Die Zombie-Kuh-Apokalypse

Wird ja nicht besser, näch?

Nachdem mich die von besorgten Fleischessern immer noch oft erwähnte Causa Vegetarier-strandet-auf-Insel-mit-giftigen-Pflanzen schon genervt hat ist die aktuell beliebte Position der Dummbratzen-Improvisationstruppe im Spiegel Online Forum (oder auch ich-will-mich-jeden-Tag-mit-20Kg-subventioniertem-Hack-einreiben-können-und-scheiße-drauf-ob-Tiere-Schmerz-spüren-Forum) noch ein Bisschen wirrer. Da sind echt immer die gleichen 5 Foren-halbstarken am Start, die ständig betroffen aufheulen, wenn irgendwer sich erdreistet, uneingeschränkten Hedonismus nicht als höchstes Ideal zu akzeptieren.

Die Parole: „Jaja, vegan, alles ganz toll und im Prinzip einleuchtend. Wir würden eigentlich auch alle gerne vegan leben, aaaaaber: Leider, leider, leider können wir nicht denn das wäre hochgradig gefährlich! Wenn von heute auf morgen alle Menschen vegan würden, dann würden wir alle von den Millionen Kühen gefressen, die ja dann eben niemand mehr aufisst und die sich als direkte Folge davon exponentiell vermehren werden, so dass im Jahr 2020 acht Milliarden Menschen und 78 Milliarden Kühe auf dem Planeten leben.“ Ok, also, dass Menschen gegessen werden hat nur eine von den Nullen behauptet, die anderen haben alle total stolz und virtuell kopfnickend erklärt, dass diese ganzen Rindviecher ja dann so viel Futter bräuchten, dass die 7 Milliarden in Nahrungskonkurrenz lebenden Menschen sich zwangsläufig im dritten Weltkrieg um die letzten Bohnen gegenseitig aufessen werden. Oder sich alle über den Haufen schießen oder sonst was höchst bedauerliches. Erstaunlicherweise hängen dieselben Typen sich knietief in Diskussionen zu Energiewende und Steuersparmodellen und vermitteln doch den Eindruck, dass sie die Grundrechenarten beherrschen. Vermutlich verbraucht das Rumwiesel- und Beleidigt-sein-Zentrum im Gehirn zu viel Kapazitäten, um noch mal 2 Sekunden den Unsinn zu reflektieren, der einem bei 180 Puls spontan in den Sinn kommt. Daher von mir – für Euch – ganz selbstlos eine kleine Hilfestellung:

1. Diese 1,1 Milliarden Rinder, die wir Menschen uns da aktuell halten, die fressen jetzt gerade, in diesem Moment, as we speak, schon Millionen Tonnen Soja, Mais und Getreide. Wieso ist das bitte erst dann ein Problem, wenn wir Menschen sie nicht mehr aufessen??? Also mal sehen …

Futterbedarf für 1,1 Milliarden Hochleistungs-Frankenstein-Kühe heute: x Fantastillionen Tonnen SojaMaisMuß
Futterbedarf für 1,1 Milliarden Hochleistungs-Frankenstein-Kühe nach der eeeetwas unwahrscheinlichen, ganz spontanen, ausnahmslos weltweiten, veganen Revolution: x Fantastillionen Tonnen SojaMaisMuß

what if

In Summe ist das also die F***ING NOCH MAL gleiche Menge, die wir da in Futtertrögen versenkten (gilt btw. auch, wenn man die anderen 50 Milliarden Landtiere einfach mal mit einrechnet, die Menschen pro Jahr aufessen – die willkürliche Beschränkung auf Kühe allein stammt von den Trotteln). Höchstwahrscheinlich würden wir ja in dem Moment auch damit aufhören, Millionen neue Kühe zu züchten, gell? Wenn wir sie überhaupt weiter in Ställe sperren würden – hätte ja keiner mehr einen wirtschaftlichen Vorteil von. Und nein, die werden sich NICHT exponentiell vermehren, würden wir sie aus den Ställen rauslassen. Das Ding nennt sich Ökosystem und sorgt dafür, dass sich die Populationen der verschiedenen Spezies in einem Gleichgewicht befinden. Wenn wir von heute auf morgen alle Kühe frei ließen, dann würden davon vermutlich außerdem schlichtweg viele verhungern.

2. Ständig bekomme ich zu hören, dass das mit der Verschwendung von >80% Weltsojaproduktion für Tiernahrung gar nicht weiter schlimm sei, weil Kühe ja auch einfach auf für Menschen kulinarisch recht uninteressanten Wiesen herumstehen und grasen könnten anstatt Regenwaldsoja zu fressen. In Eurer dystopischen Zukunftsvision aber rennen die wildgewordenen Kühe außer Rand und Band in der Gegend herum und fressen uns mit vorgehaltener Knarre die Kornspeicher leer. Wieso noch mal können die nicht einfach die vielzitierten Wiesen abgrasen, he?? Ach so, stimmt, könnten sie, Ihr habt nur nicht nachgedacht bevor Ihr Euch ins Internet erbrochen habt. Ach ja, bis auf diese armen Frankensteinwesen aus der Milchindustrie, die gar kein Gras mehr vertragen, weil damit 10.000 Liter pro Jahr nicht zu machen sind. Dann stellen wir sie halt trotzdem auf Wiesen und Herr Müllermilch, die hohle Klum und der geistfreie Pilawa werden zwangsverpflichtet, all diesen Tieren in Handarbeit entsprechende Enzyme zu verabreichen oder so was.Btw, zum Regenwaldsoja: Klar KÖNNTEN die Kühe einfach Gras fressen, wenn man es Ihnen denn GÄBE. Hätte könnte wäre sollte wollte dürfte. Nichts für Ungut, aber Ihr steckt mit diesem Schwachsinn bis zum Arsch im Konjunktiv fest – nach der gleichen Logik könnten wir Eure Gärten zu Atommüllendlagern umfunktionieren. Wenn in den gelben Fässern nämlich anstatt dem Cäsium Bananenmuffins WÄREN, dann WÜRDE man gar keine Leukämie davon bekommen. Also alles easy, ich mach schon mal ‘ne Bestellung bei Vattenfall für Euch.

Abgesehen davon ist dieses Wiesenargument schon deshalb niedlich, weil man mit selbigen eben keine Milliarden Schweine, Hühner, Puten, Gänse, Enten und Fische ernähren kann.

So please get your facts straight. Wenn das der einzige Grund ist, warum Ihr noch Tierkram esst, dann husch husch ab in den nächsten Biomarkt mit Euch und schön B12 in die Karre packen ;P

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