Über die Klimaproteste und eine Generation alter Nörgler, die gar nichts mehr kapiert

Liebe SchülerInnen, die Ihr seit Dezember 2018 hierzulande freitags streikt, um damit für besseren Klimaschutz einzutreten: Es tut mir leid.

Es tut mir leid, dass wir das nicht schon viel früher gemacht haben. Dass es überhaupt so weit kommen musste. Aber noch viel mehr tut mir leid, dass ausgerechnet Vertreter meiner Generation Euch jetzt auch noch mit Hass und Häme überziehen. Ausgerechnet wir, die Typen und Trullas, die den ganzen Scheiß überhaupt erst auf der Kochplatte abgestellt, den Herd auf Stufe 9 hochgedreht, und sich dann verpieselt haben, um ihre bescheuerten Bekannten mit Instagram-Posing von fernen Stränden, dicken Protzkarren und affigen Konsumorgien beeindrucken zu wollen.

Wir haben schon vor 20 Jahren, als die meisten von Euch noch gar nicht geboren waren, von Tyler Durden im Film Fight Club ein paar wahre Worte vernommen: „Durch die Werbung sind wir heiß auf Klamotten und Autos, machen Jobs, die wir hassen, kaufen dann Scheiße, die wir nicht brauchen.“ Oh Mann, was fand ich das damals lässig. Und dann bin ich losgezogen und habe Klamotten und Autos gekauft, bezahlt mit Geld aus wenig inspirierenden Jobs. Auch die meisten Bekannten, die diese Worte ultracool fanden, haben sie mittlerweile gegen einen Haufen Plastikschrott und Selfies vom Strand in Dubai eingetauscht.

Das Tolle an den Protesten ist in meinen Augen ja, dass Jugendliche, die einfach nur für das Fortbestehen der Spezies demonstrieren, etwas unglaublich Entwaffnendes haben. Die üblichen politischen Floskeln, die den Gegner in irgendeiner verachtenswerten Ideologie verorten wollen (Ihr blöden Sozis, Ihr Öko-Faschisten usw.), funktionieren irgendwie nicht, wenn Kinder, die noch nie wählen durften, Schilder in der Hand halten, auf denen sie einfach nur für ihr Überleben werben. Was, wenn nicht dieses Eintreten für etwas, das allen anderen Generationen vor ihnen selbstverständlich vergönnt war – eine intakte Biosphäre –, könnte Menschen zum Umdenken bewegen?

Was war ich beeindruckt, als ich Greta Thunberg zum ersten Mal sah, wie sie mit ihrem Schild vor dem schwedischen Reichstag stand und in einer vulkaniergleichen Nüchternheit erklärte, dass Schulbildung allein in einer auf die Klimakatastrophe zurasenden Welt nun mal wenig Sinn ergibt. Viel treffender kann man das nicht ausdrücken, denn wenn Hamburg erst mal unter Wasser steht und die Felder andauernd verdorren, helfen gegen den Hunger auch keine Differenzialgleichungen. Und das sage ich, der Differenzialgleichungen super findet. Ich dachte, okay, jetzt geht es los, jetzt können wir nicht mehr einfach so weitermachen, das muss eigentlich jeder begreifen. Gute Güte, was war ich naiv.

Tatsächlich haben nur selten mehr verweichlichte Jammerlappen so einen Haufen Missgunst und Widerwärtigkeit über einem 16 Jahre alten Mädchen ausgekübelt wie im Fall dieser Aktivistin. Die vegan lebenden Menschen kennen das schon: Sobald Du versuchst, irgendwie die Welt zu verbessern, kommen auf einmal eine Menge Leute auf die Idee, dass Du bitte in allen Aspekten Deines Lebens

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Stellt Euch vor es ist Klimawandel und keiner geht hin

Hey, gute Nachrichten: Es ist nüchtern betrachtet ziemlich simpel, unseren Planeten zu retten.

