11 comments on “Du weißt ja gar nicht, was Du verpasst

  1. Diese Sache mit der vorgeworfenen Missionierung bei gleichzeitiger Verkündung von Wurst-Predigten stößt mir auch immer wieder negativ auf.
    Da gibt es sicher auch ein paar militante Vegetarier/Veganer, die ihrem Umfeld auf die Eier gehen. Oder gab es mal.
    Und die haben da so einen pawlowschen Verteidigungsreflex erzeugt. Möglicherweise in Verbindung mit einer winzigkleinen, flüsternden Stimme irgendwo im Fleischkonsumenten, die ihm sagt, dass das mit dem Fleisch vielleicht doch nicht so toll ist(?) Und da gilt es schon allein aus Selbstschutz, direkt gegenzusteuern.
    Denn wenn man fragt, sagen die meisten Leute, dass z.B. das mit der Massentierhaltung etc. nicht so toll ist. Theoretisch.
    Praktisch wird das aber schnell und wirksam ausgeblendet, wenn erstmal das duftende Steak auf dem Teller liegt. Außerdem wurde doch schon immer Fleisch gegessen!

    Ich sehe da übrigens eine interessante Parallele zur Apple(iOS)-Android-Thematik.
    Im Forum einer großen deutschen Technikzeitschrift (nein, nicht ComputerBILD) poppen unter jedem Apple-Artikel direkt Kommentare von Leuten auf, die erstmal erklären, warum Apple totaler Mist ist. Und Android so viel besser. Ohne, wohlgemerkt, dass das umgekehrt auch so wäre.
    Ungefragt werden also Android-Predigten abgehalten ohne dass Apple-Jünger (ach, ich liebe diese aus tiefer Abneigung entstandenen Begrifflichkeiten) versuchen zu missionieren.
    (Ausnahmen bestätigen hüben und drüben die Regel)

    Diese ganze Sache sollte mal psychologisch untersucht werden, da könnte man sicher interessante Dinge herausfinden.
    Oder auch nicht. Möglicherweise entzieht sich das Ganze jeder Erklärbarkeit….

    • Die Parallele zu Apple und Android musst du mir aber nochmal erklären. Haben Android-User ein schlechtes Gewissen und schimpfen auf die Konkurrenz um davon abzulenken? :P Ich mein, es gibt ja durchaus Gründe Android besser zu finden, etwa dass Android Open Source ist, dem User mehr Freiheiten lässt. Das Fairphone bspw. nutzt “natürlich” Android weil es die einzige sinnige Wahl war. Was natürlich alles nicht heißt dass man das ständig überall diskutieren muss (…… :D).

      Dazu wird im Schnitzel/Salami-Setting ja immerzu behauptet, Veganer würden ständig missionieren oder “angeben” (Woran erkennt man einen Veganer auf einer Party?), und hier ist ja gerade der Witz, dass dieses Klischee in der Realität häufig umgedreht wird, und sich Veganer irgendeinen Mumpitz anhören dürfen. Und dass manche von “Apple-Jüngern” sprechen liegt ja weniger an unterstellten Missionierungsversuchen, sondern daran dass Apple nunmal eine Art Fanbase hat die jetzt nicht so den großen Wert auf objektive Kriterien legt und schonmal wortlos hinnimmt, dass man für 64GB Festplattenkapazität mehr einen Aufpreis von 200$ zu zahlen hat.

      • So ganz schlecht ist der Vergleich nicht.
        Warum muss ein Linux-/Android-Nutzer unter jeden Appleartikel schreiben warum sein Betriebssystem das, was im Artikel gerade beschrieben wird, besser kann?
        Der Apple-fanboy hat sich entschieden sein überteuertes Spielzeug zu kaufen und mag es, es erfüllt die Kriterien die der User daran stellt und ja – es ist teuer und stylisch!
        Das eine ist Open-Source und das andere funktioniert bei vielen Sachen einfach ohne dass man Ahnung von der Materie haben muss. Gut es kommt dort halt alles aus einer Hand, aber der Grund ist doch völlig egal, es funktioniert.

