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All posts for the month February, 2015

Was genau hat Spiegel TV da eigentlich versucht?

Eine investigative Komödie? Einen beschwipsten Ratgeber? Die Wurst zum Sonntag? Das wusste am Ende wohl nicht mal mehr die Redaktion selbst so ganz genau. Vor der Ausstrahlung hatte man noch mit vor Stolz geschwellter Brust mit den rhetorischen Säbeln gerasselt und ohne jeden Irony-Smiley oder irgendein anderes erkennbares Zeichen von Ironie verkündet, man sichere die Spiegel TV-Facebook-Seite vor der Ausstrahlung von „die essgestörte Republik“ schon mal gegen den veganen Shitstorm ab. Welcher unterzuckerte Praktikant auch immer den Social Media Bereich unter Kontrolle hatte, war das selbst für eine RTL-Sendung nach allen denkbaren Maßstäben platt. Über Rudolf Augsteins Grab war laut Zeugenaussagen ein deutliches Vibrieren zu spüren.

screenshot sendung2

Der Shitstorm blieb jedenfalls aus, der Beitrag erntete zwar viel bestimmte, aber sachliche Kritik. Und die kam nicht nur von Veganern, was nicht weiter verwunderlich war, machte sich der Titel eben auch ganz pauschal über Menschen mit Essstörung lustig. Einer der moralischen Tiefpunkte aller Berichte, über die ich bislang etwas geschrieben habe. Vielleicht kann der Autor ja mal eine Klinik für Menschen mit psychischen Erkrankungen (nicht anderes sind die meisten Essstörungen) aufsuchen und sich dann überlegen, ob man ausgerechnet solche Leute verarschen sollte, die es sowieso schon echt schwer haben. Am Ende lag man ungefähr bei gerade mal 800 Likes und 400 Kommentaren, Operation „Wir züchten uns einen Shitstorm, damit sich auch jemand unsere Sendung anschaut“ war erst mal in die Hose gegangen. Es hieß dann schnell, dass es sich hier um eine Polemik handele: “Wir wollten einen unterhaltsamen Film machen.” Also alles nur Spaß, bitte nicht zu ernst nehmen.

Zunächst machte es den Anschein, als wenn Alexander Neubacher uns mit seinem (tatsächlich mit ironischen Abschnitten durchzogenen) Werk eigentlich zeigen wollte, dass es mittlerweile ganze Bibliotheken voll von Gesundheitsratschlägen und Menü-Tipps zu ewiger Jugend und Glückseligkeit gibt, die nicht alle ausnahmslos das Prädikat „empfehlenswert“ verdient hätten. Eigentlich ein hehres Anliegen, nur leider im Ergebnis genauso hirnlos wie >> Weiterlesen

Na super…

Ihr habt mich gewarnt, aber ich wollte ja nicht hören. Vor 3 Monaten hatte sich abgezeichnet, dass das Unternehmen Rügenwalder sich bei den Veggies anbiedert, was einigen zu plump war. 180 Jahre lang verkaufen die Typen Zwerchfell und sonstiges Geröll als Schmierwurst und auf einmal, *Plonk* beackert man die Moos-Liebhaber? Einigen kam das komisch vor. Ich aber wollte das nicht hören, klebte mir eine rote Papp-Mühle auf die Stirn, wandelte vor lauter Freude durch meinen Lustgarten und sang das Rügenwalder-Mühlenfest-Lied dazu.

Rügenwalder

Ich schrieb dann, dass das alles nicht so schlimm sei und wir froh sein sollten, dass damit auch Gefilde jenseits der Biomärkte für Gut-Verdiener in den Genuss von Veggie-Wurst kommen und so weiter und so fort. Kleine Schritte sind ja auch wichtig, ja sind nur vegetarisch, aber immerhin. Ich war so gespannt – wie schmeckt das wohl, wenn so echte Wurstprofis eine Veggiewurst herstellen? Was nehmen sie wohl als Basis? Seitan? Linsen? Lupine? Soja? Viiiiel zu kompliziert! Wenn wir weniger Schweine abmurksen dann gerät ja am Ende das ganze Karma-Gefüge aus den Fugen! Lasst uns also zur Sicherheit gigantisch viele Hühner abmurksen oder in winzige Käfige sperren und dann deren Eier in die Wurst packen.

klingt kleinlich? So ein bisschen Ei ist doch nicht so schlimm wie Schmierwurst aus ehemals lebendigen Schweinen? Hätte ich jetzt auch behauptet… bevor ich sah, dass >> Weiterlesen

Was kommt dabei raus, wenn ein latent frauenfeindlicher Autor mit Fleisch-Fetisch einen Artikel über vegane Ernährung schreibt? Richtig, eine zutiefst alberne Abrechnung wider den Vegan-Feminismus, die dann Playboy und Focus abdrucken. Scheint ja gerade in Mode zu sein, sich gegen Dinge zu engagieren, deren Existenz nicht so ganz unumstritten ist. Ob man gegen einen deutschen Scharia-Staat auf die Straße geht, die weltweite, alle Piloten und Flughafen-Wartungstechniker umfassende Kondensstreifen-Verschwörung oder eben den Männer-hassenden Vegan-Feminismus, für den creative Wutbürger 2.0 reichen die vorhandenen Missstände nicht mehr aus, er erfindet noch welche dazu. Artikelkopf_sm

Ja, wir Männer haben es schon nicht leicht. Früher, da war die Welt noch ganz simpel aufgeteilt in starke, die Geschicke der Welt lenkende Männer einerseits und das ihnen angetraute Koch-, Gebär- und Putzpersonal auf der anderen, nicht so sonnigen Seite des Lebens. Auf der Arbeit konnten wir mit schweren, ölverschmierten Maschinen an gefährlich aussehenden Stahlklumpen rumfräsen oder einhändig Schiffsschrauben zerschweißen. In Bürojobs durften wir dann wenigstens noch um die Wette rauchen oder die Sekretärinnen wie reine Begattungsutensilien behandeln. Genug Möglichkeiten, Tag für Tag seine Männlichkeit unter Beweis zu stellen.

2014 war das nicht mehr so einfach, viele Alphamännchen scheinen angesichts der abrupten Veränderungen nachhaltig paralysiert. In Bewerbungsgesprächen reicht es nun nicht mehr aus, den Personaler niederzuringen oder einen Brüllaffen-Wettbewerb zu gewinnen. Immer weniger Frauen reagieren positiv auf traditionelle Werbungsversuche von Männchen, die ihnen als Gunstbeweis die gehäuteten Kadaver >> Weiterlesen