Ich weiß, das klingt immer wie eine nahezu unmögliche Aufgabe. Wenn man ein paar Tage nach Veröffentlichungen des Klimarats Zeitung liest, dann erscheint der Kampf gegen die globale Erwärmung so schwer wie Doom im Nightmare-Modus, in dem alle getöteten Gegner nach kurzer Zeit wieder auferstehen und Euch weiter bekämpfen.

Was gerne vergessen wird: Die Verursacher der Erwärmung sind zum Großteil Faktoren, die nicht lebensnotwendig sind. Keiner ist auf Verbrennungsmotoren, Kohlestrom, riesige Fleischmengen, Flugreisen oder fünf Pfund Unterhaltungselektronik pro Jahr angewiesen. Ganz naiv gesagt: Wir könnten einfach sofort damit aufhören, den Planeten zu zerstören, indem wir unser Leben auf die Dinge beschränken, die für ein glückliches Leben vollkommen ausreichen.

Ähnlich wie in einer Partie Doom im Nightmare Modus sind unsere härtesten Gegner bei dieser Aufgabe immer wieder zum Leben erweckte Zombies, aber nicht in Form von Monstern, sondern in Form von ignoranten Null-Aussagen. Diese folgen dem beliebten Muster: „Bevor ich was ändere, sollen sich erst mal alle anderen ändern.“

Natürlich formuliert es niemand so, würde ja sonst jedem gleich auffallen, was für ein Unsinn es mal wieder aus der Großhirnrinde bis zum Sprachzentrum

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Über die seltsam gleichgültige Berichterstattung zum Klimawandel

Georg Diez hat sich letzte Woche wohl in mein Gehirn gehackt, meine Gedanken zur Erderwärmung rausgesogen und diese wunderbar publiziert:

„Wie kann es sein, dass der Untergang der Menschheit so wenig Interesse erweckt und die Titelseiten sich in dieser Woche, wie in den Wochen und Jahren zuvor, eher mit der Partymetropole Berlin oder dem Elend der Patchwork-Familie beschäftigen als mit der im Grunde einzigen und überwölbenden und schrecklichen Realität unserer Zerstörung des Planeten? Wie kann es sein, dass mit magnetischer Intensität über Abschiebung und Asyl, über BAMF und drei bayerische Grenzübergänge diskutiert wird, während jeder Tag einer zu spät ist?“

Ich würde das gerne auf 10.000 Plakate drucken und in ganz Deutschland auf Litfaßsäulen kleben, wenn es nur nicht so klimaschädlich wäre. Einer der wenigen Vorteile an diesem Arschgeigensommer ist wohl, dass er Menschen endlich vor Augen führt, wie real der Treibhauseffekt unseren Planeten beeinflusst. Wir halten uns für eine so intelligente Spezies, für die Krone der Schöpfung, ignorieren aber seit 40 Jahren wissenschaftliche Erkenntnisse und müssen erst die Ernte auf unseren Feldern verdorren sehen, um zu kapieren, was wirklich auf dem Spiel steht.

Obwohl das eigentlich keine allzu überraschende Entwicklung ist – wer noch nie von schmelzenden Gletschern oder dem Schrumpfen des arktischen Eisschildes gehört hat, hat wohl die letzten 20 Jahre ohne Radio, Fernsehen und Internet hinter sich. Über diese seltenen Meldungen hinaus bestimmen aber andere Themen die Debatten, eine Momentaufnahme von Spiegel Online am 08.08.2018 um 10:22 Uhr:

Kylie Jenner – mit Lippenstift zur jüngsten Milliardärin der Welt
Landwirtschaft – Rückenmassage macht Kühe glücklich
FC Bayern – Kovac lässt Lewandowski nicht ziehen

Eingebettet sind diese Meldungen in das alltägliche Grundrauschen um Konflikte in Syrien und Libyen, Fluchtursachen nach Deutschland, Arbeitslosigkeit, Altersarmut und Wohnungsknappheit.