        Wie kann man soviel Langeweile haben anderen zu erklären warum sie eine schlechte Wahl getroffen haben? Das ist es doch was dieser Artikel hier erklärt (finde ich) und das ist die Frage, die man sich stellen darf, wenn man anderen ungefragt immer wieder erklärt warum er falsch liegt bzw. eine falsche Wahl getroffen hat.
        Ich nutze übrigens nicht den Apfel. ;)

  2. Ernsthaft, insbesondere seit ich vegan esse (und lebe) möchte ich auf KEINEN FALL auf meinen Geschmackssinn verzichten. Denn hier haben sich mir völlig neue Welten erschlossen. Ich habe immer leidenschaftlich gerne in der Küche experimentiert und mit großem Genuss gegessen. Und seit ich vegan koche und esse, hat das eher noch zugenommen. Ich kann nicht behaupten, dass mir Fleisch nicht geschmeckt hat, oder Fisch oder Käse nicht manchmal tatsächlich verlockend erscheint, aber statt Geschmackserlebnisse einzubüßen, habe ich eher neue Aromen und Gerichte entdeckt. Ich habe meinen Horizont nicht eingeschränkt, sondern eindeutig erweitert.

    BTW: Und was sagt Bernd nun dazu, dass er Hobelz auf dem Brötchen hatte (auch mein Favorit, allerdings eher als Hot Dog oder “Lyoner”.)

  3. Liest sich einfach ganz herrlich. Und auch wenn ich selbst zu den fleischessenden Heuchlern gehöre, fühle ich mich ermahnt und bin gewillt es besser zu machen. Stück für Stück. Ich habe ein Bewusstsein für Ernährung, halte es aber noch mit der Doppelmoral. Trotzdem nerven mich die Bekehrungsversuche einiger Fleischfresser gegenüber denen, die ein Gewissen haben und sich nicht in dämlichen Ausreden flüchten.
    Ich führe regelmäßig Schwachsinnsdiskussionen, wo ich als Veganer “beschimpft” werde, obwohl ich mich gar nicht vegan ernähre, ABER die Meinung derer, die wirklich verzichten um in den Spiegel schauen zu können, absolut teile.

  4. Lieber Jan. Obwohl ich Deinen Artikel in der von Dir gewohnten hohen Qualität vorfinde und das Lesen desselbigen meinen Abend versüßt hat, muss ich doch anmerken, dass ich etwas empört bin.

    Warum?

    Nun, Gulasch wird in der speziesistischen (lies: unveganen) Variante üblicherweise durch das Töten großer Landsäugetiere, wie etwa Rinder, hergestellt und enthält größere Fleischbrocken. Ferengi ernähren sich zwar ebenfalls äußerst unvegan, allerdings bevorzugen sie entgegen der Kost des Durchschnitts-Bernds des 21sten Jahrhunderts, keine Säugetiere oder Dinosaurier (lies: Geflügel), sondern ausschließlich Insekten wie etwa Käfer. Zwar auch bereits tot (im Gegensatz zum klingonischen Gagh) aber meist roh, getrockent oder geröstet oder in Pulverform (welches wie Kokain konsumiert wird). Ein Ferengigericht wäre also wohl kaum mit einem herkömmlichen Gulasch vergleichbar.

    Dieser faux-pas soll Dir nochmal verziehen sein, aber man erwartet von Dir bessere Rechercheskills als vom hessischen Rundfunk ;)

    *SCNR*

  5. Die von beschriebenen Situationen erlebe ich eigentlich nur total selten zum Glück. Was mich aber nervt, ist dieser mitleidvolle Blick ohne Worte auf meinen Teller. Da wäre es mir manchmal fast .lieber, die Leute würden mal nachfragen. Stattdessen bleibt dieses Gefühl, abgestempelt worden zu sein.
    LG von einem Fan :-)

  6. Herrlich wie immer! :-)

    Wie ich diesen Satz liebe: “Also wir essen ja nur ganz wenig Fleisch und wenn…blablabla…”

    Auf diesen Satz frage ich mittlerweile immer: “Und wo kaufst Du das?” Meistens ist dann ganz schnell Ruhe, denn die Fleischberge, die sie gerade vom Grill ziehen während sie mir von ihrem seltenen Fleischkonsum erzählen, sind halt leider doch vom Discounter um die Ecke für 2,99 das Kilo…

    • …oder auch sehr schön (meistens von Frauen mit ganz verzweifeltem Blick):”Also ich wäre ja schon lange Vegetarier(in), aber mein Mann (resp. meine Familie)!? Und zweierlei kochen- das krieg ich zeitlich gar nicht hin.”
      Und im nächsten Satz erzählen sie Dir, dass Chantal aber gar kein Schweinefleisch mag- nur noch noch Pute und Papa Bernd und Sohn Kevin mögen das geschmacklose Geflügel nicht und deshalb muss sie jetzt immer verschieden kochen. WTF?

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