch im dem Laden arbeiten darft …. respekt.
    Da kommen bei mir parallelen zu den kürzlich bekannt gewordenen “Freistellungen” am Köln/Bonner-Flughafen.

    Sei es drum. Hier die (imo) am besten passende Schlagzeile von damals aus der FAZ:

    “Deutsche Welle China : Interview mit sich selbst”

    Offenbar istsich Zhang schon immer selbst die liebste Gesprächspartnerin gewesen.

    Und da heißt es immer wir Veganer hätten Angst vor all der fundierten und ernstgemeinter Kritik an unserer “Hohen moralischen Position”

  3. Nachdem der Artikel im Kommentarbereich der DW schon arg zerrissen wurde hat man mittlerweile Sicherheitshalber die Funktion deaktiviert. Eigentlich kann man diesen Unsinn nicht ernst nehmen und sollte vor allem nicht allzu viel Energie darauf verschwenden sich darüber aufzuregen. Ich befürchte nur, dass der ein oder andere Fleischesser den Artikel sehr ernst nimmt und sich sagt: “Ich habs ja schon immer gewusst. Ach Herr Ober, zur Feier des Tages bitte noch eine Portion extra Bacon über mein Schnitzel”. Das dürfte das eigentlich dramatische an dem Artikel sein.

    Aber wie immer sehr amüsante Rezension vom Herrn Graslutscher

  4. Was ich so unglaublich finde wieviel positives Feedback die Dame für ihre sonstigen Artikel und Kolumnen bekommt.
    Und die sind kein Deut besser und oder fundierter.
    Man nehme da als Beispiel ihre Artikel zum Thema “Sexismus” oder “Imigration”.
    *grusel*

  5. Interessant ist auch, dass man bei einer Google-Suche nach Nie Xin nichts findet, was mit Yoga zu tun hat (jedenfalls nicht auf den ersten Blick) … Und die Statistik, die belegt, dass sie als Nicht-Veganerin “unter den Yoga-Lehrern hierzulande eine große Ausnahme” bildet, sucht man auch vergeblich.

  6. Mal ‘ne Frage am Rande, man lernt ja gern noch dazu:
    Der Satz im Originalartikel “Meine schöne Landsmännin Nie Xin…” lässt irgendwie mein Auge zucken. Sollte jemand, der sein Geld mit Worten verdient, gerade vor dem Hintergrund der Geschlechterdebatte, nicht auch den passenden Fall verwenden? Oder ist das legitim, dass da nicht “Landsfrau” steht.
    Gut, es wäre ja auch noch möglich, dass sich die gute “Frau” Xin (ja, ich weiß..) lediglich als solche identifziert, biologisch aber als was anderes geboren wurde.

  7. danke, danke, danke 😉
    das mit der buchstabensuppe war auch sehr schön!

    veganer treiben die preise hoch? sie kann ja im supermarkt einen grossen bogen um die gemüseabteilung machen.
    und um das regal mit reis, bohnen, hirse, linsen, nüssen, und und und…
    dieser ganze neumodische vegane kram…

    an der fleischtheke bleibt’s jedenfalls (leider) wohl noch weiterhin billig.

    und schön auch die “erkenntnis”, dass ein schwein ein perpetuum mobile ist. sogar noch besser. offenbar erzeugt es mehr energie, als es durch pflanzen konsumiert!

    interessanterweise sind ihre follower auf twitter fast allesamt begeistert.

    ich habe übrigens noch nie einem fleischesser gesagt, er sei ein mörder.
    stattdessen muss ich mir beim essen mit kollegen immer wieder die gleichen witzchen anhören.

  8. Veganer riechen und schmecken-sexuell gesehen, gerochen und geschmeckt einfach feiner. Aber: die Welt ist grob und merkt leider: Nichts!!!!

    • [Warnung: To much information]

      Ich finde es etwas seltsam, einem unsachlich-polemischen Artikel mit einer sachlich-polemischen Replik zu antworten.

      Gleichwohl. Falls Dir, liebe Sylvia, mit einer zitierfähigen Einschätzung eines Fleischessers geholfen ist, dann nimm bitte gerne diese:

      Zumindest aus dem Badezimmer kann meine Nase diesen Unterschied in Bezug auf Darmentleerungen nach Fleischgenuss einerseits und nach fleischloser Ernährung andererseits sehr bestätigen. Sowohl in Bezug auf meine eigenen Fäkalien, als auch auf die von anderen.

      Dass man dazu gleich vegan leben muss, bezweifel ich persönlich nach meinem Erleben genauso, wie dass man dies außerhalb dieser Tätigkeit bemerkt (dafür vielleicht anderes). Aber was soll’s. Gibt ja noch andere vertretbare Gründe. Und außerdem geht mich das gar nichts an. Ich wollte nur dieses Detail anmerken.

  9. Lieber Graslutscher,

    warum lese ich deinen absolut großartigen, witzigen, aber auch tieftraurigen Kommentar nicht auf der DW-Seite? Oder hab ich Tomaten auf den Augen?
    Meiner Erfahrung nach bleibt sooo grottiger Journalismus nicht ungestraft. Ich fürchte, sie wird sich dafür vor ihren Vorgesetzten rechtfertigen müssen. Und da liefert dein Text wunderbares Futter…

    • Hallo liebe Klara,

      nachdem ich mich durch diesen unsäglichen Quatsch gequält hatte, war die Kommentarsektion des “Artikels” bei der DW bereits deaktiviert. Wenn man sich die Kommentare so durchliest, könnte man ahnen, warum 😉
      Aber ich habe ihn der Autorin an ihren Twitter-Account geschickt.

      Viele Grüße,
      ciao Jan

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