Wie verkorkst können die Prioritäten einer Gesellschaft eigentlich sein? Scheiß auf Kylie Jenner, scheiß auf

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Und jährlich grüßt der Fleischatlas

Jedes Jahr veröffentlicht die Heinrich-Böll-Stiftung die deutsche Ausgabe vom Fleischatlas und kommt in beunruhigender Regelmäßigkeit zu dem Ergebnis, dass 60 Kilo Fleischkonsum pro Jahr und Deutschem viel zu viel sind, um dem Anspruch der Bundesbürger an ihren eigenen Klimaschutz zu genügen. Jedes Jahr reagieren in ebenso unschöner Regelmäßigkeit ansonsten vollkommen vernünftige, erwachsene Menschen darauf wie stark abhängige Junkies, denen jemand ihre Drogen wegnehmen will, und zerren fürchterlich winselnd derart unwürdige Argumente aus ihrer Hirnanhangdrüse, dass ich doch überlege, bei Elon Musks Marsbesiedlung mitzumachen.

Wie finden es die Deutschen bizarr und lächerlich, mit welch irrationaler Inbrunst US-Amerikaner an ihrem Waffenrecht hängen und wie sich das stichhaltigste Argument dieser Lobby nach blutigen Schießereien zusammenfassen lässt zu „FUCK YOU, DON’T TAKE MY GUNS!“. Zu Recht, es ist absurd. Nach Lektüre der Kommentare von gar nicht mal dummen Menschen auf den Seiten von FAZ, Süddeutsche und Spiegel muss ich aber konstatieren, dass das stichhaltigste Argument der Deutschen gegen Pläne zur Fleischreduktion folgendes ist: „FUCK YOU, DON’T TAKE MY 60 KILOGRAMS MEAT PER YEAR!“.

Okay, zugegeben, Handfeuerwaffen sind scheißgefährlich und töten jedes Jahr mehrere tausend US-Amerikaner. Der Klimawandel hingegen kann ja nur die Pegel der Weltmeere dramatisch ansteigen lassen, womöglich den Golfstrom zum Erliegen bringen und zu einem massiven Anstieg von Dürren und Extremwetterphänomenen beitragen, was soll da schon

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Bla bla… das Klima ändert sich immer schon… blabla

Ha! Es tut sich wieder so einiges an der Klimafront, manches echt Tolles und manches echt Beschissenes. Und sobald man auf ein paar davon eingeht, kann man die Uhr danach stellen, dass wieder mehrere Super-GAUs (größter anzunehmender Unsinn) in Form von Kommentaren eintreten werden, die unsagbar tranig darauf hinweisen werden, dass das Klima sich immer schon geändert hat.

Andes_Mountains_as_seen_from_Gemini_400Damit wir die tollen Neuigkeiten und die beschissenen Neuigkeiten also besser genießen können, werde ich dann immer auf diesen Post hier verlinken, damit uns der Diskussionsfluss bzgl. des eigentlichen Themas hübsch fluffig erhalten bleibt. Solltest Du, werter Leser, also hier markiert worden sein, weil Du Klimaschutz mit der Begründung ablehnst, dass das Klima immer schon Änderungen unterworfen war, hier ein paar Fun Facts:

(1.) Das ist für niemanden eine Neuigkeit. Nicht für mich, nicht für Umweltaktivisten, und schon gar nicht, überhaupt nicht, niemals niemals niemals (!!!) nicht für: KLIMAFORSCHER! Dieser Umstand des sich immer schon wandelnden Klimas wird in Diskussionen gerne unerträglich borniert vor sich hergetragen, so als wäre das etwas die gesamte Fachwelt total Überraschendes. Wie stellt Ihr Euch das vor? Denkt Ihr echt, dass da weltweit viele 1000 Wissenschaftler

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